Kommunikative Kompetenz

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Inhaltsverzeichnis

Definition

„Kommunikative Kompetenz“ wird von Dr. Ulrich Zeuner nach einer Definition von Canale und Swain (1980) zusammengefasst und gliedert sich in folgende Bereiche:

„1. grammatische Kompetenz, d.h. die Beherrschung von Wortschatz, Satzgrammatik, Wortbildungsregeln, Aussprache, Orthographie, usw., also Elemente des sprachlichen Codes;

2. soziolinguistische Kompetenz, d.h. wie Sprecher Äußerungen in unterschiedlichen situativen und kulturellen Kontexten produzieren und verstehen, wobei Faktoren wie der soziale Status der Gesprächsteilhaber, die Rollenverhältnisse zwischen ihnen, das Ziel der Interaktion und die Situationsangemessenheit der Äußerungen in Bedeutung und Form eine Rolle spielen.

3. Diskurskompetenz, d.h. wie Sprecher es schaffen, beim Sprechen und Verstehen grammatische Formen und Bedeutungen miteinander zu verbinden, damit Texte und Diskurse entstehen und

4. strategische Kompetenz, also die Beherrschung derjenigen verbalen und nonverbalen Kommunikationsstrategien, die Sprecher verwenden, wenn die Kommunikation zwischen den am Gespräch Beteiligten zusammengebrochen ist, z.B. wegen mangelnder Kompetenz in einem der anderen Kompetenzgebiete.“ (7)


Oder einfacher ausgedrückt:

„Kommunikative Kompetenz ist die Fähigkeit, konstruktiv, effektiv und bewusst zu kommunizieren. Dazu gehört die Kenntnis wichtiger Kommunikationskonzepte und -modelle, aber auch das Beherrschen konkreter Kommunikationstechniken.“ (1) Bei der Kommunikativen Kompetenz spielt allerdings nicht nur die Fähigkeit, sondern auch die Bereitschaft bzw. der Wille zur Kommunikation eine beachtliche Rolle. - Kommunikationsfähigkeit ist, wenn man sich verständlich und empfängerorientiert ausdrücken kann und - Kommunikationsbereitschaft bezieht sich auf den eigenen Willen, sich mit anderen auszutauschen, Dinge verbal zu klären und Wissen durch Kommunikation weiterzugeben.

Herkunft

Das Konstrukt der Kommunikativen Kompetenz entwickelte sich zunächst nur im Bezug auf den Fremdsprachenunterricht zu Beginn der 70er Jahre (siehe Kommunikative Wende), der sich durch deren Fehlen damals noch stark von unserem heutigen Fremdsprachenunterricht unterschied.

Wert wurde weniger auf das Kommunizieren mit der neu erworbenen Sprache gelegt, als vielmehr auf deren Analyse. Der Schüler diente hierbei als forschendes Instrument. Allerdings wurde er eher als Objekt, denn als Subjekt betrachtet, das einen zu interpretierenden Text mit seinen eigenen Erfahrungen, Gefühlen und Gedanken bereichert. Der Schüler war sozusagen das “empty vessel“, (also das leere Gefäß), wie es in McDonoughs & Shaws “Materials and Methods In ELT: a teacher’s guide. “ heißt, welches es zu befüllen galt. Uns erscheint dies heute unverständlich, aus dem Wissen heraus, dass dieser so genannte “Instrumentalunterricht” keinesfalls die Kontaktaufnahme mit und somit das Verstehen anderer Kulturen fördert, deren Ziel das Erlernen fremder Sprachen im eigentlichen Sinne nun einmal ist.

Dies wiederum erkannten auch die damaligen Menschen, denen es, gepaart mit den Einflüssen der Studentenbewegung (1968) gelang, den Unterricht umzuformen. Diese richtete sich generell gegen das autoritäre Bestimmen von Menschen über andere Menschen, also gegen das bis dato herrschende Schüler - Lehrer Verhältnis, welches doch stark von den Vorstellungen und Wünschen des Lehrers geprägt war und kaum Eigeninitiative des Schülers zuließ.

Unter Bezug auf die Arbeiten Chomskys wurde seit den 1960er und 1970er Jahren des letzten Jahrhunderts die Kompetenzbildung auch zu einem Thema der Sozialwissenschaft und somit trat die Erziehung „zur Kommunikations- und Interaktionsfähigkeit im Rahmen von Gruppenprozessen und Selbsterfahrungen“ (aus “Kommunikative Kompetenz und Interkulturelles Lernen“, eine Seminararbeit von Harald Kraus) in den Mittelpunkt des Unterrichts und damit eine starke Betonung des subjektiven Faktors und wurde in der deutschen Diskussion vor allem vom Interaktionstheoretiker Habermas und dem Systemtheoretiker Luhmann verbreitet (Baacke 1999b: 32).

