Zeit des Nationalsozialismus

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25px Dieser Artikel stellt die Regierungszeit der Nationalsozialisten in Deutschland (1933 bis 1945) dar. Zu ihrer Ideologie siehe Nationalsozialismus. Zu dem von ihnen errichteten Staatswesen siehe Deutsches Reich 1933 bis 1945, zu dessen Bezeichnung siehe „Drittes Reich“.
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Aufmarsch beim Reichsparteitag der NSDAP 1935

Die Zeit des Nationalsozialismus umfasst im engeren Sinn die 12-jährige nationalsozialistische Herrschaft in Deutschland von der „Machtergreifung“ 1933 bis zur bedingungslosen Kapitulation aller deutschen Streitkräfte am 8. Mai 1945, mit der der Zweite Weltkrieg in Europa endete. Im weiteren Sinn gehören die Wurzeln der nationalsozialistischen Ideologie und die Entwicklung der NSDAP seit 1918 dazu. Die gesamte Ära wird meist in die Aufstiegs- (1918-33), Vorkriegs- (1933-39) und Kriegszeit (1939-45) unterteilt.

Inhaltsverzeichnis

Überblick

Ideologie und Politik des Nationalsozialismus gelten häufig als Variante des Faschismus, der zuerst in Italien entstand und dort von 1922 bis 1943 herrschte. Beide hatten wesentliche Merkmale gemeinsam: die hierarchische Struktur einer einzigen zugelassenen Partei, Führerkult, Militarismus, aggressiven Nationalismus, antidemokratische, antikommunistische und totalitäre Ziele sowie eine in Konkurrenz zum Sozialismus beanspruchte „Einheit von Volk und Staat“. Der Nationalsozialismus unterschied sich aber vom italienischen Faschismus durch seinen radikalen Rassismus und Antisemitismus, die seine weiträumige Eroberungs- und Vernichtungsziele begründeten.

Seine Herrschaft begann mit Adolf Hitlers Ernennung zum deutschen Reichskanzler durch Paul von Hindenburg am 30. Januar 1933. Sie wurde bis 1934 durch Terrormaßnahmen gegen politische Gegner, gesetzliche Aufhebung großer Teile der Weimarer Reichsverfassung, Verbot aller anderen Parteien und Gleichschaltung fast aller politisch-gesellschaftlichen Kräfte gefestigt. Der Propagandabegriff „Drittes Reich“ hat sich bis heute im deutschen und englischen Sprachgebrauch als Synonym für diese NS-Diktatur gehalten.

Zwischen 1933 bis 1936 setzte das Regime mit dem Austritt aus dem Völkerbund, Aufrüstung und der Besetzung des entmilitarisierten Rheinlands wichtige Teile des Versailler Vertrags außer Kraft. 1938 folgte der Anschluss Österreichs an das nunmehr „Großdeutsche Reich“ (siehe Österreich in der Zeit des Nationalsozialismus), im selben Jahr erlaubte das Münchner Abkommen die Annexion des Sudetenlandes.

Volksabstimmungen ergaben 1935, 1936 und 1938 eine große Mehrheit für die NSDAP. Dies hatte vier Hauptgründe:

  • Gleichschaltung und Terror gegen alle Andersdenkenden schüchterten die Bevölkerung ein.
  • Die staatlichen Investitionsprogramme, vor allem durch Aufrüstung und militärisch nutzbare Infrastruktur, belebten die Wirtschaft und erreichten ab 1936 Vollbeschäftigung, wobei die Löhne auf dem niedrigen Niveau der Weltwirtschaftskrise verharrten.
  • Die Ideologie der Volksgemeinschaft vermittelte vielen Deutschen das Gefühl, in einer zunehmend egalitären Gesellschaft ohne Klassengegensätze zu leben.
  • Seine außenpolitischen Erfolge schienen Hitler Recht zu geben.

Am 1. September 1939 löste das nationalsozialistische Regime mit dem Angriff auf Polen den Zweiter Weltkrieg aus. Seit 1940 bildeten die so genannten Achsenmächte (NS-Deutschland, Italien und Japan) eine politische und militärische Koalition, den Dreimächtepakt. Nach raschen Siegen über die Niederlande, Belgien, Frankreich und Norwegen 1940 brach das NS-Regime den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt von 1939 und griff am 22. Juni 1941 die Sowjetunion an (Unternehmen Barbarossa). Im Dezember des Jahres erklärte Hitler auch den USA den Krieg.

Herbst und Winter 1942/43 brachten mit den verlorenen Schlachten von El Alamein, im Atlantik und Stalingrad die Wende des Krieges. Britsiche und US-amerikanische Luftstreitkräfte setzen deutsche Städte zunehmend Flächenbombardements aus. Im Sommer 1944 landeten alliierte Truppen in der Normandie (Operation Overlord) und eröffneten damit die zweite Front im Westen. Im Oktober 1944 erreichten sie die deutsche Westgrenze bei Aachen, etwa gleichzeitig drang auch die Rote Armee im Osten auf Reichsgebiet vor.

Nachdem sich Hitler am 30. April 1945 das Leben genommen hatte, die Rote Armee die Hauptstadt Berlin erobert und amerikanische und sowjetische Truppen sich in Mitteldeutschland getroffen hatten, kapitulierte die Wehrmacht am 8. Mai 1945 bedingungslos. Damit war der von Hitler bewusst entfesselte Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Er kostete ca. 55 bis 60 Millionen Menschenleben. In seinem Verlauf geschah der historisch bisher beispiellose Holocaust, eine industrielle Massenvernichtung von allein rund sechs Millionen europäischen Juden. Hinzu kamen weitere Massenmorde an Behinderten, Roma, Sinti und Jenischen, Zeugen Jehovas, Homosexuellen, Slawen (vor allem Polen und Russen) und anderen Gruppen, die im NS-Jargon als „unerwünscht“, „lebensunwert“ oder „minderwertige Rassen“ galten.

Entstehungszeit

Die politischen, sozialen und ökonomischen Bedingungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus wurden im und durch den Ersten Weltkrieg geschaffen. Sie belasteten und begleiteten die Weimarer Republik seit ihrer Gründung:

- eine unvollständige, mit Bürgerkrieg beendete Revolution, in deren Verlauf die führenden Sozialdemokraten mit den Verursachern des Weltkriegs und der Kriegsniederlage – kaiserlichen Eliten und Oberster Heeresleitung (OHL) –, paktierten, statt diese zu entmachten und für die Folgen ihres Handelns haftbar zu machen,

- den Auflagen des Versailler Vertrages und seiner Reparationsforderungen, die zu tragen die Siegermächte der Entente den demokratischen Kräften Deutschlands aufbürdeten und die sie später mit Ruhrbesetzung, Dawesplan und Youngplan durchzusetzen versuchten.

Ab 1919 kamen hinzu:

- der Realitätsverweigerung großer, von rechtsgerichteten Parteien und Medien beeinflusster Bevölkerungsteile, die weder Kriegsniederlage noch Demokratie akzeptierten und die propagierte Dolchstoßlegende und die Legende der Kriegsschuldlüge glaubten,

- rechts- und linksradikale Kräfte, die die parlamentarische Demokratie verachteten und mit Putschversuchen ablösen wollten,

- eine weitgehend aus dem Kaiserreich beibehaltene Verwaltung und Justiz, die die Weimarer Verfassung nicht aktiv und ausreichend schützten und deren Feinde nicht wirksam in die Schranken wiesen,

- Wirtschaftskrisen, die Inflation, Lohn-Deflation und Massenarbeitslosigkeit bewirkten

- fortwährend instabile und handlungsunfähige Regierungen, die den Wirtschaftskrisen nicht rechtzeitig und energisch genug gegensteuerten und diese teilweise noch verschärften,

- das Versäumnis und die Unfähigkeit der demokratischen, liberalen und linksgerichteten Kräfte, sich auf ein gemeinsames Handeln gegen die Antidemokraten und Nationalsozialisten zu verständigen,

- Aushöhlung der Demokratie durch ein Präsidialsystem, das Konstruktionsmängel der Weimarer Verfassung wie den Notverordnungsparagrafen 48 ausnutzte und damit schließlich die Nationalsozialisten an die Macht brachte.

Erster Weltkrieg

Für den Ersten Weltkrieg waren nach heute überwiegender historischer Auffassung primär die Berliner und Wiener Regierungen und deren Militärstäbe verantwortlich. Die Niederlage Deutschlands war vor allem Folge verfehlter Kriegsziele und Kriegführung der dritten kaiserlichen OHL unter Erich Ludendorff und Paul von Hindenburg. Ihr Streben nach einem „Siegfrieden“ und weitreichenden Eroberungen, der bedingungslose U-Boot-Krieg, der den Kriegseintritt der USA bewirkte, und die Ablehnung von inneren Friedensbemühungen und äußeren Verhandlungsangeboten bewirkten zuletzt eine vollständige Niederlage und eine soziale Revolution.

Nach der gescheiterten Frühjahrsoffensive an der Westfront versuchten die beiden Generäle, ihr Versagen den liberalen und demokratischen Kräften im Reichstag aufzubürden, indem sie empfahlen, diese in die Regierung einzubinden und die zuvor abgelehnten Waffenstillstandsbedingungen des US-Präsidenten Woodrow Wilson anzunehmen. Dies geschah in der Oktoberreform 1918. Damit schoben sie zugleich die Verantwortung für die Folgen der Niederlage den demokratischen Kräften zu, so dass diese, nicht sie, die Kapitulationsbedingungen des 10. November 1918 und später den Versailler Vertrag akzeptieren und unterzeichnen mussten. Das bereitete die seit etwa 1920 verbreitete Propagandalüge der „Dolchstoßlegende“ vor.

Schon vor dem Krieg waren einige deutschvölkische und rassistische Parteien, Vereine und Verbände entstanden, deren Mitglieder sich während des Krieges radikalisierten und später vielfach in der NSDAP sammelten: vor allem die Deutschvölkische Partei, deren Programm die „Vernichtung des Judentums“ zur „Weltfrage des 20. Jahrhunderts“ erklärte, der Deutschbund, die Gobineaugesellschaft, der Reichshammerbund. Im Kriegsverlauf kamen u.a. die Thulegesellschaft und der Alldeutsche Verband hinzu. Dessen Vorsitzender Heinrich Claß kündigte angesichts der nahen Kriegsniederlage an, man werde diese den Juden anlasten und deren gewaltsame Vertreibung nach Kriegsende forcieren. Solche Ziele entstanden in einem Umfeld, in dem der Antisemitismus längst etabliert war: etwa in der Deutschen Turnerschaft, dem Offizierskorps, den meisten Studentenverbindungen.

Die antijüdische Hetze der DVP und Alldeutschen wirkte 1915 mit auf den Rückzug Walter Rathenaus aus dem Kriegsministerium ein und veranlasste den Kriegsminister Hohenborn 1916 zu einer diskriminierenden Judenzählung.

Novemberrevolution

Die Novemberrevolution beendete die faktisch bestehende Militärdiktatur in Deutschland und ermöglichte die Gründung einer parlamentarischen Republik. Doch in ihrem Verlauf stützte sich die SPD-Führung um Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann und Gustav Noske auf das kaiserliche Militär, um weitergehende Forderungen der Revolutionäre abzuwehren. Dazu schloss Ebert am 9. November 1918 den geheimen Ebert-Groener-Pakt mit der OHL.

Den Spartakusaufstand und Anläufe zu einer Räterepublik in einigen Großstädten ließ er mit Hilfe zurückgekehrter kaiserlicher Fronttruppen und republikfeindlicher Freikorps niederschlagen. Diese blutigen, bürgerkriegsartigen Kämpfe überschatteten die Entstehung der Weimarer Demokratie und begünstigten auch bei Teilen der linken Wählerbasis eine republikfeindliche Einstellung. Die kaiserlichen Militärs behielten trotz der Kriegsniederlage ihre bisherige Stellung und wurden nicht demokratisiert.

Die Strukturen und das Personal der Kaiserzeit mit oft rechtsextremer Einstellung in weiten Teilen von Wirtschaft, Verwaltung, Justiz und Militär wurden in die Weimarer Republik übernommen. Die Weimarer Reichsverfassung schützte ausdrücklich einige Privilegien des kaiserlichen Beamtenapparats.

In dieser innenpolitischen Situation entstand die NSDAP. Sie war weder die einzige noch die erste rechtsextreme Partei, die die Republik von Grund auf ablehnte und bekämpfte. Diese Haltung verband sie mit einer Reihe von national-konservativen und nationalistischen Parteien, die sich um 1918/1919 neu gründeten, vor allem die DNVP. Sie vertrat die antidemokratische Grundhaltung von großen Teilen des konservativen, d. h. monarchistisch-kaisertreuen Bürgertums.

Seit 1919 begingen Rechtsextremisten einige politische Morde an bedeutenden Vertretern der Arbeiterbewegung (z. B. Rosa Luxemburg, Karl Liebknecht, Kurt Eisner). Die Münchner Räterepublik wurde durch die Freikorps brutal niedergeschlagen, und auch liberale und konservative „ Erfüllungspolitiker“ (Walter Rathenau, Matthias Erzberger) wurden ermordet. Rechtsextreme Täter entgingen häufig einer Strafverfolgung oder wurden milde bestraft, gegen politisch motivierte Straftaten von Sozialisten und Kommunisten ging die Justiz dagegen mit äußerster Härte vor.

