Chewra Kadischa

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Datei:Prager Beerdigungsbruderschaft.jpg
Die Chewra Kadischa am Lager des Sterbenden (1772), Jüdisches Museum, Prag

Chewra Kadischa (hebräisch חברה קדישא), eigentlich Chewra kadischa de-gomle chasadim (Heilige Bruderschaft jener, die Taten der Barmherzigkeit vollbringen) nennt man die in jeder jüdischen Gemeinde bestehende Beerdigungsbruderschaft, die sich Krankenbesuchen und der rituellen Bestattung Verstorbener widmet.

Grundlage der Vereinigungen ist der jüdische Grundsatz, dass niemand irgendeinen Vorteil vom Tode eines anderen Menschen haben soll. Daher lassen die Bruderschaften allen Menschen, ohne Ansehen ihres Vermögens, die gleichen Dienstleistungen angedeihen. Sie werden durch Spenden finanziert und leisten ihre Dienste unentgeltlich.

Inhaltsverzeichnis

Aufgaben

Zu den wichtigsten Tätigkeiten der Chewra Kadischa gehört der Krankenbesuch und das Gebet am Lager des Sterbenden. Dabei sorgen sie dafür, dass 10 jüdische Männer anwesend sind (Minjan), die dem Sterbenden das Glaubensbekenntnis (Schma) vorsprechen. Gleichzeitig werden auch die Angehörigen unterstützt und getröstet. Nachdem der Tod eingetreten ist, wird der Leichnam mit einem Linnen bedeckt und auf den Boden gelegt. Neben dem Kopf des Toten werden Kerzen entzündet. Dann wird auf dem Friedhof alles für die Beerdigung vorbereitet, das Grab ausgehoben, der Sarg bereitgestellt und das Totengewand hergerichtet. Der Leichnam wird zum Friedhof gebracht und dort im Bet Tahara, dem Haus der Reinigung, gewaschen und den rituellen Bestimmungen nach gereinigt (warmes Wasser, Beimischung eines Eies als Symbol des Lebens, begleitende Gebete). Nachdem die Leiche mit Wein besprengt wurde, erfolgt die Bekleidung mit den Grabgewändern aus weißem Linnen (Tachrichin), bestehend aus einem Hemd, einer Unterhose, einem Kittel mit Halskrause und Gürtel, Strümpfen und einer Haube. Der Leichnam wird in einen einfachen und schmucklosen Sarg gebettet und mit seinem Tallit bedeckt, dem man die Quasten entfernt hat, da diese den Lebenden an seine Verpflichtungen erinnern sollen, nun aber gegenstandslos geworden sind. Dem Sarg kann auch ein Säckchen mit Erde aus dem gelobten Land beigegeben werden. Das Totengeleit und die Teilnahme am Begräbnis gelten als Mizwa, also als wesentliche religiöse Verpflichtung. Beim Trauerzug geht ein Würdenträger der Chewra Kadischa voran, um Spenden einzusammeln, dann folgen die Angehörigen, der Sarg selbst und dahinter der Vorstand der Beerdigungsbruderschaft und der Rabbiner, zuletzt die übrigen Trauergäste und am Schluss die Frauen. Eine Trauerrede des Rabbiners kann, muss aber nicht erfolgen. Die Mitglieder der Chewra senken den Sarg ins Grab hinab und werfen einen Grabhügel auf. Die Bestattung sollte so rasch als möglich, wenn es geht noch am Sterbetag erfolgen. Nach dem Ende des Begräbnisses waschen sich die Teilnehmer an einem Brunnen die Hände, da der Leichnam als unrein gilt. Eine weitere Aufgabe der Chewra Kadischa ist der Besuch der Hinterbliebenen während der siebentägigen Trauerzeit.

Die Chewra Kadischa ist eine der wichtigsten Institutionen der jüdischen Gemeinde und erfüllt eine bedeutende soziale Rolle, die seit der Zeit der Aufklärung auch gegenüber ihrer religiösen Dimension an Bedeutung zugenommen hat. Die Teilnahme an ihr wird von den angesehensten Männern wahrgenommen und gilt als religiös sehr verdienstlich. Generell liegen alle Agenden, die mit Bestattung und Friedhof zusammenhängen, in ihren Händen. Analog zu den Bruderschaften gibt es auch Vereinigungen für die Frauen, so haben manche jüdischen Gemeinden eine Frauenchewra, welche die Krankenwache bei Frauen übernimmt, bei Todesfällen die Familien unterstützt und die Trauernden auf dem Friedhof begleitet.<ref>http://www.icz.org/templ.php?id=111&PHPSESSID=5a48f94d796672b77af6aa9cfba85aad</ref>.

Beerdigungsbruderschaften gibt es überall in Europa seit dem 15./16. Jahrhundert. Dem Talmud war diese Einrichtung noch gänzlich unbekannt. Seit dem Mittelalter wurden die Beerdigungsbruderschaften so zentral, dass deren Gründung oft sogar der Gemeindebildung vorausging. Die älteste bekannte Urkunde einer Chewra Kadischa stammt aus dem Spanien des beginnenden 14. Jahrhunderts. Nur wenig jünger sind entsprechende Nachrichten aus dem deutschen Miltenberg.

Literatur

  • Jüdisches Lexikon Bd. I. Frankfurt am Main 1927
  • Jüdisches Fest, Jüdischer Brauch. 1936
  • Arno Pařík: Prager jüdische Friedhöfe. Jüdisches Museum, Prag 2003

Weblinks

Einzelnachweise

<references/>cs:Chevra kadiša en:Chevra kadisha fi:Hevra kaddiša fr:Hevra kaddisha he:חברה קדישא ja:ヘブラー・カッディーシャー pl:Chewra Kadisza pt:Chevra kadisha sk:Chevra kadiša yi:חברה קדישא

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