Jordanien

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Vorlage:Infobox Staat

Das Haschemitische Königreich Jordanien (Vorlage:ArS) ist ein Staat in Vorderasien. Es grenzt an Israel, die Palästinensischen Autonomiegebiete, Syrien, den Irak, Saudi-Arabien und an das Rote Meer (Golf von Akaba), wo es eine Seegrenze zu Ägypten hat. Jordanien zählt zu den sog. Maschrek-Staaten.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Jordanien ist hauptsächlich ein Wüstenland und lässt sich von West nach Ost in vier Großlandschaften gliedern: Das westjordanische Bergland erreicht Höhen von über 1.000 m. Der von Norden nach Süden verlaufende Jordangraben besitzt mit dem Toten Meer den tiefsten Punkt der Erdoberfläche (Vorlage:Höhe). Dieser Grabenbruch setzt sich südlich über den Golf von Akaba ins Rote Meer fort. Das ostjordanische Bergland steigt in einer schroffen, zerklüfteten Steilwand über dem Jordangraben auf. Dieses Faltengebirge erreicht im Jabal Ramm (größter Berg des Landes) 1.754 m und gliedert sich durch mehrere Hochebenen. Den nördlichen Teil bildet das Gilead-Gebirge, auf dessen Hochflächen die Städte Amman, Zarqa und Irbid liegen. Die im Osten an das Bergland anschließenden Wüstentafelländer nehmen etwa zwei Drittel Jordaniens ein.

Klima

Der Nordwesten des Landes hat Mittelmeerklima mit heißen trockenen Sommern und kühlen feuchten Wintern sowie einer jährlichen Niederschlagsmenge von rund 800 mm. Im Osten und Süden gibt es weniger Niederschläge (100 mm). Im weitaus größten Teil Jordaniens herrscht kontinentales Wüstenklima. Die mittleren Sommer- beziehungsweise Wintertemperaturen liegen in Amman bei 31 bis 38 °C beziehungsweise 13 bis 19 °C.

Flora und Fauna

Die großen Trockengebiete sind nur spärlich mit Dornstrauchvegetation (Tamarisken und Schirmakazien) bewachsen. Ursprünglich war das Land stark bewaldet; heute gibt es jedoch nur noch etwa 5 km² Wald mit Zypressen, Eichen, Akazien und Kiefern. Maßnahmen zur Wiederaufforstung waren bislang wenig erfolgreich. Die heimische Tierwelt ist trotz der kargen Vegetation recht vielfältig: Geier, Hamster und Steinadler finden sich ebenso wie Hyänen, Wildkatzen, Enten, Wölfe, Gazellen und Steinböcke. Es gibt verschiedene Eidechsenarten, Schmetterlinge und Skorpione.

Bevölkerung

Die Jordanier sind zu 87 % Araber und 7 % Aramäer, gefolgt von 2 % Tscherkessen, 2 % Kurden und 2 % Armeniern. Daneben gibt es noch Gastarbeiter aus Südostasien. Die Amtssprache ist Arabisch und die Geschäftssprache ist Englisch. Daneben gibt es verschiedene Beduinendialekte sowie Sprachen der Minderheiten (Armenisch, Kurdisch und Aramäisch u.a.).

Etwa 60 % der Bevölkerung stammt von den etwa 800.000 Palästinensern (s. Palästina) ab, die nach dem der Staatsgründung Israels folgenden Angriffskrieg der umliegenden arabischen Staaten und dem Sechstagekrieg nach Jordanien geflohen sind. Ein Großteil dieser Menschen, denen Jordanien als einziges arabisches Land die Staatsbürgerschaft gewährt hat, lebt seit 1947 weiterhin in Flüchtlingslagern (so etwa 300.000 Menschen im Lager Al-Baqa'a bei Amman). Das Bevölkerungswachstum liegt bei 2,6 %; gut 37 % der Jordanier sind unter 15 Jahre. Infolge starker Landflucht leben etwa 79 % der Einwohner in Städten, die vor allem im Nordwesten des Landes liegen. Die Lebenserwartung liegt durchschnittlich bei 72 Jahren.

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Bevölkerungsentwicklung von 1961 bis 2003

1983 trat ein noch lückenhaftes Sozialversicherungsgesetz in Kraft. Die Arbeitslosigkeit liegt bei 14,5 % (inoffiziell bis zu 40 %); die Inflation bei 3,4 %. Das Gesundheitswesen ist in den Städten gut ausgebaut, auf dem Land aber noch unzureichend.