Die Weimarer Justiz ließ auch die massenwirksame Propaganda von der Kriegsschuldlüge, den Novemberverbrechern und der Dolchstoßlegende zu, die rechtsextreme, rechtskonservative und sogar Teile der liberalen Parteien und Medien vertraten. Ebert hatte bei der Rückkehr der Fronttruppen vom „im Felde unbesiegten“ deutschen Heer gesprochen; Hindenburg behauptete 1920 vor dem Untersuchungsausschuss für Kriegsschuldfragen, das Heer sei „von hinten...erdolcht“ worden. Der Vorwurf sollte die demokratischen und linken Kräfte treffen, deren Revolution das von den Generälen hinausgezögerte Kriegsende erzwungen hatte. Die Dolchstoßlegende wurde von zahlreichen Medien, vor allem des Hugenberg-Pressekonzerns, aufgegriffen und propagiert.

Die Demokraten in der Verwaltung der Weimarer Republik wurden zum Teil systematisch verunglimpft: so z. B. der Berliner Polizeipräsident Bernhard Weiß, der gegen Rechtsbrüche der SA vorging. Die Bildung solcher paramilitärischen Verbände wurde ebenfalls von den Behörden geduldet: Die SA begleitete die Versammlungen und Kundgebungen ihrer Partei und begann auch bei anderen Parteiversammlungen immer wieder Straßen- und Saalschlachten.

Ferner verhinderten institutionelle und verfassungsrechtliche Defizite der Weimarer Republik zeitweise eine tragfähige, demokratisch legitimierte Politik. Das geltende Verhältniswahlrecht ohne Sperrklausel verhalf auch kleinsten Splitterparteien zu Sitzen im Reichstag. Diese hatten weniger die Interessen der Gesamtbevölkerung als die ihrer Klientel im Auge. Dadurch wurden oft eindeutige Mehrheiten verhindert und heterogene Regierungskoalitionen erzwungen, die dann in Krisenzeiten auseinanderbrachen oder dazu führten, dass man die Arbeit durch ein Ermächtigungsgesetz der Regierung überließ. So wurden mehrfach Neuwahlen ausgerufen. Gerade dies führte am Ende der Republik zu einer Politik, die von Notverordnungen des mächtigen Reichspräsidenten geprägt war. All dies lähmte den demokratischen Willensbildungsprozess und verstärkte die Unzufriedenheit der Bürger mit den etablierten politischen Parteien in den Zeiten der Krise.

Entwicklung der NSDAP

1920–1925: Gründung, Verbot und Neuaufbau

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DAP-Mitgliedskarte von Adolf Hitler

Die NSDAP ging am 24. Februar 1920 aus der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) in München hervor. Sie vertrat in ihrem 25-Punkte-Programm von Anfang an entschieden antidemokratische, völkisch-nationalistische und rassistische, vor allem antisemitische Positionen. Ende des Jahres erwarb sie den Münchner Beobachter und machte ihn zum Völkischen Beobachter (VB), dem „Kampfblatt der nationalsozialistischen Bewegung Großdeutschlands“. Anfangs ermöglichte er es Hitler, die Menschen öfter, ab 8. Februar 1923, täglich zu erreichen. Nach der Machtübernahme hatten die Artikel des VB offiziellen Charakter.

Adolf Hitler war bis dahin ein in der Öffentlichkeit unbekannter, erfolgloser österreichischer Kunstmaler. Er war im Ersten Weltkrieg einfacher Gefreiter in einem bayrischen Regiment gewesen. Im Auftrag des Militärs besuchte er unter anderem Veranstaltungen der DAP (Deutsche Arbeiter Partei) und wurde zunächst von ihr als Redner angeworben. In dieser Funktion kam er zum Ruf eines „Trommlers“ und „Einpeitschers“ der Partei, der er in Bayern schnell einen gewissen Zulauf aus völkischen Kreisen verschaffen konnte. Hitler wurde 1921 zum Vorsitzenden der NSDAP, nachdem sein Redetalent für die Partei nahezu unverzichtbar geworden war. Der Organisation schlossen sich auch ehemals führende kaisertreue Militärs an, so zum Beispiel der ehemalige OHL-General Erich Ludendorff.

Die NSDAP-Mitglieder gehörten von Beginn an zu den entschiedensten Gegnern der Republik, obwohl auch sie in ihrem Rahmen Wähler zu gewinnen versuchten. Anfangs konnte die neue rechtsextreme Partei die antidemokratische Grundströmung nicht auf ihre Mühlen lenken. Aber sie nutzte die allgemeine Ablehnung des Versailler Vertrages, um die von ihr so bezeichneten „Novemberverbrecher“ an den öffentlichen Pranger zu stellen. Wie allen Rechtsextremen galten ihr besonders die führenden SPD-Politiker, denen 1918 die Macht übergeben worden bzw. „zugefallen“ war (Friedrich Ebert, Philipp Scheidemann), als Erfüllungsgehilfen der alliierten Siegermächte des Ersten Weltkrieges. Sie diffamierte die Demokratie als vorübergehende Erscheinung und nannte sie „Systemzeit“. Diese Propaganda wurde durch die Reparationsforderungen der Alliierten begünstigt.

Der Kapp-Putsch vom März 1920 stellte die Republik auf eine erste Bewährungsprobe. Freikorps unter General von Lüttwitz besetzten das Berliner Regierungsviertel und ernannten den ehemaligen Generallandschaftsdirektor Wolfgang Kapp zum Reichskanzler. Die legale Regierung zog sich zunächst nach Dresden und anschließend nach Stuttgart zurück und rief von dort aus zum Generalstreik gegen die Putschisten auf. Der Putsch scheiterte rasch; entscheidend für die Niederlage war die Weigerung der Ministerialbürokratie, den Anordnungen Kapps Folge zu leisten. Die Reichswehr hatte sich demgegenüber abwartend verhalten (Hans von Seeckt: „Truppe schießt nicht auf Truppe.“).

Die NSDAP gewann zunächst vor allem in München eine gewisse Anhängerschaft, spielte aber in Bayern während der ersten Jahre der Republik ansonsten kaum eine wichtige politische Rolle. Außerhalb Bayerns wurde Hitler Anfang der 1920er Jahre nicht wirklich ernstgenommen.

Dennoch versuchten Hitler und Ludendorff mit einigen Parteigängern am 9. November 1923 beim sogenannten Hitler-Ludendorff-Putsch, ausgehend von einer Versammlung im Münchner Bürgerbräukeller, deren Führung Hitler an sich gerissen hatte, die Regierung in Bayern und im Reich abzusetzen. Die verschiedenen Krisen im Deutschen Reich, so etwa die Deutsche Inflation 1914 bis 1923 oder die französisch-belgische Ruhrbesetzung, beides Folgen der Niederlage im Ersten Weltkrieg und dem Versailler Vertrag, den Hitler und die Seinen als „Verrat der Demokraten am im Felde unbesiegten deutschen Heer“ betrachteten, schienen ihm als günstige Voraussetzungen, den Putsch zu wagen. Viele Unzufriedene, wie entlassene Offiziere und Personen die durch die Inflation faktisch enteignet worden waren, sammelten sich in der NSDAP und/oder in der SA.

Beim anschließenden Marsch auf die Feldherrnhalle in München wurde der Putschversuch jedoch schnell von der bayerischen Landespolizei niedergeschlagen. Kurz darauf wurde Hitler zur gesetzlichen Mindeststrafe von 5 Jahren Festungshaft in der Festung Landsberg verurteilt und die NSDAP zunächst verboten. Den Prozess konnte Hitler als Propagandaveranstaltung nutzen. In der Haft, während der Hitler viele Vergünstigungen genoss, entschloss sich Hitler, die Macht in Deutschland auf legalem Wege zu erringen. Er diktierte seinem damaligen Sekretär und späteren Stellvertreter Rudolf Heß seine programmatische Autobiografie Mein Kampf, in der er seine Ziele und Vorhaben, die er nach 1933 umsetzen sollte, vorwegnahm.

Der Hitlerputsch war der vorläufige Höhepunkt der Rechtsextremen gewesen, mit einem wirtschaftlichen Aufschwung fiel ihre Bedeutung. Auf dem Markt erschienen Neuheiten wie der für alle zugängliche Rundfunk oder erschwingbare Autos aus der Massenproduktion, die von den Nationalsozialisten früh und erfolgreich genutzt wurden.

Die nationalsozialistische Bewegung zerbrach in mehrere Parteien, von denen aber nur zwei eine gewisse Bedeutung erreichten und die auch insgesamt an Stimmen verloren. Eine der beiden bedeutenderen war die Großdeutsche Volksgemeinschaft unter dem von Hitler ausgewählten Alfred Rosenberg, der im Juli 1924 von Julius Streicher und Hermann Esser abgelöst wurde. Sie konkurrierte mit der Nationalsozialistischen Freiheitsbewegung Großdeutschlands mit Gregor Strasser und Erich Ludendorff.

Schon am 20. Dezember 1924 wurde Hitler wieder aus der Haft entlassen.

1925–1929: Die NSDAP als Splitterpartei

Am 27. Februar wurde die NSDAP in München neu gegründet und die meisten nationalsozialistischen Gruppen und Parteien vereinigten sich in ihr unter der unumschränkten Führung Hitlers. Die Strukturen der Partei wurden in den folgenden Jahren geprüft und ihre Organisation verbessert.

Als 1924 dem Reichspräsidenten Friedrich Ebert im Dolchstoßprozess vorgeworfen wurde, durch seine Beteiligung an den Streiks während des Weltkrieges habe er Landesverrat begangen, ließ er eine Blinddarmentzündung nicht rechtzeitig behandeln und starb 1925. Die folgende Wahl gewann der trotz gegenteiliger öffentlichen Bekundigungen noch immer seinem ehemaligen Kaiser treue parteilose Paul von Hindenburg, der von den meisten Rechtsparteien, ihnen voran der DNVP, unterstützt wurde.

Für die Wahl hatte die NSDAP mit Erich Ludendorff ebenfalls einen Kandidaten aufgestellt, der aber mit 1,1% im ersten Wahlgang scheiterte. Hitler, der im selben Jahr seine österreichische Staatsbürgerschaft abgelegt hatte und somit vorerst (bis 1932) als staatenlos firmierte, hatte jedoch zunächst in einigen deutschen Ländern noch öffentliches Redeverbot, das zuletzt 1928 in Preußen aufgehoben wurde, nachdem er nun bekundete die Machtübernahme auf legalem Weg erreichen zu wollen.

1926 konnte sich Hitler auf dem ersten Reichsparteitag der NSDAP in Weimar gegen die Brüder Gregor und Otto Strasser, die den "linken" Parteiflügel anführten, durchsetzen. Fortan setzte er seine Hoffnungen insbesondere in die Wählerschichten des Mittelstandes und der Landbevölkerung, die mit der herrschenden Politik aufgrund wirtschaftlicher Belastungen und entsprechenden Einbußen besonders unzufrieden waren.

Allerdings war die NSDAP bis zur Reichstagswahl von 1930 kaum mehr als eine Splitterpartei, und nur eine von vielen im Reichstag vertretenen völkischen Parteien am politischen rechten Rand. Die lange Zeit größte und einflussreichste unter ihnen, die den völkischen Block anführte, war die DNVP. Bei der Reichstagswahl am 20. Mai 1928 verlor die NSDAP sogar zwei Mandate und kam mit 2,6 % der Wählerstimmen auf nur 12 Sitze im Reichstag.

Nachdem sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Deutschland, die seit 1924 relativ stabil geworden waren, ab Mitte 1929 innerhalb weniger Monate wieder dramatisch verschlechterten, änderte sich die politische Parteienlandschaft in kurzer Zeit zugunsten der ideologischen Pole des links- und rechtsextremen Spektrums, was sich gerade auch auf die NSDAP begünstigend auswirkte.

1929–1933: Weltwirtschaftskrise und Demokratiekrise

1929 konnte die NSDAP und Hitler mit dem Volksentscheid über den Young-Plan zur Neuregelung der Reparationszahlungen, dessen Initiator der Pressezar und DNVP-Angehörige Alfred Hugenberg war, wieder auf die politische Bühne zurückkehren. Der Volksentscheid scheiterte, die NSDAP aber hatte mit ihrer Propaganda neue Wählerkreise erreichen können.

In den folgenden Jahren gewann die NSDAP wieder mehr und mehr an Bedeutung. Grund war vor allem die Weltwirtschaftskrise, die auch durch die starken Finanzverflechtungen in Verbindung mit den Reparationszahlungen Deutschlands verstärkt wurde.

Im Kontext der Weltwirtschaftskrise stieg die Arbeitslosigkeit in Deutschland sprunghaft an. So verstärkte sich bei vielen Wählern nun der Ruf nach einem „starken Mann“. Vor diesem Hintergrund gewann die Propaganda der NSDAP innerhalb kurzer Zeit ungeahnte Überzeugungskraft: Hitlers Wahlkampfparole, sein Ziel sei es, die „politischen Parteien aus Deutschland hinweg zu fegen“, stieß nun bei vielen Unzufriedenen, besonders aus der Mittelschicht, auf offene Ohren. Sie trieb ihm viele Wähler zu, nicht nur aus dem völkisch-nationalen, sondern auch dem bürgerlich-konservativen Lager.

