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Judentum und Israel
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Beschämendes Gnadenbrot

Nach zähem Ringen kam es endlich zu einer Entscheidung der israelischen Regierung bezüglich der Renten der Schoah Überlebenden. Die Lösung ist eine Schande für das Land, wie die Kommentatoren der israelischen Presse einheitlich konstatieren. Auch in der Knesset wurde scharfe Kritik an der Höhe der Zuwendung geübt...

Ministerpräsident Ehud Olmert hat bei einer Diskussion am gestrigen Montag entschieden, den in Israel lebenden Shoa-Überlebenden eine spezielle finanzielle Unterstützung zukommen zu lassen. Die Entscheidung basiert auf Schlussfolgerungen und Empfehlungen eines interministeriellen Ausschusses, der von Sozialminister Yitzhak Herzog initiiert und dem Generaldirektor seines Ministeriums, Nahum Itskovitz, geleitet wurde. Vertreter der Ministerien für Seniorenangelegenheiten und Finanzen sowie der Nationalen Versicherungsanstalt und des Büros des Ministerpräsidenten haben ebenfalls an dem Ausschuss teilgenommen. An der gestrigen Diskussion beteiligten sich neben Herzog und Finanzminister Ronnie Bar-On auch Seniorenminister Rafi Eitan, Gesundheitsminister Yaacov Ben-Yizri und Justizminister Daniel Friedmann.

Der Staat wird zwischen 2008 und 2011 hunderte Millionen Shekel (120 Mio. NIS im Jahr 2008, 240 Mio. NIS im Jahr 2009 und mehr als 300 NIS zu Beginn des Jahres 2011) für finanzielle Zuwendungen an die etwa 120 00 Shoa-Überlebenden bereitstellen, die über 70 sind und Pensionen und Sozialleistungen von der Nationalen Versicherungsanstalterhalten. Die Regierung beabsichtigt für jedes Paar von Shoa-Überlebenden zusätzlich einen Betrag von 520 NIS im Monat zu erreichen.

Außerdem werden zusätzliche Mittel im Wert von hunderten Millionen von Shekeln für medizinische Behandlung und Pflege zur Verfügung stehen, die aus Nicht-Regierungs-Quellen stammen. Darüber hinaus wird die Regierung im Jahr 2008 10 Millionen NIS extra zahlen.

Ministerpräsident Olmert akzeptierte die breite und inklusive Definition, die der Ausschuss für Shoah-Überlebende anwendet. Alles in allem betonte er: “Wir korrigieren eine 60-Jahre-alte Schande. Shoa-Überlebende in Israel haben das Recht, würdevoll zu leben, ohne in die Situation zu kommen, sich keine warme Mahlzeit leisten zu können. Das Versäumnis einander folgender Regierungen wird nicht fortgesetzt. Es wichtig dafür zu sorgen, dass die Shoa-Überlebenden diese Zuschläge bekommen und in der Lage sind, in Würde zu leben.“

(Israelisches Außenministerium, 30.07.07)

Dalia Mazori und Arik Bender kommentieren dazu in Maariv:

"Die Regierung hat die biologische Lösung gewählt"
Die Höhe der Zuwendung hat unter den Holocaustüberlebenden nur zu einem müden Lächeln über die Lächerlichkeit der Summen geführt: „Wenn man nicht hier und jetzt hilft, wird man bald niemandem mehr helfen müssen“. …sagte gestern Noah Flug, der Vorsitzende der Organisationen der Holocaustüberlebenden in Israel. (...)Die Leiter des Sozialfonds für Holocaustüberlebende, Zeev Faktor und Dubi Arbel, sagten gestern: „Wir verstehen nicht, warum die israelische Regierung darauf beharrt, die Holocaustüberlebenden einem weiteren Leidensweg zu unterziehen. 60 Jahre lang warten sie darauf, dass die israelische Regierung ihnen würdige Anerkennung
zukommen lässt. Die Bedeutung des Beschlusses, der vom Premierminister mitgeteilt wurde, ist eine Zulage von nur 100 – 200 Sheqel im Monat, für Holocaustüberlebende zwischen 70 und 80 Jahren, und nur 300 Sheqel für Holocaustüberlebende über 80“.

