Holocaust

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25px Dieser Artikel erläutert den Holocaust in der Zeit des Nationalsozialismus. Für andere Begriffsverwendungen siehe Holocaust (Begriff)
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Hauptgebäude/-einfahrt in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau, von innen

Als Holocaust, auch Holokaust [[[:Vorlage:IPA]]] (von griechisch ὁλοκαύτωμα, holokáutoma: ὅλος holos - „ganz, vollständig“ - und καῦσις kausis - „Brand, Verbrennung“), bezeichnet man heute vor allem den Völkermord an etwa sechs Millionen Juden in der Zeit des Nationalsozialismus (auch Shoa genannt) sowie die systematische und massenhafte Ermordung mehrerer nichtjüdischer Gruppen:

Der Holocaust unterscheidet sich aufgrund seiner Ausrottungsziele und systematischen Durchführung wesentlich von der Verfolgung politischer Gegner des NS-Regimes: Während diese nicht zwangsläufig ermordet wurden, waren die Menschen, die das NS-Regime den genannten Gruppen zuordnete, schon aufgrund ihrer bloßen Existenz zur Ermordung vorgesehen und hatten fast keine Überlebenschancen, wenn sie in die Hände des nationalsozialistischen Machtapparats fielen.

Inhaltsverzeichnis

Bezeichnungen

Synonyme für den Begriff Holocaust in Bezug auf die Juden sind Shoa (hebräisch: „Katastrophe“, „großes Unglück“) und – seltener – Churban (hebräisch: „Vernichtung“, „Verwüstung“). Die Nationalsozialisten selbst verwendeten den euphemistischen Tarnbegriff Endlösung der Judenfrage.

Holocaust

Das griechische Wort holókaustos („vollständig verbrannt“) bezog sich auf die in der Antike verbreitete religiöse Praxis der Verbrennung von Tieren als Opfer. Dafür verwendete es erstmals der Historiker Xenophon, dann auch die griechische Bibelübersetzung, die Septuaginta. Über die lateinische Bibelübersetzung der Vulgata drang holocaustum in die englische Sprache ein, nicht aber in die deutsche, da Martin Luther den Ausdruck mit Brandopfer übersetzte.

Darum wurde der Völkermord an den europäischen Juden zunächst nur im englischen Sprachraum mit dem Wort Holocaust bezeichnet, erstmals im Dezember 1942 in der Tageszeitung News Chronicle. Diese verband noch ohne Kenntnis von „Vernichtungslagern“ damit bereits Adolf Hitlers Vernichtungsplan an den Juden: … the Jewish people are to be exterminated. Von nun an behielt der Begriff im politischen Diskurs diesen Sinn und setzte sich in der angelsächsischen Geschichtswissenschaft nach 1945 allmählich durch. Der Autor Frederick Forsyth machte 1972 diesen Sinn mit seinem Roman Die Akte Odessa einer breiteren Öffentlichkeit bekannt.<ref>Zusammenfassung zur Ethymologie und dem Sprachgebrauch in Deutschland bei schaepp.de</ref>

Zwar gab es im Deutschen bereits das Fremdwort Holokaust, das aber kaum für den Völkermord an den Juden gebraucht wurde und in wichtigen Wörterbüchern nicht verzeichnet war. Doch seit der Fernsehserie Holocaust – Die Geschichte der Familie Weiß von 1979 wurde der Begriff, auch in englischer Schreibweise, in der Bundesrepublik üblich. Er bezeichnete nun verbreitet das, was zuvor als „Judenverfolgung“, „Judenvernichtung“, „Judenmord“ oder „Mord an den europäischen Juden“ umschrieben worden war. Das Bewusstsein für die Ausnahmestellung dieses nationalsozialistischen Völkermords war bis dahin kaum in der deutschen Bevölkerung vorhanden. Heute ist eine von diesem Ereignis losgelöste Verwendung des Holocaustbegriffs im Deutschen semantisch und ethisch umstritten, da sie zumeist aus Effekthascherei oder aus dem Versuch heraus erfolgt, die NS-Verbrechen zu verharmlosen.

Shoa

Juden bevorzugen seit 1945 „Shoa“ (שואה; „Schoa“, „Schoah“, in der Frankophonie: „Shoah“, wie der Film) für das Ereignis. Dieses profane hebräische Wort war vorher für ein „großes Unheil“ oder eine „Katastrophe“ üblich. Die Unabhängigkeitserklärung des Staates Israel nahm es für die NS-Judenvernichtung auf. Denn „Holocaust“ betont für Juden zu sehr die Opferrolle der Ermordeten und legt zudem nahe, ihr „Opfer“ sei „gottgewollt“ gewesen. „Shoa“ lehnen wiederum manche Vertreter nichtjüdischer Opfergruppen des Holocaust ab: Für sie engt das hebräische Wort den Blick auf die ermordeten Juden ein.

Außerhalb Israels bürgerte sich „Shoa“ vor allem seit dem gleichnamigen Film von 1985 von Claude Lanzmann ein, der als „narrative Chronik des Holocaust“ gilt. Auch in Deutschland war er bis dahin nicht geläufig. Wer den Begriff als Nichtjude bevorzugt, verbindet damit oft Kritik am Holocaustfilm von 1979: Dieser habe den Stoff „romantisierend“, „reißerisch“ oder gar „voyeuristisch“ umgesetzt und sei dem tatsächlichen Schrecken des Themas nicht gerecht geworden.

Der Artikel Shoa behandelt diesen Begriff und die Diskussion um die Singularität (einzigartige Besonderheit) des Holocaust.

Churban

Viele Rabbiner bezeichnen die Shoa etwa seit 1980 als Dritten Churban. Das hebräische Wort „Churban“ bedeutet etwa „Verwüstung“ oder „Vernichtung“ und bezieht sich auf große historische, von Menschen gemachte Katastrophen. Das Wort wurde früher für die beiden Zerstörungen des Jerusalemer Tempels (586 vor und 70 nach Christus) verwendet und bezeichnete deren Zielrichtung, das Judentum auszulöschen. Der Dritte Churban wird damit als ein weiterer Fall der Judenverfolgung unter anderen Völkern in die Jüdische Geschichte eingeordnet. Vertreter des Begriffs lehnen daher die These von seiner Singularität ab.

„Churban“ ist auch im Jiddischen geläufig (jidd: khurben) und bezeichnet in jiddischer Literatur wiederum fast ausschließlich den Holocaust. So verwendet auch Manès Sperber diesen Begriff; ein von ihm verfasster Essay aus dem Jahr 1964 trägt den Titel „Churban oder Die unfassbare Gewissheit“.

Geschichte

Die Entwicklung zum Holocaust begann 1933 mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung der Juden in Deutschland und mündete in der Vernichtung aller europäischen Juden, derer das nationalsozialistische Regime habhaft werden konnte. Sie lässt sich grob in vier aufeinander aufbauende, sich zeitlich überlappende Phasen einteilen:

  • Entrechtung und Verdrängung aus Staatsämtern, freien Berufen und öffentlichem Leben,
  • zunehmende ökonomische und staatliche Enteignung von in jüdischem Besitz befindlichen Unternehmen bis hin zur reichsweiten Arisierung ,
  • Ghettoisierung, Deportationen, Massenmorde hinter der Kriegsfront
  • schließlich Vergasung in den Vernichtungslagern.

Judenverfolgung im Deutschen Reich (1933-1939)

Seit Hitlers sogenannter Machtergreifung entrechteten die Nationalsozialisten jüdische Bürger systematisch immer mehr. Unmittelbar nach Hitlers Ernennung zum Reichskanzler (30. Januar 1933) begannen von Funktionären der NSDAP inszenierte „spontane“ Proteste gegen jüdische Beamte; Gerichtsverhandlungen wurden gestört, Autoren von Zeitungsartikeln und Leserbriefen forderten die Entfernung jüdischer Juristen auf. Diese wurden aus ihren Praxen geprügelt, beraubt, teilweise aus Deutschland vertrieben oder ermordet.

Am 1. April organisierte das Regime mit Hilfe der SA einen Boykott jüdischer Geschäfte, bei dem diese vielfach zertrümmert und Geschäftsinhaber verprügelt wurden. Das „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 legalisierte die bisherigen „wilden“ Berufsverbote für Juden, indem es die Entlassung aller jüdischen Beamten vorsah. Auf einen Eingriff des Reichspräsidenten Paul von Hindenburg hin wurden davon nur die Juden ausgenommen, die schon vor 1914 im Staatsdienst gewesen waren, im Weltkrieg gekämpft oder dabei Angehörige verloren hatten („Frontkämpferprivileg“). Von nun an wurden Juden auch aus allen Ehrenämtern entfernt; sie erhielten nur noch begrenzten Zugang zu Schulen und Universitäten; jüdische Steuerberater verloren ihre Zulassung.

Von Januar bis Juni 1933 - der Phase der nationalsozialistischen „Revolution“ - verließen etwa 25.000 deutsche Juden ihre Heimat. Bei einer Volkszählung vom 16. Juni 1933 lebten knapp 500.000 Personen „mosaischen Glaubens“ - 0,77 Prozent der Gesamtbevölkerung - in Deutschland.<ref>Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden Band I, München 2000, ISBN 3-423-30765-X, S. 364 (Anmerkung 30)]</ref>

1935 verschlechterte sich die Lage vieler jüdischer Bürger nochmals drastisch: Sie wurden nicht mehr zu Prüfungen als Ärzte und Apotheker zugelassen und vom Wehrdienst ausgeschlossen. Zahlreiche Berufsverbände erteilten für sie mitsamt ihren Ehegatten Berufsverbote, z. B. als Haushaltshilfen, Gewerbelehrer, Kirchenmusiker, Kunst- und Antiquitätenhändler, Kinobetreiber, Schwimmmeister.

Im Juli kam es zudem in Berlin zu erneuten Ausschreitungen gegen jüdische Geschäfte. Im September zementierten die Nürnberger Gesetze die rassistische Diskriminierung: Das „Reichsbürgergesetz“ beließ Juden zwar die deutsche Staatsbürgerschaft, wertete diese aber ab, indem nur „Arier“ die „Reichsbürgerschaft“ mit dem Privileg des Wahlrechts und voller Bewegungsfreiheit erhielten. Das „Blutschutzgesetz“ verbot die Eheschließung und selbst außereheliche Sexualität zwischen Juden und „Ariern“. Dabei war zunächst unklar, wer als Jude zu gelten habe: Die „Erste Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ definierte dann „Volljuden“ als Personen mit mindestens drei, „jüdische Mischlinge“ mit bis zu zwei jüdischen Großelternteilen. Auch wer zur jüdischen Glaubensgemeinschaft gehörte, galt als „Volljude“; wer nach dem Gesetzeserlass in diese eintrat, mit einem jüdischen Bürger verheiratet war oder aus einer „Mischehe“ gezeugt wurde, galt rechtlich als „Volljude“ (sog. Geltungsjude). Der angeblich biologische Rassebegriff ließ sich also juristisch nur durch Rückgriff auf nichtbiologische Merkmale wie die Religionszugehörigkeit fassen.

Wegen der Aufmerksamkeit des Auslands während der Olympischen Sommerspiele wurden 1936 keine weiteren Gesetze gegen Juden erlassen, und selbst die Alltagsschikanen traten für knapp zwei Jahre in den Hintergrund. Ab 1938 verschärfte das Regime die Entrechtung und Diskriminierung der Juden dann enorm. Am 5. Januar 1938 zwang das „Gesetz über die Änderung von Familiennamen und Vornamen“ Juden, aus einer bestimmten, eng begrenzten Zahl „typisch jüdischer“ Vor- und Zunamen ihren Erst- oder Zweitnamen zu wählen. Jüdische Bürger, die nicht einen "typisch jüdisch" klingenden Vornamen führten, wurden verpflichtet die Annahme des Vornamens Israel bzw. Sara zu beantragen.<ref>Zweite Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familiennamen und Vornamen vom 17. August 1938</ref> Ab Februar erhielten jüdische Betriebe und Haushalte geringere Zuteilungen an Rohstoffen und Devisen. Dort durften auch keine „deutschblütigen“ Frauen mehr arbeiten. Sie erhielten ab März keine öffentlichen Aufträge mehr und mussten ab dem 26. April ihr gesamtes Vermögen dem Staat offenlegen („anmelden“). Damit begann die „Arisierung“ von Unternehmen in jüdischem Besitz.

