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Gebete zum Abschluss des Jom Kippur - Neila
Buch der Psalmen Kap. 32 LB ÷øô íéìäú
ìéëùî ãåãì
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Von David - eine Belehrung:
Sefer Tehilim 32

Nach Raw Samson Rafael Hirsch

.äàèç éåñë òùô-éåùð éøùà 01

1. Aller Fortschritt ist dessen, der hocherprobt ist gegen Verbrechen, geschützt ist vor Vergehen.

Kap. 32. V. 1. Nach Pessachim 117a: Psalmen, die mit Maskil überschrieben sind, deren Inhalt ist ein "Lehrvortrag", bei welchem zu Zeiten der Weisen ein "Erklärer" dem Lehrenden assistierte. Belehrung ist daher auch die Tendenz unseres Psalms, wie ja auch V.8 ausspricht (...êìú åæ-êøãá êøåàå êìéëùà). Gegenstand dieser Belehrung ist die Selbsterkenntnis und das Selbstbekenntnis vor Gott, wenn wir gefehlt haben.
Nesuj-Pesch'a (Nasa/Nesah), gehoben über und erprobt gegen Verbrechen: Glücklich der, der hocherprobt ist gegen Verbrechen, geschützt ist vor Vergehen. Von jedem Pesch'a frei zu bleiben, dazu reicht die eigene sittliche Energie des Menschen aus, vor jeder Chataah, jedem absichtlosen, unvorsätzlichen Vergehen geschützt zu bleiben, dazu gehört besonderer göttlicher Beistand. Glücklich, von wem beides ausgesagt werden kann: äàèç éåñë und òùô-éåùð, wem also weder vorsätzliches noch unvorsätzliches Unrecht vorzuwerfen ist.
Aschrej siehe Ps. 1, 1.

 .äéîø åçåøá ïéàå ïåò åì äåäé áùçé àì íãà éøùà 02

2. Aber auch des Menschen ist der Fortschritt, dem Gott nicht Sünde zu gedenken braucht, in dessen Gemüt selbst keine Täuschung ist.

V. 2. Aber auch der Mensch ist glücklich, dem, wenn er gesündigt hat, Gott, in Bestimmung des ihm zu erteilenden Geschickes, die Sünde nicht zu gedenken, nicht anzurechnen hat, d.h. den Gott nicht erst durch Leiden an begangenes Unrecht erinnern und zur Besserung veranlassen muss, der sich selbst im eigenen Gemüt über sich nicht täuscht, der einen bestechungslosen Richter im eigenen Innern trägt.

 .íåéä-ìë éúâàùá éîöò åìá éúùøçä-éë 03
 .äìñ õé÷ éðáøçá éãùì êôäð êãé éìò ãáëú äìéìå íîåé éë 04

3. Denn als ich mich schweigend verhielt, schwanden meine Gebeine, indem ich zu schreien hatte den ganzen Tag.
4. Denn tags und nachts lag schwer auf mir Deine Hand, war mein Lebenssaft in Sommerglutendürre umgewandelt.

V. 3.4. éúùøçä-éë Das habe ich an mir selbst erfahren. Gott hatte mir Leid gesandt, um mich dadurch zur Einkehr in mich selber zu mahnen. Ich schwieg aber dieser Aufforderung gegenüber, wörtlich ja: ich blieb der Aufforderung gegenüber taub (siehe Ps. 28, 1), weder erkannte ich, noch gestand ich meinen Fehler ein. Da wuchs mein Leid fast bis zur völligen Entkräftung, éãùì, siehe baMidbar 11, 8, wo ãùì HSMN Ölfettigkeit bedeutet. Hier daher wahrscheinlich: Mark, oder- vielmehr im Gegensatz zu õé÷ éðáøç: der Lebenssaft.

  éìò äãåà éúøîà éúéñë-àì éðåòå êòéãåà éúàèç 05
.äìñ éúàèç ïåò úàùð äúàå äåäéì éòùô      

5. Wie aber mein Vergehen ich Dir bekannte, meine Sünde nicht verhehlte, wie ich nur sagte: ich will über meine Verbrechen Gott bekennen, da hattest Du schon das Sündhafte meines Vergehens fortgehoben.

