Antisemitismus in islamischen Ländern

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Vorlage:Neutralität Antisemitismus in islamischen Ländern ist eine pauschale, teilweise eliminatorische Judenfeindlichkeit im Einflussbereich des Islam. Er entstand seit dem 19. Jahrhundert unter europäischer Kolonialherrschaft, als sich eine traditionelle im Koran verankerte religiöse Diskriminierung der Juden mit Motiven des europäischen Antijudaismus und Antisemitismus verband. Militanter Judenhass spielte früher im Panarabismus, seit 1945 und besonders seit 2001 zunehmend auch im Islamismus eine zentrale Rolle.

Inhaltsverzeichnis

Begriff

Der Begriff „Antisemitismus“ ist kein Konzept aus arabischen Gesellschaften, sondern eine Zuschreibung westlicher Wissenschaftler und Medien. Er soll die Bereitschaft von Arabern und Muslimen kennzeichnen, aus europäischen Antisemitismus bekannte Argumentationsmuster gegen Israel zu übernehmen. Die Verknüpfung arabischer und islamischer Judenfeindlichkeit mit diesem Begriff weist bereits darauf hin, dass es sich hierbei um eine Entlehnung handelt: Antisemitismus ist ursprünglich eine europäische Wortschöpfung, die sich nicht auf arabische oder islamische, sondern auf europäische Judenfeindlichkeit bezog. Deren Vorurteilstrukturen und sozialpolitische Ausgrenzungsstrategien wurden seit etwa 1860 mehr und mehr rassistisch begründet.

Araber verstehen den Begriff oft als Pauschalangriff und weisen vor allem die rassistische Komponente als falsch und unbegründet zurück. Araber könnten Juden schon deshalb nicht als „Rasse“ ablehnen, da sie selbst „Semiten“ und damit potentielle Opfer von Antisemitismus seien würden. Dieses Argument stützt sich darauf, dass der Begriff „Semiten“ historisch zuerst die Sprecher semitischer Sprachen bezeichnete. Deren Sprachfamilie umfasst u.a. Hebräisch, Aramäisch, Arabisch und Amharisch.

Jedoch war „Antisemitismus“ als Gegenbegriff zu „Semitismus“, den Wilhelm Marr um 1879 prägte, ausschließlich gegen Juden gerichtet. Diese wurden als „Semiten“ definiert. Das Semitische verstanden Antisemiten nicht als sprachliches, sondern als ethnisches und rassisches Merkmal. So konnten sie ihren Rassismus gegen alle europäischen Juden richten, deren Muttersprache meist Deutsch, Jiddisch oder eine andere europäische Sprache war.

Thema des Artikels ist also vor allem die Verwendung von Stereotypen, Theorien und ideologischen Elementen aus dem europäischen Antisemitismus in der arabisch-islamischen Welt. Diese werden heute auch in nichtarabischen Gesellschaften und Staaten wie Iran, Bangladesch, Indien, Indonesien, Mali, Nigeria, Pakistan zunehmend mit islamistischer Ideologie vermischt. Dabei ist der eigene, regionale und kulturelle historische Hintergrund zu beachten. Der Islam lässt sich weder historisch noch theologisch als „antisemitisch“ kennzeichnen, so dass nicht allgemein von einem „islamischem Antisemitismus“ gesprochen werden kann.

Historische Wurzeln

Koran

Der Islam versteht sich als überbietende Vollendung und Bewahrung der schon in der Bibel offenbarten Wahrheit. Mohammed übernahm den Monotheismus vom Judentum und fasste ihn als wahren Glauben Abrahams, des Stammvaters Israels und Urvaters „vieler Völker“ (Gen 12,3), auf. Allerdings erhob auch der Islam wie seine Vorläuferreligionen von Beginn an einen Absolutheitsanspruch, da für Muslime allein der Quran Gottes letztgültigen Willen offenbart.

Darin wird das Heil allen versprochen, die an Gott glauben und gute Werke tun:

  • Sure 2, 62: Diejenigen, die glauben (d.h. die Muslime) und diejenigen, die dem Judentum angehören, und die Christen und Sabier, – (alle) die, die an Gott und den jüngsten Tag glauben und tun, was recht ist, denen steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu, und sie brauchen (wegen des Gerichts) keine Angst zu haben, und sie werden (nach der Abrechnung am jüngsten Tag) nicht traurig sein. (nach Paret)

Dies stellt die monotheistischen Abrahamsreligionen ausdrücklich mit dem Islam gleich und spricht ihren Angehörigen eine Heilserwartung zu, deren Maßstab das Tun des Guten im Blick auf das Endgericht ist. Sie müssen also keine Muslime werden, um Gottes Barmherzigkeit zu erlangen, und können weiterhin ihrem Herrn - der je eigenen Gottesvorstellung - folgen.

Zudem bestätigt der Koran den Exodus Israels aus Ägypten als Willen Allahs (Sure 7,137), gesteht den Juden den Besitz des Landes Israel zu, fordert ausdrücklich, dass sie dieses Privileg in Anspruch nehmen (Sure 5,20-21) und stellt die Sammlung der verlorenen zehn Stämme Israels, die nach ihrer Verschleppung durch die Assyrer nicht zurückkehrten, für das Jenseits in Aussicht (Sure 17,104). Damit bekräftigt der Koran wesentliche biblische Verheißungen JHWHs an Israel und entzieht denen, die Juden ein Existenzrecht in Israel bestreiten, die religiöse Rechtfertigung.

