-- Schwerpunkt: Israel und Nahost
Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com

haGalil online

Ahmadinidschd gegen die Palästinenser

Die Konferenz der Holocaust-Leugner in Teheran hat weltweite Proteste und Abscheu hervorgerufen. Bei aller Abwegigkeit des Vorhabens, das umfangreichste und wohl besterforschte Verbrechen der Menschheit in Frage zu stellen, dürfte Ahmadinidschads Projekt zu einem Schuss nach hinten werden. Denn gerade die Vorhersage, dass das "zionistische Projekt" in Kürze verschwinden werde, entlarvte die wahre Absicht der Konferenz. Den Juden sollte nicht nur das schrecklichste Kapitel ihrer langen Geschichte der Verfolgungen versagt werden, sondern auch die Zukunft und das weitere Überleben...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 14. Dezember 2006

Ahmadinidschad zwang selbst jene zu Verurteilungen, die sonst lieber schweigen, wenn es um Solidarität mit den Opfern des Holocaust geht. Mehr noch: In Teheran kam als tiefe Erkenntnis mal wieder die Notwendigkeit heraus, den jüdischen Staat von der Landkarte zu tilgen. Doch es ging nicht um Israels Politik oder um Streitigkeiten mit Palästinensern oder Syrern. Wie unter den Nazis, wo es selbst für getaufte Juden wie Edith Stein kein Entkommen mehr gab, als die Todgeweihten wegen ihrer vermeintlichen Rassenzugehörigkeit ins Gas geschickt wurden, geht es Ahmadinidschad nicht um Israels Wohlverhalten.

Israel würde es nichts nützen, Siedlungen aufzugeben, die Golanhöhen zugunsten Syriens zu räumen oder die Mauer abzureißen. Für den iranischen Präsidenten geht es um das Prinzip. Weil er glaubt, dass es den Holocaust nicht gab, dürfe es auch nicht den jüdischen Staat mitten im islamischen Territorium geben. Die Welt habe den nur wegen des Holocaust gebilligt und gefördert. So rüttelt er an dem puren Existenzrecht des jüdischen Staates.

Ahmadinidschad hat der "palästinensischen Sache" schweren Schaden beigefügt. Nicht die Palästinenser sind das Kernproblem des Nahostkonflikts, wie seit 20 Jahren gängige Meinung, sondern der Judenstaat, gleichgültig wie der sich verhält, welche Waffen er besitzt oder welche Ideologie einer territorialen Verbreitung man ihm andichtet. Ahmadinidschad hat den Nahostkonflikt zurückgeworfen auf seine Ursprünge, nämlich auf den arabisch-israelischen oder islamisch-jüdischen Konflikt wie vor 1964, als es noch keine PLO und keine Nation der Palästinenser gab.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Category: Iran
Posted 12/14/06 by: admin

Comments

wrote:
Haben die Juden die Selbstvernichtung in Auftrag gegeben? So kann es wohl nicht gewesen sein.
Natuerlich hat jedes Volk Probleme. In Diktaturen gibt es Opposition und Machttraeger, Justiz und Vollzug. Dennoch sollte kein Staat grenzenlos sich selbst ueberlassen werden.
Durch den Umfang der getoeteten Personen sowohl juedischer als auch internationaler ziviler oder militaerischer Personen, (nebenbei hatte auch Deutschland deutsche Tote) hat sich fast alles darauf konzentriert, Statistiken, Analysen herzustellen. Einen Hinweis auf eine Selbstzerstoerung der Juden gab es dabei aber nicht. Es kann sein, dass verschiedene Verwaltungen miteinander kommunizieren mussten, auch wenn sie entgegengesetztes Interesse hatten.
12/14/06 16:12:31