V. 5. Wie ich aber mein Vergehen nicht nur selbst erkannte, sondern auch Dir, Gott, gegenüber aussprach und mein Unrecht nicht bemäntelte, ja, wie ich nur mich entschloss, meine bewusstvollen Sünden Gott zu bekennen, da hattest Du schon das Sündhafte meines Vergehens fortgehoben.
- In jedem, selbst unvorsätzlichem Vergehen liegt eine der Sühne sehr bedürfende Schuld. Es ist die Schuld des Leichtsinns, des Mangels an ernster Pflichttreue, die jeden Schritt, jedes Wort, jeden Gedanken auf ernster Waage der pflichtgemäßen Würdigung wägt, und nicht gleichgültig ist gegen die vor Gott zu bewährende Gesetzlichkeit unseres ganzen Wandels. Vgl. Pent. Wajikra 16, 16. Mit der Erkenntnis und dem Bekenntnis des Unrechts und der in jedem Leichtsinn liegenden Schuld tritt der Pflichternst wieder in sein Recht, und findet in dieser Wiederkehr der rechten Gesinnung
éúàèç ïåò seine Sühne.

 óèùì ÷ø àöî úòì êéìà ãéñç-ìë ììôúé úàæ-ìò 06
 .åòéâé àì åéìà íéáø íéî      

6. Darum suche jeder in Liebe sich Hingebende Urteilsklarheit Dir gegenüber zur Zeit der Heimsuchung. Nur zum Fortschwemmen kommende mächtige Fluten gelangen dann bis zu Ihm nicht.

V. 6. Wie schon aus Pent. Bereschit 20, 7 entwickelt, bedeutet HTPLL (Hitpalel) eigentlich sich mit Erkenntnis und Anerkenntnis der Wahrheit durchdringen und so die rechte Einsicht über sich selbst und alle seine Beziehungen erringen. Die Wurzel PLL heisst ja: urteilen, richten. Diese eigentliche Bedeutung tritt hier ganz besonders hervor. Darum, d.h. weil dem Gott dienenden Menschen alle äußeren Leiden nur zur Weckung des rechten inneren Lebens kommen, darum nehme ein solcher, so oft er Leiden im Anzug sieht, Veranlassung in sich zu kehren und die rechte Einsicht und das rechte Urteil über sich, über seine Vergangenheit und Gegenwart und über das zu gewinnen, was Gott in Zukunft von ihm verlangt. Ganz so wie die Weisen (Berachot 5a) lehren: fortschwemmen, auch: abschwemmen, abspülen, das Ungehörige durch Wasser entfernen. Daher hier von Leiden, wie so oft unter dem Bild von Wasserfluten: Mächtige, nur zum Vernichten oder Entfernen des Ungehörigen kommende Leiden erreichen den, der zeitig zur Einkehr und Besserung sich wendet, nicht. Allerdings erreichen einen solchen auch Leiden, und oft schwere, heftige Leiden. Allein es sind dies nicht Leiden leSchetef, sondern prüfende, durch Prüfung die sittliche Kraft noch erhöhende Leiden, die ebendaselbst die Weisen Jsurim schel Ahawah nennen.

 .äìñ éðááåñú èìô éðø éðøöú øöî éì øúñ äúà 07

7. Du selbst bist Schirm mir dann, bewahrst vor Not mich, lässt Rettungsjauchzen mich umgeben.

.éðéò êéìò äöòéà êìú åæ-êøãá êøåàå êìéëùà 08

8. Ich will dich belehren und dich unterweisen in dem Weg, den du zu gehen hast, ich möchte meine Erfahrung für dich raten.

V. 8. Hier folgt nun die eigentliche Belehrung, die die Überschrift Maskil veranlasste, und zu welcher das Bisherige die Begründung bietet. Askilekha wörtlich: ich will Dich Deinen Verstand zu verständigem Auffassen und Urteilen betätigen lassen, Dich zum verständigen Nachdenken veranlassen. VeOrkha und will das, was ich als wahr erkannt habe, in dein Inneres pflanzen (siehe Pent. Bereschit Hirsch S. 404).
éðéò êéìò äöòéà bei J'az bezeichnet den Gegenstand, auf welchen sich ein Rat oder ein Beschluss bezieht. So Ps. 83,4, êéìò äöòéà: ich will einen Rat erteilen, dessen Gegenstand du selber bist, ich will für dich raten, und zwar: 'Ejni, das, was ich wahrgenommen, was ich erfahren habe. So wie 'Ajin übertragen nicht das Auge, sondern die vom Auge wahrgenommenen Beschaffenheiten der Dinge bedeutet, s. vgl. baMidbar 11,7, Jecheskel 1,7 u. das. 1,22. So bedeutet es hier das von meinem Auge Wahrgenommene, die an mir gemachte Erfahrung bezeichnen. Dieser Rat lautet:

  ïéáä ïéà ãøôë ñåñë åéäú-ìà 09
.êéìà áø÷ ìá íåìáì åéãò ïñøå-âúîá     

9. Seiet nicht wie Ross und Maultier einsichtslos; dessen Schmuck ist es, mit Gebiss und Zaum gezügelt zu werden, dass es dir nicht nahe.