Daneben stehen jedoch – wie in der Bibel – polemische und abwertende Aussagen über die Andersgläubigen:<ref>Koranübersetzungen nach Ahmeddeya, Paret u.a.</ref>

  • Sure 2, 61: Und Erniedrigung und Verelendung kam über sie [die Juden], und sie verfielen dem Zorn Gottes. Dies (traf sie zur Strafe) dafür, daß sie nicht an die Zeichen Gottes glaubten und unberechtigterweise die Propheten töteten, und dafür, daß sie widerspenstig waren und (die Gebote Gottes) übertraten. (nach Paret)
  • Sure 5, 52: Ihr Gläubigen! Nehmt euch nicht die Juden und die Christen zu Freunden! Sie sind untereinander Freunde (aber nicht mit euch). Wenn einer von euch sich ihnen anschließt, gehört er zu ihnen (und nicht mehr zu der Gemeinschaft der Gläubigen). Gott leitet das Volk der Frevler nicht recht. (nach Paret)
  • Sure 9, 29: Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Gott und den jüngsten Tag glauben und nicht verbieten (oder: für verboten erklären), was Gott und sein Gesandter verboten haben, und nicht der wahren Religion angehören – von denen, die die Schrift erhalten haben – (kämpft gegen sie), bis sie kleinlaut aus der Hand (?) Tribut entrichten! (nach Paret)

Die Juden erhalten im Koran also auch die Rolle von Unterworfenen, Feiglingen und Besiegten. Besonders ihr Erwählungsglaube gilt Muslimen als Kennzeichen von Lüge, Abfall und Götzendienst. Darin lag ein Konfliktpotential, das politische Spannungen verschärfen konnte und auch so gewirkt hat. Man begegnete ihnen in islamischen Ländern daher ambivalent: zum einen mit der im Koran verankerten Schutzpflicht für ihre Religionsausübung, zum anderen mit Diskriminierungen, Herablassung und Verachtung, jedoch weniger mit der für den christlichen Antijudaismus typischen Verteufelung, Neid, Hass, Ausgrenzung und tödlicher Vernichtungsabsicht.

Gründungsphase des Islam

In der Gründungszeit, nachdem Mohammed von Mekka nach Yathrib (Medina) ausgewandert war, bildete er dort zusammen mit drei ortsansässigen Judenstämmen eine vertragliches Schutzbündnis, die Umma (Gemeinde Gottes). Mit ihnen gemeinsam besiegte er seine Gegner in der Schlacht von Badr 624. Danach verbreitete er den neuen Glauben des Islam und hoffte, auch die Juden würden ihn als Gottes Propheten anerkennen. Dies blieb aus; zudem warf ihm einer der Judenstämme vor, die Bibel zu verfälschen. Daraufhin kündete er den Vertrag und vertrieb zwei der Judenstämme aus Medina; den dritten, die Banu Quraiza, ließ er ausrotten.

Im nachkoranischen islamischen Recht (fiqh) gelten Juden- und Christentum als Buchreligionen (arabisch: ahl al-kitab), die aber Gottes ursprüngliche wahre Botschaft verzerrt hätten. Ihre Angehörigen gelten als dhimmis („Schutzbefohlene") mit minderem Rechtsstatus. Seit dem Kalifen Omar durften sie den eigenen Glauben ausüben, aber nicht missionieren; für Bekehrungen von Muslimen wurden sie mit dem Tod bestraft. Man garantierte ihnen vertraglich Sicherheit, Besitz, Niederlassungs- und beschränkte Glaubensfreiheit sowie das autonome Gemeindeleben: Dafür mussten sie Kopfsteuer (dschizya) entrichten, durften keine muslimischen Sklaven halten, keine Waffen tragen und keine Pferde reiten. Für Juden galt außerdem eine besondere Kleiderordnung (gelbe Turbane oder Gürtel), die aber vielfach nicht streng gehandhabt wurde.

Trotz dieser rechtlichen Unterordnung waren sie unter Muslimen weitaus seltener Zwangsbekehrungen, Vertreibungen oder Pogromen ausgesetzt als unter Christen. Judenghettos und Berufsverbote gab es in islamischen Ländern nicht. Juden siedelten jedoch oft freiwillig in eigenen Vierteln (Juderías) und spezialisierten sich auch hier auf die von Muslimen verachteten Berufe. In der Ära der Mauren waren sie oft Textil-, Gewürz- und Arzneihändler, staatliche Steuereinnehmer, Schriftgelehrte, Übersetzer oder Kunsthandwerker. Unter den Omayyaden stiegen gebildete Juden oft zu Ministern und Wesiren auf. Auch in Marokko waren sie vom 8. bis Mitte des 12. Jahrhunderts besonders geachtet.

Hochmittelalter

Die fanatischen Almohaden beendeten 1146 diese Ära der Toleranz. Die bedrängten Kalifen Spaniens holten sie zur Abwehr der Reconquista, worauf sie Synagogen zerstören ließen und die Juden zur Annahme des Islam zwangen. Eine jüdische Massenflucht in die von Christen schon freigekämpften Gebiete setzte ein. Diese waren an ihrem Zuzug interessiert, da Juden häufig von Mauren verlassene Städte rasch wieder aufbauten und Wohlstand brachten. So kam es im 12. Jahrhundert in Spanien zu einer Blütezeit des jüdischen Lebens unter christlichen Herrschern.