Die staatliche Sozialfürsorge für Juden wurde eingestellt; fortan mussten jüdische Wohlfahrtspflegevereine diese tragen. Nach den Elektrikern und Gasinstallateuren verloren ab September 1938 alle noch tätigen jüdischen Ärzte ihre Approbation, im November folgten die Rechtsanwälte, im Januar 1939 die Apotheker, Zahn- und Tierärzte. Alle jüdischen Börsen und Großmärkte wurden geschlossen. Jüdische Schüler durften nicht mehr zusammen mit deutschen Mitschülern das Abitur machen. Jüdische Stiftungen mussten ihre Satzungen dahingehend ändern, dass sie nur noch der Auswanderung der Juden dienen sollten.

Der Anschluss Österreichs war zugleich eine neue Stufe der Eskalation: Nun erhielten einfache NSDAP-Mitglieder Gelegenheit, Juden zu enteignen, um ihre Enteignung und Vertreibung im nun „Großdeutschen Reich“ zu beschleunigen. In Wien z. B. wurden tausende jüdische Geschäftsinhaber aus ihren Läden und Wohnungen geprügelt, manche auf der Straße misshandelt und gezwungen, die Straßen mit den Händen zu kehren. Im Juni wurden in Berlin etwa 1.600 Juden verhaftet und in KZ's eingewiesen. Reiche jüdische Bürger, u.a. Baron Rothschild, wurden in Einzelhaft gehalten, bis sie ihr Vermögen gegen eine Ausreiseerlaubnis dem Reich überschrieben.

Kurz darauf kam es zu einer ersten großen Fluchtwelle meist mittelloser jüdischer Deutscher aus dem Reichsgebiet, vor allem in die Schweiz. Daraufhin verlangten deren Behörden von Deutschland die Kennzeichnung jüdischer Reisepässe. Eine Verordnung<ref>Verordnung über Reisepässe von Juden vom 5. Oktober 1938</ref> legte fest, dass diese alle ohne das Stempelzeichen „J“<ref>Reisepass mit Stemplezeichen "J" auf der Webseite "Drei Wege in die Emigration"</ref> ungültig seien. Einem österreichischen Zeitungsbericht zufolge wurden die Reisepässe jüdischer Bürger schon einige Jahre vorher mit dem Vermerk Nur im Inland gültig. Berechtigt nicht zur Grenzüberschreitung versehen<ref>Deutsche Juden dürfen nicht ins Ausland?, Neues Wiener Journal 17. März 1936</ref>. Diese und weitere Restriktionen verhinderten nach Kriegsbeginn 1939 die Aufnahme tausender fluchtwilliger Juden in der Schweiz, was für die meisten Betroffenen de facto einem Todesurteil gleichkam.

Auch andere europäische Staaten erschwerten nun die Einreise für Immigranten aus Deutschland. Als Polen Juden polnischer Herkunft, die seit Längerem in Deutschland lebten, die polnische Staatsbürgerschaft entziehen wollte, schob die Gestapo Ende Oktober 1938 etwa 15.000 Juden in einer Nacht- und Nebelaktion nach Polen ab. Betroffen waren davon auch die Eltern des Pariser Studenten Herschel Grynszpan. Dieser erschoss daraufhin dort den deutschen Diplomaten Ernst Eduard vom Rath. Dies wurde zum Vorwand für die Novemberpogrome 1938, besonders in der Nacht vom 9. auf den 10. November (verharmlosend: „Reichskristallnacht“), genommen. Sie wurden nach einer Rede von Joseph Goebbels zum Jahrestag des Hitlerputsches von 1923 von zahlreichen Gauleitern der NSDAP eingeleitet und von nachgeordneten Parteifunktionären unterstützt. Die meisten der oft jahrhundertealten Synagogen Deutschlands wurden dabei zerstört, dazu Tausende Häuser und Wohnungen von Juden verwüstet. Bis zu etwa 400 Juden wurden ermordet oder in den Selbstmord getrieben; viele weitere wurden misshandelt und verletzt, Frauen wurden vergewaltigt. Ab dem 10. November wurden erstmalig Tausende jüdische Bürger auf einmal in Konzentrationslagern interniert (Schätzungen nennen bis zu 36.000 Personen).

Die nationalsozialistischen Machthaber prüften damit die Bereitschaft der deutschen Bevölkerung zum Zuschauen, Wegschauen oder Mitmachen. Goebbels erklärte das staatlich gelenkte und geduldete „Überkochen der Volksseele“ in Zeitungsartikeln für beendet, kündete aber zugleich an: Die „weiteren Lektionen“ würden „dem Judentum auf dem Weg der Gesetzgebung erteilt werden.“ Gemeint war damit vor allem die nun folgende Arisierung. Juden wurde eine Milliarde „Schadenersatz“ für Gebäudeschäden der Pogromnacht auferlegt. Die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ verbot ihnen unter anderem Einzelhandel, Versandgeschäfte, Bestellkontore, Führung von Handwerksbetrieben, Warenangebot auf Messen, Märkten oder Ausstellungen, Betriebsleitung und Tätigkeit als leitende Angestellte.

Hinzu kamen vielfältige Alltagsdiskriminierungen, etwa Parkbänke mit Schildern „Nur für Deutsche“, „Entjudung“ (Umbenennung) von Straßennamen, Uniformverbot, generelle Einstufung in die höchste Steuerklasse, Verbot der Benutzung von Schlaf- und Speisewagen der Reichsbahn, Streichung von Wohngeld. Hauseigentümer durften freiwerdende Wohnungen nicht mehr an „Volljuden“ vermieten, ihnen wurden „Sonderwohnbezirke“ zugeteilt. Damit begann ihre Ghettoisierung. Am 4. Juli 1939 wurden zudem alle jüdischen Vereine, Organisationen und Stiftungen zwangsweise in einer „Reichsvereinigung“ zusammengeschlossen.

Die Staatsmaßnahmen verfolgten bis zum Kriegsbeginn das klar erkennbare Ziel, die jüdischen Deutschen aus allen gesellschaftlichen Bereichen auszuschließen, um so möglichst viele von ihnen zur Auswanderung zu drängen. Von 510.000 deutschen Juden, die 1933 den israelitischen Kultusgemeinden angeschlossen waren, verließen bis 1939 etwa 315.000 ihre Heimat. Von den verbliebenen rund 200.000 gelang 1939 nochmals 15.000 die Flucht. Höchstens 10.000 in „Mischehen“ oder illegal im Reich lebende jüdischen Bürger entkamen danach ihrer Ermordung.

Die Verfolgung der Juden in Nazi-Deutschland hatte sich von 1933 bis 1939 von Diskriminierung bereits bis zum organisierten Pogrom gesteigert. Unter den Bedingungen des Krieges verschärfte das Regime diese Politik schließlich zum systematischen Völkermord.

Übergang zum systematischen Völkermord (1939-1941)

Sein Ziel hatte Hitler schon 1925 in seiner autobiografischen Propagandaschrift „Mein Kampf“ und in vielen öffentlichen Reden davor zum Ausdruck gebracht: die vollständige Vernichtung des „Weltjudentums“, wie er es nannte. Am 30. Januar 1939 kündigte er in seiner Reichtagsrede zum Jahrestag der Machtergreifung an, dass ein neuer Weltkrieg, für den er die Juden verantwortlich machte, auf jeden Fall die „Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ bedeuten werde. Wann genau die endgültige Entscheidung dazu fiel, ist in der Holocaustforschung umstritten: Die Entscheidung wird je nach Forscher auf den Zeitraum von Juni bis November 1941 datiert.

Der Beginn des 2. Weltkriegs am 1. September 1939 bot den Nationalsozialisten neue Möglichkeiten zur Vernichtung. Denn nun war Juden die Ausreise aus dem Deutschen Reich verboten. Sie wurden systematisch polizeilich erfasst und von den Nichtjuden isoliert. Weitere Millionen von jüdischen Bürgern der besetzten europäischen Gebiete, vor allem in Polen, der Ukraine, Weißrussland, Russland und Ungarn, kamen unter die nationalsozialistische Herrschaft.

Im Vorfeld des so genannten Polenfeldzuges schlossen SS und Wehrmacht ein Abkommen, das Heinrich Himmler als „Kommissar für deutsches Volkstum“ besondere Vollmachten für die zu besetzenden Gebiete gab. Am 20. September 1939 beschlossen Hitler, Himmler, Reinhard Heydrich und Albert Forster als Nahziel, binnen eines Jahres alle Juden aus dem Reich nach Polen zu bringen und dort in Ghettos zu konzentrieren. Man dachte dabei zunächst möglicherweise noch an die Einrichtung eines überwachten „Judenreservats“ an der russischen Grenze.

Im März 1940 wurden die Juden der inzwischen „eingedeutschten“ polnischen Gebiete südlich von Warschau und Lublin zwangsweise „umgesiedelt“. Das heißt, für sie wurden den größeren polnischen Städten wie Warschau oder Łódź hermetisch abgeriegelte Ghettos eingerichtet. Dort starben viele aufgrund der von den Deutschen zu verantwortenden Nahrungsrationen an Hunger, Kälte und durch tägliche willkürliche Morde der NS-Wachmannschaften. Der Wehrmachtsbefehlshaber Johannes Blaskowitz protestierte und wurde daraufhin von Hitler kurzerhand abgesetzt. Weiterer Protest seitens der Wehrmachtsführung ist nicht bekannt.

Im April 1940 wurden diese „Zwangsumsiedlungen“ vorerst wieder eingestellt, weil sich organisatorische Probleme dabei ergaben. Danach erwog das Reichssicherheitshauptamt im Juni den Plan, alle Juden aus Deutschland und den eroberten Gebieten nach Madagaskar abzuschieben (vgl. Madagaskarplan). Es zeigte sich jedoch bald, dass der Krieg einen solchen Massentransport unmöglich machte. Schiffe und Flugzeuge wurden für militärische Zwecke gebraucht und waren nicht über die lange Distanz zu schützen.

Im Herbst 1940 verfuhren „Reichsgaue“ eine kurze Zeit uneinheitlich mit den jüdischen Bürgern ihres Bereichs: So schoben Baden, die Pfalz und das Saarland etwa 6.500 Menschen am 22. und 23. Oktober in unbesetzte Teile des besiegten Frankreichs ab. Manche Städte erließen in eigener Regie Ausgangsbeschränkungen und zogen die Radioapparate jüdischer Bürger ein. Die Gestapo konnte diese uneinheitliche Handhabung zusammenfassen, indem sie dieselben Maßnahmen reichsweit anordnete. Juden erhielten keine Kakao- und Schokoladeprodukte mehr, keine Kleiderkarten, kein Textil- und Ledermaterial. Ihre Lebensmittelkarten waren wie ihre Pässe mit einem „J“ markiert, und sie durften täglich erst nach 15:30 Uhr einkaufen, wenn die meisten Regale in den Läden bereits geleert waren.

Mit dem Russlandfeldzug begann ab Sommer 1941 die Phase der nationalsozialistischen Massenmorde an Zivilisten in den eroberten Gebieten. Wieder wurden in einem Abkommen mit der Wehrmacht Sondervollmachten für die SS vereinbart - nach den Erfahrungen in Polen konnte es diesmal keine Zweifel geben, was darunter zu verstehen war. Den vorrückenden Truppen der Wehrmacht folgten die „SS-Einsatzgruppen“. Diese ließen Juden in Dörfern und Städten sammeln, um sie dann massenhaft zu erschießen: zum Beispiel in Babyn Jar bei Kiew und bei Riga.

An vielen solchen Aktionen waren auch einzelne reguläre Wehrmachtseinheiten sowie drei Polizeibataillone direkt beteiligt. Die Wehrmacht arbeitete auch bei der organisatorische Erfassung von Juden in den besetzten Gebieten eng mit der SS zusammen; nur wenige Kommandeure weigerten sich, ohne dafür bestraft zu werden (siehe dazu Verbrechen der Wehrmacht). So lassen sich die Vernichtung durch den Krieg, Vernichtung durch Zwangsarbeit für den Krieg und Vernichtung in den durch Krieg eroberten Gebieten nicht voneinander trennen.

