Querfront

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Als Querfront bezeichnet man die nicht erfolgreichen Zusammenarbeitsbestrebungen von Seiten deutschnationalistischer Gruppierungen mit Kommunisten in der Weimarer Republik. Der Begriff wird auch heute noch gebraucht, wenn rechtsextreme mit linken Gruppen zusammenarbeiten, sie unterwandern wollen oder rechts- mit linksextremem Gedankengut verbinden.

Von Querfront sprach auch Reichskanzler Kurt von Schleicher, der allerdings ein Bündnis von Gewerkschaften und linken Nationalsozialisten meinte.

Inhaltsverzeichnis

Die Querfrontidee in der Weimarer Republik

Besonders Ernst Niekisch versuchte im Rahmen dessen, was er Nationalbolschewismus nannte, kommunistische und faschistische Kräfte einander anzunähern, um so die bestehende Ordnung der Weimarer Republik zu stürzen.

Kurt von Schleicher versuchte kurz vor der sogenannten Machtergreifung der Nationalsozialisten mittels einer Querfrontstrategie den vor allem den durch die Brüder Gregor und Otto Strasser bestimmten "linken" Flügel der NSDAP abzuspalten. Damit sollte die nationalsozialistische Bewegung gespalten und Adolf Hitler als Reichskanzler verhindert werden, was jedoch scheiterte.

Die Querfrontidee heute

Deutschland

Im aktuellen politischen Geschehen wird der Begriff Querfront sowohl bezüglich der Unterwanderung der linken Szene durch Rechtsradikale wie auch für Gruppierungen verwendet, die links- und rechtsradikales Gedankengut oder Erscheinungsbild verbinden.

So kommt es zu einer verstärkten Anwendung der unterwandernden Querfrontstrategie seitens militanter Neonazis. Der Antiamerikanismus und teilweise Antizionismus von Teilen der Friedensbewegung gegen den 3. Golfkrieg boten Anknüpfungspunkte für Rechtsextremisten. Viele Neonazis treten auf Demonstrationen mit "linken" Accesoires wie Palästinensertüchern und sogar Che Guevara-T-Shirts auf. Auch das Auftreten von Neonazis auf den Montagsdemonstrationen gegen die Hartz-Reformen ist in diesem Kontext zu sehen.

So formierte sich auf einer Demonstration der NPD 2004 in Berlin innerhalb der Nazis ein "schwarzer Block". Dieser mit links-autonomem Erscheinungsbild und Parolen wie "Kein Fußbreit den Faschisten - für nationalen Sozialismus" lieferte sich dabei sowohl körperliche Auseinandersetzungen mit NPD-Ordnern wie auch mit der Polizei. Diese "Nationalen Anarchisten bzw. Sozialisten" stellten sich hier unter Beteiligung an derem Aufmarsch gegen "traditionelle" Nazis. Geplant wurde auch eine eigenen Kampagne für einen "revolutionären, rechtsradikalen schwarzen Block". Dies hatte hektische Gegenaktivitäten im traditionellen rechten Lager zur Folge; NPD-Seiten boten sogenannte "Schulungen" zur Bekämpfung dieser Vorbereitungen an. Nach Informationen des Bundeskriminalamtes wollen sich auch im Vorfeld des geplanten G 8-Gipfels in Heiligendamm Neonazis in die linken Massenproteste einreihen<ref>Die Welt: In Heiligendamm drohen Anschläge von Islamisten</ref>. Als gemeinsamer ideologischer Nenner werde dabei die Bekämpfung der Marktwirtschaft und der Globalisierung angesehen.

Es gibt im heutigen Deutschland aber auch eigenständige Organisationen, die im Sinne der Querfront "offiziell" beanspruchen, nationalistisches und kommunistischen Gedankengut zu verbinden, wie z.B. der 1999 gegründete Kampfbund Deutscher Sozialisten.

Querfront in Thüringen

Thüringen gilt als ein besonderes Aktionsfeld von Querfrontstrategen. Der Stern schreibt über "Braun-Rote Kungelei" in Thüringen: ”Mit Hartz IV und Friedensdemos fing es an, gegen G8 marschieren nun beide. Immer hemmungsloser macht sich die NPD über Themen und Wähler der PDS her. Vor allem Thüringen scheint ein regionales Versuchslabor für die 'linke Rechte'.<ref name=Stern>Stern: Braun-Rote Kungelei</ref>
”Für unsere Schulungen benutzten wir fast nur noch linke Quellen”, gesteht der thüringische NPD-Aktivist Patrick Wieschke. Auch der Erfurter NPD-Kreisvorsitzende Kai-Uwe Trinkhaus, der einst für die PDS im Stadtrat saß, unterhält weiterhin freundschaftliche Kontakte zu seinen ehemaligen Genossen. Mit dem Landeschef der Thüringer PDS Knut Korschewsky betreibt Trinkhaus sportliche Aktivitäten und steht bei Hartz-IV-Demos immer noch gern bei den alten Genossen.
Zwischen Knut Korschewsky und Herrn Trinkaus gebe es keine privaten oder beruflichen Kontakte, ist hingegen auf der Internetseite der Partei DIE LINKE unter http://www.pds-thueringen.de/Dokumente/VorgangStern.pdf zu lesen.
”Schon seit den ersten Hartz-IV-Demonstrationen 2004 warnen Verfassungsschützer davor, die Deutungshoheit der Neonazis in sozialen Fragen nicht zu unterschätzen. Auch Wahlforscher staunen seit Jahren über das nicht seltene Ost-Phänomen von PDS-Wählern, die ihre Zweitstimme der NPD geben. Für viele scheint das kein Widerspruch zu sein, weil in der DDR vieles als links galt, was im vereinten Deutschland eher als rechts verpönt ist: das viel zitierte Gemeinschaftsgefühl zum Beispiel oder eine trotzige Liebe zur Heimat, die - anders als bei westdeutschen Linken - kein verkrampftes Verhältnis zu allem Nationalen kennt.”<ref name=Stern>Stern: Braun-Rote Kungelei</ref>

International

In osteuropäischen Staaten ist die Fusion von links- und rechtsextremem Gedankengut innerhalb einer Bewegung in der heutigen Zeit verbreiteter als in Mitteleuropa. So arbeiten in Russland sowohl die kremlkritische Nationalbolschewistische Partei Russlands als auch die kremltreue Partei Rodina mit einem ideologischen Hintergrund, der sich sowohl bei links- als auch bei rechtsextremistischem Gedankengut bedient.

Quellen

<references/>

Weblinks

en:Querfront

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