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Judentum und Israel
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Machtkampf um Jerusalems Tempelberg

„Rettet Jerusalem vor einer Verjudung durch die israelischen Behörden.“ Neben Scheich Raed Salach der nordisraelischen „Islamischen Bewegung“ saß in Kairo bei einer Pressekonferenz auch der entlassene Mufti von Jerusalem, Ekrem el Sabri. Beide Würdenträger, für ihre extremistischen Ansichten wohlbekannt, versuchen die Welt des Islam zu mobilisieren, „um Jerusalem vor den Juden zu bewahren“...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 11. März 2007

Ihre nächste Station ist die Türkei, nachdem Ankara angeboten hat, eine Delegation nach Jerusalem zu schicken, um die umstrittenen israelischen Ausgrabungen bei der teilweise eingestürzten Rampe zum Mugrabi-Tor des Tempelbergs zu prüfen. Die Türken wollen vermitteln und den explosiven Zustand um Jerusalem entschärfen.

Vor über einem Monat waren auf dem Tempelberg, Heiligtum der Juden und der Moslems, schwere Krawalle ausgebrochen. Anhänger der „Islamischen Bewegung“ des Raed Salach waren gekommen, gegen den von Israel geplanten Bau einer Brücke anstelle der Rampe und der dafür notwendigen archäologischen Ausgrabungen zu protestieren. Obgleich die per Kamera im Internet live einsehbaren Ausgrabungen mehrere hundert Meter vor den 2000 Jahre alten Grundfesten der El Aksa Moschee geschehen, schaffte es Salach, wütende Proteste in der ganzen muslimischen Welt auszulösen. Er behauptete, dass Israel „unter“ der Moschee grabe und auf „Haram A-Scharif“, dem erhabenen Heiligtum des Islam, anstelle der Moscheen eine Synagoge errichten wolle.

Kein anderer Ort der Welt kann so leicht einen weltweiten Flächenbrand auslösen. Achtzig Israelis und Palästinenser starben bei den „Tunnelunruhen“ 1996. Eine politische Demonstration Ariel Scharons auf dem Tempelberg gegen die Politik von Ministerpräsident Ehud Barak im September 2000 diente als Auslöser für die schon Monate zuvor von Jassir Arafat geplante und angekündigte zweite Intifada. Die hat fast 5000 Menschenleben gekostet.

„Vielleicht ist Ihnen aufgefallen, dass die von Jordanien geführte muslimische Behörde Wakf auf dem Tempelberg geschwiegen hat, als es wegen unserer Ausgrabungen an Freitagen nach dem Mittagsgebet zu Krawallen kam“, gab der Archäologe Dan Bahat zu bedenken. „Unsere Baupläne lagen ihnen vor“, verriet Bahat. Der spricht bestes Arabisch und bezeichnet die muslimischen Beamten als seine „Freunde“.

Rund um den Tempelberg tobt stillschweigender Machtkampf zwischen dem Islamisten Raed Salach, Jordanien, Israel, der Hamasbewegung und die Palästinenserbehörde des Mahmoud Abbas. Abbas beobachtete mit Unwillen die Kooperation des von Arafat eingesetzten Mufti Ekrem el Sabri mit dem israelischen Islamisten Salach. Ohne Erklärung wurde der Mufti entlassen und durch Scheich Muhammad Hussein ersetzt, der auch in Amman wohlgelitten ist. Bemerkenswerter ist die vorzeitige „Pensionierung“ das jahrzehntelangen Verwalters aller muslimischen Eigentümer in Jerusalem, Adnan Husseini vor einigen Tagen. Diese von Jordanien finanzierte Aufgabe erfüllt nun der von Amman entsandte Asam el Chatib. Diese jordanische „Einmischung“ ist vertraglich abgestimmt. Ministerpräsident Jitzhak Rabin hatte im Rahmen des Friedensvertrags mit Jordanien –zum Verdruss der Palästinenserbehörde Arafats – dem haschemitischen König von Jordanien die Verantwortung für die islamischen Heiligen Stätten in Jerusalem übertragen.

Stillschweigend kooperieren Israel und die Jordanier, um die Islamisten und auch die Palästinenserbehörde vom Tempelberg fern zu halten. Als die „Salomonischen Ställe“ wegen stümperhafter Bauarbeiten einzustürzen drohten und Regenwasser die Außenmauern aus der Zeit des Herodes platzen ließen, wurden jordanischen Ingenieuren die Reparaturarbeiten übertragen, weil Palästinenser und Israelis sich gegenseitig blockierten. Mit israelischem Polizeischutz brachten die Jordanier vor Kurzem die rekonstruierte Minbar (Predigerkanzel) in die El Aksa Moschee. Das Original stammte aus Aleppo (1168) und wurde von Saladdin nach der Eroberung Jerusalems in die El Aksa Moschee gebracht. Die Kanzel ging 1969 in Flammen auf, als ein australischer Christ in dem Heiligtum Feuer legte. Jahrelang mühten sich die Jordanier um die Wiederherstellung des Kunstwerks anhand alter Zeichnungen und Fotografien. Im drittwichtigsten Heiligtum des Islam wurde es schließlich allein in Anwesenheit jordanischer Gäste unter Ausschluss jeglicher Vertreter der Palästinenserbehörde mit dem Segen Israels wieder aufgestellt und geweiht.

Die Ausgrabungen am Mugrabi-Tor gehen derweil weiter, wobei Dan Bahat mit einem völlig Abtragen der Rampe nicht rechnet. Ein „einzigartiges“ Badehaus aus byzantischer Zeit und andere jüngere Strukturen sollen bestehen bleiben. Protestkundgebungen und Pressekonferenzen der israelischen „Islamischen Bewegung“ des Raed Salach werden von der Polizei aufgelöst und auf Distanz vom Tempelberg gehalten. Die Krawalle um den Tempelberg drohten schon Dimensionen anzunehmen wie nach dem „Karikaturenstreit“ und der Rede des Papstes in Regensburg. Aus dem neuesten Konflikt um Jerusalem scheint „die Luft raus zu sein“, wie Dan Bahat zu Füßen der umstrittenen Ausgrabungen sagte.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Category: Jerusalem
Posted 03/11/07 by: admin



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