Wewelsburg

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Die Wewelsburg, aus dem Almetal gesehen
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Nordflügel mit Zugangsbrücke
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Eingänge im Innenhof

Die Wewelsburg ist eine Burganlage im Stadtteil Wewelsburg der Stadt Büren im Kreis Paderborn, Nordrhein-Westfalen. Sie liegt über dem Almetal und ist laut Hinweisschildern an den Autobahnen A 33 und A 44 die einzige bekannte Burg mit dreieckigem Grundriss in Deutschland.

Die Wewelsburg wurde in ihrer heutigen Form von 1603 bis 1609 vom Paderborner Fürstbischof Dietrich von Fürstenberg (regierend von 1585 bis 1618) erbaut.

Die erste urkundliche Erwähnung einer Burganlage an diesem Standort geht allerdings bis ins Jahr 1123 auf den Burgherr Friedrich von Arnsberg zurück. Nachdem Friedrich von Arnsberg starb, wurde die Burganlage von den Bewohnern des gleichnamigen Dorfes wieder zerstört, doch ließen auch spätere Landesherrn ihre Burgen an dieser Stelle errichten.

Die Wewelsburg wurde im Lauf ihrer Geschichte mehrmals zerstört, so im Dreißigjährigen Krieg durch Besatzung schwedischer Truppen. 1815 brannte der Nordturm nach einem Blitzschlag aus.

Inhaltsverzeichnis

Nutzung zur Zeit des Nationalsozialismus

Reichsführer-SS Heinrich Himmler pachtete die Burg 1934 für 100 Jahre vom Landkreis Büren, nachdem Hermann Bartels, der später zuständige Architekt für den Ausbau der Wewelsburg, Himmlers Aufmerksamkeit bereits 1933 auf die Burg gelenkt hatte, als dieser sich mit dem ihm damals noch befreundeten Darré um eine Burg für die SS in Westfalen bemühte (Hüser, 1982, S. 14, 17f.). Himmler wollte die Wewelsburg anfangs offiziell zur „Reichsführerschule“, später dann unter Ausschluss der Öffentlichkeit zur Ordensburg der SS umfunktionieren. Als die Stadt Quedlinburg für die Ausrichtung der 1000-Jahrfeier des Todestags des ostfränkischen Herrschers Heinrichs I. (919-936), der in der deutschen Geschichtsschreibung als Reichsgründer gilt, höchste Reichsstellen zur Finanzierung zu interessieren versuchte und Himmler im Dezember 1935 der Stadt eine Zusage schickte, mit der er mit der Stadt die Organisation der Feierlichkeiten für den 2. Juli 1936 übernahm, veränderte sich in diesem Zusammenhang der Stellenwert der Wewelsburg: SS-Ideologen sahen eine Gründung aus der Zeit Heinrichs I. in ihr, und Himmler verhängte 1935 ein (1939 noch verschärftes) Berichtsverbot über die dort geplanten weiteren Vorgänge. Die Burg wurde in die ausschließliche Zuständigkeit des Persönlichen Stabs des Reichsführers-SS übernommen. Nach dem „Endsieg“ sollte sie das „Zentrum der neuen Welt“ darstellen. Er plante eine monumentale Anlage mit dem Durchmesser von einem Kilometer mit Zugang zum nahe gelegenen Hellweg (heute Bundesstraße 1), an dessen Anfang in Duisburg der zentrale Stadtplatz am 1. August 1936 in König-Heinrich-Platz umbenannt wurde. Zu der einzigen offiziellen SS-Veranstaltung lud Himmler vom 11. bis 15. Juni 1941 zu einer SS-Gruppenführertagung auf die Wewelsburg ein und verkündete den Zweck des „Unternehmens Barbarossa“: „die Dezimierung der Bevölkerung der slawischen Nachbarländer um 30 Millionen.“ Die Burg wurde als Ausgangspunkt für die Fortsetzung der Ostpolitik Heinrichs I. angesehen (Eroberungen bis zum Ural). Sie sollte außerdem ein Mittelpunkt der „artgemäßen“ Religion werden und einen Repräsentationsbau für das SS-Führerkorps darstellen. Als der „Endsieg“ mit den Kolonialeroberungen im Osten ausblieb, ließ Himmler die Wewelsburg im März 1945 durch den SS-Hauptsturmführer Heinz Macher sprengen, um sie nicht von den amerikanischen Truppen erobern zu lassen. Hierbei wurden nur Teile des Nordturms durch die Sprengung zerstört, jedoch brannte die Burg vollständig aus.