Am 9. September 1941 ordnete die Polizei an, dass alle Juden künftig einen gelben Stern in Form eines Davidssterns gut sichtbar an der äußeren Kleidung zu tragen hätten. Im Januar 1942 wurden alle ihre Kleidungsstücke aus Wolle und Pelz beschlagnahmt. Ab März des Jahres mussten auch die Wohnungen der im Reich verbliebenen Juden mit einem „Judenstern“ gekennzeichnet werden. Sie durften öffentliche Verkehrsmittel nur noch in Ausnahmefällen benutzen. Auch Juden im Alter von über 65 Jahren, die bis dahin verschont worden waren, mussten nun die Deportationszüge besteigen. Die Presse durfte nichts mehr über diese Maßnahmen berichten. Ab 19. Oktober erhielten die verbliebenen Juden wichtige Nahrungsmittel wie Fleisch, Weizenprodukte, Milch, Kunsthonig, Kakaopulver nicht mehr. Lebensmittelsendungen ins Ausland wurden von ihren Rationen abgezogen, Sonderzuteilungen für Kranke gestrichen.

Im Februar 1943 waren alle Beschäftigungsverhältnisse zwischen Deutschen und „Volljuden“ bzw. „Geltungsjuden“ aufzulösen. Im April wurde allen jüdischen Deutschen, „jüdischen Mischlingen“ und „Zigeunern“ die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt. Während Deportationen und Vergasungen in den Lagern längst im vollen Gange waren, diente diese Maßnahme nur noch der bürokratischen Perfektion der Enteignungen.

Es folgte das Verbot für die noch übrigen Juden, bei Rechtsstreitigkeiten den ordentlichen Rechtsweg vor deutschen Gerichten zu nutzen. Strafbare Handlungen, die sie begingen, wurden direkt von der Polizei geahndet. Angehörige von Deportierten konnten keine Ansprüche auf deren Besitz mehr geltend machen; dieser fiel an das Reich. Diese vollständige Entrechtung machte die noch im Reich lebenden Juden parallel zum Holocaust zum Freiwild für ihre bisherigen Nachbarn.

Relativ geschützt vor der Ausrottung waren nur noch jüdische, ehemalige Deutsche in „Mischehen“ oder mit ausländischer Staatsangehörigkeit. Auch ihre Rechte wurden immer weiter eingeschränkt: Man erwog ihre Sterilisation oder Ehescheidung. Viele Ehepartner wurden von staatlichen Behörden direkt dazu aufgefordert. „Mischlinge“ durften ab September 1942 keine höheren Schulen mehr besuchen; Soldaten unter ihnen mussten die Wehrmacht verlassen. Nach dem misslungenen Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 wurden auch alle Beamten entlassen, die mit „jüdischen Mischlingen“ verheiratet waren. Im Januar 1945 wurden alle „Mischlinge“ zum „geschlossenen Arbeitseinsatz“ befohlen.

Auf seine Vernichtungsdrohung vom Januar 1939 kam Hitler im Kriegsverlauf oft zurück. So beklagte er 1943 in einer Reichstagsrede, für diese Prophezeiung ausgelacht worden zu sein und schloss an: Unzählige von denen, die damals gelacht haben, lachen heute nicht mehr.

Die Vernichtungslager (1941-1945)

Das erste nationalsozialistische Konzentrationslager (KZ) war 1933 in Dachau eingerichtet worden. Es diente wie andere KZs seiner Art bis 1938 vorrangig der Inhaftierung und Liquidierung politischer Gegner, vor allem Angehörigen von KPD, SPD, Pazifisten und linken Intellektuellen. Es bot aber auch ein Modell für spätere Arbeits- und Vernichtungslager. Juden wurden dort von Anfang an besonders schikaniert und hatten die höchsten Sterblichkeitsraten.

Für die geplanten Morde im großen Stil galten Massenerschießungen, wie sie unmittelbar nach Kriegsbeginn in Polen einsetzten, bald als „ineffizient“. Zudem sollten anonymisierte Tötungsmethoden die psychologische Hemmschwelle der Täter weiter senken oder ganz beseitigen. Daher erprobten die SS-Einsatzgruppen seit Herbst 1941 Massentötungen mit Hilfe von mobilen Vergasungswagen. Im Dezember begannen sie diese Methode im KZ Chelmno (Kulmhof) systematisch anzuwenden.

Zuvor war 1939–41 bei der Aktion T4 zur Ermordung geistig und körperlich Schwerbehinderter Kohlenstoffmonoxid in Gaskammern verwendet worden. Dabei wurden reichsweit Medikamente, Nahrungsentzug, Injektionen und Gas als Tötungsinstrumente erprobt. Auch andere Einzelheiten der später eingesetzten Mordmaschinerie wurden damals getestet und ausgefeilt. Ärzte, Verwaltungs- und Transportspezialisten der T4-Aktion stiegen zum Teil in der SS-Hierarchie auf; das Personal der Vernichtungslager der Aktion Reinhardt stammte überwiegend aus der Aktion T4.

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Konzentrations- und Vernichtungslager im von Nazi-Deutschland beherrschten Europa

Da sich die von der NS-Führung nun verlangte Mordrate auch mit diesen bereits erprobten Methoden nicht erzielen ließ, wurden seit Sommer 1941 Vernichtungslager errichtet, deren Hauptzweck die fabrikmäßige Tötung einer möglichst großen Menschenzahl war:

Aus dem ganzen von deutschen Truppen besetzten Europa wurden bis Kriegsende Menschen allein zum Zweck ihrer Vernichtung in diese Lager deportiert. Soweit sie nicht schon beim Transport in Viehwaggons umgekommen waren, wurden sie gleich nach ihrer Ankunft in Arbeitsfähige und Nicht-Arbeitsfähige selektiert. Kinder und ihre Mütter, Alte und Kranke, wurden gleich nach der Selektion in Gaskammern geführt, die meist als Duschräume getarnt waren. In Auschwitz wurden sie mit Zyklon B vergast. In anderen Vernichtungslagern wurden meistens Motorabgase benutzt. Das Gas verursachte einen qualvollen, bis zu 20 Minuten dauernden Erstickungstod. Die Leichen wurden anschließend in Krematorien verbrannt. Körperliche Überreste – Haare und Goldzähne – und Privatgüter der Opfer – Kleidung, Schuhe, Brillen, Koffer usw. – wurden von der SS industriell verwertet.

Hinzu kamen Menschenversuche zu militärischen, medizinischen und anderen Zwecken in den Lagern. Die Opfer wurden zum Beispiel in Druckkammern extrem hohem oder niedrigem Luftdruck ausgesetzt, in Eiswasser unterkühlt, mit Bakterien infiziert, für chirurgische Versuche und vieles mehr missbraucht. Die Täter, etwa der SS-Arzt Josef Mengele, nahmen den Tod oder lebenslange Gesundheitsschäden der Versuchspersonen bewusst und ohne jede Skrupel in Kauf.

An vielen deutschen und schweizerischen Forschungseinrichtungen fanden sich noch bis vor kurzem menschliche Körperteile, die einst von den Nazis zu „Untersuchungszwecken“ angefordert und geliefert worden waren.

Planungsdokumente und Opferzahlen

Von den eigentlichen Planungen des Holocaust existieren nur wenige schriftliche Dokumente aus der Nazizeit, da der engere Kreis der Täter die Dimension und Tragweite seines Vorhabens auch im Hinblick auf die mögliche Kriegsniederlage für die Nachwelt verbergen wollte. Die direkt darin involvierten Personen unterlagen der Verschwiegenheitspflicht. Die Umsetzung des Völkermords galt als Geheime Reichssache. Unter führenden Nationalsozialisten war also ein klares Bewusstsein für den außerordentlichen Zivilisationsbruch dieses Völkermords vorhanden. Dafür spricht auch Himmlers Posener Rede im Oktober 1943 vor SS-Offizieren, die an den Massenexekutionen hinter der Ostfront beteiligt gewesen waren.

Bis 1941 war wohl daran gedacht worden, nach dem erwarteten Blitzsieg über die Sowjetunion, die Juden in unwirtliche Regionen Russlands abzuschieben, wo sie schnell zugrunde gegangen wären. Nach Ausbleiben des Blitzsieges wurde die 'Endlösung' in den bereits beherrschten Gebieten beschlossen. Für die Aktion Reinhard wurden zusätzliche Vernichtungslager eingerichtet. Etwa in dieser Zeit wurde ein Generalplan Ost entwickelt, der für die übrige russische Bevölkerung zeitlich abgestuft ähnliches vorsah.

Am 20. Januar 1942 fand unter der Leitung des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, die später so genannte Wannseekonferenz bei Berlin statt. Auf ihr besprachen hochrangige Ministerialbeamte der Reichsregierung die organisatorische Kooperation bei der „Endlösung der Judenfrage“. Nach dem Konferenzprotokoll waren 11 Millionen Menschen zur Vernichtung vorgesehen.

Im größten der Vernichtungslager, KZ Auschwitz-Birkenau, wurden bis zu 1,5 Mio. Menschen ermordet, davon etwa 1,1 Mio. Juden. Insgesamt schätzt die historische Forschung die Zahl der 1939 bis 1945 ermordeten Juden auf mindestens 5,29, höchstens 6,3 Mio. Absolut exakte Zahlen konnten nie ermittelt werden, da viele Deportierte gleich nach ihrer Ankunft – also ohne einzeln registriert worden zu sein – in die Gaskammern geschickt wurden. Für die unter nationalsozialistischer Kontrolle stehenden Gebiete nennt das Standardwerk „Dimension des Völkermords“ von Wolfgang Benz folgende Minimalzahlen:

Albanien 600
Bulgarien 11.000
Dänemark 161
Deutsches Reich 165.000
Frankreich und Belgien 32.000
Griechenland 60.000
Italien 7.600
Jugoslawien 55.000 – 60.000
Luxemburg 1.200
Niederlande 102.000
Norwegen 735
Österreich 65.000
Polen 2.700.000
Rumänien 211.000
Sowjetunion 2.100.000 – 2.200.000
Tschechoslowakei 143.000
Ungarn 502.000

Weitere von Vernichtung bedrohte Gruppen

Zum Vernichtungsprogramm der Nazis gehörte auch die Ermordung von drei Mio. russischen Kriegsgefangenen und fast drei Mio. nichtjüdischen Polen durch Massenexekutionen, Kriegshandlungen oder Nahrungsentzug. Mehr als zwei Millionen Osteuropäer, v.a. Polen und Russen starben bei der ihnen auferlegten Zwangsarbeit. Die Nationalsozialisten folgten dabei dem Grundsatz „Vernichtung durch Arbeit“: Das Sterben der Zwangsarbeiter durch Hunger, Kälte, Überforderung und willkürliche Morde wurde bewusst in Kauf genommen und herbeigeführt. Solange die Betroffenen arbeitsfähig waren, diente ihre Zwangsarbeit wiederum der Fortsetzung des Krieges und damit weiterer Vernichtung.

Auch die Einrichtung der Arbeitslager und die Verschleppung der Kriegsgefangenen war keine zufällige, sondern gezielt herbeigeführte Folge des Russlandfeldzugs. Im Generalplan Ost hatte man ein weitreichendes Programm dazu ausgearbeitet. Danach sollten vor allem als „rassisch minderwertig“ bezeichnete Slawen allmählich durch Massenmord und Verbannung nach Sibirien ausgerottet werden.

Ein lange verdrängtes Teilkapitel des Holocaust war auch die systematische Internierung und Ermordung der Sinti, Roma und weiterer Gruppen, die man Zigeuner nannte und dazu zählte. Auch dies beruhte auf rassistischen Denkmustern und zielte auf möglichst weitgehende Ausmerzung.

Neben parteipolitischen Gegnern wurden auch andere missliebige Gruppen, etwa sogenannte Asoziale, Gewerkschaftler, Zeugen Jehovas, andere oppositionelle Christen, unangepasste Jugendliche wie Swing-Liebhaber, Edelweißpiraten oder Mitglieder der bündischen Jugend sowie Homosexuelle in den KZs interniert und teilweise ermordet. Der Grad ihrer Verfolgung unterschied sich aber deutlich von dem auf völlige Ausrottung zielenden Genozid an Juden, der Versklavung und Massenvernichtung der Slawen und massenhaften Internierung und Tötung der „Zigeuner“.