Die Nationalsozialisten verstanden es, die Massen durch Großveranstaltungen für sich zu gewinnen und nutzten modernste Wahlkampfmittel, zum Beispiel die konsequente Emotionalisierung und die Nutzung von Flugzeugen. Hitlers Angriffe richteten sich gegen alles, was mit dem „Weimarer System“ in Verbindung gebracht wurde - vom Parteiensystem, bestehend aus verschiedenen relativ kleinen Parteien und Splitterparteien, bis hin zum eigentlichen demokratisch-parlamentarischen Prinzip.

Im März 1930 zerbrach die von dem Sozialdemokraten Hermann Müller geführte Große Koalition über der Frage einer geringfügigen Beitragserhöhung für die Arbeitslosenversicherung. Hindenburg ernannte den Zentrumspolitiker Heinrich Brüning zum Kanzler. Mit dem Ernennungsrecht nach Art. 53 der Weimarer Verfassung war in Verbindung mit dem Notverordnungsrecht nach Art. 48 WRV und dem Parlamentsauflösungsrecht nach Art. 25 ein Präsidialkabinett möglich, also eine Minderheitsregierung, die nur auf das Vertrauen des Präsidenten und dessen Notstandsvollmachten gestützt war. Ein solches Präsidialkabinett wurde unter Brünings Führung etabliert. Zu dieser Entscheidung hatte das Fehlen einer arbeitsfähigen Regierung ebenso beigetragen wie die mangelnde Konsensfähigkeit der Parteien. Dass jedoch tatsächlich alle Verhandlungsspielräume erschöpft waren, wurde bezweifelt. Auch wurden nur die Minister der SPD ausgewechselt, so dass ein vom Präsidenten gewünschter und von den meisten Parteien unterstützter Schwenk nach rechts wahrscheinlich war.

Da das Parlament von dem Recht Gebrauch machen wollte, die Notverordnungen des Präsidenten aufzuheben, löste dieser am 18. Juli 1930 den Reichstag auf. Bei den Wahlen konnte die NSDAP die Zahl ihrer Abgeordneten von 12 auf 107 erhöhen und wurde damit zur zweitstärksten Partei. Jetzt gab es nicht einmal mehr eine Mehrheit für eine Große Koalition im Reichstag, der zunehmend zum Forum für die Agitation rechter und linker Gegner der Republik wurde. In einem Prozess gegen Offiziere der Reichswehr, denen die Verbreitung von nationalsozialistischer Propaganda vorgeworfen wurde, bezeugte Hitler in seinem öffentlichkeitswirksamen Legalitätseid, dass er die Macht „nicht mit illegalen Mitteln“ anstrebe, und trat damit Gerüchten über einen Putsch entgegen. Die NSDAP brauche „noch zwei bis drei Wahlen“, dann werde sie „in der Mehrheit sitzen“ und „den Staat so gestalten, wie wir ihn haben wollen“.

Aber nicht nur der rechte Flügel der Parteienlandschaft erstarkte, sondern auch der extrem linke. Die republik-freundlichen Sozialdemokraten verloren im Gegensatz zu den Liberalen weniger Stimmen, die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD) konnte sogar Stimmen gewinnen und wurde zu einer bedeutenden Macht im Parlament und auf der Straße. Denn längst hatte sich der Kampf, ausgehend von den Kampforganisationen der NSDAP (SA und SS) und der KPD (Roter Frontkämpferbund), auf die Straße verlagert, wo sich teilweise bürgerkriegsähnliche Szenen abspielten. Daran hatten selbst die republikanisch gesinnten Kräfte mit einem eigenen Kampfverband, dem sozialdemokratisch dominierten Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold, Anteil. Auch diese chaotischen Gewaltszenen spielten letztlich – obwohl diese oft dafür verantwortlich waren – den Nationalsozialisten in die Hände, da Hitler immer häufiger als „letzte Karte“ ins Spiel gebracht wurde, der die geordneten Verhältnisse wiederherstellen würde.

Um eine weitere Stärkung der radikalen Flügelparteien zu verhindern, tolerierte die SPD im Reichstag weitgehend die auf Kürzung der Sozialausgaben basierende Deflationspolitik Brünings, welche aber die wirtschaftliche Krise kurzfristig noch verschärfte.

Am 11. Oktober 1931 vereinigte sich auf Initiative der DNVP unter Leitung des Medienzars Alfred Hugenberg die nationalistische Rechte zur Harzburger Front. Als Reaktion bildeten die republiktreuen Organisationen unter dem Fahnensymbol der drei Pfeile die Eiserne Front. Die NSDAP schaffte es, unter anderem mit finanzieller Unterstützung von Großindustriellen wie Fritz Thyssen von den Vereinigten Stahlwerken, Albert Vögler oder Emil Kirdorf vom Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikat, die Stimmung der Bevölkerung durch populäre Parolen gegen den Parlamentarismus aufzugreifen. Am 27. Januar 1932 hielt Hitler einen Vortrag im Düsseldorfer Industrieclub, wo er sowohl das auf Privateigentum gegründete freie Unternehmertum als auch das nationalsozialistische Führerprinzip auf das Leistungsprinzip zurückführte. Die NSDAP konnte so ihre Spendeneinnahmen von der Industrie noch einmal erhöhen. Die Kontakte zwischen NSDAP und Industrie sollten durch zwei Beraterstäbe gefördert werden, durch die vom ehemaligen Reichsbankpräsidenten Hjalmar Schacht gegründete „Arbeitsstelle Dr. Schacht“ sowie den vom Chemie-Unternehmer Wilhelm Keppler geleiteten „Industrieausschuss für Wirtschaftsfragen“. Welche Rolle die Groß- bzw. Schwerindustrie bis zur Machtübernahme im Einzelnen spielte, ist umstritten. Nach der Machtübernahme versuchte sie, sich die Gunst Hitlers zu sichern.

Nachdem Hitler, der seit 1925 auf eigenes Betreiben staatenlos war, Anfang 1932 die deutsche Staatsangehörigkeit erhalten hatte, nahm er an der Reichspräsidentenwahl 1932 teil. Bezeichnend für die Situation der Republik war, dass keiner der Kandidaten Thälmann, Hitler und Hindenburg ein Demokrat war. Die Parteien der Mitte bis zur SPD unterstützten den Sieger Hindenburg, um einen Erfolg Hitlers zu verhindern. Brüning hatte sich mit seinem Verbot der SA und der Osthilfeverordnung, die von den ostpreußischen Grundbesitzern – zu denen auch Hindenburg gehörte – stark kritisiert wurde, beim Reichspräsidenten in Misskredit gebracht. Hindenburg nahm ihm zudem übel, dass er auf sein Betreiben auch von den Anhängern der SPD zum Reichspräsidenten gewählt worden war. Er entzog ihm sein Vertrauen, und Brüning, der aufgrund seiner Sparpolitik in der Bevölkerung ohnehin kaum Rückhalt besaß, musste zurücktreten. Der Kanzler wurde nach eigenem Bekunden „hundert Meter vor dem Ziel“ gestürzt, da seine Deflationspolitik noch keine Wirkung entfalten konnte. Auch sein Ziel der Gleichberechtigung Deutschlands und der endgültigen Aufhebung der Reparationen hatte er nicht erreicht.

Sein Nachfolger Franz von Papen ersuchte Hindenburg sofort um Auflösung des Parlaments. Er wollte die Unterstützung der Nationalsozialisten und hob dafür das Verbot der SA und der SS wieder auf. Hitler hatte die Wahl zum Reichspräsidenten verloren, aber einen großen Popularitätsanstieg erreicht. Bei der nächsten Reichstagswahl am 31. Juli 1932 erhielt die NSDAP 230 Mandate und war damit die stärkste Fraktion im Reichstag. Dies war das höchste Wahlergebnis der NSDAP bei demokratischen Wahlen. Hitler wollte von Hindenburg zum Kanzler ernannt werden, die angebotene Vizekanzlerschaft lehnte er ab. Da die Kommunisten 89 Mandate errungen hatten, hatten die beiden extremen Flügelparteien eine negative Mehrheit erreicht, die jede parlamentarische Arbeit unmöglich machte. Papen löste den gerade erst gewählten Reichstag nach einem mit großer Mehrheit gegen ihn gerichteten Misstrauensvotum durch eine vorbereitete Order Hindenburgs wieder auf. Bereits am 20. Juli hatte er die Regierung von Preußen abgesetzt, die letzte Bastion der Republik. Als Vorwand für den „Preußenschlag“, der häufig als Staatsstreich bezeichnet wurde, diente das angebliche Versagen der preußischen Polizei am „Altonaer Blutsonntag“, heftigen Straßenkämpfen zwischen Kommunisten und der von Papen wieder erlaubten SA.

Die Neuwahlen vom November des Jahres brachten einen Rückgang der Stimmen für die NSDAP. Die meisten Beobachter interpretierten dies als Anfang vom Ende der NSDAP. Eine regierungsfähige Mehrheit existierte weiterhin nicht. Papen, der inzwischen Konjunkturprogramme gestartet hatte, trat zurück, nachdem ihm klar geworden war, dass er die Unterstützung der Reichswehr bei der Absicherung einer Diktaturregierung nicht besaß. Zudem hatte es der Reichstag aufgrund eines Verfahrensfehlers Papens geschafft, ihm rechtlich wirkungslos, aber öffentlichkeitswirksam das Misstrauen auszusprechen. Aufgrund der fehlenden Unterstützung durch Wehrminister General Kurt von Schleicher, die im Zuge einer militärischen Simulation eines möglichen Aufstandes (des „Planspiels Ott“) sichtbar geworden war, verweigerte Hindenburg die geforderte Auflösung des Reichstags ohne Festsetzung von Neuwahlen. Diese Ausschaltung des Parlaments, gestützt auf das Argument des Staatsnotstands, hätte einen offensichtlichen Verfassungsbruch dargestellt.

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Gründe für das Scheitern der Weimarer Republik

Papens Nachfolger wurde Kurt von Schleicher, der bis dahin im Hintergrund die Fäden gezogen hatte und für Papens Sturz verantwortlich war. Doch auch sein Konzept, einen Ausweg aus der Krise zu finden, scheiterte. Er hatte eine breite „Querfront“ von den Gewerkschaften bis zum linken Flügel der NSDAP um Gregor Strasser erstrebt, Strasser musste aber vor Hitler kapitulieren. Am 28. Januar 1933 musste auch Schleicher zurücktreten, nachdem er zuletzt selbst von Hindenburg erfolglos die Ausrufung des Staatsnotstands gefordert hatte. Schleicher selbst war kein Demokrat, seine Verhältnis zur NSDAP wandelte sich mehrmals, zuletzt empfahl er Hindenburg ein Kabinett unter Hitler (AdR, Dok. Nr. 72 vom 28. Januar 1933).

Schleicher konnte nicht wissen, dass ausgerechnet er, Meister der Intrigen, nun selbst Opfer einer Intrige geworden war: Schon am 4. Januar 1933 hatte sich sein ehemaliger Schützling Franz von Papen mit Hitler zu Geheimverhandlungen im Privathaus des Kölner Bankiers Kurt von Schröder getroffen. Diesem Gespräch folgten weitere, zuletzt auch unter Anwesenheit des Staatssekretärs des Reichspräsidenten, Otto Meißner, und des Sohnes des Reichspräsidenten, Oskar von Hindenburg, beides einflussreiche Berater in der Kamarilla des greisen Paul von Hindenburg. Sie vereinbarten eine Koalitionsregierung aus Deutschnationalen und NSDAP, der außer Hitler nur zwei weitere Nationalsozialisten, nämlich Wilhelm Frick als Innenminister und Hermann Göring als Minister ohne Geschäftsbereich und kommissarischer preußischer Innenminister, angehören sollten. Papen selbst war als Vizekanzler und Reichskommissar für Preußen vorgesehen.

Hindenburg, der sich bis zuletzt gegen eine Kanzlerschaft des „böhmischen Gefreiten“ Hitler gesträubt hatte, konnte mit dem Hinweis, dass ein von einer konservativen Kabinettsmehrheit „eingerahmter“ NSDAP-Führer nur eine geringe Gefahr bedeute, beruhigt werden. Ein weiteres zentrales Argument für Hindenburg war die formale Verfassungskonformität der Lösung Hitler. Die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 bedeutete faktisch das Ende der Weimarer Republik ‒ auch wenn die Weimarer Verfassung formal nie außer Kraft gesetzt wurde.

Paul von Hindenburg war in diesen Wochen von allen einflussreichen Lobbyistenverbänden und den Beratern seiner Kamarilla bearbeitet worden (siehe dazu die Artikel zur: Industrielleneingabe (Rolle des Reichsverbandes der Industrie), zum Osthilfeskandal (Rolle des Reichslandbundes)). Inwieweit das seine Entscheidung wirklich beeinflusste, ist schwer zu sagen – Hindenburg hatte zu diesem Zeitpunkt das 86. Lebensjahr erreicht.

Vorkriegszeit

„Machtergreifung“ und Aufhebung der Demokratie

Hitlers Ernennung zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 wurde von den Nationalsozialisten als Machtergreifung gefeiert und von vielen Deutschen emphatisch begrüßt. Damit begann die in den Folgemonaten durchgesetzte NS-Diktatur. Mit seiner Regierungsbildung setzte Hitler auf ein Bündnis mit den alten Eliten: Nur drei Minister kamen aus der NSDAP, die übrigen waren Mitglieder der Nationalkonservativen.