100 Jahre später begann die Ära der Zwangsdisputationen, Zwangstaufen und Massenpogrome an spanischen Juden (Sephardim). Die Konvertiten wurden als marranos (Schweine) generationenlang diskriminiert und von der Inquisition verfolgt. Aus Sevilla vertrieb man sie 1391, aus Tortosa 1413. 1481 nahm das katholische Königspaar Ferdinand II. von Aragonien und Isabella von Kastilien die Reconquista wieder auf, die 1492 mit der Vertreibung aller Muslime und Juden endete. Die übrigen getauften Juden gerieten nun erst recht in Not: Verbrennungen von Konvertiten waren an der Tagesordnung. Auch aus Portugal wurden sie 1496 vertrieben.

Nach dem Sturz der Almohaden fanden Juden wieder Asyl in arabischen Ländern; doch mussten die Herrscher sie nun häufiger vor der Bevölkerung schützen, so dass man Judenghettos (Mellahs) in Marokko für nötig hielt. Die Phasen von Judenverfolgungen waren hier lokal begrenzt und weniger systematisch. Größere Judenpogrome fanden u.a. statt in:

Osmanisches Reich

Im Osmanischen Reich waren Juden für viele Jahrhunderte toleriert. Volle Anerkennung als gleichberechtigte Bürger haben Juden jedoch auch hier nie erhalten. Zeitweise fanden örtlich größere Judenpogrome statt:

Doch blieb ein genereller Judenhass die Ausnahme.

Europäische Kolonialpolitik und Panarabismus

Mit Beginn des 19. Jahrhunderts erreichte der europäische, besonders der britische Kolonialismus und Imperialismus die arabischen Länder; damit ging eine Übernahme von kulturellen und ideologischen Elementen einher, der den sich formierenden europäischen Antisemitismus einschloss.

Seit etwa 1900 entstand, parallel zu anderen antikolonial motivierten Nationalismen, der Panarabismus, der alle Araber als Angehörige derselben Völkerfamilie zu vereinen sucht. Der Erste Weltkrieg gab dieser Tendenz enormen Auftrieb. In seinem Gefolge zerfiel das Osmanische Reich, das sich mehr als 500 Jahre hatte halten können. Großbritannien und Frankreich nutzten das entstandene Machtvakuum, um arabische Gebiete zu besetzen: die Franzosen Syrien, die Briten den Irak. Beide hatten sich 1916 im Sykes-Picot-Abkommen über die Aufteilung geeinigt. Zudem versprach der Brite Lord Balfour mit der Balfour-Deklaration von 1917 den Juden eine eigene Heimat in Palästina, während Lawrence von Arabien im Namen der britischen Regierung den Arabern ein Großarabien versprochen hatte.

Beginnender Nahostkonflikt

Seit 1918 verwaltete Großbritannien die Region und übernahm 1922 das Völkerbundsmandat für Palästina. Dort wanderten schon seit etwa 1880 jährlich einige Tausend europäische Juden ein. Unter den Bedingungen kolonialer Herrschaft prallten Zionismus und Panarabismus nun aufeinander und verstärkten sich gegenseitig. 1920 begannen arabische Nationalisten infolge der unklaren britischen Haltung im Irak, in Syrien und Palästina gegen die jüdische Einwanderung zu kämpfen, die ihrem angestrebten Großarabien im Weg stand.

1923 beschloss der Völkerbund die Teilung Palästinas. Transjordanien wurde als eigenes Mandatsgebiet etabliert. Die Rückendeckung des Völkerbundes für den Zionismus begünstigte die vierte Einwanderungswelle (Alijah) von vor allem polnischen und russischen Juden.

Im geschwächten, aber ungebrochenen deutschen Nationalismus fand das Emanzipationsstreben der Araber einen politischen Verbündeten. Wie sie selbst schienen die Deutschen von imperialistischen Großmächten eingekreist und unterdrückt zu werden. So war der Panarabismus zwischen den Weltkriegen von einer starken Sympathie für Deutschland, seine Machtansprüche und seine Kultur inspiriert.

Die jüdische Siedlungsaktivität in Palästina führte erstmals in den 1920er Jahren zu ernsthaften Konflikten mit der arabischen Bevölkerung. Der Panarabist Amin al-Husseini wollte Großsyrien mit Palästina als Südprovinz vereinen und führte 1920 dazu antijüdische Aufstände an, die sich vor allem gegen zionistische Juden richteten. Er scheiterte, wurde zu zehn Jahren Haft verurteilt und floh nach Syrien, wurde aber schon 1921 amnestiert. Nun trug Husseini entscheidend zum Entstehen eines palästinensischen Nationalismus bei. 1923 wurde er zum „Großmufti“ von Jerusalem ernannt. Die von ihm herausgegebenen Flugblätter bezogen sich kaum auf die konkrete Siedlungstätigkeit, sondern warfen den Einwanderern vor, für Freizügigkeit und Frauenbefreiung zu stehen und so die feudal-patriarchalen Strukturen ihrer Umgebung zu untergraben.