Reaktionen

Haltung der nichtjüdischen Deutschen

Hauptartikel: Holocaustkenntnis von Zeitzeugen

Während sich die zunehmende Judenverfolgung in Deutschland vor aller Augen vollzog, achtete das NS-Regime bei der „Endlösung“ auf strengste Geheimhaltung. Geschätzte 300.000 Personen, darunter Angehörige von Wachmannschaften, Einsatzgruppen, Polizeibataillonen und Wehrmachtsteilen, waren unmittelbar daran beteiligt. SS-Angehörigen war es unter Androhung der Todesstrafe verboten, über die Ermordung von Juden oder Sinti und Roma zu berichten.

Der übrigen Bevölkerung stellte man die Deportationen der Juden aus dem Reich offiziell als „Umsiedlungen“ dar. Eine Mehrheit nahm diese Lüge ohne zu fragen hin, obwohl allein diese Massendeportationen ein schweres Unrecht waren. Dass „Umsiedlung“ tatsächlich Massenmord bedeutete, erfuhren manche Deutschen nur vom Hörensagen, etwa von Soldaten auf Heimaturlaub, und durch „Flüsterpropaganda“ (Hannah Arendt). Der Widerstandskämpfer Helmut James Graf von Moltke schrieb 1943: Mindestens neun Zehntel der Bevölkerung weiß nicht, dass wir Hunderttausende von Juden umgebracht haben. Doch selbst das Zehntel, das ansatzweise Bescheid wusste, hat – von wenigen rühmlichen Ausnahmen abgesehen – nichts dagegen unternommen. Dabei war die Vernichtung nur die logische Folge des allmählichen Verschwindens der Juden aus dem gesellschaftlichen Leben, das sich bis in die ersten Kriegsjahre hinein öffentlich wahrnehmbar in Deutschland vollzog.

Obwohl der Völkermord an den Juden logische Folge der nationalsozialistischen Rassenpolitik war, glaubten damals und glauben noch heute manche Menschen, dass die Bilder und Berichte aus den Konzentrationslagern Bestandteil der britischen und amerikanischen Kriegspropaganda seien. Nichtwissen und Nicht-Wissen-Wollen über den Holocaust gehen dabei ineinander über.

Haltung der Alliierten

Schon vor 1939, vor allem aber nach Kriegsbeginn kritisierten die Alliierten die nationalsozialistische Innenpolitik, darunter auch die Verfolgung von Juden und anderen Minderheiten. Aber die europäischen Juden wurden nicht präventiv vor den vorrückenden Truppen der Achsenmächte evakuiert. Seit 1942 wurde den Alliierten die deutsche Ausrottungspolitik bekannt; seitdem verurteilten sie diese äußerst scharf und begründeten damit auch ihre Kriegsstrategie. Mitte Dezember 1942 warnten die amerikanische und britische Regierung, dass „die Verantwortlichen einer Vergeltung nicht entgehen“ würden. Gezielte Maßnahmen zur Verhinderung des weitergehenden Holocaust ergriffen sie aber nicht. Ihre Kriegführung richtete sich seit Kriegseintritt der USA primär auf die vollständige Kapitulation des NS-Regimes.

Als die ersten Nachrichten über die Massenvernichtung eintrafen, versuchte das US-Außenministerium deren Veröffentlichung zu unterdrücken. Auf Druck der öffentlichen Meinung trat im April 1943 auf Bermuda eine internationale Konferenz zusammen, um Lösungen für Flüchtlinge zu erörtern. Sie verlief ergebnislos. Erst nach Intervention des Finanzministers Henry Morgenthau kündigte Franklin D. Roosevelt am 22. Januar 1944 die Einsetzung des War Refugee Board an. Dieses Gremium trug zur Rettung mehrerer Tausend Juden bei.

Die britische Regierung zeigte ihre Haltung durch verschiedene Behinderungen, Unterlassungen und Ausweichmanöver. Als im Dezember einige britische Abgeordnete verlangten, jüdischen Flüchtlingen müsse sichere Zuflucht versprochen werden, lehnte dies der britische Außenminister mit der Begründung ab, es gäbe „Sicherheitsbedenken“ und „geografische Probleme“. Anfang 1943 wurde bekannt, dass man gegen Hinterlegung einer gewissen Summe in der Schweiz 70.000 rumänische Juden hätte retten können. Die Regierung hatte den Plan jedoch blockiert.

Die sowjetischen Behörden lieferten deutsche Juden – darunter viele Kommunisten, die in Russland Zuflucht gesucht hatten – nach Abschluss des Hitler-Stalin-Paktes im August 1939 sogar den Nationalsozialisten aus. Nach dem Überfall der Wehrmacht im Juni 1941 blieb die besondere Gefährdung der russischen Juden unberücksichtigt. Die sowjetische Berichterstattung verschwieg die deutsche Ausrottungspolitik. Jüdische Flüchtlinge fanden oft keine Unterstützung durch die Partisanen, wurden von diesen nicht als Mitkämpfer aufgenommen und zum Teil - jedoch nicht überall - ihrer Waffen und Nahrungsmittel beraubt.

Nach Kriegsende trafen in der englischen und amerikanischen Besatzungszone etwa 200.000 jüdische Flüchtlinge ein, die meist jahrelang in besonderen Lagern untergebracht wurden. Ein englischer General, der die United Nations Relief and Rehabilitation Administration leitete, behauptete, eine jüdische „Geheimorganisation“ würde Juden nach Deutschland „schmuggeln“. Sie seien „gut gekleidet, wohlgenährt und rotwangig“ und besäßen „große Geldbeträge“. Mitte 1946 untersagten die englischen Behörden jüdischen Flüchtlingen den Zugang zur britischen Besatzungszone.

Wegen solcher Erfahrungen vermuten manche Vertreter jüdischer Opfergruppen, dass einige führende Kräfte im Westen der NS-Propaganda erlagen, wonach das „Weltjudentum“ den Krieg verursacht habe, um sich der Herrschaft über die angelsächsischen Staaten zu bemächtigen. Eine gesamteuropäische Verantwortung für den Holocaust betonen auch Kirchenvertreter seit 1945: oft, aber nicht immer zur Relativierung des deutschen Schuldanteils.

Widerstand

Hauptartikel: Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Jüdischer Widerstand

Die nach dem Krieg weit verbreitete Auffassung, die Juden hätten kaum Widerstand gegen ihre Deportationen und schließliche Ermordung geleistet, wurde in den letzten Jahren von der historischen Forschung korrigiert. Nur wenige Juden ahnten zunächst etwas vom ganzen Ausmaß des ihnen zugedachten „Schicksals“. Für viele waren die Informationen über Massenvernichtungslager, die um 1942/43 unter anderem in den jüdischen Ghettos Polens, Litauens, Weißrusslands zunehmend kursierten, lediglich Gerüchte. Die Vorstellung, dass sie als ganzes Volk ermordet werden sollten, erschien den meisten anfangs schon wegen der Dimension solcher in der gegebenen Situation zunächst nicht überprüfbaren Informationen als wenig glaubhaft. Auch wenn sie unter den Repressionen der Nazis schon seit Hitlers Machtergreifung bzw. der Besetzung ihrer jeweiligen Herkunftsländer offensichtlich zu leiden hatten und viele von ihnen schon in den Ghettos an Hunger, Mangelkrankheiten oder in Folge gewaltsamer Übergriffe starben, nahmen sie doch an, dass ihr Leben insgesamt – zumindest als Arbeitskraft – wichtig genug war, um wenigstens als Sklavenarbeiter überleben zu können, bis die Deutschen besiegt seien. So entstand das Bild von den scheinbar willenlosen Opfern, die ihren Verfolgern nichts entgegenzusetzen gehabt hätten.

Tatsächlich war der Widerstand der Juden gegen ihre Mörder, wenngleich unter denkbar ungünstigen Bedingungen, zumindest nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs verbreiteter und vielfältiger, als weithin angenommen wird. Eines der bekannteren Beispiele dafür – und ein Fanal für den jüdischen Widerstand insgesamt – war der Aufstand im Warschauer Ghetto vom 19. April bis zum 16. Mai 1943. Er wurde organisiert durch die jüdische Kampforganisation „ZOB“ in der Endphase der Auflösung des Ghettos durch die Nazis, als alle dort noch verbliebenen Juden in die Vernichtungslager – vor allem nach Treblinka – deportiert werden sollten. Die Untergrundorganisation war von Kurieren, die zwischen dem „arischen“ Teil und dem abgeriegelten jüdischen Ghetto Warschaus unter lebensgefährlichen Bedingungen pendelten, nach und nach mit eingeschmuggelten Waffen, hauptsächlich Handfeuerwaffen (Gewehre, Pistolen und entsprechende Munition), Handgranaten und Sprengstoff beliefert worden. Die in verschiedenen Häusern des Ghettos kämpfenden Gruppen konnten den eindringenden Räumkommandos der SS zunächst in einem Überraschungsmoment hohe Verluste beibringen und sie in die Flucht schlagen. Daraufhin kehrte die SS mit schwerem Gerät wie Panzern und Artilleriegeschützen zurück. Trotz der Übermacht der Deutschen konnten sich die jüdischen Widerstandsgruppen in einem etwa vier Wochen andauernden Häuserkampf halten. Am Ende blieb den noch übrigen Kämpfern nur die Kapitulation und damit in den meisten Fällen der Tod durch Erschießen. Nur wenige Beteiligte dieses Aufstands konnten sich durch die Abwasserkanäle retten.

Auch in anderen Ghettos bildeten sich jüdische Widerstandsgruppen, die verschiedentlich Ghettobewohnern zur Flucht verhalfen, und vereinzelt auch kleinere Revolten initiieren konnten, so zum Beispiel in Białystok und Vilnius. Ferner gab es in den KZs und Vernichtungslagern Osteuropas in einigen Fällen Revolten und Aufstände der jüdischen Häftlinge bzw. Teilen von ihnen: So kam es zum Beispiel am 14. Oktober 1943 zu einem von jüdisch-russischen Kriegsgefangenen angeführten Aufstand im Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen. Dabei gelang es den Aufständischen, neun Angehörige der Wachmannschaften zu töten, bevor die gut vorbereitete Revolte bemerkt wurde. Sie weitete sich zu einem Massenaufstand der Juden aus, denen es gelang, die Tore zum Lager zu öffnen. 320 jüdische KZ-Insassen konnten fliehen. Viele von ihnen schlossen sich anschließend verschiedenen Partisanengruppen in den Wäldern an. Das Ende des Krieges überlebten jedoch nur 70 der Flüchtlinge aus Sobibor. Die Nazis gaben das Lager in Folge der Massenflucht bis Ende 1943 auf.

Im KZ Auschwitz-Birkenau, dem größten Vernichtungslager der Nazis, gab es in der Zeit seines Bestehens etwa 700 einzelne Fluchtversuche, von denen etwa 300 erfolgreich waren. Am 7. Oktober 1944 kam es zum verzweifelten Aufstand des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz, das an den Krematorien, den Verbrennungsöfen für die Opfer der Massenvergasungen, eingesetzt war. Durch die Zündung des von weiblichen Gefangenen eingeschmuggelten Sprengstoffs wurde ein Teil des Krematoriums IV zerstört. 250 Gefangene versuchten eine Massenflucht. Sie alle wurden jedoch relativ schnell gefasst und umgebracht.

Europaweit waren Tausende untergetauchte Juden beteiligt am Partisanenkrieg gegen die deutschen Besatzer, insbesondere in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Italien, den Balkanstaaten und Griechenland, wo sich jüdische Partisanen meist den bestehenden Widerstandsgruppen anschlossen. In Osteuropa, vor allem im katholisch geprägten Polen, gelang es den aus den KZs und Ghettos Entkommenen eher selten, sich schon bestehenden Partisanengruppen anzuschließen, da dort oftmals auch unter NS-Gegnern antisemitische Ressentiments vorherrschten. Aufgrund dieses Umstands bildeten sich gerade in Polen stärker als in West- und Südeuropa auch eigene spezifisch jüdische Partisaneneinheiten, die trotz ihrer anfänglichen Unerfahrenheit schnell in den Ruf kamen, besonders entschlossene und motivierte Kämpfer gegen die Nazis zu sein, und die im weiteren Kriegsverlauf von der vorrückenden Roten Armee teilweise bevorzugt mit Waffen versorgt wurden. Insbesondere beim sogenannten Schienenkrieg, einer Serie von Anschlägen und Sabotageaktionen gegen Eisenbahntransporte der deutschen Wehrmacht an die Ostfront, traten jüdische Partisanengruppen gehäuft in Erscheinung und schlugen zeitweilig erhebliche Lücken in die Kriegsinfrastruktur der Deutschen.