Hindenburg löste den Reichstag am 1. Februar 1933 auf und setzte Neuwahlen an. In der Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutze des Deutschen Volkes am 4. Februar wurde die KPD verboten und erste Notverordnungen erlassen, die gegen Kommunisten und Sozialisten gerichtet waren und Presse-, Meinungs- sowie Versammlungsfreiheit einschränkten. Nach dem Reichstagsbrand vom 27. Februar 1933 erließ Hindenburg die Verordnung des Reichspräsidenten zum Schutz von Volk und Staat, die diese Grundrechte der Weimarer Verfassung noch stärker beschnitt.

Viele KPD- und SPD-Mitglieder wurden nun in „Schutzhaft“ genommen, interniert und zu Tausenden ermordet. Überall im Reich entstanden provisorische Konzentrationslager der „Hilfspolizei SA" in Turnhallen, Scheunen oder Kellern. Das erste spezielle KZ wurde in Dachau für sie errichtet und wie die weiteren KZs im ganzen Reichsgebiet zunächst als „Polizeimaßnahme" für Kriminelle gerechtfertigt. Einige „wilde“ KZs dieser Anfangsphase wurden später durch ständige KZs ersetzt. Einige abgetauchte Regimegegner gingen in den Untergrund oder konnten ins Ausland fliehen, als die Verhaftungswelle anlief. Die SPD bildete in Prag eine Führungsstruktur im Exil, die Sopade.

Bei der Reichstagswahl 1933 am 5. März 1933 verfehlte die NSDAP die absolute Mehrheit, verschaffte sich diese aber, indem Hitler die von der KPD gewonnenen Sitze vor der ersten Reichtagssitzung annullierte. Zudem beeinflussten anwesende SA-Mitglieder die Reichstagssitzungen.

Am 21. März 1933 inszenierten die Nationalsozialisten den Tag von Potsdam, um damit die Verbrüderung mit den Traditionen und Eliten Preußens zu demonstrieren und so weiteren Rückhalt im In- und Ausland zu gewinnen. Das so genannte Ermächtigungsgesetz vom 23. März gab der Regierung zunächst für die Frist von vier Jahren fast uneingeschränkte Gesetzgebungsbefugnisse. Es entmachtete die noch bestehenden anderen Parteien, die außer der SPD im Reichstag alle selbst dafür stimmten. Im Juli wurden auch sie verboten.

Die NS-Propaganda ersetzte die freie Presse und Kultur in allen Lebensbereichen. Die NSDAP erhielt viele neue Mitglieder, die die älteren Nationalsozialisten nach dem Wahltermin spotthaft als „Märzgefallene" bezeichneten.

Gleichschaltung

Dann begann die Gleichschaltung, das heißt Unterwerfung, Selbstunterwerfung und Angleichung aller gesellschaftlichen Organisationen und Institutionen unter das NS-Regime. Erster Schritt dazu war die Gleichschaltung der Länder, die alle hoheitlichen Aufgaben verloren. Ähnliche Maßnahmen betrafen bis Ende 1934 die meisten Vereine, Verbände, Gewerkschaften, Handwerkerschaft, Studentenverbindungen, Medien, Kultureinrichtungen und die Justiz. Viele der betroffenen Organisationen ordneten sich oft lieber unter als aufgelöst oder verboten zu werden. Parteiorganisationen der NSDAP begannen in vielen Bereichen die vormaligen Aufgaben staatlicher Stellen und nicht-staatlicher Interessensverbände zu übernehmen. Auf der anderen Seite entstanden innerhalb der nationalsozialistischen und der staatlichen Strukturen zahlreiche neue Ämter sowie Untergliederungen, deren Kompetenzen sich oft überschnitten.

Am 10. Mai fanden überall in Deutschland die Bücherverbrennungen von meist linksgerichteten, liberalen und als „entartet“ angesehenen Autoren statt.

Die beiden großen Kirchen waren anfangs von der organisatorischen Gleichschaltung ausgenommen. Die katholischen Bischöfe behielten durch das Reichskonkordat ihre Ämter und Bezirke, die evangelischen Landeskirchen schlossen sich vorbeugend im Juni/Juli 1933 zu einer Reichskirche unter Leitung eines Reichsbischofs zusammen. Jedoch spaltete sich die DEK dann in von Deutschen Christen (DC) beherrschte Landeskirchen und Gemeinden der Bekennenden Kirche. Die DC propagierten ein „judenreines“ Evangelium und waren dem Führer ergeben. In der BK sammelten sich Christen, die Übergriffe des Staates auf den Glauben und Ausschluss jüdischer Mitglieder ablehnten, aber selten den Nationalsozialismus als solchen bekämpften.

Beginn der Judenverfolgung

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Brain Drain mit Gewalt: führende Vertreter der Wissenschaften wie Emmy Noether wurden vertrieben.
Ab März 1933 wurden Juden aus den Freien Berufen – Ärzte, Rechtsanwälte, Apotheker, Bademeister usw. – gedrängt, von ihren Verbänden ausgegrenzt und erhielten dafür Berufsverbote.

Am 1. April 1933 organisierte die SA den ersten Boykott jüdischer Geschäfte. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933 begann die Entfernung deutscher Beamter jüdischen Glaubens oder vermuteter Herkunft aus dem Staatsdienst sowie durch das Verbot jeder öffentlichen Betätigung solcher Deutscher deren Ausschaltung aus dem gesamten öffentlichen Leben. Bis Ende 1935, als durch das Reichsbürgergesetz sämtliche deutschen Juden ihrer Bürgerrechte beraubt wurden, bot das Frontkämpferprivileg in einigen Fällen noch einen geringen Schutz. In manchen Fällen stellte sich das Zögern bei der Flucht als entsetzliche Fehleinschätzung heraus.

Eine für manche Berufsfelder bedeutende Emigration der politisch oder rassisch Verfolgten setzte ein. In der NS-Diktion wurde dies als "Flucht von Systemgegnern" begrüßt; durch die gleichzeitig einsetzenden Verfolgungsmaßnahmen konnte damit aber kein Schein der Freiwilligkeit aufgebaut werden.

Entmachtung des Röhmflügels und Machtkonzentration

In ihrem 25-Punkte-Programm hatte die NSDAP unter anderem die Enteignung und Verstaatlichung von Großbetrieben gefordert. Hitler ignorierte dies jedoch, um die Unterstützung der Großindustrie und Reichswehr nicht zu verlieren. Dies rief in der NSDAP Unzufriedenheit und Konflikte über das weitere Vorgehen hervor. Die Sturmabteilung (SA) unter Hitlers Duzfreund Ernst Röhm wollte die Reichswehr übernehmen und trat für eine soziale Umgestaltung der Gesellschaft ein. Dies war mit Hitlers Kriegsplänen nicht vereinbar.

Auf Rat von Heinrich Himmler, Joseph Goebbels und Hermann Göring ließ Hitler wegen eines angeblichen durch Röhm geplanten Putsches zahlreiche Gegner und mögliche Konkurrenten in der NSDAP, auch Ernst Röhm, zwischen 30. Juni und 1. Juli 1934 ermorden. Reichsweit gab es etwa 200 Opfer, darunter Gregor Strasser, General Bredow, der ehemalige Reichskanzler General Kurt von Schleicher und der ehemalige bayerische Ministerpräsident G. v. Kahr. Damit entschied er den innerparteilichen Machtkampf. Eine richterliche Untersuchung dieser Taten fand nie statt. Der Mörder amnestierte sich und die Mittäter in aller Öffentlichkeit mit einem Sondergesetz selbst. Es wird vermutet, dass die Reichswehr Hitlers Ernennung zum Reichspräsidenten und damit auch zu ihrem Oberbefehlshaber um den Preis der Entmachtung der SA und der Zusicherung, die Reichswehr würde der einzige Waffenträger im Reich bleiben, förderte.

Nach Hindenburgs Tod am 2. August 1934 übernahm Hitler nach einem Gesetz, das ebenfalls seine Regierung beschlossen hatte, das Amt des Reichspräsidenten und trug nun die Titel Führer und Reichskanzler. Durch ein Plebiszit ließ er sich sein Vorgehen nachträglich bestätigen. Kriegsminister Werner von Blomberg, den Hindenburg noch vor Hitler gegen die Verfassung zum Minister ernannt hatte und der mit anderen dessen Macht im Konzept der Konservativen „einrahmen“ (relativieren) sollte, ließ die Reichswehr nun auf Hitlers Person vereidigen.

Auch das Berufsbeamtentum musste einen „Führereid“ ablegen, so dass regimekritische Akademiker ihre Ämter verloren. Damit hatte Hitler seine Herrschaft innenpolitisch durchgesetzt, stabilisiert und dauerhaft abgesichert.

Propaganda und Personenkult

Die Mittel der Nationalsozialisten zur Machtsicherung waren Propaganda, Personenkult um Hitler und populistische Maßnahmen auf der einen Seite, Überwachung und Unterdrückung auf der anderen. Ein Teil der Bevölkerung stimmte den Maßnahmen der NSDAP zu, ein weiterer Teil passte sich an, um ihr eigenes Leben ungestört führen zu können. Die Propaganda wurde im neu gegründeten Propagandaministerium unter Joseph Goebbels sowie in der Reichskulturkammer gebündelt und mit großer Effektivität betrieben. Die Presse wurde durch wirtschaftliche Mittel wie der Förderung genehmer Verlage sowie mit direkten Presseanweisungen gesteuert. Massenorganisationen wie die Hitler-Jugend, der BDM, die Deutsche Arbeitsfront und Kraft durch Freude erfassten und beeinflussten fast alle Lebensbereiche. Der Nationalsozialismus war öffentlich z.B. durch Aufmärsche, Rituale und Gesten wie dem Hitlergruß ständig und überall präsent.

Polizeistaat

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Organisation der NSDAP
Ein Unterdrückungsapparat aus Gestapo, SS, SD und Sicherheitspolizei wurde aufgebaut. Zum Wesen der gewaltsamen Unterdrückung gehörten die Inhaftierungen und die Einrichtung ungesetzlicher Konzentrationslager als einer Polizeimaßnahme im Jahr 1933 direkt nach der Parlamentswahl (als „Schutzhaft" deklarierte Vorbeugehaft). Die zur Hilfspolizei ernannten Sturmabteilungen (SA) konnte dort ihre bisherigen Gegner fast nach Belieben über Monate und Jahre misshandeln und erniedrigen.

Die Gestapo war in den folgenden Jahren vor allem für die Bekämpfung „staatsfeindlicher Bestrebungen“ zuständig und hatte 32.000 Mitarbeiter; dies war verhältnismäßig wenig, da das Regime auf die vielen NS-Sympathisanten und Denunzianten setzen konnte.

Rechtspolitik

An Aufbau, Aufgaben und grundsätzlicher Struktur der Gerichte änderte sich im Übergang von der Weimarer Republik zum Nationalsozialismus nichts. Auch ein Großteil der Gesetze, wie das BGB oder das StGB, wurden allenfalls in Teilen verändert. Die Weimarer Reichsverfassung (WRV) blieb offiziell die Verfassung des Deutschen Reiches. Faktisch wurde sie jedoch durch eine Vielzahl von Gesetzen ausgehebelt. Dies betraf insbesondere die Grundrechte, die Gewaltenteilung und die Gesetzgebung. Viele Gesetze und Verordnungen standen im direkten Widerspruch zur WRV. Geänderte Strafgesetze galten rückwirkend.

Als neue Rechtsquelle trat neben Parlamentsgesetze und Ministerialverodnungen der sog Führererlass von Juristen des dritten Reiches als Rechtsquelle sui generis angesehen, die über allen anderen Rechtsquellen stand.

Das BGB wurde kaum geändert, aber durch die "Einfallstore" der Generalklauseln der §§ 138, 242, 826 BGB wurde die nationalsozialistische Ideologie auch im Zivilrecht umgesetzt. Beispielsweise war jeder Vertrag i.S.d. BGB der mit einem Homosexuellen oder Juden geschlossen wurde gem. § 138 BGB sittenwidrig und damit nichtig.

Die WRV wurde nicht offiziell aufgehoben, aber materiell (vgl. das „Gesetz zur Behebung der Not von Volk und Reich“ (Ermächtigungsgesetz) vom 24. März 1933 und „VO zum Schutz von Volk und Staat“ vom 28. Februar 1933, die sog. Reichstagsbrandverordnung) bzw. von der NS-Rechtslehre nicht anerkannt (vgl. Carl Schmitt: Staat, Bewegung, Volk; 1933: „in Wahrheit ist [das] Ermächtigungsgesetz ein vorläufiges Verfassungsgesetz des neuen Deutschland“)

Die durch die „Einheit von Partei und Staat“ sehr häufigen Überlagerungen von NSDAP-Richtlinien und Verwaltungsrecht führen zur Marginalisierung des Letzteren. Als neuer Verwaltungszweck galt die Erfüllung eines Gemeinschaftszwecks. In diesem Zusammenhang kam es zu einer Ausschaltung der subjektiv-öffentlichen Rechte (Abwehrrechte des Bürgers gegen das Staatshandeln) und zu einem Kompetenzverlust der Verwaltungsgerichtsbarkeit.

