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Jüdische und arabische Schüler als Grenzgänger zwischen Identität und Alterität

Feierliche Eröffnung der zweisprachigen Max Rayne - Hand in Hand - Schule für jüdisch- arabische Erziehung in Jerusalem...

"Wenn Ihr wollt, ist es kein Traum" – diese berühmten Worte aus Theodor Herzls Roman Altneuland sind mehrfach während der feierlichen Einweihung der zweisprachigen Max Rayne - Hand in Hand - Schule für jüdisch- arabische Erziehung in Jerusalem am 21. Oktober 2007 zitiert worden. Die Schule ist das beste Beispiel dafür, dass Toleranz, Koexistenz, Dialog und Multikulturalität in Jerusalem, einer Stadt, die wie keine zweite durch religiöse, ethnische, kulturelle und soziale Spannungen geprägt ist, kein Traum bleiben muss.

Der Weg bis zu der heutigen Eröffnung des Schulcampus dieser einzigartigen Schule durch die Jerusalem Foundation in Anwesenheit zahlreicher internationaler Spender, die dieses kostspielige Projekt ermöglicht haben, war äußerst steinig. Da der neue Schulcampus, der sich über insgesamt 5000m2 erstreckt, zwischen dem arabischen Viertel Beit Safafa und dem jüdischen Viertel Pat gelegen ist, stieß der Bau des Schulcampus sowohl auf arabischer als auch auf jüdischer Seite auf großen Widerstand. Der Sozialarbeiter Nadim Shiban, Leiter der Projektabteilung der Jerusalem Foundation, musste im Vorfeld langwierige Überzeugungsarbeit leisten. Zu seinen Erfolgen gehört, dass ein orthodoxer Bewohner des Viertels Pat, der sich zunächst gegen den Bau des Schulcampus in seiner Wohngegend und gegen das Pogramm der Schule insgesamt ausgesprochen hatte, nun selbst seinen Enkelsohn in der Max Rayne Hand in Hand Schule zur Schule gehen läßt und ihm erlaubt, gemeinsam mit seinen arabischen Mitschülern auch die muslimischen Feste zu feiern.

Mit Hilfe von methodisch innovativen Unterrichtsmethoden sollen in der Schule die hebräische und arabische Sprache sowie die jüdische, muslimische und christliche Religion und Kultur gleichwertig behandelt werden. Sowohl für die Schüler als auch für die Lehrer bedeutet dieses Pogramm eine große alltägliche Herausforderung, denn durch jede militärische Ausschreitung und durch jedes Attentat droht die Erziehung zu Toleranz, Koexistenz und Dialog an ihre Grenze zu geraten. Zweifelsohne ist der Geschichtsunterricht in dieser Schule das Unterrichtsfach, in dem die Lehrer mit der größten Sensibilität unterrichten müssen. Der israelisch-palästinensische Konflikt wird in der Schule den einzelnen Jahrgangsstufen gemäß offen diskutiert, um den Schüler Gelegenheit zu geben, sich mit ihren Mitschülern und Lehrern über ihre Gefühle hinsichtlich der aktuellen politischen Situation und der Zukunft Israels und Palästinas austauschen und beide Seiten des Konflikts kennen- und vor allen Dingen verstehen lernen zu können.

Ziel der Einweihungszeremonie war es insbesondere, den ungefähr 500 geladenen Gästen einen lebendigen Einblick in den Bilingualismus der Schule zu vermitteln. Beispielsweise konnten die deutschsprachigen Gäste im Kindergarten miterleben, wie den Kindern das Lied Bruder Jakob sowohl auf Hebräisch als auch auf Arabisch beigebracht wird. In der Bibliothek der Schule demonstrierten die Schüler den Gästen eindrucksvoll ihre in den meisten Fällen fließenden Kenntnisse der jeweils anderen Sprache. Zudem wurden die einzelnen Elemente des neuen Campus, unter ihnen das Schweizer Klassenzimmergebäude, das Hans-Dichand-Verwaltungsgebäude, die Liechtenstein Bibliothek und der Erich-Schumann-Bustan-Garten eingeweiht. Aus Deutschland angereist waren Marion Horn, die den von Ein Herz für Kinder (Bild e.V.) finanzierten Kindergarten seiner Bestimmung übergab, und Prof. Dr. Jan-Philipp Reemtsma, der die Tafel der von der Hamburger Stiftung zur Förderung von Wissenschaft und Kultur unterstützten Deutschland Sport- und Mehrzweckhalle enthüllte. In dieser Halle wurde die Schule schließlich auch offiziell eingeweiht.

Im Mittelpunkt der Einweihungszeremonie stand die Aufgabe der Schüler als Grenzgänger zwischen Identität und Alterität für die Zukunft Israels und Palästinas sowie des Nahen Osten insgesamt. Der Bilingualismus wurde auch in dieser Zeremonie fortgesetzt: Der ehemalige israelische Präsident Yizhak Navon beispielsweise rezitierte sowohl ein arabisches als auch ein hebräisches Friedensgedicht; auserwählte Schüler unterschiedlichen Alters trugen Lieder und Gedichte in arabischer und hebräischer Sprache vor. Die zentrale Bedeutung dieser Schule wurde in allen Ansprachen – von der jüdischen Schulleiterin Daliah Peretz und dem arabischen Schulleiter Ala Khatib über Walter Fust (DEZA-Direktor) bis hin zu Dan Meridor (International Chairman der Jerusalem Foundation) – akzentuiert. Da von der Erziehung der Kinder die weitere Zukunft des Landes grundlegend abhängt, bezeichnete Ruth Chesin, die Präsidentin der Jerusalem Foundation, den Bau des neuen Schulcampus der Max Rayne - Hand in Hand - Schule für jüdisch-arabische Erziehung in Jerusalem sogar als das wichtigste Projekt der Jerusalem Foundation seit ihrer Gründung vor vierzig Jahren. Als Motto der Einweihungsfeier und der Schule insgesamt kann daher der Titel eines Liedes dienen, das der bekannte israelische Sänger David Daor während der Veranstaltung vortrug – Look After the World Child.

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Ein Eindruck vom Schulunterricht

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Die Schüler warten auf die Eröffnung ihrer Schule

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Einweihung der Deutschland Sport- und Mehrzweckhalle durch
Prof. Dr. Jan-Philipp Reemtsma

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Offzielle Übergabe der Schlüssel, v.l.n.r. Dani Mimran, Direktor der
Jerusalem Foundation, Ala Khatib, der arabische Schulleiter,
Daliah Peretz, die jüdische Schulleiterin

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Unterricht mit einer jüdischen und einer arabischen Lehrerin

Category: Jerusalem
Posted 10/22/07 by: admin



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Comments

wrote:
wunderbar
10/27/07 18:27:22

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