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Eiseskälte in Israel: Hypothermia ist kein Thema für das Hippopotam

Im Schönwetterland Israel herrscht landesweit Ausnahmezustand. Hebron, Ramallah und Bethlehem befinden sich im Belagerungszustand. Alle Straßen zu den palästinensischen Städten sind gesperrt. Schuld sind ausnahmsweise nicht die Israelis, sondern der Wettergott. Der hat alle Berge und Hügel über 500 Meter weiß angemalt. In Jerusalem sind die Straßen wie leergefegt. Dabei regnet es nur, während der Schnee der vergangenen Nacht nur den parkenden Autos ein weißes Häubchen aufgesetzt hat. Im Industrie- und Einkaufszentrum Talpiot im Süden Jerusalems sind alle Läden rappeldicht zu, als wäre der Mittwoch zum Sabbat erklärt worden...

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 30. Januar 2008

Eine ohrenbetäubende Explosion zerreist plötzlich die menschenleeren Straßen, auf denen eine ungewöhnlich große Menge Regenschirmleichen herumliegen, von Windböen am Dienstag zerfetzt und dann weggeworfen. Ein Blitz schlägt durch die schweren Wolken als handle es sich um ein Sommergewitter. An manchen strategischen Straßenecken, wo es bergauf zu großen Wohnvierteln führt, parken pärchenweise gelbe Planierraupen. Sollte der Schnee tatsächlich greifen, müssen sie die Hauptstraßen frei räumen, damit Ambulanzen durchkommen.

Angereiste Israelis aus Tel Aviv, wo es nur sehr selten schneit, kamen nach Jerusalem, um im Zentralpark mit ihren Kindern Schneemänner zu bauen. Aber das Ergebnis waren eher kümmerliche Häufchen Matsch, Eis und ein wenig Schnee. Im Biblischen Zoo Jerusalems zog es die Giraffen in ihren gewärmten Stall. Die afrikanischen Flamingos und das Nilpferd tauchen im nicht-gefrorenen Teich des Zoos unter. „Im Wasser ist es wärmer als draußen im Hagel- und Regensturm“, erklärt Zoo-Direktor Schai Doron. Ein Reporter formuliert: „Hypthermia ist für die Hippopotame (Nilpferde) kein Thema.“

Doch Hypothermia, lebensgefährliche Unterkühlung, ist vor allem für die Homeless und die Beduinen in der Negewwüste ein kritisches Thema. Die Stadtverwaltungen von Tel Aviv und Jerusalem sammeln Drogensüchtige und Alkoholiker ein, die in verlassenen Häusern übernachten, und versuchen sie in gewärmte Zentren zu bringen. Mindestens sieben Bettler und Süchtige sind schon erfroren. Dennoch wollen sich viele dieser „Häufchen Unglück“ auf Pappkartons und unter zerrissenen Decken oft nicht in die Heime retten. Denn dort sind Drogen- und Alkoholkonsum streng verboten.

Die Beduinen in der Wüste kämpfen nicht nur gegen die Kälte, sondern vor Allem gegen den Sturm. Der fegt ihre Ziegen- und Kamelhaar-Zelte von den kahlen Hügeln weg. Die Kinder sind dann schutzlos den Gewalten der Natur ausliefert. Mehrere lebensgefährdend unterkühlte Beduinenkinder mit einer Körpertemperatur unter 35 Grad wurden schon ins Soroka-Krankenhaus in Beer SChewa eingeliefert. Ein Mädchen erlag den Folgen des Erfrierens.

Die Jerusalemer Stadtverwaltung hat 300 Tonnen Salz gekauft und Schneeketten für die Rettungsfahrzeuge besorgt. Die Autofahrer sind dringend aufgefordert, zuhause zu bleiben. Denn für die in Israel üblichen Sommerreifen kann sogar eine nasse Fahrbahn leicht zu einer Rutschpartie werden. Vorsorglich blieben alle Schulen geschlossen, obgleich es am Mittwoch eigentlich nur etwas kräftig regnete, freilich bei den Null-Temperaturen vermischt mit weißen Flocken. Da die Angst vor Schnee fast alle Läden, Einkaufszentren und Fabriken geschlossen blieben, weil die Verkäufer lieber zuhause blieben und auch die Kunden sich nicht auf die nassen Straßen wagten, rechnet die Stadt mit einem Finanzschaden von mindestens 55 Millionen SChekeln (etwa 10 Millionen Euro).

(c) Ulrich W. Sahm, hagalil.com

Category: Jerusalem
Posted 01/30/08 by: admin



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Comments

wrote:
Nun, es gibt ja auch ganzjahres-reifen.
Damit kommt man dem bischen Schnee schon bei.
Wer sein auto aber nicht richtig ausstattet, zeigt, dass er unvorsichtig ist.
Die Beduinen sollen man in jerusalem Schlafsaecke kaufen, dann unterkuehlt man nicht so schnell. Wenn Bergsteiger bei -40°C in Canada im Lager ausharren, um den Mt Mc Kinley zu besteigen, kann ein Beduine bei -10°C in einem guenstigen Schlafsack in seinem Zelt bequem uebernachten.
02/03/08 02:31:57

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