Libanesische Sicherheitskräfte haben in der vergangenen Woche in Beirut einen Deutsch-Israeli festgenommen. Er steht im Verdacht der Spionage und der Beteiligung an einem Mord - der 32-Jährige streitet die Vorwürfe ab...
inn -- Bei dem Verdächtigen handelt es sich um Daniel Scharon. Er hat einen israelischen Vater und eine deutsche Mutter, die derzeit in Australien lebt. In den vergangenen zwei Jahren war er elfmal in den Libanon eingereist, allerdings immer mit dem deutschen Pass. Diesmal hatte er allerdings auch seine israelischen Dokumente im Gepäck.
Wie die libanesische Zeitung "Al-Achbar" am Montag berichtet, wird mittlerweile eine Freilassung aus Mangel an Beweisen erwogen. Bisher hat Scharon lediglich homosexuelle Kontakte zugegeben, die im Libanon strafbar sind. Unter seinen Partnern seien auch zwei Mitglieder der libanesischen Sicherheitskräfte. Weitere Libanesen wurden verhört. Einer gestand, dass er über die israelische Staatszugehörigkeit des Deutschen Bescheid wusste. Außerdem habe er von Scharon Geld für Geschlechtsverkehr und andere Dienste erhalten.
Der Vater Mosche Scharon sagte gegenüber der Zeitung "Ha´aretz": "Ich weiß, dass die Deutschen auf dem Laufenden sind und versuchen zu helfen. Ich bin auch in Kontakt mit dem Außenministerium in Jerusalem, deshalb habe ich nicht die Absicht, länger mit den Medien zu sprechen, weil ich ihre Bemühungen nicht zunichte machen will."
Daniel Scharon wurde am Donnerstag während der Ermittlungen in einem Mordfall in Gewahrsam genommen. Bei dem Ermordeten handelt es sich um den Libanesen Hussein Scha´alan. Laut Medienberichten führte die Spur der Untersuchungen in einem Viertel von Beirut, das als Hochburg der Hisbollah gilt, zu dem Mann mit deutscher und israelischer Staatsbürgerschaft. "Al-Achbar" schreibt unter Berufung auf "informierte Quellen", wenn keine Beweise gefunden würden, werde er ausgewiesen - "vor allem, weil er unter dem libanesischen Gesetz ein Deutscher ist, und kein Israeli".
Scharon ist vor mehr als elf Jahren zum Islam übergetreten. Er war nach dem israelisch-jordanischen Friedensabkommen der erste Israeli, der sich an einer jordanischen Universität einschrieb.
Hierzu auch:
Spionageverdacht:
Deutsch-israelische Räuberpistole in Beirut
Seit Freitag "bemüht" sich die deutsche Botschaft bei den libanesischen Behörden um Zugang zu dem in Beirut verhafteten deutschen Staatsbürger Daniel Scharon. Der 32-jährige besitzt auch einen israelischen Pass, dessen Photokopie von der libanesischen Kriminalpolizei bei Ermittlungen zu einem Mordfall entdeckt wurde. Das Auswärtige Amt in Berlin hält sich bedeckt und will sich zu dem laufenden Fall nicht weiter äußern, außer eben, dass die Botschaft sich um eine konsularische Betreuung Scharons bemühe...