Bildung und schulische Einrichtungen

Hauptartikel: Bildungseinrichtungen in Jordanien

Schulpflicht besteht für 6- bis 15jährige; die Analphabetenrate liegt bei Frauen bei 14 % und bei Männern bei 4 %. Im Land existieren acht staatliche und zwölf private Universitäten.

Religion

93 % bekennen sich zum sunnitischen Islam. Christen stellen etwa 5 % der Bevölkerung dar<ref name="auswaertiges amt">Auswaertiges Amt: [1] 24. März 2007</ref> und 2 % Sonstige.

Geschichte

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Straßenszene in Amman

Das heute von Israel besetzte Westjordanland (Westbank) war einst der Kernraum des biblischen Israel mit Betlehem, Hebron und Jerusalem. Die etwa 1.200 v. Chr. ins Land gekommenen Ammoniter gehörten später dem jüdischen Großreich unter David und Salomo (um 1.000 bis 926 v. Chr.) an. Seit etwa dem 4. Jh. v. Chr. siedelten beiderseits des Jordans die von der Arabischen Halbinsel stammenden Nabatäer. Unter Kaiser Trajan gliederten die Römer das Gebiet 106 n. Chr. ihrem Imperium als Provinz Arabia an. In der Spätantike diente der Westen des heutigen Jordanien dem Römischen Reich als eine Art Militärgrenze gegen die Beduinen. Mit dem Sieg der Muslime über das Oströmische Reich am Yarmuk 636 wurde auch das Gebiet des heutigen Jordanien islamisch und gehörte von 1250 bis 1516 als Teil der Provinz Syrien zum Reich der Mamluken und von 1516 bis 1918 zum Osmanischen Reich. Nur während der Kreuzzüge war der Westteil in das Lateinische Kaiserreich Jerusalem (1115–1187) eingegliedert.

Im Ersten Weltkrieg beteiligten sich jordanische Stämme am Araberaufstand gegen die Osmanen (1916 bis 1918) und schlossen sich nach Kriegsende dem in Damaskus unter dem Emir Faisal aus dem Hause der Haschemiten gegründeten Königreich Syrien an. Aber Großbritannien setzte auf der Konferenz von San Remo 1920 die Angliederung Jordaniens an das britische Mandatsgebiet Palästina durch. 1923 entstand dann durch Abtrennung der Gebiete östlich des Jordans das unter britischer Mandatsverwaltung stehende Emirat Transjordanien mit Abdullah ibn Husain als Staatsoberhaupt. Ihm zur Seite stand der britische General John Bagot Glubb (Glubb Pascha), der 1939 die Arabische Legion als Schutzgarde des Königshauses aufbaute. Am 25. Mai 1946 (Nationalfeiertag) erlosch das britische Mandat und Transjordanien erhielt seine volle Unabhängigkeit. Abdullah I. nahm den Königstitel an.

Nach Ausrufung des souveränen Staates Israel kam es zum ersten israelisch-arabischen Krieg, bei dem die Arabische Legion die östlichen Teile Palästinas und die Altstadt von Jerusalem besetzen konnte. Das Waffenstillstandsabkommen mit Israel von 1949 empfanden die Jordanier als Niederlage, zumal es für Jordanien einen ungünstigeren Grenzverlauf festlegte als im UN-Teilungsplan von 1947 (Zweiteilung Palästinas bei wirtschaftlicher Einheit und Internationalisierung Jerusalems) vorgesehen. 1950 wurde der Staat in Haschemitisches Königreich Jordanien umbenannt. Die dabei erfolgte offizielle Eingliederung der palästinensischen Gebiete lehnten andere arabische Staaten aber ab. Daraufhin fiel König Abdullah I., am 20. Juli 1951 in Jerusalem dem Attentat eines palästinensischen Nationalisten zum Opfer. Nachdem sein Sohn und Nachfolger Talal wegen Krankheit 1952 abtreten musste, wurde 1953 dessen Sohn Hussein als Hussein I. König von Jordanien.