Durch die so genannte Schutzhaft (Inhaftierung durch SA und SS vollkommen ohne Verfahren) wurden im Vorfeld von Strafprozessen Zeugen und Angeklagte gezielt unter Druck gesetzt oder ausgeschaltet. Folter galt als legitimes Mittel der Beweiserhebung u. a. durch die Gestapo. Ein Schuldeingeständnis zu Beginn des Prozesses (ähnlich dem guilty plea im anglophonen Rechtskreis) zur Verkürzung des Verfahrens wurde eingeführt und auch angewendet. Strafgesetze wurden mittels der Analogen Gesetzesanwendung (§ 2a StGB a.F.) auf eine Vielzahl von Tatbeständen erstreckt. Als erweitertes Gewohnheitsrecht galt das „gesunde Volksempfinden“.

Spezielle Straftatbestände für Minderheiten oder Personengruppen (Juden, Zwangsarbeiter, Ausländer) wurden ins Strafrecht aufgenommen. Mit der schrittweisen Ausdehnung des Deutschen Reiches wurden für die unterworfenen Völker (besonders in Ost- und Südosteuropa) besondere „Rechtsgrundsätze“ angewandt. Die nationalsozialistische Hierarchie von „Über-“ und „Untermenschen“ fand während des Zweiten Weltkriegs ihren Ausdruck in zahlreichen Erlassen, Führerbefehlen und Vorschriften, am konsequentesten durchgesetzt in den Ostgebieten (u. a. dem Generalgouvernement, siehe auch unter: Polen-Erlasse, Polenstrafrechtsverordnung).

Das Strafrecht des Dritten Reiches war größtenteils nicht tatbezogen, sondern auf den Täter fokussiert (vgl. das "Gewohnheitsverbrechergesetz" von 1933 und die "Verordnung gegen Volksschädlinge" von 1939). Dies bedeutete, dass die Strafe nicht vorrangig nach der Schwere der Tat bestimmt wurde, sondern danach, welche Gefahr vom Täter für das Volk vermeintlich ausging.

Im Vordergrund des Strafvollzuges im nationalsozialistischen Deutschland stand die „Sühne“ der Schuld sowie die Abschreckung im Sinne der Generalprävention. Spezialprävention spielte nur eine untergeordnete Rolle. Ab 1944 wurden im ganzen Reichsgebiet verstärkt Standgerichte eingesetzt um „Wehrkraftzersetzer“ und Deserteure abzuurteilen. Diese waren im Allgemeinen durch Laienrichter besetzt (z. B. durch den Bürgermeister eines Ortes).

1934 wurde der Volksgerichtshof (VGH) geschaffen. Er diente vor allem dazu, politische Schauprozesse abzuwicklen. Von 1934 bis Juni 1944 wurden vom VGH 5375 Todesurteile verhängt. Für die Zeit von Juli 1944 bis April 1945 gehen Schätzungen von ca. 2000 weiteren Todesurteilen aus. Auch die Mitglieder der Weißen Rose und die Attentäter vom 20. Juli 1944 wurden vom VGH zum Tode verurteilt.

Die Rechtswissenschaft wandelte ihre grundsätzliche Ausrichtung von der Interessenjurisprudenz hin zur Weltanschauungsjurisprudenz. Damit einher ging eine strikte Ablehnung eines Naturrechts. In der nationalsozialistischen Rechtswissenschaft galt Rechtsetzung durch Interpretation (Umgehung der Gesetzgebung, „Führerwort“) als allgemein anerkannt.

Wirtschaftspolitik

Hauptartikel: Wirtschaft im nationalsozialistischen Deutschland

Das gesamte Wirtschaftsleben des NS-Staates begründete sich auf den Mechanismus von Zwang und Anreiz. Die Organisation Kraft durch Freude ermöglichte es jedem Arbeitnehmer in regelmäßigen Abständen Urlaub zu machen. Zugleich investierte das Regime in Infrastruktur (Autobahnen, Bauten) sowie in die Wehrmacht und erreichte damit die Beseitigung der Arbeitslosigkeit und Wachstum. Dabei profitierte es von der wieder anlaufenden Weltkonjunktur.

Die Wirtschaft spielte eine wichtige Rolle für die Machtübernahme und die Ziele Hitlers. Eine Gruppe von Industriellen, darunter der Reichsbankpräsident und spätere Wirtschaftsminister Hjalmar Schacht, richteten 1932 eine Eingabe an Reichspräsident Hindenburg, in der sie die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler forderten. Außerdem erhielt Hitler von einigen Industriellen vor und insbesondere nach der Machtergreifung Spenden, z.B. die Adolf-Hitler-Spende der deutschen Wirtschaft. Eine generelle Unterstützung Hitlers durch die ganze Industrie oder massive Spenden vor der Machtergreifung sowie eine direkte Verbindung von Kapitalismus und Faschismus gibt es aber nicht. Für den Erfolg Hitlers war die allgemeine Zustimmung der Bevölkerung aufgrund der ökonomischer Stabilität des Deutschen Reiches wichtig, auch während des gesamten Verlaufs des Krieges.

Eine der dringendsten Aufgaben Hitlers nach der Machtübernahme war die Überwindung der Wirtschaftskrise, die ihm zur Erringung der Macht verholfen hatte, ihn bei einem Misserfolg aber auch gefährdet hätte. Dies erreichte er vor allem durch deficit spending, also mit Krediten (den Mefo-Wechseln) finanzierten Konjunkturprogrammen und Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, auch das Ende der Reparationszahlungen noch während der Weimarer Republik begann zu wirken, und die erste Besserung der Konjunktur hatte es schon vor Hitler gegeben. Mit der Abkehr von der deflatorischen Politik Brünings, waren entgegen weitverbreiteter Meinung bereits unter den vorhergehenden Regierungen Franz von Papen und Kurt von Schleicher Maßnahmen zur Konjunkturbelebung eingeleitet worden, die nicht in erster Linie der Kriegsvorbereitung dienten, wie der Bau der Autobahnen. Kriegsvorbereitung spielten zunächst für die Öffentlichkeit keine große Rolle bei der Belebung der Konjunktur. Augenscheinlicher waren beispielsweise eher bevölkerungspolitische gedachte Maßnahmen, wie Ehestandsdarlehen. Dabei wurden einem Paar bei der Heirat ein Darlehen von tausend Reichsmark angeboten, wenn die Frau dabei dauerhaft aus dem Berufsleben ausschiede. Eine Rolle spielten auch diktatorische Schritte, wie die Abschaffung der Gewerkschaften oder die Ermordung vom antikapitalistischen gesinnten SA-Stabschef Ernst Röhm, der eine soziale Revolution nach dem Programm der NSDAP forderte.

Eine wichtige Maßnahme war die Erzeugungsschlacht in der Landwirtschaft. Im September 1933 wurden alle landwirtschaftlichen Betriebe, Genossenschaften und Landwirtschaftskammern im Reichsnährstand zwangsvereinigt. Der Nährstand wurde verherrlicht und als Quelle der rassischen Erneuerung populiert, in der Realität verlor er aber an Bedeutung. Der durchschnittliche Lohn in der Landwirtschaft fiel stetig und der Anteil der in der Landwirtschaft Beschäftigten fiel ebenfalls ab. Auch die Industrie sollte unabhängiger vom Ausland werden, so dass die Gewinnung einheimischer Rohstoffe verstärkt wurde. Die Einrichtung des Reichsarbeitsdienstes verbindet hierbei den propagandistischen Zweck, kurzfristig augenscheinlich die jugendlichen Arbeitslosen „von der Straße zu holen“ mit dem Autarkiebestreben, neue landwirtschaftliche Flächen durch z. B. Trockenlegung von Mooren und Sümpfen zu gewinnen.

Mit dem Gesetz zur Ordnung der nationalen Arbeit wurde am 20. April 1934 auch in den Unternehmen das Führerprinzip eingeführt. In der Betriebsgemeinschaft war der Betriebsführer für seine „Gefolgschaft“ verantwortlich; diese war ihm zu Treue verpflichtet. Um wichtige Industrielle an die Wehrmacht zu binden, wurden sie zu Wehrwirtschaftsführern ernannt. Treuhänder der Arbeit kontrollierten schon seit Mai 1933 die Betriebe und sorgten für die Gleichschaltung der Wirtschaft, sie regelten auch den Erlass der Tarifordnungen.

Zu einer Erhöhung des Lebensstandards kam es für die meisten Berufstätigen nicht, da bald die Rüstung Priorität erhielt. So mussten z. B. eine verdeckte Inflation, Einschränkungen bei der Berufswahl, bei der freien Wahl des Arbeitsplatzes und eine Verlängerung der Arbeitszeiten akzeptiert werden. Das Wachstum basierte auf Planwirtschaft und diente der systematischen Aufrüstung und Kriegsvorbereitung. Mit dem Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums vom 7. April 1933, der Entlassung von jüdischen Beamten und Richtern aufgrund des „Arierparagraphen“, der bald auf Ärzte und Apotheker, Anwälte und Journalisten, Universitätsprofessoren und Künstler ausgedehnt wird und der Arisierung von Betrieben, Vermögensgegenständen, Wohnungen und Mobiliar kam eine gigantische Arbeitsplatz- und Vermögensumverteilung in Gang, von der bald auch solche Deutsche profitierten, die während der Weltwirtschaftskrise nicht arbeitslos geworden waren.

Drei Tage vor dem auf 1. September 1939 festgelegten Angriff auf Polen, dem Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde mit der Verteilung von Lebensmittelkarten begonnen. Bald wurden Kriegsgefangene und immer mehr verschleppte Zivilisten teilweise unter unmenschlichen Bedingungen als Zwangsarbeiter eingesetzt; bei Kriegsende waren es ca. neun Millionen (siehe auch unter: Polen-Erlasse, Polenstrafrechtsverordnung, Ostarbeiter, Generalbevollmächtigter für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel). Da die Männer im Krieg gebraucht wurden, arbeiteten in den Fabriken, im Widerspruch zu den Aussagen von Mein Kampf, immer mehr Frauen. Erst nach den ersten Niederlagen gegen die Sowjetunion und dem Kriegseintritt der USA Ende 1941 kam es zu einer deutlichen Umstellung hin zur Kriegswirtschaft; der totale Krieg mit dem Ziel der vollen Ausnützung des wirtschaftlichen und personellen Potenzials für die Kriegsführung wurde erst am 18. Februar 1943 von Joseph Goebbels ausgerufen.

Am Ende des Krieges brach die Industrie durch die Bombardierung der Infrastruktur (Eisenbahn) und Industrieanlagen und die fehlende Rohstoffversorgung zusammen, die Versorgung mit Lebensmitteln wurde problematisch, der Schwarzmarkt blühte auf. Zu einer allmählichen Erholung kam es erst mit den Darlehen des Marshallplans und der Währungsreform.

Siehe auch: I.G. Farben

Sozialpolitik

Hauptartikel: Sozialpolitik im Nationalsozialismus

Das Regime sicherte sich die Unterstützung der Bevölkerung durch folgende Maßnahmen:

  • 1933: Schuldenbereinigungsgesetz (Schuldnerschutz größer als Gläubigerschutz)
  • Einführung des 1. Mais als Tag der Arbeit (gesetzlicher Feiertag)
  • 1934: Steuerreform und Verdopplung der Urlaubstage
  • 1940: Abschaffung der Steuern auf Zuschläge für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit
  • 1941: Integration der Rentner in die Krankenkasse
  • 1941: 15-prozentige Rentenerhöhung

Die gesellschaftspolitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten dienten dazu, die Menschen zu „erfassen“ und sie in Organisationen wie dem Jungvolk, der Hitlerjugend, der Reichswehr oder dem Reichsarbeitsdienst zu beeinflussen. Schon für die Kleinkinder gab es nationalsozialistische Kindergärten mit ausgebildeten Erziehern, für uneheliche oder überzählige Kinder gab es die Einrichtung Lebensborn, wo sie in staatlichen Heimen erzogen wurden.

Die einzelnen Berufe wurden in nationalsozialistischen Organisationen zusammengefasst, so zum Beispiel dem Deutschen Kraftfahrerbund, dem Reichslehrerbund oder dem Deutschen Ärztebund.

Auch die Freizeit wurde „organisiert“. Reisen, Ferienlager und sonstige Veranstaltungen der Organisation Kraft durch Freude sollten die Leute für den Nationalsozialismus einnehmen.

Die sozialen Leistungen, wie zum Beispiel die Ausweitung der Sozialversicherungen, die Einbeziehung der Rentner in die Krankenversicherung, staatliche Darlehen für Hausbauer, Einführung von Kindergeld, Konzertaufführungen in Betrieben, Maßnahmen des Arbeitsschutzes und Arbeitspausen, dienten vor allem der Überzeugung und Gewinnung der Leute sowie der Stärkung der Arbeitskraft. Der Führer der Deutschen Arbeitsfront, Robert Ley, verglich den Berufstätigen mit einer „Maschine, die von Zeit zu Zeit überholt werden muss“, damit sie gut arbeiten kann.

Natürlich galten all diese sozialen Leistungen nur für „Volksgenossen“. Juden, „Mischlinge“, Sinti, Jenische und Roma, Angehörige der Völker besetzter Länder, körperlich oder geistig Behinderte sowie „Asoziale“ blieben davon ausgeschlossen.

Siehe auch: ]], Erziehung im Nationalsozialismus, Eintopfsonntag, Mutterkreuz und Muttertag, Reichsnährstand, Pflichtjahr

Frauen- und Familienpolitik

In der Folgezeit wurden Frauen aus dem Arbeitsleben verdrängt, um Arbeitsplätze für Männer zu schaffen („Die Welt der Frau ist das Heim.“). Das nationalsozialistische Frauenbild wurde im BDM früh vermittelt. Frauen mussten ein Pflichtdienstjahr ohne Ausbildung absolvieren, um sie auf die Ehe vorzubereiten. Frauen, die heirateten, wurden finanziell unterstützt.