In der mit den Deutschen kollaborierenden französischen Kolonie Algerien waren es jüdische Widerstandskämpfer, die bei der Operation Fackel die als uneinnehmbar geltende Festung Algier von innen erstürmten, und damit einen entscheidenden Beitrag für die Landung der Alliierten und deren anschließenden erfolgreichen Feldzug gegen die deutsche Wehrmacht in Nordafrika leisteten.

Viele Juden, die in den 1930er Jahren und zu Beginn des Krieges vor den Nazis ins sichere Ausland emigrieren konnten, schlossen sich während des 2. Weltkrieges den regulären Truppen der verschiedenen Alliierten an. In vielen Armeen gab es eigene jüdische Einheiten in unterschiedlichen Waffengattungen, die als Soldaten gegen das NS-Regime kämpften. Nach dem Krieg dienten emigrierte deutsche Juden den Alliierten oft als Übersetzer im besetzten Deutschland. Ein prominentes Beispiel dafür ist der Schriftsteller Stefan Heym, der als Offizier der amerikanischen Armee nach Deutschland zurückkehrte.

Schätzungen zufolge waren europaweit bis zu 1,5 Millionen Juden am regulären militärischen Kampf als auch im Untergrund als Partisanen aktiv am Widerstand gegen die nationalsozialistische Tyrannei beteiligt.

Innerdeutscher Widerstand und Hilfsaktionen

Vereinzelt setzten sich auch nichtjüdische Deutsche gegen den geplanten und laufenden Genozid an den Juden zur Wehr.

Der deutsche Industrielle Oskar Schindler bewahrte im Deutschen Reich 1.200 jüdische Zwangsarbeiter vor der Vernichtung, indem er sie bis Kriegsende als kriegswichtig für seinen Betrieb deklarierte und für ihren Unterhalt persönlich aufkam. Diese Art Rettungstaten waren mit ständiger Lebensgefahr verbunden und selten. Sie sind angesichts der Mittäterschaft oder Gleichgültigkeit der deutschen Bevölkerungsmehrheit um so höher zu bewerten.

Auch die als Rote Kapelle bezeichnete Berliner Gruppe versteckte Juden und verhalf ihnen zu falschen Pässen, mit denen sie ausreisen konnten. Das Büro Grüber der Bekennenden Kirche half seit 1938 Christen jüdischer Herkunft, aber auch Juden zur Ausreise. Eine ähnliche Anlaufstelle gab es auch auf katholischer Seite.

Genauso gab es in Deutschland offenbar ein verdecktes Netzwerk von Helfern, die Menschen in Not (Flüchtlingen, Juden, u.a.) halfen, oftmals hatten Flüchtlinge Adressen von Menschen bei sich, die sie zwar nicht kannten, von denen sie aber wussten, dass sie ihnen auf ihrer Flucht weiterhelfen würden. Oft bekamen die Flüchtlinge dann von diesen Helfern eine weitere Adresse auf ihrem Weg, als neuen Anlaufpunkt. Es gab auch Privatleute, die aus ihrem Gewissen heraus Menschen auf der Flucht versteckten oder anderweitig weiterhalfen und keine Rücksicht darauf nahmen, dass sie und ihre Familie, würden sie entdeckt, Schlimmes zu erwarten hätten.

Widerstand in den besetzten oder verbündeten Ländern

Eine, verglichen mit der Zahl ermordeter europäischer Juden, kleine Anzahl wurde gerettet, weil die Regierungen ihrer Heimatländer der Forderung Hitlerdeutschlands nach ihrer Auslieferung nicht nachgaben.

Finnland, seit 1941 Deutschlands Verbündeter im Krieg gegen die Sowjetunion, lieferte seine Juden größtenteils nicht aus, obwohl Himmler dies im Sommer 1942 bei einem Finnland-Aufenthalt von der finnischen Regierung gefordert hatte. Der Premier Rangell soll darauf geantwortet haben, Finnlands Juden seien Bürger wie alle anderen und dienten auch als Soldaten im Krieg gegen die Sowjetunion. Diese Praxis wurde aber schon ab Dezember 1942 eingestellt, nachdem Zeitungen und einige Politiker dagegen protestiert hatten. Zwar wurde jüdischen Flüchtlingen zeitweise die Einreise nach Finnland verweigert; aber die etwa 1.800 finnischen Juden entgingen dem Zugriff der Deutschen. Einige ausländische Juden wurden dennoch ausgeliefert, weil sie Kommunisten waren. Neuere Forschungen ergaben, dass Finnland von 1941 bis 1944 insgesamt 129 Flüchtlinge sowie über 2800 sowjetische Kriegsgefangene an das Deutsche Reich auslieferte. Darunter waren etwa 78 Juden.

In Dänemark ergriff König Christian X. demonstrativ Partei für die Juden, als die deutschen Besatzungsbehörden auch sie zum Tragen des Judensterns zwingen wollten. Ein zum Widerstand gehörender Mitarbeiter der Besatzungsmacht warnte die dänische Untergrundbewegung vor drohenden Razzien der SS. Daraufhin gelang es unter Mithilfe großer Teile der Bevölkerung im September und Oktober 1943, die meisten der im Land lebenden ca. 6.000 Juden in das neutrale Schweden zu schleusen. So wurde eine vergleichsweise niedrige Anzahl dänischer Juden, 161 Menschen, in deutschen Lagern ermordet. (Siehe auch: Rettung der dänischen Juden)

Der italienische Faschismus war anders als der deutsche Nationalsozialismus nicht antisemitisch ausgerichtet. Dazu kam, dass Italien anfangs ein Verbündeter Deutschlands und kein von diesem besetztes Land war. Zwar wurden nach Kriegsbeginn antijüdische Gesetze erlassen, aber die Regierung und besonders die Armee widersetzten sich dem Drängen der Deutschen, die italienischen Juden in den Tod zu schicken. Sie wurden interniert, aber unter besseren Bedingungen als in den deutschen Konzentrationslagern und ohne ständige Todesdrohung. Daher flüchteten einige Juden aus dem besetzten Frankreich und aus Jugoslawien nach Italien. Erst nach dem Frontwechsel Italiens 1943 behandelten die Deutschen das Land wie ein besetztes Gebiet und überführten die italienischen Juden in ihre eigenen Vernichtungslager.

Auch das Beispiel Bulgariens – ebenfalls ein Verbündeter Deutschlands – beweist, dass ein entschiedener Widerstand die deutschen Pläne erfolgreich durchkreuzen konnte. Hier wurden dank der festen Haltung von Regierung und Bevölkerung etwa 50.000 Juden gerettet.

Viele Polen waren traditionell vom katholischen Antijudaismus geprägt. Trotzdem gab es neben Personen, die Juden auslieferten – viele auch um selbst zu überleben – auch viele (auch katholische) Gruppierungen wie die Żegota, die den Juden halfen, obwohl dafür anders als in Westeuropa nicht nur die Todesstrafe für den einzelnen Helfer, sondern regelmäßig auch für seine Familie oder das ganze Dorf drohte. Mehr als eine halbe Million polnischer Juden überlebte den Holocaust, viele durch Hilfen aus der Bevölkerung. Viele Polen waren entsetzt über die Ermordung jüdischer Kinder und versteckten sie zum Beispiel auf dem Land, bei den Partisanen oder in katholischen Klöstern. So stellen die Polen auch mehr als ein Drittel aller in Yad Vashem als Gerechte unter den Völkern Ausgezeichnete dar.

Ähnliches berichtete Helene Holzman aus dem 1941 besetzten Litauen.

Weiterer europäischer Widerstand

Die von den Achsenmächten umschlossene neutrale Schweiz lieferte keine Juden mit Schweizer Bürgerrecht aus. Während des Krieges nahm sie zigtausende von Flüchtlingen, darunter auch viele Juden legal auf, viele weitere schafften den Grenzübertritt illegal und wurden von den Behörden (geduldet) oder Privaten (illegal) im Land behalten. Insgesamt überlebten in der Schweiz 275'000 Flüchtlinge - davon 26'000 aus dem Ausland in die Schweiz geflüchtete Juden. Unter der sog. „Das Boot ist voll“-Doktrin wurde aber auch eine große unbekannte Anzahl von Flüchtlingen - darunter mind. 30'000 Juden - an der Grenze zurück gewiesen oder illegal Eingereiste den Nazis an der Grenze übergeben und damit in den (fast) sicheren Tod geschickt. Die Schweiz wurde von Adolf Hitler mehrfach aufgefordert, keine weiteren Juden aufzunehmen und geflüchtete Juden auszuliefern. Zumindest letzterer Forderung wurde nie entsprochen, der ersten mehr oder weniger, je nach aktueller Kriegslage und subjektiv eingeschätzter Invasionsgefahr. Ob die Schweiz mehr Juden hätte aufnehmen können oder müssen und ob die Aufnahme von mehr Juden zu einer Invasion der Schweiz geführt hätte, ist umstritten.

Erklärungsansätze

Hauptartikel: Holocaustforschung

Angesichts der gesamtstaatlichen Durchführung und Dimensionen des Holocaust ist die Forschung bis heute intensiv bemüht, seine Ursachen und Entstehungsbedingungen aufzuklären. Eine zentrale Frage ist dabei, warum sich viele Menschen an seiner Planung, Durchführung und Verheimlichung beteiligten und wie es dazu kam. Die Antworten darauf und Erklärungsversuche der Vorgeschichte sind vielfältig.

Gesellschaftliche und ideologische Grundlagen

Hauptartikel: Nationalsozialismus

Die Nationalsozialisten bauten ihre Ideologie auf längst bekannte Traditionen auf: vor allem den etwa 130 Jahre wirksamen Antisemitismus bis 1945, der seinerseits in fast ganz Europa an einen seit Jahrhunderten verbreiteten Antijudaismus anknüpfte. Er war besonders in Deutschland und Österreich seit 1800 mit dem aufkommenden Nationalismus verbunden, der sich seit der Niederlage der radikaldemokratischen, liberalen und frühsozialistischen Bewegungen in der Märzrevolution von 1848/49 verstärkte und sich spätestens nach Bismarcks Entlassung im Kaiserreich zu einem expansiven Chauvinismus entwickelte.

Ab etwa 1860 verband sich Judenfeindschaft besonders in Frankreich, Russland und Deutschland mit pseudowissenschaftlichen Rassenlehren und Welt-Verschwörungstheorien. Gegen die Jüdische Emanzipation bildeten sich Völkische Bewegungen. Im Kaiserreich entstanden seit 1879 verschiedene Vereinigungen und Parteien mit antisemitischen Programmen oder Programmpunkten: etwa die Christlich-soziale Partei des kaiserlichen Hofpredigers Adolf Stoecker, der Arbeiter von der SPD und Kleinbürger von den nationalliberalen und konservativen Parteien zu sich hinüberziehen wollte.

Der Berliner Antisemitismusstreit (1880-1882) förderte die Judenablehnung im akademischen Bürgertum. Die von Heinrich von Treitschke geprägte Parole „Die Juden sind unser Unglück“ erklärte sie zum „inneren Reichsfeind“ und stellte sie als anpassungsunwillige Fremde im eigenen Land dar. Sie wirkte fort und wurde seit 1923 Untertitel des nationalsozialistischen Hetzblattes „Der Stürmer“. Seit 1893 forderten einige Parteiprogramme bereits die Vertreibung und „Ausmerzung“ der Juden, bis 1914 sogar ihre „Vernichtung“.

Im Kaiserreich fanden solche Ziele aber weder Mehrheiten noch staatliche Unterstützung. Erst nach der Novemberrevolution von 1918 verbreiterten sich die antisemitischen Tendenzen enorm. Die Dolchstoßlegende machte Juden für die Kriegsniederlage und Auflagen des Versailler Vertrags verantwortlich; die Weimarer Republik galt vielen ihrer Gegner als „Judenrepublik“. Antisemitische und völkische Vereinigungen verstärkten Tendenzen in der öffentlichen Meinung, nach denen das deutsche Volk eine anderen Völkern überlegene „Herrenrasse“ sei.