Koalitionen mit dem Nationalsozialismus

Im Zuge der Bekämpfung der neuen Nachbarn übernahmen die Panarabisten – zeitlich parallel zum Aufstieg der NSDAP in Deutschland – spezifisch antisemitische Klischees. 1927 wurden die „Protokolle der Weisen von Zion“, ein 1897 in Paris entstandenes Hetzpamphlet, erstmals ins Arabische übersetzt und in Ägypten veröffentlicht. Von da aus gelangte es in andere arabische Länder. Seither bildet es einen stets wiederkehrenden Bezugspunkt für die Gleichsetzung von Zionismus mit einer angeblichen Verschwörung eines angeblichen Weltjudentums.

Seit 1930 gab es auch in Syrien und Irak profaschistische Organisationen, die sich an Deutschland orientierten. Sie übernahmen nationalsozialistische Elemente wie Führerprinzip und Einheitspartei, nicht aber den rassistischen Überlegenheitsanspruch der „Arier“, der sich ja auch gegen sie richtete. Doch vor allem der Antisemitismus gelangte nun ungefiltert in die arabische Welt und fiel dort auf teilweise fruchtbaren Boden.

Der Großmufti Hadsch Mohammed Amin al-Husseini wurde nun eine Schlüsselfigur für die Vermittlung von NS-Ideologie nach Palästina. Im März 1933 nahm er Kontakt zur Regierung Adolf Hitlers auf, dessen Machtantritt er emphatisch begrüßte. Er wollte Islam und Nationalsozialismus ideologisch einander annähern, um die Ausbreitung faschistischer Regime in Arabien zu fördern und die zionistische Einwanderung nach Palästina zu stoppen. Dazu hoffte er auf Unterstützung der Achsenmächte.

Für die Nationalsozialisten war diese Allianz ein wichtiger Schritt, um ihren Plan der Vernichtung des „Weltjudentums“ auch im Nahen Osten umsetzen zu können. Sie sicherten al-Husseini zu, es sei das Recht der Palästinenser und Araber, die „jüdische Frage“ in Palästina und anderen arabischen Staaten in Übereinstimmung mit ihren Interessen zu lösen: und zwar mit denselben Methoden, mit denen diese Frage nun in den Achsenstaaten gelöst wird. Schon 1933 drohte Berlin Ägypten mit einem Importstopp für ägyptische Baumwolle, um auch dort antisemitische Propaganda und antibritische Politik zu fördern. Dabei half die ägyptische Muslimbruderschaft, eine 1926 gegründete, stetig wachsende Gruppe von Islamisten.

1936 gründete al-Husseini das Arabische Hochkomitee. Dieses forderte ein Verbot der jüdischen Siedlungsaktivitäten und rief zum Generalstreik gegen die britische Verwaltung auf. Daraus entwickelte sich der Arabische Aufstand, in dessen Verlauf Tausende Juden und Araber getötet und verwundet wurden, wobei die Schätzungen stark schwanken. Die Muslimbruderschaft unterstützte den Aufstand mit eigenen Einheiten und einem Aufruf zum Dschihad. Damit erreichte sie, dass nun auch in Ägypten jüdische Geschäfte boykottiert und Juden aus Ämtern und Positionen gedrängt wurden. In Palästina drangsalierten derweil „Mufti-Banden“ Juden, aber auch Palästinenser mit Kleiderordnungen und Scharia-Gerichten: das Tragen der Kufiya, des sogenannten Palästinensertuchs wurde per Todesdrohung dekretiert.

Im Zweiten Weltkrieg, vor allem nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion, nahm der Holocaust seinen Lauf. NS-Kriegsführung und Vernichtung der europäischen Juden gingen Hand in Hand. Im November 1941 reiste der Mufti nach Berlin und traf sich dort mit Hitler, Heinrich Himmler, Reinhard Heydrich und Joachim von Ribbentrop. Himmler erhob ihn in den Rang eines SS-Gruppenführers. Für den Fall eines deutschen Durchbruchs im Kaukasus erlaubte der Mufti den Nationalsozialisten die Vernichtung der arabischen Juden. Er richtete ein Büro in Berlin ein, das als Zentrale für antisemitische Propaganda, Spionage und Aufstellung islamischer Militäreinheiten zur Unterstützung der Achsenmächte in besetzten Gebieten diente. Er besuchte einige Konzentrationslager, um sich dort praktisch über die „Endlösung der Judenfrage“ zu informieren.

Als Leiter des 1942 gegründeten „Zentralinstituts für Islam“ in Berlin übernahm er Hitlers Weltsicht und setzte englisch-amerikanischen Kapitalismus und russischen Bolschewismus mit dem „Weltjudentum“ gleich, das es zu zerstören gelte. Diese Verschwörungstheorie wurde das wichtigste Bindeglied zwischen islamistischer und nationalsozialistischer Ideologie.<ref>Fleming's „Hitler and the Final Solution“, p. 101-104. Also geheime Reichssache 57 a/41</ref>

1943 verhinderte der Mufti außerdem eine geplante Ausreise von 4.500 Juden, meist Kindern, aus Bulgarien nach Palästina, indem er die deutsche und italienische Regierung zum Eingreifen veranlasste: So wirkte er aktiv am Holocaust mit.<ref>Matthias Küntzel: Fleming's Nationalsozialismus und Antisemitismus in der arabischen Welt</ref>