1941 wurde die Produktion von Verhütungsmitteln verboten. Auf Abtreibungen stand ab 1943 die Todesstrafe.

Religionspolitik

Hauptartikel: Kirchen und Religionsgemeinschaften im Nationalsozialismus

Der Nationalsozialismus tendierte auf einen totalitären Weltanschuaungsstaat, der keine anderen Überzeugungen und Glaubensbekenntnisse tolerieren konnte. Er definierte die „arische Rasse“ als absoluten Gegensatz zu einer angeblichen „jüdischen Rasse“ und begründete seine zuerst auf Vertreibung, dann Vernichtung ausgerichtete Judenverfolgung aus der antisemitischen Verschwörungstheorie eines weltpolitischen Rassenkampfes heraus.

Dies betraf vor allem die jüdische Religion, ihre Ausübung, ihren Schutz und ihren Rechtsstatus. Auch die Zeugen Jehovas wurden verfolgt und als Kriegsdienstverweigerer aus Gewissensgründen massenhaft ermordet.

Den beiden Großkirchen hatte Hitler in seiner Regierungserklärung vom März 1933 eine staatstragende Rolle zugesprochen. Er setzte dann zunächst auf die Deutschen Christen, die bei den Kirchenwahlen im Juni 1933 einen Erdrutschsieg erreichten und dann einen Teil der Landeskirchen beherrschten. Daraufhin wählten auch die unterlegenen Gruppen Ludwig Müller zum Reichsbischof. Gegen den Ausschluss von getauften Juden entstand der Pfarrernotbund, aus dem 1934 die Bekennende Kirche hervorging. Diese kämpfte auf der Basis der Barmer Theologischen Erklärung gegen staatliche Übergriffe auf kirchliche Angelegenheiten und gegen den totalen Staat ohne Rechtsbindung. Praktisch wurden daraus nur ansatzweise Konsequenzen gezogen, z.B. die Bildung einer eigenen Organisationsstruktur mit der Vereinigten Kirchenleitung, eine Denkschrift an Hitler gegen Entrechtung von Minderheiten und KZs, später die Einrichtung des Büros Grüber als Hilfe für verfolgte Judenchristen und Juden. Ab 1937 wurden die Tätigkeiten der BK immer stärker staatlicher Kontrolle unterworfen und viele ihrer Vertreter inhaftiert, ab 1939 wurden die meisten BK-Pastoren zum Wehrdienst eingezogen.

Die katholische Kirche distanzierte sich bis 1933 vom Rassismus der NSDAP, so dass Katholiken dort kaum Mitglieder wurden. Am 22. Juli 1933 aber schloss der Vatikan überraschend das Reichskonkordat mit den neuen Machthabern, um so die deutschen katholischen Bischöfe, ihre Bistümer und Strukturen vor Zugriffen des totalitären Regimes zu schützen. Im Gegenzug wurden Priester und Bischöfe verpflichtet, sich nicht in Politik einzumischen. Damit gab die bis dahin recht starke Zentrumspartei ihre Oppositionshaltung auf und verlor dann ihre Existenzberechtigung. Hitler gewann durch das Konkordat auf diplomatischer Bühne internationales Ansehen.

Trotzdem kam es zu Angriffen auf katholische Orden, die Kolpingjugend und andere katholische Gruppen. Papst Pius XII. prangerte diese 1937 mit seiner Enzyklika Mit brennender Sorge an und wies auf den von den Nationalsozialisten nicht erfüllten Teil der Konkordatsvereinbarungen, aber auch auf Gegensätze zwischen christlichem Glauben und NS-Ideologie hin. Die Enzyklika prangerte die systematische Entrechtung der Juden oder anderer Religions- und Bevölkerungsgruppe nicht direkt an, verurteilte aber eine Unterscheidung nach Rassen.

Der Nationalsozialismus hatte auch eigene religiöse Elemente, vor allem den Führerkult und rituelle Massenaufmärsche mit gottesdienstartigen Formen, Führergruß, Fackeln, feierlichen Proklamationen und Hymnen. Der „Partei-Philosoph“ Alfred Rosenberg wollte nach dem „Endsieg“ durch „Gegenpäpste“ die katholische und die evangelische Kirche in einander bekämpfende Gruppen spalten und versuchte, die altgermanische, persische und indische Religion wiederzubeleben, um „der vergehenden biblischen Tradition eine noch ältere und bessere unterzuschieben“. Der Privatsekretär Hitlers, Martin Bormann, arbeitete einen nationalsozialistischen Katechismus aus, dessen Lehren allmählich die Zehn Gebote der Bibel ersetzen sollten. Reichsführer-SS Heinrich Himmler hatte weitreichende Vorstellungen über die Einführung eines altgermanisch-heidnischen Götterglaubens und über die „Befriedung“ der slawischen Völker durch die „Lehre der Ernsten Bibelforscher“.

Auch hier kamen protestantishe Kirchenleitungen und Theologen den Absichten der Nationalsozialisten von sich aus weit entgegen, etwa Walter Grundmann mit der Edition einer „judenreinen“ Volksbibel, mit NS-nahem Kirchenliedgut, politischen Gottesdiensten für militärische Siege, verweigerten Amtshandlungen - z.B. kirchliche Bestattungen - für Desereure, „Spenden“ von Kirchenglocken für den Krieg usw.

Forschung und Medizin

Hauptartikel: Medizin im Nationalsozialismus, Psychologie und Psychotherapie im Nationalsozialismus

Hauptanliegen vieler nationalsozialistisch gesinnter Ärzte und Professoren im Deutschen Reich war die „Heranzüchtung kerngesunder Körper“ (Zitat Adolf Hitler) und die „Ausmerzung des Schwachen und Kranken“ bzw. der Juden.

Diesen Zwecken dienten z. B. die Lebensborn-Heime, in denen arische Kinder geboren und aufgezogen wurden, die Rassenhygiene sowie die eugenischen Maßnahmen (der Mord an Alten, Kranken und Behinderten: siehe Euthanasie und Aktion T4).

Kulturpolitik

Hauptartikel: Kunst im Nationalsozialismus

Das kulturelle Leben war geprägt von der Politik und diente propagandistischen Zwecken. Die meisten Werke entstanden von regimekonformen Künstlern und dienten der NS-Propaganda oder vermittelten zumindest die Auffassungen der Nationalsozialisten. So wurden häufig eine von der modernen Technik unberührte landwirtschaftliche Idylle oder auch germanische Götter dargestellt.

Die Bildende Kunst war antimodernistisch und folgte einem Konzept des Realismus des 19. Jahrhunderts, in dem beispielsweise heroisch überzeichnete Motive oder solche von kleinbürgerlicher Idylle im Vordergrund standen. Pathetische Darstellungen im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie verklärten die landwirtschaftliche Arbeit (Blut und Boden-Ideologie), Mutterschaft oder den Krieg. In der Bildhauerei und der Architektur standen monumentale Darstellungen, die sich wesentlich am Klassizismus orientierten, oft im Vordergrund.

Moderne Kunst wie beispielsweise Bilder aus den Bereichen Neue Sachlichkeit oder aus dem Expressionismus wurden als „entartet“ verurteilt und verbrannt; die Schöpfer der Werke zunächst deklassiert, dann verfolgt.

Siehe auch: Entartete Kunst, Architektur im Nationalsozialismus, Nationalsozialistische Filmpolitik, Bücherverbrennung 1933 in Deutschland, Reichsmusikkammer

Organisation des Militärs

Mit der Reichswehr übernahmen die Nationalsozialisten die Streitkräfte der Weimarer Republik. Die Reichswehr war staatstreu und unterstützte die NSDAP bis zur Machtübernahme nicht aktiv, viele Soldaten waren aber selbst keine Anhänger der Republik, so dass sie diese auch nicht verteidigten. Die Reichswehr hoffte unter Hitler auch auf einen Fortschritt bei der Revision des Versailler Vertrages, die Führung der Reichswehr war schon am 3. Februar über die Pläne Hitlers informiert worden, Befürchtungen hatte sie gegenüber der SA. Bestrebungen innerhalb der SA die Reichswehr zu übernehmen, beendete Hitler durch die Niederschlagung des so genannten Röhm-Putsches, bei dem er die SA ausschaltete, da er die Reichswehr als für den Krieg besser geeignet ansah. An dieser Aktion war auch die Reichswehr beteiligt, sie tolerierte sogar die Ermordung zweier ihrer Generäle.

Am 3. August wurde die Reichswehr nach dem Tod des bisherigen Oberbefehlshabers, Reichspräsident von Hindenburg, auf die Person Hitlers vereidigt und damit zu einem Instrument Hitlers. Mit der Wiedereinführung der Wehrpflicht am 16. März 1935 wurde die Reichswehr in Wehrmacht umbenannt. Die Reichswehr wurde ausgebaut und modernisiert, 1939 hatte sie eine Stärke von 2,75 Millionen Mann.

Den Widerstand innerhalb der Wehrmachtsführung gegen seine Kriegspläne, mehr aus Zweifel an der Machbarkeit der Pläne als aus ideologischen Gründen, schaltete er durch die Fritsch-Blomberg-Affäre aus und schuf das Oberkommando der Wehrmacht. Der weiter vorhandene Widerstand konnte sich, insbesondere nach den ersten Kriegserfolgen, nicht durchsetzen. Die Wehrmacht tolerierte den Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, Teile der Wehrmacht waren auch an Exekutionen beteiligt. Erst als Deutschland Niederlagen wie in der bei Stalingrad hinnehmen musste, versuchten Mitglieder der Wehrmacht im Attentat vom 20. Juli 1944 durch eine Beseitigung Hitlers ein Ende des Krieges zu erreichen.

Außen- und Rüstungspolitik

Der Vertrag von Versailles wurde schrittweise gebrochen und aufgehoben. Zugleich beteuerte Hitler seinen Friedenswillen. Dies wurde im Ausland, vor allem in der Appeasement-Ära Großbritanniens, zunächst geglaubt; man versuchte, Hilter durch Entgegenkommen zu „zähmen“ und einen neuen Weltkrieg zu vermeiden.

1935 wurde die Reichswehr mit Einführung der Wehrpflicht in die Wehrmacht umgewandelt und das Saarland wieder ins Deutsche Reich integriert, nachdem eine Volksabstimmung eine überwältigende Zustimmung dafür (90,8 %) ergab. Beide Schritte verletzten den Versailler Vertrag. Auch der Einmarsch von 1936 in das entmilitarisierte Rheinland war ein Vertragsbruch.

Auf dem Reichsparteitag der NSDAP 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze beschlossen, die die schon 1933 begonnene Ausgrenzung und Isolierung der deutschen Juden als Staatsgesetze verankerten und ihnen mit rassistischer Begründung einen Großteil ihrer staatsbürgerlichen rechte raubte. Himmler hielt vor SS-Mitgliedern 1935 seine Rede Der Untermensch, in der er den angeblichen Gräueltaten der Juden die guten und großen Kulturtaten der Menschen gegenüberstellte.

Im August 1936 benutzte Hitler die Olympischen Spiele in Berlin als Propagandabühne für die Weltöffentlichkeit. Der Vierjahresplan sollte das Deutsche Reich bis spätestens 1940 kriegsbereit machen. Das Regime unterstützte nun zusammen mit Mussolinis Italien den faschistischen General Franco im Spanischen Bürgerkrieg gegen die dortige Republik auch militärisch. Dies bot Hitler die Gelegenheit, die Einsatzfähigkeit seines Militärs im Kriegsfall zu testen. Die Legion Condor der deutschen Luftwaffe zerstörte 1937 bei einem ersten Flächenbombardement die baskische Stadt Guernica. In einer in der Hoßbach-Niederschrift festgehaltenen Besprechung stellte Hitler am 5. November 1937 den wichtigsten Vertretern der Wehrmacht und dem Außenminister seine Pläne zur deutschen Kriegs- und Außenpolitik vor.

Am 20. Februar 1938 verkündete Hitler in einer Rede sein Ziel, alle Deutschen Mitteleuropas in einem Staat zu vereinen. Am 12. März 1938 kam er einer beabsichtigten Volksabstimmung in Österreich zuvor und verkündete nach dem Einmarsch der Wehrmacht unter dem Jubel der auf dem Heldenplatz versammelten Wiener den „Eintritt meiner Heimat in das Deutsche Reich“. Ein weiteres vor allem von Deutschen bewohntes Gebiet außerhalb des Reiches war das tschechische Sudetenland. Durch das praktisch unerfüllbare Karlsbader Programm provozierte Hitler die Sudetenkrise, die am 29. September 1938 im Münchner Abkommen zur Angliederung des Sudetenlandes an das Deutsche Reich führte. Hitler hatte beabsichtigt, die Krise für den Beginn eines Krieges zu nutzen und war von Mussolini, Göring und Abdegu zum Abkommen gedrängt worden, das er als politische Niederlage empfand.