Die Leiter des Fonds fügten hinzu, dass der Premierminister nur vor wenigen Tagen von einer Zulage von Hunderten Millionen Sheqel für die Holocaustüberlebenden gesprochen hatte. „Und siehe da, über Nacht sind haben sich Hunderte Millionen in Luft aufgelöst und sind zu 130 Mio. geschrumpft, die erst 2008 vergeben werden“.

Natan Zahavi kommentiert ebenfalls in Maariv unter dem Titel Vor Scham erröten:

Olmert ist anscheinend schon Jahrzehnte lang nicht im Supermarkt gewesen, nicht mit dem Bus gefahren, nicht in der Krankenkasse Schlange gestanden und hat keine Ahnung, was Medikamente kosten. Verstehen Sie, Herr Premierminister, ein älterer Mensch, der 5 Mal im Monat mit dem zur Krankenkasse und zurück fährt, das sind 50 Sheqel. Eine Dose Nescafe, 4 Milchkartons und – Gott behüte – ein Päckchen Eis – Hopps, wieder sind 100 Sheqel weg.

Mit jedem Tag, der vergeht, sterben 35 Holocaustüberlebende. In fünf Monaten, wenn die, die übrig bleiben, noch 100 Sheqel erhalten, werden sie zwei Mal sterben: einmal wegen ihrer Lage, und ein zweites Mal, wegen der Schande, dass sie nach dem ganzen langen Kampf um die Erhöhung der Unterstützung, noch 100 Sheqel
bekommen werden.

Medienspiegel der Deutschen Botschaft Tel Aviv

Category: Allgemeines
Posted 07/31/07 by: admin



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Comments

wrote:
100 Israel. Waehrung = 20 Europ. Waehrung.
Wie sind die finanz. Grundlagen der israel. Senioren bisher?
Wie setzt sich die Bevoelkerung zusammen?
Durch die angespannte tagtaegliche jahrzehntelange Kriegslage, obwohl als Frieden bezeichnet, wird die Ausloesergeneration bestraft?
Wer nach Deutschland rueckwandert,
kann zumindest mit einem sozialen Grundbedarf rechnen, das verspricht auch nicht ewiges Leben, aber Miete, Krankenkassenversicherung und pro Tag ca 10 Euro, welche fuer Strom, Telefon, Internet, Nahrung, Kleidung, taeglichen Bedarf und saemtliche zusaetzlichen Aufwendungen ausreichen ...

Bleibe ein einfacher Mensch und so wirst Du leben, Worte der Bibel umgeschrieben, um nicht in soziale Verbrechen zu fallen.
Natuerlich macht es mich arm, wenn ich mir die taeglichen Nachrichten anschaue
und die Krisen der Welt.
Ich habe keine Lust, Reiche zu unterstuetzen, reicher zu werden.

Ich kann mir nicht vorstellen, dass Israel ein deutscher Vasallen-Staat, eine Provinz Deutschlands werden will, indem dann Deutschland dort regiert und die Sozialwirtschaft uebernimmt.

Im Westen wird gesagt: freie Unternehmer braucht das Land,
im Osten laufen die Arbeitskraefte weg, wenn sie koennen.
Nur die Renten, die Renten werden ueberall und in jedem Ort beklagt.
Evtl. liegt es an der Psyche der Menschen oder an der Erreichbarkeit
von gesteckten Zielen.

Wenn jeden Monat also ca. 1000 Holocaustueberlebende in Israel sterben,
(haben sie Kinder? Enkel? im Ausland?
was war in den letzten 60 Jahren los?)
sind das 12000 im Jahr, Rate steigend.

Wenn die Kinder in Israels Kriegen weggestorben sind, muessen sie doch Hinterbliebenenversorgung durch Israel erhalten. So ist meine Vorstellung.
Wenn es Deutsche sind, koennen Sie auch nach Deutschland rueckwandern und hier Aufnahme bzw. Altersversorgung finden?
Dann gibt es evtl. eine bessere Beziehung zwischen beiden Staaten
und eine Aufarbeitung der Geschichte, welche Sinn macht.
Von mir aus wird niemand an den Boden Israels gekettet.