Diese faschistische Spielart des arabischen Antisemitismus versuchte die SS während des Afrikafeldzuges 1942 zu nutzen. Damals ließ Walter Rauff, als Gruppenleiter im Reichssicherheitshauptamt für den Bau von Gaswagen zur Ermordung von Juden zuständig, dort ebenfalls Einsatzgruppen zur Judenvernichtung aufstellen. Nach Aussage seines Vorgesetzten Walter Schellenberg, des obersten Leiters aller NS-Geheimdienste, hofften viele nordafrikanische Araber darauf, dass Hitler ihnen zu Hilfe käme, um die Juden endgültig aus Palästina zu vertreiben. Allerdings erreichten diese Maßnahmen durch den Widerstand Rommels nicht die gleichen Ausmaße wie etwa in Osteuropa.<ref> 'Beseitigung der jüdisch-nationalen Heimstätte in Palästina’. Das Einsatzkommando bei der Panzerarmee Afrika 1942</ref>

So waren Juden auch in Nordafrika und dem Nahen Osten antisemitischen Maßnahmen ausgesetzt. Juden wurden u.a. in Marokko, Algerien, Tunesien und Libyen deportiert, inhaftiert, in Konzentrationslager gesperrt, gefoltert und ermordet. Es kam u.a. auch zu Pogromen, Plünderungen und Zerstörung/Schändung von Synagogen. Im Irak töteten Soldaten und Polizisten rund 200 Juden, nachdem die prodeutsche Regierung in Bagdad gestürzt worden war.

Entwicklung nach 1945

Fortwirkende NS-Ideologie

Nach dem nationalsozialistischen Völkermord besonders am europäischen Judentum trat der offene, politische Ziele verfolgende Antisemitismus in Europa zurück. Der Antisemitismus in islamischen Ländern aber blieb bestehen und erhielt Zulauf und politische Unterstützung in einigen arabischen Staaten.

Manche Nationalsozialisten tauchten z.B. in Ägypten unter und gewannen dort teilweise wieder Einfluss: So durfte der ehemalige SS-Standartenführer Leopold Gleim dort eine Geheimpolizei nach dem Muster der Gestapo aufbauen, die die ägyptischen Juden überwachte. Louis Heiden übersetzte Hitlers Buch Mein Kampf ins Arabische und verbreitete es im arabischen Militär. Hitler übte weiterhin eine Faszination auf manche politischen und religiösen Führer arabischer Länder aus, so auf Persiens Schah Reza Pahlewi, auf Sami al Jundi, den Ex-Führer der syrischen Baath-Partei und auch auf Saddam Hussein, den späteren Diktator des baathistisch geführten Irak.

Staatsgründung Israels und israelisch-arabische Kriege

Da Juden nirgends in Europa willkommen waren und etwa in Polen bereits 1946 wieder Pogrome erleiden mussten, wurde die Gründung eines eigenen Staates für die Überlebenden der Shoa zur unabweisbaren Existenzfrage. Mit der Gründung des Staates Israel 1948 eskalierte der schwelende Nahostkonflikt in und um Palästina. Die darauf folgende Serie von Kriegen – 1948 arabisch-israelischer Krieg, 1956 Sueskrise, 1967 Sechs-Tage-Krieg, 1973 Yom-Kippur-Krieg, 1982 Libanonkrieg – sowie die Erste und Zweite Intifada der Palästinenser verstärkten die Judenfeindlichkeit in den arabischen Zivilgesellschaften. Dabei haben sich die ursprünglichen Gegensätze von arabischem Nationalismus und Zionismus einerseits differenziert, andererseits verhärtet und gesteigert.

Rezeption des Eichmannprozesses

In Teilen der Bevölkerung und den Medien arabischer Staaten blieb der unverhohlene Antisemitismus populär. So kommentierte z.B. die ostjordanische Jerusalem Times den in Israel 1961 stattfindenden Prozess gegen Adolf Eichmann so: Eichmann habe der Menschheit mit der Vernichtung von sechs Millionen Juden „einen wirklichen Segen erwiesen", und seine Arbeit werde eines Tages mit der „Liquidierung der verbliebenen sechs Millionen" vollendet werden. Hannah Arendt berichtete darüber (Eichmann in Jerusalem, 1986, S. 81):

Die Zeitungen in Damaskus und Beirut, in Kairo und Jordanien verhehlten weder ihre Sympathie für Eichmann noch ihr Bedauern, dass er „sein Geschäft nicht zu Ende geführt" habe; eine Rundfunksendung aus Kairo am Tag des Prozessbeginns enthielt sogar einen kleinen Seitenhieb auf die Deutschen, denen jetzt noch vorgeworfen wurde, dass „im letzten Krieg nicht ein deutsches Flugzeug je eine jüdische Siedlung überflogen und bombardiert" hätte.

Muslimbruderschaft

Neben dem eher säkularen Panarabismus wuchs der Islamismus seit der Staatsgründung Israels zur Massenbewegung heran. 1948 hatte die Muslimbruderschaft allein in Ägypten schon 500.000 Mitglieder. Mit zahlreichen Ablegern, unter anderen der palästinensischen Hamas, nahm sie fortan auf die Entwicklung in vielen arabischen Ländern Einfluss. Diese bildeten Zellen einer strikt anti-israelischen „Internationale“, die die antisemitische Vorkriegspropaganda nahezu ungebrochen fortsetzte. Sie leiteten aus dem Glauben an den einzigen Gott ein striktes Führerprinzip auf Erden ab, strebten das Kalifat, die Abschaffung der Demokratie und aller Parteien, die Zerstörung Israels und darüberhinaus des „Weltjudentums“ an.