Nach dem Anschlag auf Ernst Eduard vom Rath am 7. November 1938 in Paris inszenierten die Nationalsozialisten die Novemberpogrome. Zum Teil als Zivilpersonen auftretende ortsbekannte SA- und SS-Angehörige legten in zahlreichen Synagogen Feuer, misshandelten und ermordeten viele deutsche Juden vor den Augen der Polizei, die befehlsgemäß nicht einschritt, und deportierten ab dem 10. November Zehntausende Juden in die KZs. Die den Opfern auferlegte „Judenbuße“ von über einer Milliarde Reichsmark wurde zur Finanzierung der Aufrüstung als unmittelbare Kriegsvorbereitung genutzt.

Mitte März 1939 wurde die Slowakei als selbständiger Staat ausgerufen. Das danach von der ehemaligen Tschechoslowakischen Republik verbliebene Gebiet wurde als Protektorat Böhmen und Mähren vom Deutschen Reich abhängig. Eine Woche später wurde auch das Memelland dem Deutschen Reich angegliedert.

Um sich den Rücken für seine Expansionsziele im Osten freizuhalten, schloss Hitler mit der Sowjetunion im August 1939 den Deutsch-sowjetischen Nichtangriffspakt. In dessen geheimem Zusatzprotokoll wurde Polen für den Fall eines Krieges zwischen den beiden Staaten aufgeteilt. Dagegen versprach Hitler, nicht gegen Stalin zu agieren, falls dieser sich Finnlands bemächtige, was er anschließend auch tat.

Siehe auch: Vorgeschichte des Zweiten Weltkrieges in Europa

Kriegszeit

Eroberungen (1939–1942)

Hauptartikel: Zweiter Weltkrieg, Chronologie Zweiter Weltkrieg

Der Angriff auf Polen am 1. September 1939 löste den Zweiten Weltkrieg aus. Am 3. September erklärten zunächst Großbritannien und Frankreich dem Deutschen Reich den Krieg. Nach dem Sieg der Wehrmacht über Polen wurde dessen Westteil (Großpolen, Westpreußen, Oberschlesien) von Deutschland annektiert und die Mitte zum Generalgouvernement erklärt. Am 17. September besetzte die Rote Armee fast kampflos Ostpolen; Polen wurde wie im Hitler-Stalin-Pakt vereinbart aufgeteilt.

Nur wenige Monate nach Beginn des Krieges, am 8. November 1939 verübte der Einzelkämpfer Johann Georg Elser ein Bombenattentat auf Hitler während einer NS-Propagandaveranstaltung im Münchner Bürgerbräukeller, das aber scheiterte, weil Hitler wenige Minuten vor der Explosion sofort nach seiner Rede den Saal verließ. Elser wurde beim Versuch, in die Schweiz zu gelangen, noch vor der Bombenexplosion gefasst. Er wurde interniert und kurz vor Ende des Krieges im April 1945 im KZ Dachau ermordet.

Im so genannten „Blitzkrieg“ überrannte die Wehrmacht förmlich die Staaten Dänemark, Norwegen und die Beneluxstaaten; Frankreich wurde 1940 besiegt. Hitlers Popularität war durch die „Auslöschung der Schande von Versailles” auf ihrem Höhepunkt. Die geplante Invasion Großbritanniens – das „Unternehmen Seelöwe“ – misslang, da die deutsche Luftwaffe in der Luftschlacht um England trotz massiver Bombardierung englischer Städte nicht die Lufthoheit über England erringen konnte.

1940/41 besetzte Deutschland zusammen mit dem faschistischen Italien die Länder Jugoslawien und Griechenland. Beide Länder wurden unter den verbündeten Diktaturen aufgeteilt. Ihrer Eroberung folgte jedoch ein zermürbender Partisanenkrieg. Ungarn, Rumänien und Bulgarien wurden als Verbündete des Großdeutschen Reiches gewonnen. Mit italienischen Truppen kämpften Verbände, das Deutsche Afrikakorps – bekannt geworden durch Generalfeldmarschall Erwin Rommel, dem „Wüstenfuchs“ –, der Teilstreitkräfte der Wehrmacht – auf Bitten Mussolinis – seit Januar 1941 auch in Nordafrika.

Am 22. Juni 1941 marschierte die Wehrmacht in den sowjetisch besetzten Teil Polens ein und überfiel unmittelbar danach unter umstrittenen Gründen die Sowjetunion selbst. In dem als Vernichtungsfeldzug geplanten „Unternehmen Barbarossa“ drangen die deutschen Streitkräfte bis Moskau, Leningrad und Stalingrad vor. Die Schlacht von Stalingrad markierte den Wendepunkt an der Ostfront.

Die besetzten Gebiete im Osten wurden auf Weisung der Nationalsozialisten systematisch ausgeplündert. Das besetzte Gebiet der Sowjetunion wurde in verschiedene Reichskommissariate aufgeteilt, die jeweils einem Reichskommissar unterstellt waren.

Der Gesamtplan sah die Aufteilung der Sowjetunion und ihre Zerstörung als selbständigen Staat vor. Dieses Endziel wurde nur durch den weiteren Kriegsverlauf verhindert, aber mit der systematischen Ausplünderung, Unterdrückung und Ermordung der Zivilbevölkerung wurde begonnen.

Der von Reichsführer-SS Heinrich Himmler ausgearbeitete „Generalplan Ost“ sah die Dezimierung der slawischen Völker um insgesamt 30 Millionen und die Unterdrückung der Übrigen vor, die als Bauarbeiter, Hilfsarbeiter, Fabrikarbeiter, Hauspersonal, als Landarbeiter, in der Rüstungsindustrie, beim Straßenbau etc. arbeiten sollten.

Die jüdische Bevölkerung in den besetzten Gebieten wurde erfasst und in Konzentrationslager deportiert, unzureichend ernährt, zur Zwangsarbeit herangezogen und in dafür eigens eingerichteten Gaswagen und Gaskammern in Vernichtungslagern ermordet. Besonders in den besetzten Ostgebieten wurden auch viele Tausend Juden von den „Einsatzgruppen“ und von SS-Einheiten erschossen und in Massengräbern verscharrt. Die Zahl der im Holocaust insgesamt durch Erschießungen, Vergasungen, Hunger, Misshandlung, Zwangsarbeit und Krankheiten umgekommenen Juden wird auf ungefähr sechs Millionen geschätzt. Ihr Eigentum wurde enteignet und zu Reichseigentum erklärt. Auf diese Weise standen den Besatzungstruppen finanzielle Mittel in Landeswährung zur Verfügung.

Von Stalingrad bis zur Kapitulation (1942–1945)

Im Winter 1941/42 geriet die Offensive der Wehrmacht in Russland ins Stocken. Am 11. Dezember 1941 erklärte Hitler, nach dem Angriff des deutschen Verbündeten Japans auf den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor, den USA den Krieg, die Großbritannien mit Gütern versorgten.

In der Schlacht von Stalingrad musste sie durch Fehlentscheidungen Hitlers ihre erste (kriegsentscheidende) Niederlage hinnehmen. Bis Ende 1943 konnte die Rote Armee der Sowjetunion, die auch von den USA mit Waffenlieferungen unterstützt wurde, weite Gebiete zurückerobern. Am 13. Mai 1943 mussten die Achsenmächte in Nordafrika kapitulieren.

Datei:Buchenwald-bei-Weimar-am-24-April-1945.gif
Buchenwald bei Weimar am 24. April 1945

Inzwischen war der Holocaust, der von langer Hand geplante Völkermord an den Juden, im Gang. Seit 1939 mussten die polnischen Juden im Generalgouvernement, seit September 1941 auch die deutschen Juden den so genannten Judenstern tragen. Nach Entrechtung, Enteignung, Ghettoisierung und Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten in den eroberten Ostgebieten wurde im Januar 1942 auf der Wannseekonferenz die so genannte „Endlösung der Judenfrage“ beschlossen. In zu diesem Zweck errichteten Vernichtungslagern im Osten Europas (Auschwitz, Treblinka oder Majdanek) wurden bis Kriegsende etwa sechs Millionen Menschen ermordet. In den Vernichtungslagern wurden neben Juden auch andere von Nationalsozialisten als „Untermenschen“ herabgesetzte Menschen, insbesondere Polen, Sinti, Jenische und Roma, sowie Russen, ermordet.
Verfolgt und umgebracht wurden auch viele Homosexuelle, Intellektuelle, Zeugen Jehovas (Glaubensgemeinschaft) sowie Menschen mit Behinderungen.

Schon vor dem Völkermord an den Juden in seiner industrialisierten Form hatten die Nationalsozialisten bei der sogenannten Aktion T4 im Rahmen ihres „Euthanasieprogramms“ der „Vernichtung lebensunwerten Lebens“ die Methode der Vergasung von größeren Menschengruppen in den Jahren zwischen 1939 und 1941 getestet. Diesem „Programm“ waren etwa 100.000 geistig, psychisch und körperlich behinderte Menschen in mehreren deutschen Behindertenanstalten zum Opfer gefallen. Der mutige öffentliche Einsatz des katholischen Bischofs von Münster Clemens August Graf von Galen gegen die Ermordung der Behinderten hatte schließlich zur Einstellung des NS-Euthanasieprogramms geführt.

1943 begann der Bombenkrieg der Alliierten auf deutsche Städte, bei dem etwa 300.000 Zivilisten ums Leben kamen. Am 18. Februar 1943 verkündete Goebbels in der Sportpalastrede den „Totalen Krieg“. Ab Ende 1944 flohen viele Deutsche aus ihrer angestammten Heimat im Osten vor der anrückenden Roten Armee. 1944 eroberte diese weite Teile von Südosteuropa. Am 6. Juni begann die Invasion der westlichen Alliierten in der Normandie, nachdem sie schon zuvor nach der Landung auf Sizilien von Süden her Italien eroberten und gegen Hitler-Deutschland im Vormarsch waren. Am 20. Juli scheiterte ein Attentat und ein Putschversuch von Wehrmachtsangehörigen und Mitgliedern der Widerstandsgruppe des „Kreisauer Kreises“ gegen Hitler.

Anfang 1945 beschlossen die Alliierten auf der Konferenz von Jalta die Aufteilung des Reiches nach dem Krieg. Um den Alliierten keine brauchbare Infrastruktur zu hinterlassen erteilte Hitler am 19. März 1945 den Nerobefehl, der aber nur teilweise ausgeführt wurde. Im April erreichten die sowjetischen Truppen die Reichshauptstadt und es kam zur Schlacht um Berlin. Hitler tötete sich am 30. April im Bunker der Reichskanzlei, nachdem er testamentarisch Admiral Karl Dönitz zu seinem Nachfolger als Reichspräsident und Oberbefehlshaber der Wehrmacht bestimmt hatte. Neben Hitler töteten sich in der Folge auch andere führende Funktionäre, so Joseph Goebbels und Heinrich Himmler – dieser jedoch erst später in Gefangenschaft, nachdem er mit gefälschten Ausweisen gestellt wurde. In den frühen Morgenstunden des 7. Mai 1945 schließlich unterzeichnete Generaloberst Jodl – von Dönitz hierzu autorisiert – die bedingungslose Kapitulation der deutschen Streitkräfte, die durch Unterzeichnung einer weiteren Kapitulationsurkunde ratifiziert am nächsten Tag in Kraft treten sollte.

Der Zweite Weltkrieg dauerte in Südostasien noch bis zum 12. August an. Er forderte insgesamt etwa 60 Millionen Tote. In den letzten Kriegsmonaten und im Anschluss an die Besetzung des Reichs wurden die meisten noch verbliebenen Deutschen aus Osteuropa vertrieben.

Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Hauptartikel: Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Schon vor der Machtübernahme begann der erfolglose Widerstand verschiedenster Gruppen gegen die Nationalsozialisten. In der Zeit des Nationalsozialismus selbst beschränkte sich der Widerstand, der immer mit Lebensgefahr verbunden war, auf eine verschwindend kleine Minderheit der deutschen Bevölkerung, wohingegen dieser Widerstand in den im Zweiten Weltkrieg besetzten Gebieten, beispielsweise im Partisanenkrieg, größere Ausmaße angenommen hatte.

Im Reich konnte beispielsweise der katholische Bischof von Münster und Kardinal Clemens August Graf von Galen durch seine öffentliche Verurteilung der Morde an den Behinderten dazu beitragen, dass die Aktion T4 von den Nationalsozialisten eingestellt wurde. Einzelpersonen der evangelischen Bekennenden Kirche wie etwa Pastor Martin Niemöller oder Dietrich Bonhoeffer schlossen sich nach Ausbruch des Zweiten Weltkrieges Widerstandskreisen an. Bonhoeffer musste wie viele andere NS-Gegner seinen Mut im KZ mit dem Leben bezahlen. Der kommunistische Einzelkämpfer Georg Elser verübte am 8. November 1939 im Münchner Bürgerbräukeller ein Bombenattentat auf Hitler, das dieser aber überlebte, weil er den Saal unerwartet kurz vor der mit einem Zeitzünder eingestellten Detonation der Bombe verließ. Elser wurde bald gefasst und im April 1945 im KZ Dachau ermordet. Die Münchner studentische Widerstandsgruppe Weiße Rose um die Geschwister Hans und Sophie Scholl rief in mehreren Flugblättern zum Widerstand gegen das NS-Regime auf. Außerdem suchte diese Gruppe Kontakt zu Widerstandskreisen in der Wehrmacht. Die bedeutendsten Mitglieder der Gruppe wurden Im Februar 1943 gefasst und vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz des berüchtigten Richters Roland Freisler zum Tode verurteilt und kurze Zeit später hingerichtet. Im Kölner Raum traten die Edelweißpiraten auf, einige Gruppen von aus der bündischen und kommunistischen Tradition kommenden Jugendlichen, die sich zunächst gegen die Uniformität der Hitlerjugend wandten, im Lauf des Krieges aber auch zu konkreten Widerstandsaktionen übergingen, die bis hin zu Sabotageakten reichten. Die Widerstandsgruppe Rote Kapelle bestand aus verschiedenen unabhängigen Gruppen, die auf mehreren Ebenen gegen das Regime arbeitete.