V. 9. Seiet nicht wie unvernünftige Tiere, denen nur durch Gebiss und Zaum zu zügelnde Unbändigkeit geziemt, ja denen eine solche unbändige Stärke zur Zierde gereicht, vielmehr zeigt darin, dass ihr mit Vernunft begabte Menschen seid, dass Gott nicht erst durch schwere Leiden euch zur Einsicht zu bringen braucht, vielmehr der leiseste Gottes-Fingerzeig genügt, um euch zur Erkenntnis, zur Besinnung und zur sich selbst zügelnden Beherrschung zu bringen. åéãò: des Pferdes und Maultieres Zierde ist es, áø÷ ìá íåìáì åéãò ïñøå-âúîá kommt im Rabbinischen wiederholt als schließen, sperren vor. So in Bechorot 40a (íåìáì). Wir glauben, dass Ijow 26,7 (íìá) auch heißt: er lässt die Erde getragen werden von dem sich gegenseitig "zügelnden" Gleichgewicht der Kräfte. Chulin 89a wird dieses BLIMH in Ijow ebenfalls als Substantiv von BLM zum Beleg für die Sentenz gebraucht: Ejn haOlam mitkajem ele bischwil mi schebolem 'azmo... Die Welt erhält sich nur um desjenigen willen, der sich im Moment des Streites schweigend zu beherrschen weiss.

 .åðááåñé ãñç äåäéá çèåáäå òùøì íéáåàëî íéáø 10

10. Viele Leiden sind nur für den Gesetzlosen, wer aber in Gott vertraut, den umgibt mit Liebe Er.

V. 10. Es gibt viele Leiden, die nur für den dem Gottesgesetz sich nicht Unterordnenden kommen. Der aber, der nur bei Gott Schutz sucht, und daher, wenn er gefehlt hat, nur daran denkt, sich dieses Schutzes wieder würdig zu machen, den umgibt diese Hingebung mit einem Schutz, oder: den umgibt Gott schützend mit Liebe.

 .áì-éøùé-ìë åðéðøäå íé÷éãö åìéâå äåäéá åçîù 11

11. Freut euch darum Gottes, freut euch mit lauter Freude, Gerechte; lasset aber auch heiterfroh werden alle, die geraden Herzens sind.

tehilimV. 11. Darum — dies ist das Resultat des Ganzen — íé÷éãö, (Zadikim) diejenigen, die nicht von der Pflichttreue gewichen, die haben allerdings in allererster Linie sich zu freuen, allein auch diejenigen brauchen die Heiterkeit nicht zu verlieren, die áì-éøùé (Jeschirej Lew) sind, jene, von denen es in V.2 heisst, dass äéîø åçåøá ïéà (Ejn beRuham Ramajah), dass sie keine Selbsttäuschung üben, und, wenn sie gefehlt haben, in Geradheit und Aufrichtigkeit des Urteils ihr Unrecht erkennen und bekennen.
åðéðøä ist wie in Dewarim 32, 43, Ijow 29, 13, einen Betrübten aufheitern (neranana). Zu RNN siehe auch Ps. 33, 1.

Glücklich sind die, deren Schuld vergeben ist, deren Sünde zugedeckt wurde.
Glücklich ist der Mensch, dem Gott seine Vergehen nicht anrechnet, und in dessen Geist keine Unehrlichkeit ist.
Ich wollte meine Schuld verschweigen, doch davon wurden meine Knochen morsch, weil ich den ganzen Tag stöhnte.
Tag und Nacht lag deine Hand schwer auf mir, sie ließ meine Lebenskraft verdorren wie in der schlimmsten Sommerhitze.
Meine Sünde will ich dich wissen lassen, und meine Schuld will ich nicht vertuschen. Ich spreche: "Ich bekenne Gott meine Freveltaten."
Da hast du meine Schuld und Sünde vergeben. Deshalb beten alle Glaubenden zu dir: du lässt dich zur rechten Zeit finden, und wenn Wasserfluten gegen sie anströmen, werden sie nicht mitgerissen.
Du bist mein Schutz. Du rettest mich aus der Not.
Mit Rettungsjubel umgibst du mich. Ich will dich unterweisen und dir den Weg zeigen, den du gehen sollst. Ich will dich beraten. Ich gebe auf dich Acht. Sei nicht wie ein unverständiges Pferd oder Maultier, das man mit seinem Schmuck, Zaumzeug und Zügel, bändigt - Das sei dir ferne!
Ein Ungerechter hat viele Schmerzen zu erleiden, wer aber auf Gott vertraut, ist von Liebe umgeben.
Freut euch über Gott, jubelt, ihr Gerechten!
Jubelt laut, alle ihr Rechtschaffenen!

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