Seit der Staatsgründung Israels 1948 wurde der Koran auch in offizieller islamischer Theologie propagandistisch gegen die Juden benutzt. Muslimischer wurde dabei anders als christlicher Antijudaismus religiös weniger mit Überlegenheit der Juden als teuflischen „Gottesmördern“, sondern mit ihrer im Koran verankerten Unterwerfung und Unterlegenheit begründet. Dieses Überlegenheitsgefühl wurde mit Israels Siegen in den Nahostkriegen empfindlich gekränkt. Unter anderem daraus ergab sich eine größere Aufnahmebereitschaft für Verschwörungstheorien, wonach „der Westen“ und „die Juden“ angeblich gemeinsam die Zerstörung des Islam planten.

Teilfrieden Israels mit Ägypten

Der Modernierungsdruck erzeugte auch Gegentendenzen. 1954 wurde Gamal Abdel Nasser ägyptischer Staatspräsident. Nach der Sueskrise lehnte er sich an die Sowjetunion an, ohne aber ihr System zu kopieren. Bis 1961 führte er eine Staatsunion mit Syrien, die großarabischen Träumen zeitweise Auftrieb gab. Nach einem Mordanschlag verbot er die Muslimbruderschaft, ließ viele ihrer Führer inhaftieren und einige hinrichten. Damit verlor diese an Bedeutung.

Unter Anwar as-Sadat kam es 1978 erstmals zu einem historischen Teilfrieden Ägyptens mit Israel. Dafür wurde Sadat schließlich ermordet; sein Weg der Aussöhnung mit Israel setzte sich in der arabischen Welt nicht durch.

Iranische Revolution

Mit dem Sturz Reza Pahlevis, des letzten Schahs von Persien und der Gründung des islamischen, von Ayatollahs (religiösen Würdenträgern) beherrschten „Gottesstaats“ Iran erhielt seit 1979 stattdessen der Islamismus Auftrieb. Damit wurde der alte innerislamische Konflikt zwischen Schiiten und Sunniten erneut politisch akut. Erstere fanden das Einigungsband aller Araber eher in der Hingabe an die Scharia, dem aus dem Quran (Koran) abgeleiteten theokratischen Rechtssystem, letztere eher in einem modernen, nicht unbedingt demokratischen Staatswesen nach westlichem Muster.

1990er Jahre

Die USA, die auf den Schah als Sachwalter ihrer Interessen in der Nahostregion gesetzt hatten, suchten daraufhin neue Bündnispartner. Saddam Hussein, neuer Herrscher des Irak und Führer der panarabischen sunnitischen Baath-Partei mit Hitler und Josef Stalin als Vorbildern, wurde nun ihr Günstling. Er konnte den Irak mit Technologie und rüstungstechnischem Know-how aus zahlreichen Ländern, darunter der Bundesrepublik Deutschland, versorgen. Er nutzte dies, indem er den Iran überfiel und dessen Ölfelder zu erobern suchte (siehe 1. Golfkrieg).

Zugleich unterstützten die USA auch das wahabitische Königshaus Saudi-Arabiens. Dieses bot radikalen Gotteskriegern mit Fördergeldern Kompensation, um die innere Opposition gegen die Zusammenarbeit mit den „Ungläubigen“ zu besänftigen. So kam es zum Aufbau von islamistischen Terrorzellen im Sudan, in Algerien, Marokko, Afghanistan und Pakistan. Diese wurden im antikommunistischen Partisanenkrieg in Afghanistan von den USA aufgerüstet und führten den Sturz der Sowjetunion bis 1990 mit herbei.

Der Panarabismus erfuhr nach den verlorenen Kriegen gegen Israel weitere Rückschläge mit der wirtschaftlichen und politischen Isolation Libyens seit dem Lockerbie-Anschlag 1988, dem Golfkrieg der USA von 1991 und der fehlgeschlagenen Demokratisierung Algeriens 1992. Viele Araber erlebten diese Ereignisse als Demütigung durch den Westen. Sie machten die Allianz der USA mit Israel und autokratischen arabischen Regierungen zunehmend für fehlende Entwicklungschancen der gesamten Region verantwortlich. In den Medien und der Bildungspolitik der arabischen Gesellschaften wurden Antizionismus, Antisemitismus und Antiamerikanismus nun immer mehr miteinander verschmolzen. Ungelöste Konfliktherde, Aufrüstung, Abhängigkeit vom Ölexport, Reformunfähigkeit vieler arabischer Regime schufen ein sozialpolitisches Umfeld, das die Radikalisierung von Islamisten in der Nahostregion nachhaltig begünstigte.

Nach dem Golfkrieg von 1991, der eine dauerhafte amerikanische Truppenpräsenz in der Golfregion nach sich zog, erklärten wahabitische Extremisten wie Osama Bin Laden die USA zum neuen Hauptfeind. Sie versuchten nun, den „großen Satan“, der den „kleinen Satan“ Israel decke, mit terroristischen Mitteln aus der Nahostregion zu vertreiben und auf diese Weise doch noch die Einigung der Araber herzustellen. Sie benutzten den ursprünglich eher antikolonial ausgerichteten Freiheitskampf der Palästinenser, den große Teile der gemäßigten Araber unterstützen, um ihren radikalen Kampf gegen alle Juden und „Kreuzzügler“ überall auf der Welt zu propagieren und zu Selbstmordattentaten bereite Rekruten dafür zu gewinnen.

