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Unmoral an der Staatsspitze

Ein Kommentar von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 16. Oktober 2006

Die israelischen Boulevardblätter leben von Sexskandalen. Plastische Darstellungen, was da Väter mit ihren Töchtern treiben, Lehrer mit Schülerinnen oder bekannte Schauspieler mit Statistinnen, würde in diesen Zeitungen die Zensur des Anstands aber nicht passieren.

Die Freizügigkeit hat in Israel jedoch Grenzen. Und zunehmend wird das Macho-Gehabe von hohen Offizieren, Vorgesetzten und Ministern unter der Lupe genommen. Früher hatte man das nicht so ernst genommen. Viele, viele Frauen kannten den General mit der Augenklappe, Mosche Dayan, ganz persönlich. Jeder wusste es, aber man berichtete nicht darüber. Inzwischen werden Frauenrechte so hoch gehalten, dass Männer schon mit einer Klage rechnen müssen, wenn sie nur ein artiges Kompliment machen, das als "Anmache" falsch verstanden wurde.

Mit den Vorwürfen gegen das Staatsoberhaupt Mosche Katzav sind allerdings alle moralischen Tabus durchbrochen worden. Der Präsident repräsentiert den Staat und ist nur eine Symbolfigur. Aber gerade deshalb sollte er sich auch wie ein Symbol verhalten. Kleine menschliche Fehltritte mögen ihm verziehen werden, nicht aber Gesetzesverstöße.

Der Sex-Skandel um den Staatspräsidenten ist nur die Spitze eines Eisbergs von Korruption und unziemlichem Verhalten auf allen Ebenen der Politik, von Regierungsministern über Abgeordnete und bis hin zu haarsträubenden Affären in den Stadtverwaltungen. Bei jedem zehnten Abgeordneten ist zur Zeit eine polizeiliche Ermittlung anhängig. Der populäre Justizminister Chaim Ramon trat kürzlich zurück, um im Schnellverfahren vom Gericht prüfen zu lassen, ob er tatsächlich bei einer öffentlichen Veranstaltung seine Zunge ein paar Millimeter zu weit in den Mund einer Soldatin vorstoßen ließ. Sie klagte wegen "sexuellem Missbrauch". Er fragte, wieso ihm die junge Frau sogar ihre Telefonnummer hinterließ. Ministerpräsident Olmert wurde vorgeworfen, eine unlautere "Ermäßigung" beim Kauf seines Hauses in der "Deutschen Kolonie" in Jerusalem erhalten zu haben, bis sich herausstellte, dass er mehr gezahlt hat als ein anderer potentieller Käufer geboten hatte.

Es gibt Korruption in Israel und sie wird laut diskutiert. Doch die Fälle, in denen Politiker vom Gericht überführt und bestraft wurden, halten sich in Grenzen. Seit dem Ende des Libanonkrieges, dessen Ziele und "Erfolge" kaum ein Israeli erkennen kann, drückt sich die Politikmüdigkeit auch in dem Versuch aus, den Spitzenpolitikern menschliches Versagen anzuhängen. Bei allem Ekel über die Vorwürfe gegen Katzav, ist dessen Schuld allerdings noch nicht nachgewiesen.

(Ulrich W. Sahm, hagalil.com)

Category: Politik
Posted 10/16/06 by: admin



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Comments

wrote:
Es wäre nun mal anständig das Ende des Ermittlungsverfahrens abzuwarten un dann zu urteilen. Der Ruf eines Menschen ist ja schnell ruiniert.
10/20/06 09:50:26

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