Als wegbereitend für diese „Kommunikative Wende“ gilt auch die Sprechakttheorie als deren Begründer John Langshaw Austin und John Searle gelten. Im Gegensatz zu anderen Bereichen der Linguistik widmet sich diese der Untersuchung von menschlicher Kommunikation und dem Verhalten während dieser und interessiert sich dabei insbesondere für die Alltagssprache und das scheinbar unwichtige Phänomen des Smalltalks. Die Sprechakttheorie soll damit Aufschluss über das Gelingen bzw. Nichtgelingen eines Gesprächs geben. Hierüber gibt auch Jürgen Habermas Aufschluss im Jahre 1971, indem er die Voraussetzungen für die “ideale Sprechsituation“ formuliert. Diese kennzeichnet sich nämlich durch das Gleichgestellt sein der am Gespräch beteiligten und durch deren Ehrlichkeit, den anderen gegenüber, ihre eigene Position betreffend, welche heute auch als Maxime der Kommunikation bekannt sind. Der Begriff der Kommunikativen Kompetenz wurde schließlich von D. Hymes (vgl.Hymes 1972), einem Soziolinguisten eingeführt, der sie nicht nur als grammatisches, sondern auch als Sozio- und Psycholinguistisches Wissen eines Lerners oder Sprechers sieht.

In der heutigen Zeit der Globalisierung ist der Begriff der Kommunikativen Kompetenz weitgehend abgelöst durch den der Interkulturellen Kompetenz, die man jedoch auch als ein Teilgebiet ersterer ansehen kann. So wäre die Kommunikative Kompetenz die Fähigkeit zum Kommunizieren im Allgemeinen und die Interkulturelle Kompetenz die Fähigkeit speziell mit anderen Kulturen zu kommunizieren. Hierbei ist es wichtig, neben der Sprache auch die Traditionen und Geflogenheiten der anderen Kultur zu kennen, um die Kommunikation nicht durch eine unpassende Verhaltensweise oder Äußerung zum Erliegen zu bringen.

Einleitung

Gegenwärtig wird die Gesellschaft immer häufiger mit dem Begriff „Kommunikative Kompetenz“ konfrontiert. Schon im Alltag fungiert diese Kompetenz als Voraussetzung, um soziale Kontakte zu knüpfen und zu fördern, sowie Alltagssituationen wie Bewerbungsgespräche, Konflikte usw. zu bewältigen. Besonders im Top-Management wird die Fähigkeit kompetent zu kommunizieren erwartet, da deren Ziele es sind, Kunden zu überzeugen, zielorientiert zu handeln und sich Respekt zu verschaffen. Aufgrund der Globalisierung wird es auch immer bedeutender in Fremdsprachen kompetent zu sein, um auf internationaler Ebene agieren zu können. Diese Aspekte verdeutlichen, wie sehr die Kommunikative Kompetenz im Alltag präsent ist, doch was sie im einzelnen beinhaltet, ist der Gesellschaft nicht bewusst.

Kommunikation – Bestandteil der Kommunikativen Kompetenz

Kommunikation ist der Vorgang, durch den eine Nachricht von einem Sender zu einem Empfänger gelangt; dies kann auf einer nonverbalen oder verbalen Ebene geschehen. Jede Kommunikation hat einen Inhaltsaspekt (Informationen, Fakten, usw.) sowie einen Beziehungsaspekt (zwischenmenschliche Beziehung zwischen Sender und Empfänger). Jeder Mensch wirkt durch sein Verhalten auf seine Umgebung wie ein Reiz oder ein Reflex und löst dadurch bei seinem Gegenüber ein Feed-back aus. Häufig treten Missverständnisse zwischen den Gesprächspartnern auf, da man nicht, nicht kommunizieren kann. Allein die Körpersprache, das Schweigen und das Nichthandeln besitzen ebenfalls Mitteilungscharakter.

Für eine „reibungslose“ Kommunikation müssen beide Gesprächspartner jedoch Kommunikationsaxiome (Regeln/Grundsätze, die zwar für jedermann einleuchtend sind, aber nicht beweisbar) sowie Kommunikations-/Konversationsmaxime (oberste Regeln bzw. Richtschnur, auch als Grundsatz ethischer Haltungen) einhalten! Sie sollten einander ausreden lassen, aktiv zuhören und Blickkontakt halten. Außerdem sollten sie bei Konfliktsituationen darauf achten, Ich-Botschaften zu senden, anstatt Du-Sätze zu bilden („Du bist kindisch“  „Ich finde dein Verhalten ist kindisch“). Darüber hinaus ist es wichtig, seinen Standpunkt zu vertreten und sich deutlich ausdrücken zu können, ohne sich dabei von Vorurteilen beeinflussen zu lassen. Zum Einhalten der genannten Regeln ist es von Bedeutung die eigene Persönlichkeit zu kennen, um in kritischen Situationen eine objektive Distanz einhalten und somit seine Emotionen kontrolliert und gezielt steuern zu können.