Für die geplanten und teilweise ausgeführten Bauarbeiten wurde unweit des Ortes ein Barackenlager eingerichtet, welches ab September 1941 bis 4. April 1943 als eigenständiges KZ Niederhagen geführt wurde. Im Nordturm der Wewelsburg sind aus dieser Zeit noch der „Obergruppenführersaal“ sowie eine wohl als Kultraum gedachte Gruft vorhanden und zeitweise zu besichtigen. Angeblich sollten in der Gruft unter anderem die von dem späteren SS-Gruppenführer Karl Maria Wiligut entworfenen Totenkopfringe verstorbener SS-Führer gesammelt werden. Diese wurden aber der Überlieferung nach im Frühjahr 1945 in einem luftschutzsicheren Schrein (Inhalt ca. 11.500 Ringe) in eine Bergseite nahe der Burg geschafft und nie mehr gefunden. [Es sind nie so viele Ringe in der Nähe der Burg versteckt worden. Nach Aussagen aus der Wewelsburger Bevölkerung und nach dem Buch "Der SS-Totenkopfring von Klaus D. Platzwall" sind alle in der Burg befindlichen Exemplare von amerikanischen GIs geplündert worden.] Ein großflächiges rundes Ornament im Fußboden des Gruppenführersaales wird heute oft in rechtsextremen Kreisen und in der Esoterik benutzt und dort als Schwarze Sonne bezeichnet.

Nutzung heute

Die Burg dient heute als Jugendherberge, in ihr ist zudem das Kreismuseum des Kreises Paderborn untergebracht. Die Jugendherberge zählt mit 204 Betten zu den größten in Deutschland. Auch die anderen Gebäude, welche die SS im Zuge der Umbaumaßnahmen bereits errichten ließ, haben heute eine sinnvolle Verwendung gefunden, so wurde die „Villa Bartels“, die Villa des SS-Architekten Bartels, zum evangelischen Paul-Schneider-Haus umfunktioniert, und das ehemalige Wachgebäude vor der Burg beherbergt den städtischen Jugendtreff der Stadt Büren und die Dokumentation Wewelsburg 1933–1945 – Kult- und Terrorstätte der SS. Diese Dokumentation soll in naher Zukunft unter anderem durch den Anbau eines weiteren Gebäudes umgebaut und ergänzt werden, allerdings haben die Bauarbeiten aktuell (November 2005) wegen Finanzierungsproblemen noch nicht begonnen.

Literatur

  • Bérenger, Daniel (Hrsg.): Führer zur Vor- und Frühgeschichte der Hochstiftkreise Paderborn und Höxter, (historische Schriften des Kreismuseums Wewelsburg; 4), Münster: Scriptorium, 2002 ff., ISBN 3-932610-24-5.
  • Helzel, Frank: Ein König, ein Reichsführer und der Wilde Osten. Heinrich I. (919-936) in der nationalen Selbstwahrnehmung der Deutschen. Bielefeld: transcript, 2004, ISBN 3-89942-178-7.
  • Hüser, Karl: Wewelsburg 1933–1945. Kult- und Terrorstätte der SS. Paderborn: Bonifatius-Druckerei, 1982, ISBN 3870883057.
  • Hüser, Karl / Brebeck, Wulff E.: Wewelsburg 1933-1945, Münster, 4. überarb. Aufl. 2002
  • Melzer, Walter: Die Wewelsburg vom hohen Mittelalter bis in die frühe Neuzeit: Ergebnisse einer archäologischen Untersuchung zu den Anfängen der Burg. (Schriftenreihe des Kreismuseums Wewelsburg; 4), Paderborn, 1992, ISBN 3-925355-70-7.
  • Melzer, Walter / Historisches Museum des Hochstifts Paderborn (Hrsg.): Die Wewelsburg im Mittelalter – Ergebnisse einer archäologischen Grabung. , Büren-Wewelsburg: Kreismuseum Wewelsburg, 1998.
  • Seufert, Albrecht: In Form eines Triangels, in einer wahrlich sehenswerten und prachtvollen Gestalt. Die Geschichte der Wewelsburg bis zum Anfang des 19. Jahrhunderts (Mit Genehmigung gekürzte Fassung der unter dem Titel "Die Geschichte der Wewelsburg bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts" als Diss. phil. der Phil.-hist. Fak. der Universität Heidelberg 1989 vorgelegten Schrift) = Materialien zur Kunst- und Kulturgeschichte in Nord- und Westdeutschland, Band 3, Marburg, Jonas Verlag 1992, ISBN 3-89445-121-1.
  • Seufert, Albrecht: Die Wewelsburg als Dreiecksschloss vom 17. Jahrhundert bis zur Gegenwart, Büren-Wewelsburg: Kreismuseum Wewelsburg, 1998.
  • V. Sieben: "Die 23 Tage der Isais" ISBN 3-000106-98-7.

Videos zur Rolle der Burg in der NS-Zeit

  • "Schwarze Sonne". Ein Film von Rüdiger Sünner (Herausgeber 'Absolut Medien', Reihe: Dokumente 251) - das Begleitbuch zum Film ist im Herder Vlg. mit gleichem Autor und gleichem Titel erschienen;
  • "Heinrich Himmlers Burg. Die Wewelsburg: Das weltanschauliche Zentrum der SS" (Herausgeber 'POLAR Film + Medien GmbH', Reihe: Videos zur Zeitgeschichte);
  • "Wewelsburg 1933 - 1945. Kult- und Terrorstätte der SS". Die offizielle Dokumentation der Landesbildstelle Westfalen. Ein Film von Dr. Anne Roehrkohl (Herausgeber 'Absolut Medien', Reihe: Dokumente 275).

Weblinks

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