Im Sechstagekrieg zwischen Israel und den arabischen Staaten 1967 verlor Jordanien seine gesamten Gebiete westlich des Jordans an Israel. 400.000 Menschen, vor allem aus der Westbank, kamen zusätzlich ins Land, nachdem Jordanien schon 1949 400.000 Flüchtlinge hatte aufnehmen müssen. Die Herausforderung durch die Palästinensische Befreiungsfront (PLO), die in den Flüchtlingslagern eine Art „Staat im Staate“ bildete und die Monarchie bedrohte, führte 1970/71 zum offenen Bürgerkrieg, in dem König Hussein die militärischen Einheiten der von Syrien unterstützten PLO zerschlug („Schwarzer September“). Aus dem israelisch-arabischen Yom-Kippur-Krieg 1973 hielt sich Jordanien weitgehend heraus. Eine jordanische Brigade wurde nach Syrien geschickt, um auf syrischem Gebiet gegen israelische Truppen zu kämpfen. Nach ersten Signalen 1974 gab König Hussein 1988 endgültig alle Ansprüche auf das Westjordanland zugunsten der PLO auf. Die eindeutige Parteinahme Jordaniens für den Irak im ersten Golfkrieg 1991 führte zu Spannungen mit Syrien und den arabischen Golfstaaten. Dennoch gelang König Hussein 1994 der Abschluss eines Friedensvertrages mit Israel.

Als er 1999 nach langer schwerer Krankheit starb, trat sein Sohn als Abdullah II. die Nachfolge an. Dieser schloss 2001 ein Freihandelsabkommen mit den USA, 2002 ein Assoziierungsabkommen mit der EU und betrieb insgesamt eine prowestliche Außenpolitik.

Am 10. November 2005 kam es zu einem Terroranschlag auf Hotels in Amman, bei dem 56 Menschen starben. Im Irak kam es zu antijordanischen Protesten, da Jordanien von schiitischer Seite nachhaltige Unterstützung für die Sunniten vorgeworfen wird. Vor der Regierungsumbildung am 7. April 2005 haben die USA innenpolitische Reformen im Königreich angemahnt.

Politisches System

Nach der Verfassung von 1952, zuletzt geändert 1992, ist Jordanien eine konstitutionelle Monarchie der haschemitischen Dynastie. Der König ist Staatsoberhaupt, Oberbefehlshaber der Streitkräfte und ernennt den Ministerpräsidenten sowie den Ministerrat. Das Parlament besteht aus dem Abgeordnetenhaus mit 110 für vier Jahre gewählten Mitgliedern (9 Sitze für Christen, 3 für Tscherkessen und 6 für Frauen reserviert) und dem Haus der Notabeln mit 40 Mitgliedern, die für acht Jahre vom König ernannt werden. Bei den Wahlen zum Abgeordnetenhaus 2003 erreichte der jordanische Zweig der Muslimbruderschaft, die Islamische Aktionsfront, 10,3% der Stimmen.

Die Familie Al-Shraydeh ist eine der Familien, die im Haus der Notabeln vertreten ist und derzeit den Minister für Energie und Ressourcen stellt.

Frauen und Männer haben ab 18 das Wahlrecht. Die Wahlen vom 17. Juni 2003 brachten königstreuen Stammesführern 62 von den 110 Sitzen. Das Rechtswesen ist nach britischem Vorbild aufgebaut, daneben gibt es noch eine islamisch-religiöse Gerichtsbarkeit (Scharia). Jordanien ist Mitglied der Vereinten Nationen (UNO), der Organisation Islamischer Länder (OIC) und der Arabischen Liga.

Verwaltungsgliederung

Die größten Städte sind (Stand 1. Januar 2005): Amman 1.217.924 Einwohner, Zarqa 890.000 Einwohner, Irbid 750.962 Einwohner, ar-Rusaifa 261.843 Einwohner, Wadi as-Sir 193.613 Einwohner, Akaba 101.769 Einwohner, Madaba 82.457 Einwohner und al-Baq'a 80.231 Einwohner.

Jordanien gliedert sich in zwölf Gouvernorate. Diese sind:

Adschlun, al-Fuhais, al-Balqa, al-Karak, al-Mafraq, Amman, Akaba, at-Tafilah, Irbid, Dscharasch, Ma'an, Madaba und Zarqa.

Wirtschaft

Die ohnehin seit Jahren in einer schweren Krise befindliche jordanische Wirtschaft (chronisch defizitäre Handelsbilanz, steigende Arbeitslosigkeit, fortschreitende Konkurswelle), leidet besonders unter den politischen Krisen in der Region. Der Handelssektor war schwer von den UN-Sanktionen über den Irak getroffen, da der Irak vor dem Golfkrieg zwei Fünftel der gesamten Handelsübersicht Jordaniens ausmachte. Im Jahre 1997 unterzeichneten Jordanien und die Europäische Union (EU) eine Teilhaberschaftsvereinbarung, die den Weg für eine Freihandelszone bis zum Jahr 2010 ermöglichte. Dieses Abkommen, das Anfang 1999 in Kraft trat, soll auch die Vermittlungen für den Beitritt Jordaniens zur Welthandelsorganisation (WTO) beschleunigen. Im Jahre 1996 schlossen Jordanien und Ägypten eine Teilhaberschaftsvereinbarung, welche die bilateralen ökonomischen Mitarbeitsverträge regelte und beabsichtigte, den Handel zu liberalisieren, indem sie eine Freihandelszone etablierten. Zahlreiche Geschäftsprotokolle und Vereinbarungen sind mit dem Libanon, Syrien, dem Irak, dem Jemen, Saudi-Arabien, Bahrain, Tunesien, Ägypten, Marokko, Libyen und dem Sudan zustande gekommen.