Seit dem Oslo-Abkommen von 1993 zwischen Israel und der Palästinenserführung unter Yassir Arafat, der Ermordung Jitzhak Rabins 1995 und dem Scheitern der Friedensverhandlungen in Camp David 2000 spitzte sich der Nahostkonflikt erneut zu. Die ungelöste Jerusalemfrage, Wahlerfolge von rechtsgerichteten israelischen Politikern wie Benjamin Netanjahu und Ariel Scharon, verweigerte und verschleppte Teilabzüge Israels, neue jüdische Siedlungen in besetzten Gebieten, palästinensische Selbstmordanschläge gegen israelische Zivilisten, Korruption, Uneinigkeit, das Festhalten an unrealistischen Zielen und gewaltsame Methoden der palästinensischen Führung, tägliche mörderische Zusammenstöße mit Israels Besatzungsregime und fehlender Druck der USA haben die Umsetzung des Osloer Friedensprozesses nachhaltig verhindert.

Dies begünstigt das weitere Anwachsen eines gesamtarabischen Judenhasses. Trotz der Ablehnung des islamistischen Terror in den meisten islamischen und arabischen Ländern ist auch unter vielen gemäßigten Muslimen die durchgehende Israelfeindschaft Konsens und geht oft in generelle Judenfeindschaft über. So nannte z.B. die Al-Ahrar, ein Organ der Liberalen Partei Ägyptens, die Juden 1981 einen „menschlichen Irrtum"; Adolf Hitler habe „aus Mitleid mit der Menschheit versucht, alle Juden auszurotten". In dieser Tradition kommentierte die jordanische Zeitung Al-Sabil 1999 unverblümt:

Wir müssen von unseren Vorbildern lernen: Hitler erreichte, was den Arabern bisher nicht gelang: Er reinigte sein Land von den Juden.

Gegenwärtige Situation

Seit Beginn der 2. Intifada im September 2000 greifen arabische Nationalisten und Islamisten, aber auch gewöhnliche arabische Massenmedien offen und unverkennbar auf traditionelle antisemitische Klischees und Vorlagen aus Europa zurück. Dies wird von den meisten arabischen Staaten toleriert, um von innenpolitischen Problemen abzulenken, die unzufriedene Bevölkerung ruhigzustellen und den Zulauf zum Islamismus zu bremsen.

Teilweise fördern sie diese antisemitische Hetzpropaganda ausdrücklich: z.B. im früheren von der Baath-Partei geführten Irak, heute vor allem in Ägypten, Saudi-Arabien, Syrien, Iran und dem Jemen. Deren Regierungen waren in der Vergangenheit oft selbst nicht bereit, Palästinenser bei sich zu integrieren und wirtschaftlich zu unterstützen. Dort verbreiten Regierungsmitglieder, Medien, Bildungseinrichtungen, selbst Universitäten, mit großer Selbstverständlichkeit antisemitische Hetzpropaganda. Hier wirkt die ideologische und politische Zusammenarbeit des NS-Regimes mit früheren arabischen Regimen bis heute nach.

So finden ein arabischer „Geschichtsrevisionismus“ und die Holocaustleugnung in der arabischen Öffentlichkeit große Resonanz. Abgelehnt wird dabei stets das Selbstverständnis des Staates Israel, der seine Existenzberechtigung aus der Erfahrung der Vernichtung des europäischen Judentums ableitet. Dazu wird der Holocaust teilweise sogar als wünschenswertes Ereignis dargestellt, das der „Nakba“ entspreche, oder als ureigenes Werk der Juden selbst.

Die gesellschaftliche Akzeptanz solcher Gesinnung lässt sich an einigen besonders markanten Beispielen ablesen:

- in einem Buch des ehemaligen syrischen Außenministers Mustafa Tlas,<ref>Anne Cathrine Simon: Irvings Brüder im Geiste. (Die Presse. 22. Februar 2006)</ref>
- in der Serie „Sarahs blaue Augen" im iranischen Staatsfernsehen: Darin rauben israelische Ärzte die Organe palästinensischer Kinder, um damit den israelischen Präsidenten am Leben zu erhalten,<ref>Anti Defamation League MEMRI: „Zahras Blaue Augen“: Antisemitische Hetze aus dem Iran in türkischer Übersetzung auf Berliner Buchmesse (19. April 2006)</ref>
- in der Serie des syrischen Hizbollah-Senders Al Shatat, die u.a. einen Ritualmord an einem „Christenkind" durch Juden zeigt, die das Blut als Zutat zu ungesäuertem Brot verwenden,<ref>Michael Borgstede: Hisballah und Syrien kooperieren: Judenhass im Vorabendprogramm (Frankfurter Sonntagszeitung 22. Februar 2005)</ref>
- in Berichten der saudi-arabischen Zeitung Al-Riyadh, die behauptete, dass Juden ihre Kuchen mit christlichem und muslimischem Blut zubereiteten.<ref>MEMRI: Saudi-arabische Zeitung über die 'schrecklichen Gebräuche' der Juden zum Purimfest (15. März 2002)</ref>

Deshalb verglich z.B. der US-amerikanische Islamexperte Bernard Lewis die Dämonisierung der Juden in arabischen Staaten schon 1986 mit dem Verfolgungswahn der Nazizeit.<ref>Klemens Himpele: Antisemitismus in arabischen Staaten S. 4 (Bernard Lewis: „Treibt sie ins Meer!“ Die Geschichte des Antisemitismus 1987 S. 44)</ref>

