Gruppendynamik

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Der Begriff Gruppendynamik wird in dreierlei Bedeutungen benutzt. Er bezeichnet (vgl. König & Schattenhofer 2006, S. 12f)

  1. die Vorgänge und Abläufe in einer Gruppe von Menschen
  2. die wissenschaftliche Disziplin, die diese Abläufe erforscht
  3. die Bildungsveranstaltung, die das Wissen über und den Umgang mit diesen Vorgängen zu erweitern versucht

Als hauptsächlicher Begründer des sozialwissenschaftlichen Theorems der Gruppendynamik gilt Kurt Lewin, einer der Pioniere der Gestalttheorie bzw. Gestaltpsychologie. Es wird davon ausgegangen, dass die Eigenschaften und Fähigkeiten einer Gruppe verschieden sind von der Summe der Eigenschaften und Fähigkeiten der einzelnen Personen der Gruppe.


Inhaltsverzeichnis

Das Gruppendynamische Training

Ein Gruppendynamisches Training bietet Raum, das Wirken des eigenen und fremden Verhaltens auf das Gruppengeschehen zu beobachten und neues Verhalten auszuprobieren.

Settings

Plenum

Dies ist der Ort an dem allgemeine Informationen mitgeteilt werden, Gruppen für weitere Arbeitsphasen eingeteilt werden, Ergebnisse von Arbeitsgruppen präsentiert werden und gegebenenfalls werden Theorieinputs durch die Trainer gegeben. Ein Training beginnt und endet im Plenum.

T(rainings)-Gruppe

Das Kernelement des Gruppendynamischen Trainings ist die T-Gruppe. In der T-Gruppe arbeiten 7-15 TeilnehmerInnen mit 1-2 TrainerInnen für die gesamte Dauer des Trainings zusammen. Die Aufgabe der Gruppe besteht daher darin, sich selbst zu erforschen. Dabei wird von den TrainerInnen nur Ort und Zeit vorgegeben, nicht jedoch ein genauer Arbeitsplan. Die Gruppe ist daher darauf angewiesen den Lernprozess selbst zu gestalten, was besonders in der Anfangsphase für alle Beteiligte sehr verunsichernd ist. In der Regel arbeiten 2-6 T-Gruppen parallel.

Tandem

Beim Tandem beobachtet eine T-Gruppe eine andere. Am Ende der Arbeitsphase gibt die beobachtende Gruppe an die beobachtete Gruppe ein Feedback, das unkommentiert stehen bleibt. Danach wechseln die Gruppen.

Untergruppen

Für bestimmte Aufgaben werden Untergruppen gebildet. Diese können entweder das ganze Training überstehen, z. B. als Verschnittgruppe aus den verschiedenen T-Gruppen, die sich über die unterschiedlichen Verläufe der T-Gruppen austauschen, oder als Arbeitsgruppe innerhalb der T-Gruppe.

Arbeitsprinzipien

Niedrigstrukturiertheit und initiale Verunsicherung

Die TrainerInnen geben wenig Struktur in Form von Arbeitsanweisungen o. Ä. vor. Das führt besonders in der Anfangsphase zu großer Verunsicherung. Nach Kurt Lewin ist jedoch gerade diese Verunsicherung notwendig, um Lernmöglichkeiten zu ermöglichen. Alte Verhaltenweisen sollen aufgetaut werden (Unfreeze), damit neue Verhaltensweisen ausprobiert werden können. Gleichzeitig wird durch das Erleben des Mangels an Vorgaben die Funktion eben dieser spürbar.

Das Hier-und-Jetzt-Prinzip

In der Gruppe soll vorrangig auf Ereignisse Bezug genommen werden, die gerade passieren, so dass sie für alle gleichermaßen Bedeutung gewinnen können und eine gemeinsame Kommunikation darüber erleichtert wird. Ereignisse, die außerhalb der Gruppe, z. B. in der Vergangenheit eines Teilnehmers liegen, sollen nur insofern zum Thema werden, als das sie helfen das aktuelle Gruppengeschehen besser zu verstehen.

Feedback

Da es im Gruppendynamischen Training um das gemeinsame Verstehen des Gruppengeschehens geht, ist es notwendig das eigene Erleben den anderen mitzuteilen. Diese Mitteilung wird Feedback genannt.

Organisationslaboratorium

Eine dem Gruppendynamischen Training sehr ähnliche Seminarform ist das Organisationslaboratorium. Dabei entfällt die Struktur der T-Gruppen. Aus dem Plenum heraus müssen sich die Teilnehmer selber organisieren, also gegebenenfalls auch Arbeitsgruppen selber bilden. Der Fokus liegt hier auf der Beobachtung von Organisationsprozessen.

Gruppendynamische Theorien

Gruppenphasenmodelle

Es existieren verschiedene Gruppenphasenmodelle. Sie versuchen, Gesetzmäßigkeiten in Gruppen in unterschiedlichen Phasen zu beschreiben und ermöglichen damit eine Unterscheidung und Einteilung von Gruppenprozessen. Der Preis für diese Einteilungen ist, dass man Gefahr läuft die Phasen als festgeschriebene Abfolge zu verstehen und somit als Prognosewerkzeug dienen können. Vielmehr eignen sie sich, um Prozesse als Bearbeitung unterschiedlicher Anforderungen an Gruppe zu verstehen.

Die Teamuhr

Das Modell der Teamuhr von B.W. Tuckmann ist wohl am bekanntesten. Tuckmann unterscheidet

  • forming (Orientierungsphase)
  • storming (Machtkampfphase)
  • norming (Vertrautheitsphase)
  • performing (Differenzierungs- und Leistungsphase)

Das Dependenzmodell

Das Dependenzmodell von W.G. Bennis kann ebenfalls als Phasenmodell verstanden werden. Es wurde von der kindlichen Entwicklung auf die Entwicklung von Gruppen übertragen. Dabei wird die Auseinandersetzung der Gruppe mit der Autorität (der Leitung) beschrieben

Siehe auch

Literatur

Klassiker

  • L.B. Bradford, J.R. Gibb & K.D. Benne: Gruppen-Training. Stuttgart 1972 (en: 1966), ISBN 3129014101
  • Klaus Antons: Praxis der Gruppendynamik, 1974, ISBN 3801700771
  • J. Luft: Einführung in die Gruppendynamik. Stuttgart 1971, ISBN 3129054200
  • Tobias Brocher: Gruppendynamik in der Erwachsenenbildung, 1967

aktuell

  • Peter Heintel (Hrsg.): betrifft: TEAM. Dynamische Prozesse in Gruppen. Opladen 2006. ISBN 3-531-15112-6
  • Karl G. Kasenbacher: Gruppen und Systeme. Eine Anleitung zum systemtheoretischen Verständnis der gruppendynamischen Trainingsgruppe. Opladen 2003. ISBN 3-8100-3815-6
  • Oliver König/Karl Schattenhofer: Einführung in die Gruppendynamik. Heidelberg 2006. ISBN 3896705180

Fachzeitschriften

  • Gruppendynamik, Klett-Cotta
  • Gruppendynamik und Organisationsberatung, VS Verlag für Sozialwissenschaften
  • Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, Vandenhoek & Ruprecht

Weblinks

en:Group dynamics fr:Dynamique de groupe ja:集団力学 sr:Групна динамика

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