Der Nationalsozialismus konnte auf dieses lange geduldete und verbreitete antisemitische Gedankengut aufbauen. Hitler griff in Mein Kampf vorgegebene nationalistische, sozialdarwinistische, imperialistische, rassistische und verschwörungstheoretische Traditionen auf und nutzte sie konsequent propagandistisch für seine politischen Ambitionen. Dabei definierte er die Klassenkampf-Theorie des Marxismus zu einer Geschichte von Rassenkämpfen um Lebensraum um, an deren Ende die „gesündeste“ und „durchsetzungsfähigste“ Rasse obsiege, nachdem sie „minderwertige“ Rassen „ausgerottet“ oder „versklavt“ habe. Für ihn war die „arische Rasse“, zu der er das deutsche Volk zählte, zu diesem Sieg auserwählt. Als Hauptfeind in diesem „Menschheitskampf“ sah er die Juden, die er gegen jede empirische Grundlage nicht als Religionsgemeinschaft, sondern ebenfalls als (andere) „Rasse“ definierte und als Schöpfer und Lenker sowohl des „internationalen Finanzkapitals“ als auch des Bolschewismus und Marxismus darstellte.

Ob diese antisemitische Propaganda mehr Wähler ansprach als abschreckte, ist bis heute ungewiss. Als sicher gilt, dass die Weltwirtschaftskrise ab 1929 und die Unfähigkeit der damals noch führenden politischen Kräfte zu massenwirksamen Problemlösungen die Wahlerfolge der NSDAP entscheidend begünstigten. Während der Antisemitismus in ihr damals zurücktrat, folgte das NS-Regime nach der Machtergreifung 1933 sofort wieder seinem ursprünglichem 25-Punkte-Programm von 1920, das den Juden die Staatsbürgerschaft absprach. Mit den Nürnberger Gesetzen wurde der Rassismus endgültig zur Regierungspolitik. 1935 hielt Heinrich Himmler eine interne Rede vor der SS: Der Untermensch, in der er Juden als gemeine, mörderische Wesen, die noch unter den Tieren stehen, bezeichnet. Besonders drastisch wurde diese These z. B. im als Dokumentarfilm ausgegebenen Propagandafilm Der ewige Jude von 1940 verbreitet.

Ökonomische und soziale Motive der Täter

  • Die neuen „Herren“ und ihre Anhänger zogen aus ihrer errungenen Macht ökonomische Vorteile. Vielfach bereicherten sich Nationalsozialisten und andere „Volksgenossen“ am Vermögen ihrer jüdischen Mitbürger. Viele gewöhnliche Bürger waren Nutznießer der „Arisierung“, und sei es „nur“, dass die Deportation eines jüdischen Nachbarn ihre „Wohnungsfrage“ löste oder den lästigen wirtschaftlichen Konkurrenten beseitigte. Die Staatsorgane halfen oft gerade kleinen und größeren Unternehmern, unliebsame erfolgreiche Konkurrenten loszuwerden und deren Betrieb zu übernehmen.
  • Dazu kamen Engpässe im Rahmen der „Heim-ins-Reich“-Bewegung: Auslandsdeutsche mussten nun untergebracht werden. Dazu wurden auch Heime für Behinderte geräumt und deren Bewohner schließlich in Lastwagen mit Abgasen ermordet (siehe u. a. NS-Tötungsanstalt Hadamar).
  • Mit dem Kriegsbeginn galten die bereits ausgeplünderten Juden als „überzählige Esser“, die eine Belastung für die Versorgung von Heer und Heimat darstellten.

Bürokratische und hierarchische Motive

  • Nachdem Planungen für ein „Judenreservat“ in Polen oder Übersee (Madagaskar-Plan) gescheitert waren, hatten die Aufsteiger in der neuen bürokratischen Elite wegen ihres radikalen Antisemitismus keinerlei Hemmungen, für die „Problemlösung“ zur systematischen, mit bürokratischer Effizienz geplanten Vernichtung überzugehen (Wannseekonferenz).
  • In vielen Vernehmungen und Prozessen nach 1945 spielte immer wieder der „Befehlsnotstand“ eine Rolle. Paradebeispiel dafür waren die Aussagen des Holocaust-Planers Adolf Eichmann in seinem Prozess in Israel: Sie dokumentieren ein Zusammenwirken von Effizienz, Unterordnung in der Staatshierarchie und totaler Gefühlskälte.

Rassistische und antisemitische Motive

  • Rassistische Theorien unter dem Deckmantel der Wissenschaft hatten seit dem frühen 19. Jahrhundert in Deutschland, aber auch in anderen Staaten Europas Fuß fassen können und sich in der Biologie, Völkerkunde und Linguistik verbreitet.
  • Scheinbare „wissenschaftliche“ Grundlagen für die Identifizierung „unwerten Lebens“ lieferte die damals relativ neue Eugenik.
  • Die Einbeziehung der Hochschulen in die Ausgrenzung jüdischer Wissenschaftler, die Etablierung einer „Rassenkunde“, die Beteiligung zahlreicher Fachrichtungen an Unrechtsjustiz, Unrechtsmedizin, Geschichtsfälschung usw. hat eine nicht zu unterschätzende Rolle bei der Vorbereitung und Durchführung des Holocausts gespielt.
  • Gegen Kriegsende ließ der Überlebenskampf in den zerbombten Städten kaum einen Gedanken an das noch größere Leid anderer Menschen aufkommen. In den zerstörten Städten ging immer wieder das Gerücht um, der Luftkrieg sei die Vergeltung für das, was man den Juden angetan habe. Dies wird zuweilen als Zeichen eines untergründigen Unrechtsbewusstseins interpretiert, war aber allzu oft auch Ausdruck einer zutiefst antisemitischen Haltung, nach der „die Juden an allem Schuld“ seien oder „Amerika kontrollieren“.

Psychologische Motive

  • Die Tatsache, dass „ganz normale Menschen“ derart menschenverachtende Taten begehen konnten, hat Fragen zur Beeinflussbarkeit des Individuums aufgeworfen. Konzepte wie die systematische Ausgrenzung der Opfer aus dem Kreis der eigenen Gruppe zeigen die mögliche Manipulierbarkeit des Einzelnen.
  • Psychologische Experimente der 1960er und 1970er Jahre haben menschliches Verhalten unter Gruppenzwang oder Autoritätsgehorsam untersucht. Bekannt wurden vor allem das Milgram-Experiment und das Stanford-Prison-Experiment mit ihren aufschlussreichen Ergebnissen.
  • Tiefenpsychologische Deutungen stellen einen Zusammenhang zwischen der Verklärung unmenschlicher Erziehungsmethoden und der Gefühlsblindheit gegenüber – besonders autoritärer staatlicher – Gewalt her (Alice Miller, Wilhelm Reich, Erich Fromm, Alexander Sutherland Neill, Alexander Mitscherlich). Leichthin gesagte Sätze wie „Ein Junge weint nicht“ verharmlosen demzufolge unbewusst die seinerzeit verbreitete brutale Kindeszüchtigung.

Historische Motive

  • Daniel J. Goldhagen stellte die umstrittene These auf, dass sich in Deutschland ein eliminatorischer Antisemitismus entwickelt habe, weil die Deutschen als Volk die Juden für ein Übel hielten, das es zu beseitigen gelte. – Kritiker dieser These betonen, dass sie die Ursachen des Holocaust nur zeitlich weiter in die Vergangenheit verschiebt, aber weiterhin nicht schlüssig erklären kann, warum der Antisemitismus in Deutschland mörderischer war als anderswo.
  • Raul Hilberg, selbst Überlebender des Holocaust, hat in einem umfassenden Standardwerk die langfristige Vorgeschichte des Holocaust in Mitteleuropa untersucht. Er kam zu dem Ergebnis, dass besonders der christliche Antijudaismus und die mittelalterliche Judenpolitik der Kirche den Nazis sämtliche Vorbilder und Erfahrungen für ihre systematische Eskalation der Judenverfolgung angeboten hat (s. Martin Luthers Schmähschrift Von den Juden und ihren Lügen, in der er aufruft, die Juden des Landes zu vertreiben und ihre Synagogen anzuzünden). Einzig die Vergasung fehlte: vielleicht nur, weil dieses Mittel noch nicht erfunden worden war. – Dieser Erklärungsansatz bettet die Besonderheit des Holocaust in eine historische Kontinuität ein, ohne ihn damit zu relativieren und zu nivellieren. Denn trotz jahrhundertelangem, ebenso intensivem Judenhass, Entrechtung und Ghettoisierung haben frühere Pogrome nie die Systematik und Konsequenz erlangt, die die Nazis an den Juden vollstreckten.

Religiöse Gründe

Der Antisemitismus, den die Nationalsozialisten propagierten und mit dem Holocaust vollstreckten, ist aus komplexen Wurzeln gewachsen: vor allem dem christlichen Antijudaismus. So gibt es bereits im Neuen Testament antijüdische Polemik, die das jüdische Volk als Ganzes für den Tod Jesu Christi verantwortlich macht (z. B. Mt 27,25). Im Aufstiegsprozess der Kirche zur Staatsreligion des Römischen Reiches wurden diese situationsbedingten Aussagen zu einer antijudaistischen Theologie systematisiert. Die dafür zentrale Lehre blieb in der Kirchengeschichte quer durch alle Konfessionen die „Gottesmord“-Theorie und die Substitutionstheologie, die von einer „Enterbung“ des Judentums durch die Kirche ausging, dargestellt etwa an der Symbolgestalt des „Verräters“ Judas Iskariot.

Kirchliche und staatliche Ausgrenzungspolitik sorgte im Mittelalter europaweit für die Isolierung jüdischer Gemeinden. Bei sozialen Missständen, Kreuzzügen und Seuchen entlud sich der religiöse Hass immer wieder in Pogromen gegen die Juden. Daran änderte die Reformation wenig, da auch der späte Martin Luther ein großer Judenhasser war. Sein Pamphlet Von den juden und iren lügen (Originaltitel) überlieferte alle antijudaistischen Klischees der Neuzeit. Dort wurden sie vom aufstrebenden Bürgertum in säkularisierter Form übernommen und mit anderen, auch außerbiblischen Motiven verknüpft. So wurde etwa die antijudaistische Legende vom „Ewigen Juden“ antisemitisch zu angeblichen Charaktereigenschaften aller Juden stilisiert.

Folgen

Traumatisierung der Überlebenden

Viele Überlebende der Vernichtungslager und Menschen, die sich der drohenden Ermordung durch Flucht oder andere Umstände entziehen konnten, litten und leiden unter Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). Der Psychiater und Psychoanalytiker William Niederland prägte dafür in den 1960er Jahren den Begriff vom Überlebenden-Syndrom. Vielen Holocaust-Überlebenden war und ist es zum Teil bis heute nicht möglich, über ihre Erfahrungen in den Todeslagern zu sprechen.

Juristische Aufarbeitung

Das ganze Ausmaß der nationalsozialistischen Gräueltaten kam erst ans Licht der Weltöffentlichkeit, als alliierte Truppen die Gebiete befreiten, in denen sich die Konzentrations- und Vernichtungslager befanden.

Die Alliierten hatten auf der Konferenz von Jalta im Februar 1945 neben der Entmilitarisierung auch die durchgehende „Entnazifizierung“ Deutschlands für die Zeit nach ihrem Sieg vereinbart und diesen Beschluss auf der Potsdamer Konferenz Ende Juli 1945 bekräftigt.

Die Bestrafung nationalsozialistischer Verbrechen begann mit den von den Alliierten Mächten eröffneten Nürnberger Prozessen und den Folgeprozessen zwischen 1945 und 1948, insbesondere mit dem Nürnberger Prozess gegen die Hauptkriegsverbrecher.

Seit 1945 sind in Westdeutschland insgesamt 912 Gerichtsverfahren gegen 1875 Personen wegen während des zweiten Weltkrieges begangener NS-Tötungsverbrechen durchgeführt worden. Gegen sie wurde die Todesstrafe 14-mal, eine lebenslange Freiheitsstrafe 150-mal und eine zeitige Freiheitsstrafe 842-mal verhängt.<ref>www1.jur.uva.nl: Schwerpunkte der Strafverfolgung in Westdeutschland 1945 -1997. An dieser Stelle wird eine Unterteilung und Bewertung der Nachkriegszeit in Abschnitten von jeweils etwa sieben Jahren vorgenommen</ref>

Ab 1949, nach der Gründung der beiden deutschen Staaten, ging die Strafverfolgung in deren Zuständigkeit über, kam aber in Folge des Kalten Krieges bald vollständig zum Erliegen. Parallel hierzu wurde jedoch auch die Aufhebung von NS-Unrechtsurteilen sowie die Wiedergutmachung insbesondere enteigneter Opfer betrieben.