wrote:
Zur Zeit ist das Image Israels in Deutschland spürbar schlecht. Zumindest kann ich dies für Hamburg aus eigener Erfahrung berichten. In der Hamburger Universität kamen mir in letzter Zeit vermehrt antiisraelische Stimmen zu Ohr. Dabei ist es enttäuschend, einsehen zu müssen dass eine grundauf antiisraelische Gesinnung in weiten Kreisen zur Normalität gehört. Werden etwa Äußerungen gemacht, die pro-israelisch sind, verursacht dies schon Verwirrung.
Traurig finde ich, erkennen zu müssen, dass diese antiisraelische Haltung oftmals aufgrund einer zumindest misstrauischen Haltung gegenüber Juden im Allgemeinen besteht und als Deckmantel fungiert.
Und gerade als deutscher Jude, der es sich zum Ziel gemacht hat, dem Land in dem er lebt,(das zur Zeit Deutschland ist)einen Beitrag zu leisten, wird man durch solche Einsichten traurig gestimmt.
Jedoch als Optimist dauert diese Enttäuschung nur kurze Zeit an, denn viel wichtiger ist es, konstruktives zu tun, anstatt sich mit dem destruktiven sinnlos zu beschäftigen.
Und hier liegt auch die Lösung, so denke ich, für uns Juden (denn wir sollten uns nicht beirren lassen und gutes tun) und womöglich auch für den Nahostkonflikt, denn in der Vergangenheit ist schon so viel negatives vorgefallen, dass man mit diesen Geschehnissen im Bauch keine rationale Lösung herbeiführen kann.
Eines ist für mich jedoch sicher - Antisemitismus wird es immer geben, und gerade deshalb sehe ich es als entscheidend an, wie wir uns als Juden mit diesem Hass auseinander setzen.
12/15/06 12:38:51

wrote:
Die "Kritik an Israel" geht meiner Meinung nach auf die Heuchelei zurück, die in Deutschland und Europa zur Tugend erhoben wurde. Man ist "Gutmensch", spendet sogar einen Euro für die Armen und recycled Yoghurtbecher. Da will man nicht hoeren, dass die Palestinenser und andere, etwa Ahmadinidschad, Israel zerstören und vernichten wollen. Man braucht einen scheinbaren Underdog, hier die Palestinenser, den man verbal unterstützen kann und der somit dazu da ist, das eigene Gutmenschentum zu feiern. Wenn Israel sich verteidigt und im Krieg ist, wie mit der Hizbolla, dann will man auch nicht akzeptieren, dass Krieg immer furchtbar ist, besonders gegen Leute, die sich in Familien verstecken und kritisiert eben Israel, ohne sich klar zu machen, dass die Menschen im Libanon eigentlich gar keine Raketen brauchen, die auf Israel gerichtet sind und dass dann auch kein Krieg gewesen wäre. Nein, man hat einen neuen Underdog ausgekuckt. Und das wird von jenen "Underdogs" auch ausgenutzt: Egal wo Israel hinschießt, es trifft nie auch nur einen einzigen Kämpfer, immer nur Frauen und Kinder, auch wenn das bloße Wahrscheinlichkeitsgesetz dagegen spricht. Vielleicht haben manche Politiker über Jahre hin zu viel "Spin" gelehrt und nun können die Medien schon gar nicht, die Leute allgemein aber auch nicht mehr klar denken. Alles muss so verbogen werden, dass man sich als "Gutmensch" profilieren kann. Und ganz perfekt wäre das, wenn schließlich auch die Shoa weggeleugnet werden könnte. Wie weiß würden da die deutschen Westen erblühen! Und darauf setzt wohl der Herr Ahmadinidschad und vielleicht nicht mal ganz ohne Erfolg. Im Zeitalter des "Spin" sind Fakten nicht mehr relevant, historische Fakten auch nicht, wir können die Geschichtsbücher wegwerfen. Geschichte wird nunmehr gebastelt und Wahrheit ist, was gerade gelegen kommt. So oder so ähnlich verrückt ist die Welt. Bei diesem Thema ebenso wie bei allen anderen. Das muss man erst mal verdauen und die erste Fassungslosigkeit überwinden. Und dann? Tja, was dann......
12/16/06 21:43:54

Add Comments








- - -