5 % der Fläche Jordaniens sind landwirtschaftlich nutzbar. Der Anbau von Getreide, Obst und Gemüse ist stark bewässerungsabhängig. Die Landwirtschaft macht 2 % des Bruttoinlandsproduktes aus, in ihr sind 3,9 % der Beschäftigten tätig. Wichtigster Wirtschaftszweig ist der Phosphatabbau mit anschließender Verarbeitung zu Düngemitteln. Es gibt zwei große Düngemittelfabriken im Land, eine jordanisch-indische sowie eine jordanisch-japanische. Auch Kupfererze, Ölschiefer und Kali werden gefördert. Neben einer Erdölraffinerie (Rohöl wird aus Saudi-Arabien importiert) gibt es Zement- und chemische Industrie. Es überwiegen Klein- und Mittelbetriebe. Es gibt keine nennenswerten Ölvorkommen. Ein Teil (17 %) der Energieversorgung kann jedoch durch Erdgas abgedeckt werden. 26 % des Bruttoinlandsproduktes entfällt auf die Industrie, in der 21,5 % der Beschäftigten arbeiten.

Die Verkehrsverbindungen sind gut ausgebaut:

  • Eisenbahnnetz 618 km, ausschließlich Gütertransport und touristischer Verkehr. Das Netz entstand aus der ehemaligen Hedschasbahn.
  • Straßennetz 5.200 km.
  • Der Anschluss an den Seeverkehr erfolgt über den Hafen von Aqaba.

Der Tourismus macht ca. 10 % des Bruttoinlandsproduktes aus (Dienstleistungen insgesamt 72 %, darin erwerbstätig 74,7 %) und ist die zweitwichtigste Devisenquelle. Obwohl in Jordanien selbst seit über 30 Jahren Frieden herrscht, reagieren die Touristenströme sehr empfindlich auf die politischen Entwicklungen im Nahen Osten. So blieb die von der jordanischen Regierung nach dem Friedensschluss mit Israel erhoffte „Friedensdividende“ aus dem Tourismus bisher weitgehend aus.

Datei:Jordanien Wadi Rum 01.jpg
Felsformation im Wadi Rum

Das Land hat zum Teil einzigartige, allerdings nur wenig bekannte touristische Attraktionen zu bieten:

  • Antike Stätten und archäologische Ausgrabungen, vor allem

Aufgrund der starken Sonneneinstrahlung bietet sich der Aufbau und der Betrieb von thermischen Solarkraftwerken zur Deckung des wachsenden Energie und Trinkwasserbedarfs an. Prinz Hassan Ibn Talal, der jüngste Sohn des Königs, ist ein großer Verfechter der Gewinnung von Solarenergie in der Wüste und organisierte bereits mehrere internationale Kongresse zu diesem Thema. Gemeinsam mit der Trans-Mediterranean Renewable Energy Cooperation (TREC) plant Prinz Hassan den großangelegten Transfer von Solarenergie nach Europa.

Jordanien importiert vor allem Maschinen, Transportausrüstungen, Nahrungsmittel und Erdöl zu 11 % aus Saudi-Arabien, 8 % Deutschland, 8 % VR China, 7 % USA, 7 % Irak, 4 % Italien und zu 4 % aus Japan. Es exportiert vor allem Textilien, chemische Erzeugnisse und Rohstoffe (Phosphat, Pottasche) zu 22 % in die USA, 18 % Irak, 7 % Indien, 7 % Schweiz und 5 % Saudi-Arabien. Zwischen 1999 und 2002 lag der Anteil der Staatsausgaben für das Gesundheitswesen bei 10 %, das Bildungswesen bei 16 % und das Militär bei 19 %.

Kultur

Der Nationalfeiertag ist der 25. Mai (Annahme des Königstitels durch Abdullah I. 1946).

Bekannt ist auch das Jerash Festival in jedem Sommer, bei dem Musiker aus vielen arabischen Nationen zusammenkommen.

Literatur

Quellen

<references/>

Weblinks

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