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Judentum und Israel
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Nichts wie ran, Herr Olmert!

Es scheint zu schön um wahr zu sein. Doch wenn der Ministerpräsident der Türkei, Recep Tayyip Erdogan, von einem Treffen mit dem syrischen Präsidenten kommt und die Nachricht verkündet, dass Bashar Assad bereit sei, ein Friedensabkommen mit Israel auszuarbeiten und die Region zu einem sichereren Ort zu machen, sollte dies einen Versuch wert sein...

Kommentar von Yoel Marcus, Haaretz, 29.04.2008
Übersetzung von Daniela Marcus


Wir haben diesen Vorschlag von dem Mann, der dafür verantwortlich ist, die Hisbollah mit den meisten Raketen versorgt zu haben, die während des Zweiten Libanonkrieges auf uns geschossen wurden, noch nicht einmal verdaut, da hat Assad in einem Interview mit einer Zeitung in Katar bereits enthüllt, dass Erdogan ihm erzählt habe, Olmert sei zu einen vollständigen Rückzug von den Golanhöhen im Austausch für Frieden bereit.

Wie erwartet hat diese Nachricht das ganze Land in helle Aufregung versetzt: Er meint es ernst, er meint es nicht ernst, es wird gehen, es wird nicht gehen. Doch was ist nun wirklich wichtig? Ist es nicht auf alle Fälle besser zu reden als zu schießen?

Unser Verhalten gegenüber arabischen Führern bestand darin, dass wir nie darauf geachtet haben, was sie öffentlich sagten. Wir nahmen Sadat nicht ernst als dieser erklärte, er sei bereit, eine Million Soldaten zu opfern, um den Sinai zurück zu bekommen. Wir glaubten ihm nicht und erhielten als Quittung dafür den Yom-Kippur-Krieg. Wir glaubten Sadat auch nicht, als er erklärte, er sei bereit, persönlich in der Knesset zu erscheinen um Frieden zu bringen. Er überraschte uns erneut: Er kam und hielt eine Rede vor der Knesset.

Unser Glück war es, dass zu dieser Zeit Menachem Begin Premierminister von Israel war und nicht Golda Meir, die niemals ein Wort glaubte, das aus dem Mund eines arabischen Führers kam. Wenn Golda damals an der Macht gewesen wäre, hätte sie zuerst gefragt, was Sadat in der Knesset sagen wollte. Und der Besuch hätte nie stattgefunden.

Begin sorgte sich nicht darum, was Sadat in der Knesset sagen wollte. Für ihn war der historische Durchbruch eines Friedensvertrages mit Israels größtem und mächtigstem Feind wichtig. Und so oder so hält der Friedensvertrag mit Ägypten seit dreißig Jahren und brachte auch den Friedensvertrag mit Jordanien mit sich.

In Anerkennung von Yitzhak Rabin, Benjamin Netanyahu und Ehud Barak muss gesagt werden, dass sie alle mit unterschiedlicher Begeisterung danach strebten, Frieden mit Syrien zu schließen, damit wir endlich ein Land mit anerkannten und existenzfähigen Grenzen werden. Und sie taten dies in dem Glauben, es sei leichter, das palästinensische Problem zu lösen, wenn Israel mit Ländern, die vorgehabt hatten, es zu zerstören, in Frieden lebte.

All diese Bemühungen scheiterten, sowohl deshalb, weil der damalige syrische Präsident Hafez Assad ein harter Brocken war als auch deshalb, weil sich Israel in die Golanhöhen und deren Charme verliebt hatte und weil sich obendrein die Verteidigungsinstitutionen aus strategischen Gründen weigerten, den Golan aufzugeben.

Gemäß Erdogan möchte Assad die Gespräche auf niedriger Ebene starten und nur dann, wenn positive Ergebnisse erreicht werden können, die die Staatsführer beider Länder zu einem Treffen veranlassen. Doch eine Annäherung auf niedriger Ebene ist von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Die Größe des israelisch-ägyptischen Friedensvertrages bestand darin, dass das Ende bereits am Anfang bekannt war. Sadat wusste, dass er den Sinai zurückerhalten werde und Israel wusste, dass es ein vertraglich gefestigtes Friedensabkommen geben werde.

Die wesentlichen Bestandteile auszuarbeiten war in der Tat ein Alptraum, der sich eineinhalb Jahre in die Länge zog bis der formale Friedensvertrag auf dem Rasen vor dem Weißen Haus unterzeichnet wurde. Rückblickend kann gesagt werden, dass die Gespräche im Sande verlaufen wären, hätte der Prozess mit rangniedrigen Personen begonnen, die um Details feilschen ohne das Ergebnis zu kennen. Letzten Endes ist dies in verschiedenen Begegnungen mit den Syrern bereits so geschehen.

Assads Vorschlag ist diese Art von Angelegenheit, von der man zuerst wissen muss, wie sie ausgehen soll. Im gleichen Maß wie Ägypten formale Rechte bezüglich des Sinai hatte, hat Syrien formale Rechte bezüglich der Golanhöhen. Aus unserer Perspektive ist der Golan –wie der Sinai- nicht Teil des Traums von einem größeren Israel. Wir sind nicht emotional an ihn gebunden wie an einen heiligen Ort. Was wir haben sind bittere Erinnerungen an das Blutvergießen, das durch syrische Aggression und das Eindringen von Panzern verursacht wurde.

Unsere Erfahrung im Hinblick auf Syriens Einhaltung von Versprechen hinsichtlich militärischer Aktivitäten entlang der Grenze ist zufriedenstellend. Das Problem ist, dass Syrien zwar nicht direkt in irgendwelche Vorfälle verwickelt ist, dass es jedoch eine lebenswichtige Verbindung für die Hisbollah geworden ist und dieser Schutz, Geld und Raketen aus dem Iran und aus eigenen Vorräten liefert. Syrien ist Gastgeber der führenden Köpfe des palästinensischen Terrors in Damaskus und vor allem bedroht uns Syrien durch seine strategische Allianz mit dem Iran.

Ein Friedensabkommen mit Syrien ist die Art von Angelegenheit, die israelische Verantwortliche unter einem Mikroskop untersuchen müssen. Ein solches Abkommen muss beinhalten, dass palästinensische Terrorchefs Syrien verlassen, dass die Hisbollah nicht länger bewaffnet wird und –am wichtigsten- dass die strategischen Verbindungen mit dem Iran beendet werden.

Es gibt nichts, was einen positiveren Wechsel im Nahen Osten schaffen könnte als ein Friedensabkommen zwischen Israel und Syrien. Wenn Assad versteht, was von ihm verlangt wird und wenn er es wirklich möchte, dann hat dies mehr Kraft als jeder israelische Politiker, der Angst davor hat, dass Zugeständnisse bezüglich der Golanhöhen von der Opposition in der Knesset oder der öffentlichen Meinung in Israel zurückgewiesen werden könnten.

Nichts wie ran, Herr Olmert!

Posted 04/29/08 by: admin



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