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Wenig Hoffnung für gestrandete Palästinenser

Tausenden Palästinensern droht, einem Granatenhagel der Hamas ausgesetzt zu werden. Seit über einem Monat sitzen mehr als sechstausend Palästinenser aus dem Gazastreifen auf der ägyptischen Seite der Grenze fest. "Die Zustände am Grenzübergang sind nicht einmal für Tiere würdig", erzählte ein Augenzeuge über die Zustände im Wartesaal am ägyptischen Grenzübergang und in einer Halle des Flughafens von El Arisch: kein fließendes Wasser und nur eine Toilette für hunderte Menschen. Die brütende Sommerhitze mitsamt unerträglicher Luftfeuchtigkeit hat schon Dutzende Alte und Kranke dahin gerafft. Niemand hat genaue Zahlen. Vor zwei Wochen war die Rede von 28 Toten unter den feststeckenden Palästinensern...

Von Ulrich W. Sahm, Jerusalem, 28. Juli 2007

Seitdem die Hamas die Kontrolle im Gazastreifen übernommen hat, ist der einzige Grenzübergang für Zivilisten zwischen Gaza und der Außenwelt hermetisch abgesperrt. In Rafah waren bisher europäische Beobachter stationiert, während israelische Überwachungskameras eine Kontrolle per Fernlenkung ermöglichten. Vertreter der Fatah-Polizei sollten die Sicherheit am Grenzübergang gewährleisten. Doch mit der gewaltsamen Übernahme des Gazastreifens durch die Hamas mussten die Sicherheitsleute der Autonomiebehörde um ihr Leben rennen. Sie flüchteten über die Grenze nach Ägypten. Die israelischen Kameras wurden zertrümmert und die Computer geplündert. Die europäischen Überwacher weigern sich, mit der „Terrororganisation“ Hamas zusammen zu arbeiten. Die meisten wurden in Hotels nach Tel Aviv abgezogen. Auch die Ägypter haben sich aus dem Gazastreifen zurückgezogen. Sie verzeihen der Hamas nicht den Wortbruch nach den in Kairo ausgehandelten Waffenstillständen. Die ägyptischen Diplomaten sind von Gaza nach Ramallah umgezogen, um näher bei Präsident Abbas zu sein. Angeblich plante Hamas, ein „Loch“ in die von Israel hinterlassenen Betonmauern zu sprengen, um so die feststeckenden Palästinenser heimzuholen. Ägypten hat derweil seine Truppen entlang der Grenze zum Gazastreifen verstärkt, um genau das zu verhindern.

Das Schicksal der gestrandeten Palästinenser ist zur Zeit das schärfste humanitäre Problem in den Palästinensergebieten. Alle betroffenen Parteien haben ein Interesse, das Problem zu lösen und die politischen Lorbeeren zu ernten. Doch die Feindseligkeit führte am Wochenende zur Sabotage eines heimlich zwischen Ägypten, der Autonomiebehörde und Israel ausgehandelten Auswegs.

Da eine Öffnung des Übergangs in Rafah nicht in Frage kommt, einigten sich Israelis und Ägypter darauf, zunächst 625 Palästinenser über Nitzana von Ägypten nach Israel einreisen zu lassen. Nitzana liegt rund fünfzig Kilometer südlich vom Gazastreifen und dient als Warenterminal für den Handel zwischen Ägypten und Israel. So liegt Nitzana auch außerhalb der Reichweite von Kassam-Raketen der Hamas. Von dort sollten die Palästinenser in Begleitung von Vertretern des Roten Kreuzes in Bussen zum Grenzübergang Kerem Schalom oder Erez gebracht werden. Kerem Schalom diente in normalen Zeiten dem Warenverkehr zwischen Ägypten und dem Gazastreifen, liegt aber auf israelischem Gebiet, sodass die Israelis auch dort kontrollieren können. Genau das ist der Hamas ein Dorn im Auge. Immer wieder wurde Kerem Schalom mit Granaten und Raketen angegriffen, als dieser Übergang für den Transport von Hilfsgütern der UNO-Flüchtlingshilfe in den Gazastreifen benutzt wurde. Obgleich im Gazastreifen laut internationalen Organisationen eine „humanitäre Krise“ und sogar eine „Hungersnot“ drohe, will Hamas nicht einmal den Transfer von Mehl und Medikamenten über diesen von Israel kontrollierten Übergang akzeptieren.

Am Samstag veröffentlichte der palästinensische Informationsminister vorzeitig Einzelheiten über das geheime Abkommen. Niemand weiß, warum er plauderte, ob er politisches Lob wollte, oder ob er das Abkommen zu Fall bringen wollte. Hamas Sprecher Sami Abu Zuhri äußerte sofort Widerspruch. Jede Benutzung anderer Übergänge neben Rafah bedeute eine Fortsetzung der israelischen Besatzung und verwandle den Gazastreifen in ein riesiges Gefängnis. Abu Zuhri bezichtigte gar den von Abbas ernannten Premierminister Salam Fayad, eine „unmoralischen Rolle zu spielen, indem er das Leiden der gestrandeten Palästinenser ausbeute“. Die Hamas könne keine Alternative zu Rafah akzeptieren, weil das der einzige Übergang sei ohne jeden israelischen Zugriff.

Israelische Sprecher äußerten Bestürzung über das vorzeitige Bekannt werden des Plans, die festsitzenden Palästinenser endlich nach Hause fahren zu lassen. Beobachter vermuten, dass Ramallah aus innenpolitischen Gründen der Hamas schaden wollte. Denn die Attacken mit Granaten auf die von Israel kontrollieren Übergänge passieren fast täglich. So ist klar, dass die vorzeitige Veröffentlichung den Plan zu Fall bringen würde, um keine Menschenleben zu gefährden. Den größten Schaden werden jene Menschen erleiden, die im Sinai in unerträglicher Hitze unter unmenschlichen Bedingungen ausharren und weder vor noch zurück können.

© Ulrich W. Sahm / haGalil.com

Posted 07/29/07 by: admin



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