In der DDR fanden einige Schauprozesse gegen untergeordnete Funktionsträger des Nazi-Regimes statt, in denen es weniger um deren individuelle Verantwortung als um Schuldzuweisungen an die westdeutsche Seite ging. In der Bundesrepublik Deutschland wiederum verhinderten ehemalige Mitglieder der NSDAP als Richter und Beamte lange Zeit tatsächlich eine nachdrückliche Verfolgung der Täter. Die Initiative zu deren Aufspürung blieb im wesentlichen Privatleuten wie Simon Wiesenthal überlassen.

Erst ab 1958 begann die westdeutsche Justiz in nennenswertem Umfang, Naziverbrechen zu verfolgen. Damals erreichten der Präsident des Internationalen Auschwitz Komitees Hermann Langbein und der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer die Weiterverfolgung einer Strafanzeige von Adolf Rögner, die zur Verhaftung eines berüchtigten Folterers, des ehemaligen SS-Manns Wilhelm Boger, führte. Langjährige Ermittlungen Bauers ermöglichten 1963 schließlich die Eröffnung des Hauptverfahrens zu den Auschwitz-Prozessen in Frankfurt am Main. Erst die schockierenden Zeugenberichte und das große Medienecho auf diese Prozesse erzeugte bei einem Großteil der deutschen Bevölkerung ein Bewusstsein für die NS-Verbrechen, ihre Voraussetzungen und ihre Folgen: fast 20 Jahre nach dem Krieg. Andererseits verstärkten sich nun die schon kurz nach 1945 öffentlich erhobenen Forderungen nach einem „Schlussstrich“. Die Angeklagten in den Auschwitz-Prozessen ließen keine Reue erkennen und beriefen sich stets auf den so genannten „Befehlsnotstand“. Ihre Verteidiger versuchten, die Gerichtsverfahren als „Schauprozesse“ zu diskreditieren, wobei sie einen Großteil der öffentlichen Meinung hinter sich wussten.

1965 kam es im deutschen Bundestag zu einer erregten Debatte über die Verjährung von Verbrechen aus der Nazi-Zeit (Verjährungsdebatte); nach damaligem Recht betrug die Verjährungsfrist 20 Jahre. Zunächst wurde die Frist durch einen juristischen Kunstgriff (Beginn der Frist 1949, Gründung der Bundesrepublik) auf 1969 geschoben; 1969 wurde die Verjährungsfrist um 10 Jahre verlängert und 1979 für Mord und Völkermord gänzlich aufgehoben.

In den folgenden Prozessen wurden in der Regel - wie bei der Verfolgung von staatlich organisiertem Unrecht eigentlich grundsätzlich zu beobachten - nur die unmittelbar ausführenden Täter der unteren Ränge in der Befehlskette belangt. Die letzten größeren Verfahren gegen NS-Täter waren die Majdanek-Prozesse von 1975 bis 1981 vor dem Landgericht Düsseldorf. Von ursprünglich 15 dort angeklagten SS-Angehörigen wurden am Ende nur sechs Männer und zwei Frauen verurteilt: Dabei wurden nur eine lebenslängliche und sieben zeitlich befristete Haftstrafen zwischen drei und zwölf Jahren verhängt. Die Freisprüche und die als zu niedrig empfundenen Freiheitsstrafen lösten damals weltweite Proteste aus.

Von besonderer, nicht nur juristischer Bedeutung erwies sich der Prozess gegen Adolf Eichmann in Jerusalem im Jahr 1961. Der ehemalige Leiter des so genannten Judenreferats im Reichssicherheitshauptamt hatte den Transport von Millionen europäischer Juden in die Vernichtungslager organisiert. Er konnte nach dem Krieg unter falschem Namen in Argentinien untertauchen. Der israelische Geheimdienst Mossad spürte ihn dort jedoch 1960 auf und entführte ihn nach Jerusalem. Der dortige Prozess gegen einen Haupttäter aus der Exekutive des NS-Regimes brachte die planerischen und administrativen Mechanismen ans Licht, die hinter dem Genozid an den Juden standen. Eichmanns Auftreten vor Gericht und seine Rechtfertigungsversuche ermöglichten einer breiten Öffentlichkeit erstmals aber auch, einen Blick auf die Psychologie der Täter zu werfen. Die Prozessbeobachterin Hannah Arendt sprach in diesem Zusammenhang von der „Banalität des Bösen“. Eichmann wurde im Dezember 1961 für schuldig befunden und zum Tod verurteilt. Nach einer Revisionsverhandlung wurde er im Mai 1962 gehängt.

Entschädigungen

Die alliierten Militäradministrationen für das besetzte Deutschland und Österreich erließen - ebenso wie die späteren Regierungen der Bundesrepublik, der DDR und Österreichs - Regelungen, die alle Maßnahmen des Hitler-Regimes zur Entrechtung und Enteignung der Juden außer Kraft setzten.

Eine vollständige Entschädigung zumindest für die materiellen Verluste der Betroffenen fand dennoch nie statt. Zahlreiche Überlebende der Vernichtungslager und ihre gesetzlichen Erben mussten zum Teil über Jahrzehnte vor deutschen und österreichischen Gerichten um die Rückerstattung von Eigentum oder um Entschädigungszahlungen klagen.

Während die Regierungen der DDR für sich eine antifaschistische Tradition reklamierte und bis kurz vor der Wende alle Ansprüche zurückwies, die sich aus Handlungen des Deutschen Reichs ergeben konnten, sahen die Regierungen der Bundesrepublik diese als Rechtsnachfolgerin des Reichs. Dies führte bereits unter dem ersten Bundeskanzler Konrad Adenauer zu einer Wiedergutmachungspolitik, die zumindest ansatzweise eine kollektive Entschädigung vorsah.

In Verhandlungen mit David Ben Gurion einigte sich Adenauer auf Unterstützungszahlungen für den Staat Israel, der als Rechtsnachfolger der ermordeten Juden betrachtet wurde. Diese Zahlungen lagen nicht zuletzt im Interesse der Bundesrepublik, die sich damit wieder als geachtetes Mitglied der internationalen Staatengemeinschaft etablieren konnte. Die sogenannten Wiedergutmachungszahlungen werden von deutschen Rechtsextremisten bis heute abgelehnt. Sie stießen aber auch in Israel auf heftige Kritik, da viele Menschen dort kein so genanntes „Blutgeld“ aus Deutschland annehmen wollten.

Kirchliche Aufarbeitung

Hauptartikel: Kirchen und Judentum nach 1945

Bereits im Oktober 1945 verfassen evangelische Deutsche das Stuttgarter Bekenntnis - eine Stellungnahme evangelischer Christen zur Haltung ihrer Kirchen in der NS-Zeit. Es spricht noch nicht offen die Verbrechen an, benennt allgemein die deutsche Kriegsschuld. Aber bereits diese Formulierungen lösten Empörung, Unverständnis und heftigen Widerspruch der deutschen Öffentlichkeit aus und stießen nur selten auf Zustimmung.

Die Kirchen versuchen ihrem Schuldanteil an dem Zivilisationsbruch, den der Holocaust darstellt, ungefähr seit Beginn der 60er Jahre vermehrt in einem zum Teil schmerzhaften Aufarbeitungsprozess Rechnung zu tragen.

In der EKD bekennen sich heute immer mehr Teilkirchen im Gefolge der Rheinischen Synodalerklärung von 1980 zum „ungekündigten Bund“: Das jüdische Volk sei immer Gottes auserwähltes Volk gewesen und bleibe es, so dass Christsein niemals ohne jüdische Existenz möglich sei. Dies bezieht auch die Solidarität mit dem Staat Israel ein. Zudem wird erkannt, dass der Holocaust nie hätte geschehen können, wenn die Kirchen nicht jahrhundertelang alle Maßnahmen gegen Juden – außer der fabrikmäßigen Vergasung – vorexerziert hätten. Die aus dem Judentum geerbte Nächstenliebe wird als Auftrag zum Schaffen und Bewahren von Lebensbedingungen verstanden, die eine Wiederholung ähnlicher Verbrechen nachhaltig unmöglich macht.

Einzelne Landeskirchen haben Schuldbekenntnisse verabschiedet, die sich auch von judenfeindlichen Äußerungen Martin Luthers distanzierten.

Innerhalb und außerhalb der katholischen Kirche ist das Verhalten von Papst Pius XII. während des Holocaust bis heute höchst umstritten. Der Papst hatte sich einerseits für die Rettung der römischen Juden eingesetzt, andererseits aber zu dem Völkermord geschwiegen, auch nachdem ihm die Tatsachen bekannt geworden waren.

In der katholischen Kirche begann die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Schuld an Antijudaismus und Antisemitismus und mit der Verantwortung von Katholiken für den Holocaust erst nach Pius’ Tod im Jahr 1958. Sein Nachfolger Johannes XXIII. sprach die Juden erstmals in der Geschichte des Papsttums als „Brüder“ an. Das von ihm initiierte 2. Vatikanische Konzil verabschiedete 1965 die Erklärung Nostra Aetate, nach der es nicht länger kirchliche Lehrmeinung sei, die Juden kollektiv für den Tod Jesu Christi verantwortlich zu machen.

In dem Schuldbekenntnis Mea culpa aus dem Jahr 2000 hat Papst Johannes Paul II. zwar öffentlich die Schuld einzelner Katholiken an der Verfolgung der Juden zugegeben, ohne aber konkrete Fehler, Versäumnisse oder Verbrechen von Seiten der Kirche – etwa in Bezug auf den Holocaust – anzusprechen oder Möglichkeiten der Wiedergutmachung anzudeuten.

Leugnung und Verharmlosung

Hauptartikel: Holocaustleugnung, Geschichtsrevisionismus

Antisemiten und Geschichtsrevisionisten gingen bereits unmittelbar nach Kriegsende daran, den Holocaust entweder komplett abzuleugnen, ihn zu relativieren oder gar zu verherrlichen. Dieses ist eine Grundtendenz im Rechtsextremismus (besonders im deutschen), die aber auch ausstrahlt auf Teilbereiche der Neuen Rechten und des sogenannten sekundären Antisemitismus nach 1945.

Mahnung und Erinnerung

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Gedenkstein für Margot und Anne Frank auf dem Gelände des ehemaligen KZ Bergen-Belsen

Heute erinnern zahlreiche Mahnmale und Museen (zum Beispiel das Florida Holocaust Museum) in der ganzen Welt an den Holocaust. Mindestens ebenso wichtig sind jedoch auch Initiativen und Organisationen, welche auf unterschiedlichsten Ebenen und mit den unterschiedlichsten Mitteln ihren Beitrag zur Erinnerungskultur des Holocaust leisten. Sie haben es sich unter anderem zur Aufgabe gemacht, vor allem Jungendliche über den Holocaust zu informieren, deren Verantwortungsgefühl und Zivilcourage zu stärken oder – zum Beispiel über Projekte zum Schüleraustausch – einen internationalen Dialog herzustellen.

Die bedeutendste Holocaustgedenkstätte ist Yad Vashem in Jerusalem, wo sich unter anderem die Allee der Gerechten unter den Völkern befindet. In Deutschland und den ehemals deutsch besetzten Gebieten sind vor allem die Gedenkstätten auf den Geländen der ehemaligen Konzentrationslager von Bedeutung, insbesondere des KZ Auschwitz-Birkenau. Eine besondere Bedeutung besitzen auch das Jüdische Museum und das am 10. Mai 2005 eingeweihte, vor allem in der Planungs- und Bauphase kontrovers diskutierte Denkmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin. Wichtige Initiativen der Versöhnungsarbeit sind zum Beispiel die Aktion Sühnezeichen und die Gedenkdienste.

In Deutschland ist seit 1996 der 27. Januar Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Nach einem Beschluss der Vereinten Nationen (UN) wird seit 2006 zu eben diesem Datum weltweit der Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust begangen.