Einhalten der Kommunikationsregeln = Kommunikative Kompetenz ?

Sicherlich ist das Einhalten der Kommunikationsregeln förderlich, da es nur schwer möglich ist bei einem nicht durch Richtlinien koordinierten Gespräch einen Konsens zu finden, sowie Informationen auszutauschen. Denn wie ist es möglich seine Position zu vertreten, wenn das Gegenüber keine Rücksicht nimmt und einem ständig ins Wort fällt? Oder welcher Sinn ergibt sich, wenn das Gegenüber seine Aussagen verschleiert (nicht ehrlich ist, doppeldeutig)? Ein von solchen Merkmalen dominiertes Gespräch löst bei mindestens einem der Teilnehmer oft Unmut aus, sodass dieser resigniert und infolgedessen das Gespräch abbricht. Dieser Kommunikationsverlauf ist offensichtlich nicht von Kompetenz geprägt. Es wird deutlich, dass die Beherrschung von „Regeln“ vorteilhaft ist und somit bilden sie einen Bestandteil der Kommunikativen Kompetenz. Die Kommunikationsfähigkeit stärkt zusätzlich das Selbstbewusstsein und ermöglicht dadurch ein sicheres Auftreten.

Nach Erlernen durch Erziehung, beispielsweise durch Vorleben der Eltern und soziale Kompetenz werden die Normen zunächst unterbewusst verinnerlicht. Bei jedem Individuum lassen sich jedoch die unterbewussten Regeln nur allzu oft von Emotionen übertrumpfen. Hat man z.B. Angst von einem Sender verbal angegriffen zu werden, neigt man dazu, durch Unterbrechung, Aufmerksamkeit abwenden, etc., die Statuten zu missachten, um sich selbst zu schützen. Durch bestimmte Schulungen, welche die Regeln bewusst machen sollen, wird es leichter die Emotionen zu kontrollieren und den Regeln unterzuordnen. Doch auch hier ist Vorsicht geboten, denn ein krampfhaft von Regeln bestimmtes Gespräch wirkt oft künstlich und erzwungen (übertriebener Blickkontakt kann verunsichern und irritieren). Man kann nicht erwarten, dass man durch Schulungen einen Freifahrtsschein für perfektes Kommunizieren erwirbt, da die sich immer wandelnde Kommunikationstechnologie den Menschen überfordert. Ein Manager soll am Telefon eine Entscheidung treffen, nebenher muss er noch seine E-Mails beantworten und der nächste Geschäftspartner steht schon mit einem anderen Anliegen vor der Tür. Hierbei ist es verständlich, dass man unter Zeitdruck und verkürzter Reaktionszeit schnell handeln muss und eine Kommunikation gar nicht erst in Fluss kommen lässt.

Zusammenfassend kann man also festhalten, dass Kommunikationskompetenz bis zu einem gewissen Grad erlernbar ist und auf den Regeln basiert. Jedoch ist es notwendig, die Regeln abzuwägen und situationsgemäß einzusetzen.

Literatur

a)B.Le Mar: Kommunikative Kompetenz, 1997, Springerverlag Berlin/Heidelberg

b)Helmut Schoeck: Kleines soziologisches Wörterbuch, 1969, Verlag Herder KG Freiburg im Breisgau

c)Detlef C. Cochan: Sprache und Kommunikative Kompetenz, 1975, Ernst Klett Verlag: Stuttgart

d)Texte, Themen und Strukturen, Deutschbuch der Oberstufe, Cornelsen

e)Standpunkte der Ethik, 2000, Schöningh

f) McDonough, Jo & Shaw, Christopher: Materials and Methods In ELT: a teacher’s guide. –2nd ed., 2003, Blackwell Publishing

g)Heinz Göhring: Interkullturelle Kommunikation , 2002, Stauffenburg- Verlag

h)Brockhaus, Die Enzyklopädie, 1996

i)Siegfried Jager: Kritische Diskursanalyse, 2001, Duisburg


Web-Links

(1)http://www.soft-skills.com/kommunikativekompetenz/index.php

(2)http://www.hs-zigr.de/~smertel/docs/kompetenz.pdf

(3)http://www.rhetorik.ch/KomKom/KomKom.html

(4)http://www.rhetorik.ch/Spiegel/Spiegel.html

(5)http://de.wikipedia.org/wiki/Kommunikation

(6)http://www.hgb-leipzig.de/ARTNINE/competence/kukomp.html

(7)http://www.tu-dresden.de/sulifg/daf/thesekol.htm

(8)http://www.magic-point.net/fingerzeig/Grundlagen-deutsch/kommunikation/watzlawick/watzlawick.html

(9)http://www.dr-mueck.de/HM_kommunikation/HM_kommunikationsregeln.htm

(10)http://www.wissen.de

(11)http://www.hyperkommunikation.ch/lexikon/sprechakt.htm

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