Israel lebt in meinem Herzen, in meinem Verstand, aber ich verstehe nicht alles, was Israel macht oder nicht tut.

1 Millionen Jahre Rache wird Israel nicht weiterbringen.
08/01/07 12:46:56

wrote:
Anfuegung: Dabei war 1 Millionen Jahre Rache schon der heruntergehandelte Preis, angefangen von 7 Millionen bis herunter zu 1 Millionen Jahre...
zu meiner Kindheit.
Nur war nuetzt das?
In die Vergangenheit nutzt es nicht, in der Gegenwart nutzt es auch nichts, in der Zukunft ebensowenig.

Deshalb suche ich "normale einfache Juden" in Deutschland und in allen Laendern der Erde... oder natuerlich im Zentrum Israel?
Wenn das Zentrum unter Beschuss ist, was dann?
Wo Frieden schaffen und wie?
Erst heisst es: Gehet hin in alle Welt...
und dann davor, danach heisst es:
Gott wird sammeln aus allen Voelkern,
welche sitzen in Gottes Reich = unter Gottes Herrschaft leben.
08/01/07 13:02:01

wrote:
Natürlich fällt die Diskrepanz auf, dass der Staat Israel einerseits die Shoa als Teil seiner Raison d'etre begreift und die Erinnerung etwa in Jad Vashem und Lohamei Hagetaot durchaus auch inszeniert, andererseits aber die Überlebenden nicht ausreichend materiell versorgt.

Nun ist aber niemand in Deutschland gut beraten, sich deswegen über den Staat Israel zu empören. Hierzulande genießt das Shoa-Gedenken große öffentliche und politische Unterstützung -schlimm, wenn es anders wäre!-, Entschädigungen an NS-Opfer werden aber nur nach zähen Verhandlungen gezahlt.

Wäre im Übrigen die Bundesrepublik Deutschland als bekennende Rechtsnachfolgerin des Täterstaates Deutschland nicht überall gefordert, wo Shoa-Überlebende Not leiden?
08/01/07 21:10:38

wrote:
Werfe ja nicht mit Steinen, aber peinlich und auch mehr als traurig ist es schon und ich hoffe daß nicht allzu viele den Bericht lesen.
Wäre für einige ein gefundenes Fressen.
08/02/07 12:21:15

wrote:
"würde man böses denken, so wartet man bis auch das letzte Opfer der Shoa verstorben ist" ja, dies ist halt mal so ein Gedanke.Wenn ich überlege wie lange meine Mutter ständig "vertröstet" wird, und mittlerweile ist sie Mitte 70, und leidet außer seelisch (in den Träumen wiederholt sich alles was geschah, und schweißgebadet wird sie wach,die damals "geholte"TBC nahm ihr einen Lungenflügel, und sie wartet,und wartet! ..warten auf Godot"
08/05/07 12:56:56

wrote:
ISRAEL ich übe nicht gerne Kritik an Dir,
aber was du tust mit den ÜBERLEBENDEN der SHOAH, bricht das Herze mir!

Ich leide mit den ÜBERLEBENDEN der SHOAH seit frühesten Kindertagen,
zusätzlich hab` ich als Enkelin eines NS-Mörders
eine sehr schwere Last zu tragen!

Politiker ISRAEL`S ich flehe EUCH an,
genehmigt den ÜBERLEBENDEN DER SHOAH, SOFORT die GELDER und nicht IRGENDWANN!

Das LEIDEN der SHOAH-OPFER hat nie aufgehört, habt IHR POLITIKER keine GEFÜHLE, dass EUCH das nicht stört?

Meinen Sarkasmus kann ich nicht lassen,
ich will ihn in die folgenden Worte fassen:

ISRAEL Du darfst Dir als Vorbild, das Land der NS-MÖRDER nehmen.
DEUTSCHLAND hat seine NS-BESTIEN bestens versorgt und das ohne zu stöhnen...

Fette Renten und ganz sicher hervorragende Alterspflegen,
geniessen die NS-MÖRDER solang` sie noch leben...

Drum ISRAEL Du von mir heiss geliebtes Land, gib den SHOAH-OPFERN, die sich Dir verzweifelt zugewandt...
08/12/07 20:34:32

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