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Wie in einem bösen Film

von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 16. Oktober 2006

Den Staatspräsidenten Mosche Katzav traf es "wie der Blitz". Er saß gerade mit seinem Bruder im Auto, als er aus dem Rundfunk von dem Beschluss der Polizei erfuhr, dass Ergebnis ihrer Untersuchung zum "Fall Katzav" dem Staatsanwalt zu übergeben.

Unter Punkt drei der "Empfehlung, den Staatspräsidenten anzuklagen" steht da wörtlich: "Er griff seiner Mitarbeiterin A. durch die Bluse an der Brust." Ein paar Zeilen weiter heißt es: "Er zog ihr das Höschen herunter und ließ gegen ihren Willen sein Geschlechtsteil in sie eindringen." Und während die Medien Texte verlasen, die aus dem Drehbuch eines Pornofilms stammen könnten, liefen die Vorbereitungen zu der feierlichen Eröffnungssitzung der Wintersaison der Knesset, des israelischen Parlaments, weiter. Angeekelte Abgeordnete verkündeten schon ihre Pläne, gegen den Auftritt des öffentlich in Verruf geratenen Präsidenten zu protestieren. Einer wollte sich nicht erheben, andere wollten den Plenarsaal erst betreten, sowie der Ministerpräsident seine Rede hält.

Solange Katzav an seiner Unschuld festhält und sich an die "Hörner des Altars" klammert, wie man das in der Bibel bezeichnet, musste der feierliche Einzug des Präsidenten in die Knesset weiter vorbereitet werden. So schreibt es das Protokoll vor. Katzav erfüllt weiterhin das höchste Amt im Staate, mit allen Pflichten und Rechten.

Die Empörung wurden immer lauter, bis endlich Katzav der Vorsitzenden der Knesset, Daliah Itzik, offiziell mitteilte: "Unter den entstandenen Umständen fühle ich mich verhindert, meine Aufgabe zu erfüllen und die Knessetsitzung feierlich zu eröffnen."

Auf einen Schlag war Katzav nicht mehr Israels Thema Nummer eins. Die Politiker konnten sich wieder der schwelenden Koalitionskrise zuwenden und die Sicherheitsleute dem bevorstehenden Krieg im Gazastreifen, der nach ägyptischen Angaben schon in der nächsten Woche ausbrechen werde.

Schon vor Monaten hatte Katzav selber den schlimmsten Sex-Skandal der Geschichte Israels losgetreten. Er rief Staatsanwalt Meni Masus zu sich, um sich wegen einem angeblichen Erpressungsversuch seiner ehemaligen Mitarbeiterin A. zu beraten. Die wollte vom Präsidenten angeblich eine halbe Million Dollar, andernfalls würde sie veröffentlichen, dass er sie vergewaltigt habe. Doch am Ende drehte sich der Spieß. Von dem Erpressungsversuch der A., deren Gesicht nur verwischt abgebildet werden darf, blieb nicht viel übrig. Stattdessen mehrten sich Klagen von Frauen, denen Katzav angeblich schon in früheren Ämtern zu nahe getreten sei. So sammelte die Polizei Vorwürfe über mutmaßliche Vergewaltigungen an mindestens zehn Frauen. Zudem wird dem Präsidenten vorgeworfen, diese Frauen "gezwungen" zu haben, ihm Liebes- und Dankesbriefe zu schreiben. Zwischendurch soll Katzav einige seiner Mitarbeiter widerrechtlich abgehört haben und die polizeilichen Untersuchungen durch Druck auf die Zeugen "gestört" zu haben. Für jedes Vergehen droht eine Haftstrafe von drei bis fünf Jahren.

Katzav selber ist von seiner Unschuld "völlig überzeugt", wie das sein Anwalt, seine Gattin und sein Bruder immer wieder bezeugen. "Die Wahrheit wird ans Licht kommen", sagte Katzav, während sein Anwalt schon die Polizei und "politische Kräfte" einer Verschwörung gegen den ehemaligen Likud-Politiker Katzav bezichtigen.

Katzav kann erst vor Gericht gestellt werden, sowie er entweder seinen Posten aufgegeben hat oder von zwei Dritteln der Abgeordneten geschasst wurde. Bis dahin genießt er Immunität. Zudem hat der Staatsanwalt noch nicht entschieden, ob die von der Polizei in mehreren Pappkartons gesammelten Beweise ausreichen, Katzav anzuklagen.

Unklar ist, wie Katzav künftig seine Verpflichtungen als Präsident erfüllen kann. Als die neue Präsidentin des Obersten Gerichts vereidigt wurde, war er zwölf Stunden lang "unpässlich". Doch weiterhin empfing er neue Botschafter und soll Ende der Woche bei einem Ramadan-Iftar-Essen Vertreter der Moslems mit seiner Anwesenheit beehren.

Grundsätzlich gilt auch in Israel die Regel, dass ein Verdächtigter unschuldig ist, solange seine Schuld nicht bewiesen wurde. Katzav hat das Gefühl, öffentlich hingerichtet worden zu sein. In der Öffentlichkeit fragte man sich, ob das Präsidialamt gänzlich abgeschafft werden könnte.

(Ulrich W. Sahm, hagalil.com)

Category: Politik
Posted 10/16/06 by: admin



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