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Aryeh Deri: Der Löwe brüllt wieder

Die Rückkehr eines der brilliantesten –und leider auch korruptesten- Politiker Israels in die Politik...

Von Benjamin Rosendahl
Erschienen bei: Zeitjung v. 12.12.2009


Wenige israelische Politiker der letzten Jahre waren so inspirierend wie Aryeh Deri, dem Mitbegründer der Shass-Partei, der es schaffte, die Mandate seiner Partei bei jeder Wahl zu verdoppeln. Die Zeitschrift „Olam Hazeh“ (diese Welt) ernannte ihn in den 90er Jahren sogar zum „Mann des Jahres“. Dann kam ein Korruptionsskandal, der ihn ins Gefängnis schickte und seine politische Karriere erst einmal beendete. Jetzt, kurz nach einem erfolglosen Versuch, für das Bürgermeisteramt in Jerusalem zu kandidieren, und kurz vor seinem 50. Geburtstag hat er eine neue Partei gegründet.

Über Aryeh Deris Lebensweg ließen sich ganze Bücher schreiben: Geboren 1959 in Marokko und aufgewachsen in Israel unter armen Verhältnissen, gehörte er zur Arbeiterklasse der Mizrachim, der nordafrikanischen Juden, die lange Zeit diskriminiert wurden. Deri jedoch, dessen Vorname Aryeh „Löwe“ bedeutet, schaffte es bereits in jungen Jahren eine politische Karriere zu entwickeln: So war er mit 27 Jahren der jüngste Innenminister Israels - und einer der effektivsten und beliebtesten. Insbesonders beeindruckend ist hier die Tatsache, dass Deri, der selbst religiös ist, sowohl religiöse als auch säkulare Wähler hinter sich brachte, und von Mizrachim und Ashkenazim (europäischen Juden) gleichwohl geliebt wurde. Auch war sein Engagement für den Friedensprozess während der Amtszeit Yitzhak Rabins (1992-1995) sehr stark und für einen Menschen seines religiösen Hintergrundes eher ungewöhnlich. Und natürlich dürfen der Charme und Humor Deris (in israelischer Politik sonst eher selten), dessen Markenzeiche die stetig rauchende Pfeife ist, nicht unerwähnt bleiben. Alle Türen standen ihm offen.

Dann kam der Korruptionsskandal: Es ging um $150,000 Dollar Bestechungsgelder. Die Verhandlung, die 1999 stattfand, öffnete viele Wunden in der israelischen Gesellschaft, insbesonders die Kluft zwischen dem aschkenazischem Establishment und der Peripherie, die hauptsächlich aus Mizrachim bestand. Schlußendlich kam er –begleitet von tausenden Anhängern, die „er ist unschuldig“ riefen- ins Gefängnis, mit der Auflage, sieben Jahre nach seiner zweijährigen Strafzeit nicht mehr politisch aktiv zu sein.

Diese Auflage verhinderte jetzt Deris Versuch, für das Bürgermeisteramt Jerusalems (die Wahlen waren am 11. November) zu kandidieren, welches er nach den meisten Berechnungen gewonnen hätte: Jerusalem ist wohl die gespaltenste Stadt Israels, und Deri wäre eine vereinende Kraft gewesen. Auch ist der Löwe das Symbol Jerusalems, und was wäre symbolischer gewesen als einen Löwen („Aryeh“) als Bürgermeister zu haben?

Und jetzt, just zu dem Zeitpunkt, als der renommierte israelische Journalist Uri Avnery nach dem israelischen Obama sucht, hat Deri angekündigt, eine neue Partei zu gründen, die sowohl säkulare als auch religiöse Mitglieder haben wird, und für soziale Gerechtigkeit kämpfen wird. Wird der Löwe die große Änderung bringen? Man kann hoffen...

Category: Politik
Posted 12/17/08 by: admin



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