 

Zum Wochenabschnitt vajakhel:
Der Schabath und das Stiftzelt
ACH veRAK...
Awodah veMalakhah
39 Arten der Arbeit
Bekanntlich nimmt die Beschreibung der Errichtung des
Stiftszeltes im Buche Exodus viel Raum ein. Vier ganze Wochenabschnitte
sind diesem Thema gewidmet, in zweien ist die Anweisung für den Bau
enthalten und in zweien — Wajakhel und
Pekude
— die Ausführung.
Jedem aufmerksamen Leser wird noch eine sonderbare Erscheinung im Text
auffallen, nämlich dass das Gebot der Einhaltung des Schabbat sowohl zum
Abschluss des Auftrags in "Ki-tissa"
(Kap. 31, 13-17) als auch am Anfang dieses Wochenabschnittes, Wajakhel,
erwähnt wird (Kap. 35,2).
Die Nebeneinanderstellung zweier so wichtiger Themen wie das Heiligtum
und der Schabbat soll hier von verschiedenen Gesichtspunkten aus erklärt
werden.
Im Wochenabschnitt "Ki-tissa" wird das Gebot, das Schabbatgesetz zu
halten, dreimal wiederholt: 1) "meine Sabbattage sollt ihr hüten", 2)
"Beobachtet also den Sabbat, denn heilig ist er euch", 3) "Die Kinder
Israel sollen den Sabbat beobachten, den Sabbat zu halten nach ihren
Geschlechtern als ewigen Bund."
ACH veRAK...
Zum ersten dieser drei Verse — "Jedoch meine Sabbate sollt ihr hüten"
—bemerkt Raschi: "Obschon ihr eilfertig und hurtig, voll Eifer am Werk
seid, darf dennoch der Sabbat nicht dadurch verdrängt werden." Dieser
Bemerkung fügt Raschi noch eine bekannte Regel aus der philologischen
Exegese hinzu: "Alle "ach" = jedoch, und "rak" = nur, sind
Einschränkungen — den Sabbat von der Arbeit des Heiligtums
auszuschliessen."
Betreffs der Anwedung der zitierten Regel an dieser Stelle ist Ramban
anderer Meinung. Er behauptet, dass in allen Fällen die Einschränkung
sich auf das Gebot selbst bezieht, nämlich dass das Wort "ach" (jedoch!)
die Hütung des Sabbat selbst einschränkt und damit Arbeiten gestattet
werden, die keinen Aufschub dulden, wie z.B. die Beschneidung oder die
Rettung aus Lebensgefahr. Ramban widerspricht Raschi nur in Bezug auf
die Frage, worauf sich das Wort "ach" bezieht, aber nicht in Bezug auf
den Gedanken an sich, dass die Arbeiten am Stiftzelt am Sabbat verboten
waren, was seiner Ansicht nach aus dem einfachen Sinn des Texts
hervorgeht: Verrichtet die Arbeiten am Stiftszelt, aber meine Sabbate
hütet immer und ewig!
Am Anfang unseres Wochenabschnittes — Wajakhel
— finden sich ähnliche Bemerkungen bei den verschiedenen
Erklärern. Raschi erklärt den Vers "Sechs Tage darf Arbeit getan werden,
aber am siebten Tage sei euch ein Sabbat zur heiligen Feier dem Herrn;
wer an demselben eine Arbeit tut, werde getötet" (Kap. 35,2)
folgendermassen: Er schickte die Sabbatverwarnung dem Befehl, die
Wohnung zu bauen und ihre Geräte herzustellen voraus, um zu sagen, dass
dieser nicht den Sabbat verdränge." Ibn Esra begründet die doppelte
Erwähnung des Sabbat-Gebotes im Zusammenhang mit dem Befehl, das
Heiligtum zu bauen, mit den Worten: "Obwohl ihr verpflichtet seid, das
Werk zu Ehren G"ttes auszuführen, hütet euch davor, es am Sabbat zu
tun!"
Im Gegensatz dazu, sagt Ramban, seiner oben zitierten Methode treu, zu
den Worten "Das ist, was der Herr geboten hat" (Kap. 35,1): "Das Gebot
war, das Werk des Stiftzeltes sowie aller seiner Geräte und aller
Arbeiten bei der Innenausstattung auszuführen, aber er nimmt das
Sabbatgesetz vorweg, um uns damit zu sagen, dass "was der Herr geboten
hat", d.h. der Bau des Stiftszeltes, während der sechs Wochentage
gemacht werden soll, aber nicht am siebten, der heilig ist dem Herrn.
Hieraus lernen wir also, dass die Arbeiten bei der Errichtung des
Heiligtums den Sabbat nicht verdrängen. Diese Lehre wird nicht aus dem
Gebrauch des Wortes "ach" (jedoch) abgeleitet, wie ich schon im
Abschnitt "Ki-tissa" erklärt habe."
Die Worte "am siebten Tag sei euch ein Sabbat zur heiligen Feier dem
Herrn" (Kap. 35,2) werden in der "Mechilta" so ausgelegt, als ob das
Wort "euch" besonders betont wäre: "euch sei der Tag heilig, dem
Herrn aber sei er wie ein Werktag", was nach der Erklärung im Kommentar
"Tora Temima" bedeutet, dass die Darbringung von Opfern zu einem höheren
Zweck, d.h. zur Ehre G"ttes, am Sabbat erlaubt ist. Rabbi B.H. Epstein,
der Verfasser des Kommentars Tora Temima, erhebt darauf die Frage, warum
der Bau des Heiligtums, das ebenso wie die Opfer einem höheren Zweck
gewidmet war, eigentlich nicht den Sabbat verdrängt.
Er selbst beantwortet seine Frage mit der Feststellung eines
grundsätzlichen Unterschiedes zwischen der Darbringung von Opfern
einerseits und dem Bau des Stifzeltes andererseits: Die Darbringung
der Opfer ist an eine bestimmte Zeit gebunden, und das Versäumnis, ein
für den Sabbat angeordnetes Opfer darzubringen, würde die Aufhebung
eines ausdrücklichen Gebotes bedeuten, was beim Bau des Heiligtums nicht
der Fall ist, für den kein bestimmter Tag und kein bestimmter Termin
angegeben ist.
Quelle: Rabb. Bernhard S. Jacobson Binah
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Bina baMikra
Die Wochenabschnitte der Tora,
erläutert von Rabb. Bernhard S. Jacobson.
Toralernen anhand der 52 Sidrot. Anhand
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Morascha Verlag - Basel |
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