Der vereinzelt und vergleichsweise selten vorkommende Widerstand von Privatpersonen, der sich eher im Stillen abspielte, entsprang oft einer moralischen Abscheu gegen die Taten des Regimes oder aus Mitleid mit den Opfern. Er reichte von der Verweigerung des Hitlergrußes bis hin zur verbotenen Versorgung mit Lebensmitteln für Zwangsarbeiter oder dem Verstecken von Verfolgten, meist Juden.

Hitler überlebte mehrere Anschläge, so zum Beispiel das bis heute bekannteste Attentat vom 20. Juli 1944, der von Mitgliedern der Wehrmacht und der Widerstandsgruppe Kreisauer Kreis, in dem sich ehemalige bürgerliche Politiker und Militärs verschiedener politischer Ausrichtung (von Sozialdemokraten bis zu Monarchisten) gesammelt hatten, organisiert wurde. Im Anschluss an das Attentat, das von Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg durchgeführt wurde, kam es in Berlin in der Operation Walküre zu einem Putschversuch, der aber nach dem Bekanntwerden von Hitlers Überleben schnell in sich zusammenfiel und niedergeschlagen wurde. Die unmittelbaren Akteure des Putschversuchs, hauptsächlich Mitglieder der Wehrmacht, unter ihnen auch Stauffenberg selbst, wurden noch vor Ort standgerichtlich zum Tode verurteilt und erschossen. Nach der Aktion kam es im Zuge der Ermittlungen zur Entdeckung von Umsturzplänen aus dem Jahr 1938. Bis zum Kriegsende wurden zunächst in Schauprozessen, später unter geringer Beteiligung der Öffentlichkeit, über 200 Personen im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli hingerichtet. Mehreren populären Generälen (u. a. Erwin Rommel, Günther von Kluge), die in den Verdacht der Mitwisserschaft gerieten, wurde der Ehrensuizid nahegelegt.

Wichtige exekutive Instanzen der Verfolgung vor allem des innerdeutschen Widerstands waren die Gestapo – Kurzwort (Akronym) für die Geheime Staatspolizei – und der Volksgerichtshof.

Widerstand leisteten auch in Deutschland oder im Exil lebende Künstler wie der kritische Schriftsteller und Dramatiker Bertolt Brecht und andere, die sich mit ihren Mitteln – meist publizistisch – gegen das NS-Regime wandten.

Neben dem Widerstand in Deutschland entstanden nach Kriegsbeginn auch in den besetzten Gebieten Widerstandsgruppen wie zum Beispiel die Polnische Heimatarmee oder die Résistance in Frankreich. Sie lieferten den Deutschen unter deren Besatzung erbitterten Widerstand im Partisanenkrieg, der vor allem in den Balkanstaaten Jugoslawien, Albanien und Griechenland sowie in Polen (Warschauer Aufstand) besonders effektiv war, allerdings auch äußerst grausame Vergeltungsaktionen der deutschen Besatzer nach sich zog – wie etwa massenhafte Geiselerschießungen von Zivilisten. Insbesondere im besetzten Polen wurde sehr häufig wahllos die Bevölkerung ganzer Dörfer und Städte als Vergeltungsakte für geleisteten Widerstand ermordet.

Von den Alliierten wurde der Widerstand in Deutschland, selbst, anders als der in den besetzten Gebieten, so gut wie nicht unterstützt, vielmehr führte das alliierte Kriegsziel einer bedingungslosen Kapitulation zu einer indirekten Solidarisierung mit der Führung und ließ auch nach einem Staatsstreich kaum günstigere Friedensbedingungen erwarten.

Vernichtung der Juden und anderer Bevölkerungsgruppen

Der Holocaust, der systematische Völkermord an etwa sechs Millionen Juden und so genannten „Judenmischlingen“ – von denen über drei Millionen polnische Juden waren – sowie weiteren bei den Machthabern als „lebensunwert“, „rassisch minderwertig“ oder politisch unerwünscht geltenden Bevölkerungsgruppen, gilt als größtes Verbrechen der Nationalsozialisten. Der Großteil der Opfer wurde in industriell betriebenen Vernichtungslagern ermordet; in den ersten Kriegsjahren vor deren Errichtung gab es Massenerschießungen (z. B. in Babij Jar), oder es wurden LKWs mit eingebauten Gaskammern benutzt. Hiermit sollte auch die Effektivität des Einsatzes von Giftgas getestet werden, um die Tötungen rationeller betreiben zu können und mögliche moralische Skrupel der Mörder, wie sie bei Erschießungen für eher wahrscheinlich erachtet wurden, zu minimieren. Vor allem jüngere Männer starben auch bei der unmenschlich harten Zwangsarbeit.

Außer den Juden wurden Roma, Sinti und Jenische (als Zigeuner und Asoziale bezeichnet), Homosexuelle und Zeugen Jehovas ebenfalls als „unerwünscht“, „lebensunwert“ oder „rassisch minderwertig“ angesehen, bei ihnen kamen die gleichen Tötungsmethoden zum Einsatz.

Eine andere Opfergruppe waren die Behinderten, deren Ermordung auch mit Rassenhygiene und nach Kriegsbeginn mit der Freimachung von Lazarettplätzen begründet und verschleiernd als „Euthanasie“ bezeichnet wurde. Deren Ermordung fand im Wesentlichen bereits 1939–1940 in sieben Schritten statt: Meldepflicht und Erfassung, Begutachtung mit Einordnung in drei Kategorien:

  • 1 – »keine weiteren Maßnahmen«
  • 2 – »Beobachtung« hieß die Einweisung in eine psychiatrische Pflegeanstalt – Tötung vorbehalten
  • 3 – »Behandlung«, das hieß Tötung

Wesentliches Kriterium für die Aufnahme in die Todeslisten war die Arbeitsunfähigkeit; Aufbau von Fachabteilungen bzw. Umbau von Anstalten zu Tötungseinrichtungen reichsweit an ca. 30 Orten; Transport (Gemeinnützige Kranken-Transport GmbH – „Gekrat“); massenhafte Ermordung; Verbrennung der Leichen; Ausstellung falscher Todesbescheinigungen. Nach den Räumlichkeiten der Zentralverwaltung der Aktion (Reichsarbeitsgemeinschaft Heil- und Pflegeanstalten, Gemeinnützige Stiftung für Anstaltspflege – auch kurz „Stiftung“) in Berlin-Charlottenburg, Tiergartenstr. 4, benannt hieß dies auch „Aktion T4“. Die Täter in dieser Aktion wurden direkt danach als Spezialisten in die Todesfabriken „im Osten“ geschickt (Vernichtungslager).

Im Krieg wurden auch polnische Intellektuelle, russische Kriegsgefangene und andere, überwiegend slawische, Volksgruppen massenhaft umgebracht. Grund für die Morde war die Rassenideologie, die Hitler schon in den 1920er Jahren in „Mein Kampf“ dargelegt hatte. Demnach seien die Deutschen Angehörige einer „arischen“ „Herrenrasse“, die ihren Fortbestand durch Unterwerfung, Versklavung oder Ausrottung anderer „Rassen“, die „Reinhaltung der arischen Rasse“ sowie die Eroberung von Lebensraum im Osten sichern sollte.

Die planmäßige Vernichtung der Juden unter der Herrschaft der NSDAP, auch als Holocaust oder Shoa bezeichnet, ist bis heute beispiellos in der Geschichte. Seinen Antisemitismus, der mit den anderen rassistischen, sozialdarwinistischen und chauvinistischen Elementen eine der Hauptgrundlagen des Nationalsozialismus war, und das Ziel der totalen Vernichtung des deutschen und des „Weltjudentums“ hatte Hitler schon in Mein Kampf und seinen Reden in den 1920er Jahren zum Ausdruck gebracht. Die Entrechtung und Verfolgung der Juden begann direkt nach der „Machtergreifung“. Das erste Konzentrationslager wurde – zunächst vor allem für politische Gegner – 1933 in Dachau eingerichtet. Durch einen Arierparagraphen wurden „Nicht-Arier“ zuerst aus dem öffentlichen Dienst entfernt, dieser Paragraph wurde auf immer mehr Bereiche ausgedehnt und auch von Vereinen, Verbänden und anderen Gruppierungen übernommen. 1938 begannen die Arisierungen, Juden mussten entweder Israel oder Sara ihrem Vornamen hinzufügen und am 9. November 1938 wurden in der „Reichspogromnacht“ Juden misshandelt und ermordet.

Mit dem Kriegsbeginn wurden auch die Juden in den besetzten Gebieten verfolgt. Sie wurden in Ghettos zusammengefasst. Massenerschießungen an jüdischen Zivilisten durch „Einsatzgruppen“ direkt hinter der vorwärts marschierenen Front fanden zentral geplant statt.
Auf der Wannseekonferenz am 20. Januar 1942 wurden von führenden Verwaltungsgrößen des NS-Regimes geheim die Weichen für die sogenannte „Endlösung der Judenfrage“ gestellt. Mit den dort gefassten Beschlüssen wurde der direkt hinter der Front schon begonnene Völkermord an den europäischen Juden auf eine gemeinsame organisatorische Basis gestellt und die Ermordung auf industrieller Grundlage mit Hilfe von Massenvergasungen für die Nationalsozialisten „effizienter“ geregelt. Die Verwertung des Eigentums der vernichteten Juden wurde bis ins Detail geregelt.

Die NS-Herrscher versuchten die Vorgänge möglichst geheim zu halten, sie benutzten Euphemismen wie Umsiedlung oder Sonderbehandlung. Die Deutschen waren nicht direkt über die Vernichtung der Juden informiert, wussten aber genug, um auch nicht nachzufragen. Das spurlose Verschwinden von hunderten von Menschen aus der Nachbarschaft konnte keine natürliche Erklärung haben. Der Satz „[…] du kommst sonst ins KZ.“ war seit 1933 ein Drohwort für fast jeden. Gerüchte über die Lager „im Osten“ kamen mit den Fronturlaubern praktisch in jedes Dorf, alliierte Rundfunksender, die trotz Verbot gehört wurden, meldeten Massenmorde. Der polnische Geheimdienst lieferte den Briten bereits 1942 den Beweis für den Massenmord in Auschwitz.

Trotz des verbreiteten Antisemitismus wurden Gewalttaten von den meisten abgelehnt. Die ständigen Angriffe gegen jüdische Bevölkerungsteile seit April 1933 wurden zum Teil passiv akzeptiert, aber auch von den Nutznießern begrüßt. Enteignungsartige „Arisierungen“ selbst kleinster Geschäfte oder Betriebe hatten immer Nutznießer und geschahen vor den Augen der örtlichen Bevölkerung. Angesichts der Mittäterschaft oder Gleichgültigkeit der deutschen Bevölkerungsmehrheit sind die seltenen Taten jener nichtjüdischen Deutschen umso mehr zu beachten, die Juden halfen zu überleben. Der heute wohl bekannteste Vertreter dieser kleinen Gruppe war Oskar Schindler, der rund 1.200 jüdische Zwangsarbeiter aus Krakau vor der Ermordung bewahrte. Oft waren es überzeugte Christen, die auf diese Weise Widerstand gegen den anscheinend allmächtigen Staatsapparat leisteten.

In den Nürnberger Prozessen wurden nur führende Personen unter anderem wegen Verbrechen gegen die Menschheit und Kriegsverbrecher verurteilt, eine wirkliche Aufarbeitung der Verbrechen der Nationalsozialisten fand aber lange nicht statt und begann in Westdeutschland erst in den späten 1950ern und beginnenden 1960ern. Noch immer gab es damals und gibt es heute Personen, die den Holocaust leugnen.

Zwangsarbeiter und Beutekinder

Hunderttausende Menschen aus den besetzten Gebieten, insbesondere aus Polen, den Balkanländern und der Sowjetunion, wurden ins Reichsgebiet als Zwangsarbeiter entführt. Viele von ihnen überlebten den Zweiten Weltkrieg nicht. Die Kinder der Zwangsarbeiterinnen wurden in auf Himmlers Befehl eingerichtete „Ausländerkinderpflegestätten“ gebracht, die kein anderes Ziel hatten, als diese „unerwünschten“ Kinder unbemerkt von der Öffentlichkeit verkümmern zu lassen.

Daneben wurden zehntausende polnische Kinder, die die „rassischen Merkmale“ erfüllten, ihren Familien weggenommen und nach Deutschland deportiert, von denen die wenigsten nach dem Krieg zu ihren Eltern zurückkehren konnten. Andere, die die rassischen Merkmale nicht erfüllten, wurden massenhaft in Konzentrationslagern ermordet. Der bekannteste Fall dürfte der der Deportation zehntausender Kinder aus der Gegend um Zamosc – in der Deutsche aus dem Baltikum und Bessarabien angesiedelt wurden – nach Auschwitz sein.


Siehe auch

Quellen

<references/>

Literatur

Weblinks

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