Siehe auch

Referenzen

<references/>

Literatur

Gesamtdarstellungen

  • Götz Aly: „Endlösung“. Völkerverschiebung und der Mord an den europäischen Juden Fischer, Frankfurt/M. 1998, ISBN 3-596-14067-6 (Judenmord als Konsequenz einer Kette von gescheiterten nationalsozialistischen Vertreibungs-, Umsiedlungs- und Deportationsprojekten, verarbeitet viele neue Quellen)
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Dimension des Völkermords. Die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus, Dtv, München 1996, ISBN 3-423-04690-2 (international die einzige umfassende wissenschaftliche Arbeit zahlreicher Historiker über die Opferzahlen, geordnet nach einzelnen Ländern)
  • Wolfgang Benz: Der Holocaust 4. Aufl., Beck, München 1999 ISBN 3-406-39822-7
  • Saul Friedländer: Das Dritte Reich und die Juden. 1. Die Jahre der Verfolgung 1933–1939 ISBN 3-406-44871-2; 2. Aufl. Dtv, München 2000 ISBN 342330765X (1. Band, überwiegend aus der Perspektive der jüdischen Verfolgungsopfer) . ... 2. Die Jahre der Vernichtung 1939 - 1945 Beck, München 2006 ISBN 3-406-54966-7. Beide Teile kpl. in 1 Band als Sonderausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung (nur Schutzgebühr) 2006 ISBN 3-89331-699-X
  • Christian Gerlach: Krieg, Ernährung, Völkermord. Deutsche Vernichtungspolitik im Zweiten Weltkrieg Pendo-Verlag, Zürich 2001, ISBN 3-85842-404-8 (Die Ausweitung der deutschen Massenmorde in den besetzten sowjetischen Gebieten im Herbst 1941. Überlegungen zur Vernichtungspolitik gegen Juden und sowjetische Kriegsgefangene. Die Bedeutung der deutschen Ernährungspolitik für die Beschleunigung des Mordes an den Juden 1942. Wannseekonferenz)
  • Raul Hilberg: Die Vernichtung der europäischen Juden., Fischer, Frankfurt/M. 1990, Band 1: ISBN 3-596-10611-7 ; Band 2: ISBN 3-596-10612-5 ; Band 3: ISBN 3-596-10613-3 (international anerkanntes Standardwerk mit Schwerpunkt auf langfristigen Wurzeln des Holocaust im Mittelalter)
  • Raul Hilberg: Täter, Opfer, Zuschauer. Die Vernichtung der Juden 1933–1945, Fischer, Frankfurt/M. 2003, ISBN 3-596-13216-9 (Ergänzungsband)
  • Raul Hilberg: Die Quellen des Holocaust. Entschlüsseln und Interpretieren. Fischer, Frankfurt/M. 2002, ISBN 3-10-033626-7
  • Eberhard Jäckel u.a. (Hrsg.): Enzyklopädie des Holocaust. Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden, Piper, München 1998, ISBN 3-492-22700-7 (Nachschlagewerk zur Erstinformation, teilweise unzuverlässig)
  • Peter Longerich: Politik der Vernichtung. Eine Gesamtdarstellung der nationalsozialistischen Judenvernichtung, Piper, München 1998, ISBN 3-492-03755-0 (Schwerpunkt: verschiedene Entwicklungs- und Entscheidungsphasen im Prozess zur totalen Vernichtung der europäischen Juden)
  • Jürgen Matthäus, Klaus-Michael Mallmann (Hrsg.): Deutsche, Juden, Völkermord. Der Holocaust in Geschichte und Gegenwart. WBG, Darmstadt 2006, ISBN 3-534-18481-5 (Veröffentlichungen der Forschungsstelle Ludwigsburg der Universität Stuttgart Bd. 7) (20 internationale Autoren – darunter bekannte Holocaust-Historiker – beschreiben das Verhältnis von Juden und Deutschen unter dem Vorzeichen des Holocaust auf dem aktuellen Stand der Forschung.) eRef
  • Dieter Pohl: Verfolgung und Massenmord in der NS-Zeit 1933–1945, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2003, ISBN 3534151585 (NS-Spezialist des Instituts für Zeitgeschichte stellt aktuellen Forschungsstand komprimiert, zuverlässig, mit allen wesentlichen Teilaspekten für Erstinformation und Fachleute dar)
  • Gerald Reitlinger: Die Endlösung. Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939-1945. (Standardwerk von 1979, übersichtliche systematische Darstellung der Deportatonen und Durchführung des Holokaust, nach Ländern geordnet; teilweise durch neue Quellen überholt)
  • Leny Yāhîl: Die Shoah. Überlebenskampf und Vernichtung der europäischen Juden, Luchterhand, München 1998, ISBN 3-453-02978-X (umfangreiche, übersichtliche Darstellung des Holocaust und der Rettungs- und Auswanderungsversuche)
  • Guido Knopp: Holokaust. ISBN 3-442-15152-X

Judenverfolgung ab 1933

  • Christopher R. Browning: Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942. Propyläen-Verlag, Berlin 2003, ISBN 3-549-07187-6
  • Christopher R. Browning: Der Weg zur „Endlösung“. Entscheidung und Täter Rowohlt, Reinbek 2002, ISBN 3-499-61344-1
  • Lea Rosh & Eberhard Jäckel: „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland. Deportation und Ermordung der Juden. Kollaboration und Verweigerung in Europa. Dtv, München 1993, ISBN 3-423-30306-9 (Begleitbuch zur TV-Dokumentation)
  • Karl A. Schleunes: The Twisted Road to Auschwitz. Nazi Policy toward German Jews, 1933–39. University of Illinois, Urbana, Ill. 1990, ISBN 0-252-06147-0
  • Gerhard Schoenberner: Der Gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933–1945. Fischer, Frankfurt/M. 1991, ISBN 3-596-10601-X (Fotoband)

Täter und Mitläufer

  • Philippe Burrin: Hitler und die Juden. Die Entscheidung für den Völkermord, Fischer, Frankfurt/M. 1993, ISBN 3-10-046308-0 (erste gründliche Arbeit zum Entscheidungsprozess)
  • Christopher R. Browning: Ganz normale Männer. Das Reservebataillon 101 und die Endlösung in Polen. Rowohlt, Reinbek 2005, ISBN 3-499-60800-6
  • Rainer C. Baum: The Holocaust and the German Elite. Genocide and National Suicide in Germany, 1871-1945. Rowman and Littlefield, Totowa/London 1981, ISBN 0-7099-0656-0
  • Wolfgang Benz (Hrsg.): Legenden, Lügen, Vorurteile. Ein Wörterbuch zur Zeitgeschichte, Dtv, München 2002, ISBN 3-423-30130-9
  • Daniel Goldhagen: Hitlers willige Vollstrecker. Ganz gewöhnliche Deutsche und der Holocaust. Goldmann, München 2000, ISBN 3-442-15088-4
  • Peter Longerich: Der ungeschriebene Befehl. Hitler und der Weg zur „Endlösung“, Piper, München 2001, ISBN 3-492-04295-3 (umfassend dokumentierter Nachweis der systematischen Vernichtungspolitik und Hitlers Rolle dabei; enthält Gutachten des Autors für den Prozess gegen David Irving)
  • Peter Longerich: „Davon haben wir nichts gewusst.“ Die Deutschen und die Judenverfolgung 1933 - 1945. Siedler, München 2006, ISBN 3-88680-843-2
  • Karin Orth: Die Konzentrationslager-SS. Sozialstrukturelle Analysen und biographische Studien. Dtv, München 2004, ISBN 3-423-34085-1 (Rezension für H-Soz-u-Kult von Christian Scharnefsky)
  • Richard Rhodes: Die deutschen Mörder. Die SS-Einsatzgruppen und der Holocaust. Lübbe, Bergisch Gladbach 2004, ISBN 3-7857-2183-8

Opfer

  • Martin Doerry (Hg) Monika Zucht (Fotografien): Nirgendwo und überall zu Haus. Gespräche mit Überlebenden des Holocaust DVA 2006, ISBN 3-421-04207-1 (Fotobeispiele: [1])
  • Claude Lanzmann: Shoah. Trotzdem-Verlag, Grafenau 1999, ISBN 3-922209-87-4 (Interviews mit Überlebenden; Begleitbuch zu Lanzmanns Filmdokumentation auf DVD)
  • Alexandra Rossberg, Johan Lansen (Hrsg.): Das Schweigen brechen. Berliner Lektionen zu Spätfolgen der Schoa. Suhrkamp, Frankfurt/Main 1997, ISBN 3-518-39231-X

Konzentrations- und Vernichtungslager

Einzelregionen

  • Vincas Bartusevicius u.a. (Hrsg.): Holocaust in Litauen. Krieg, Judenmorde und Kollaboration im Jahre 1941, Böhlau, Köln 2003, ISBN 3-412-13902-5
  • Uwe D. Adam: Judenpolitik im Dritten Reich. Droste-Verlag, Düsseldorf 2003, ISBN 3-7700-4063-5
  • Manfred Deiler (Hg): Das KZ-Kommando Kaufering, Landsberg 1944/45. Die Vernichtung der Juden im Rüstungsprojekt „Ringeltaube“. Bürgervereinigung, Landsberg/Lech 1993, ISBN 3-9803775-3-9
  • Manfred Deiler (Hg): Landsberg im April 1945. Das Ende des Holocaust in Bayern; Todesmarsch und Befreiung. Bürgervereinigung, Landsberg/Lech 1993, ISBN 3-9803775-1-2

Hilfs- und Widerstandsaktionen

  • Kurt R. Grossmann: Die unbesungenen Helden. Menschen in Deutschlands dunklen Tagen. (1. Auflage 1961) Ullstein TB 1984, ISBN 3-548-33040-1
  • Solidarität und Hilfe für Juden während der NS-Zeit, Metropol, Berlin (Hg.: Zentrum für Antisemitismusforschung der TU Berlin) 1996 ff.
Bd. 1: Wolfgang Benz/ Juliane Wetzel (Hrsg.), Regionalstudien 1. Polen, Rumänien, Griechenland, Luxemburg, Norwegen, Schweiz (1996), ISBN 3-926893-43-5
Bd. 2: Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.), Regionalstudien 2. Ukraine, Lettland, Litauen, Estland, Böhmen und Mähren, Frankreich, Österreich (1998), ISBN 3-926893-48-6
Bd. 3: Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.), Regionalstudien 3. Niederlande, Dänemark, Weißrußland, Ungarn, Albanien, Portugal, Spanien (1999), ISBN 3-932482-18-2
Bd. 4: Wolfgang Benz/Mona Körte (Hrsg.), Rettung im Holocaust. Bedingungen und Erfahrungen des Überlebens. Biographische Zeugnisse (2001), ISBN 3-932482-80-8
Bd. 5: Beate Kosmala, Claudia Schoppmann (Hrsg.), Überleben im Untergrund. Hilfe für Juden in Deutschland 1941-1945 (2002), ISBN 3-932482-86-7
Bd. 6: Klaus Voigt: Villa Emma. Jüdische Kinder auf der Flucht 1940–1945 ISBN 3-932482-87-5
Bd. 7: Wolfgang Benz/Juliane Wetzel (Hrsg.), Regionalstudien 4. Italien, Belgien, Slowakei, Bulgarien, Kroatien, Serbien(2004), ISBN 3-936411-35-2
  • Klaus Voigt (Hg.): Joskos Kinder. Flucht und Alija durch Europa 1940 - 1943. Josef Indigs Bericht Arsenal, Berlin 2006

Black Holocaust - schwarze Opfer

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| Aug. | August    =  8
| Sep. | September =  9
| Okt. | Oktober   = 10
| Nov. | November  = 11
| Dez. | Dezember  = 12
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| 05 | 5 = Mai
| 06 | 6 = {{ #switch:     F     |     M = Jun. | Juni      }}
| 07 | 7 = {{ #switch:     F     |     M = Jul. | Juli      }}
| 08 | 8 = {{ #switch:     F     | S | M = Aug. | August    }}
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|.
|

}}

Holocaustliteratur

  • James Edward Young: Beschreiben des Holocaust. Darstellung und Folgen der Interpretation. Juedischer Verlag, Frankfurt am Main 1992, ISBN 3-633-54055-5

Filme

Die hier gegebene Auswahl ist chronologisch geordnet. Ohne Filme, in denen der Spielfilmcharakter im Vordergrund steht.

weitere siehe:

Weblinks

Vorlage:Commons

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| X = | =  – Zitate | #default = {{{3}}} }} {{#if: | ({{#iferror:Vorlage:ISO 639-1 zu Langform|

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{{#ifeq: || }} }}) }}

Bibliographie

Chronologie

Basisinformationen

Opfer

Filme

Gedenken

Holocaustliteratur

Internetressourcen

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