Der Iran übernimmt heute eine Führungsrolle in der arabischen Welt in Bezug auf Verbreitung von antiisraelischer Progaganda mit antisemitischen Elementen. So präsentierte er auf der Frankfurter Buchmesse 2005 eine persische Übersetzung der Protokolle der Weisen von Zion mit einer Einleitung des Außenministeriums und der erklärten Absicht, „das wirkliche Antlitz des satanischen Feindes offen zu legen", weil der Zionismus „ein tödlicher Krebstumor" sei. Trotz der offenkundigen Mittäterschaft der Regierung Irans erstatteten deutsche Justizbehörden erst mit einiger Verzögerung Anzeige „gegen Unbekannt“.<ref>Spiegel 26. Oktober 2005: Ein sehr schaler Geschmack</ref><ref>Matthias Naß, Zeit 3. November 2005: Antisemiten in Teheran</ref><ref>Hanno Loewy, Neue Zürcher Zeitung 17. November 2005: Protokolle und Verschwörungen - über den neuen Antisemitismus</ref><ref>Anne-Catherine Simon, Die Presse 22. Februar 2006: Antisemitismus: Irvings Brüder im Geiste</ref>

Die Holocaustleugnung im Verbund mit antizionistischen und antiwestlichen Interessen ist seit den Äußerungen des iranischen Staatspräsidenten Mahmud Ahmadinedschad 2006 wieder aktuell.<ref>FAZ, 14. April 2006: Ahmadineschad leugnet abermals den Holocaust</ref><ref>Micha Brumlik, taz, 28. Juli 2006: Die Gefahr aus Teheran</ref> Er stellte die deutschen Massenmorde an den Juden Europas wiederholt als bloße Erfindung zum Schutz des Staates Israel in Frage und unterstellte, europäische Strafgesetze gegen Holocaustleugnung seien ein Verbot der Aufklärung des Holocaust.<ref>Gespräch mit Ahmadinedschad, Spiegel, 31. Mai 2006: Wir sind entschlossen</ref>

Viele westliche Medien und Politiker bewerten dies als „Naziparolen“ (Daniel Cohn-Bendit)<ref>Peter Unfried im Gespräch mit Daniel Cohn-Bendit, taz, 16. Dezember 2005: Ein Nazi in Nürnberg?</ref> und stellten zunehmende Sympathie der NPD für Irans Präsidenten fest.<ref>Max Hägler, taz, 19. Juli 2006: NPD hisst Iranflagge in Bayern</ref> Im Zusammenhang der Fußballweltmeisterschaft 2006 wurde Protest bis hin zu einer möglichen Festnahme des Präsidenten als Holocaustleugner erwogen.<ref>Holger Kulick, Mut gegen rechte Gewalt, 25. August 2006: Auch Bundestagspräsident Lammert befürwortet Zeichen gegen Ahmadinedschad</ref>

An einer Teheraner „Holocaustkonferenz“ vom November 2006 nahmen viele international bekannte Holocaustleugner und Rechtsextremisten teil, vertraten dort öffentlich ihre Holocaustleugnung und propagierten deren weltweite Verbreitung.

Quellen

<references/>

Siehe auch

Literatur

  • Johan Bouman: Der Koran und die Juden. Die Geschichte einer Tragödie. WB-Forum, Bd.53, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, ISBN 3534801237
  • Menachem Milson: Was ist arabischer Antisemitismus, 2003 (Rezension siehe Weblinks)
  • Klaus Holz: Die Gegenwart des Antisemitismus. Islamische, demokratische und antizionistische Judenfeindschaft, Hamburger Edition, HIS Verlag, Hamburg 2005, ISBN 3936096597 (Rezension siehe Weblinks)
  • Matthias Küntzel: Djihad und Judenhaß. Über den neuen antijüdischen Krieg.
  • Joel Kotek Au nom de l'antisionsme. L'image des juifs et d'Israel dans la caricature depuis la seconde Intifada Brüssel, Paris: 2003, 2005, ISBN 287027999x (nur französisch)
  • Gal Ben-Ari: Die Saat des Hasses. Juden und Israel in den arabischen Medien. Hänssler-Verlag GmbH 2002, ISBN 3775138617
  • Michael Kiefer: Antisemitismus in den islamischen Gesellschaften. Der Palästina-Konflikt und der Transfer eines Feindbildes. Ggp Media on Demand, Düsseldorf 2002, ISBN 398058612X
  • analyse+kritik: Araber, Antisemitismus und Holocaust. Zur Rezeption der Shoah in der arabischen Welt. Teil 1: Nr. 473 vom 16. Mai 2003. Teil 2: Nr.474 vom 20. Juni 2003
  • Joel et Dan Kotek: Au nom de l'antisionisme. L'image des Juifs et d'Israel dans la caricature depuis la seconde Intifada. Editions complexe, Brüssel 2005 (französisch, Sammlung von ca. 2000 antisemitischen Karikaturen aus dem arabischen Raum, Gegenüberstellung mit historischen Judenbildern)

Weblinks

Historische Genese

Antisemitische Karikaturen

Einzelsituationen

Rückwirkungen und Allianzen

he:איסלאם ואנטישמיות

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