Artikel
zum Thema 'Awodah sarah' - 1.Teil
Am 15.03.2003, das ist im hebräischen Kalender der 11.
Adar b des Jahres 5763, beginnt nach dem siebenjährigen Zyklus des
Talmudstudiums das Studium des Traktats Awodah sarah.
Der 'fremde Dienst':
Götzendienst - Awodah sarah
Schon die früheste
Geschichte Israels beginnt mit der Verurteilung des Götzendienstes und schon
Awraham
(1)
setzt sich mit der Ohnmacht materialisiert-statuierter Gottheit auseinander.
Aus Awrahams Erkennen des 'Einen Einzigen G'ttes', der Himmel und Erde
erschaffen hat, folgt seine Berufung und damit auch die Verpflichtung
Israels zur Arbeit (Awodah) für den 'Einen Einzigen G'tt'.
Viele Rabanim
(Torah-Lehrer) sehen im Götzendienst eine 'niedere Neigung des Menschen',
welche in der gesamten Menschheit, so auch im jüdischen Volk, ihren Ausdruck
findet. Während sich die Völker dem heidnischen Trieb hingeben, versucht
Israel beständig sich von diesem Trieb zu befreien. Noch im 15.Jahrhundert
(allg. Zeit) eröffnet Josef Karo (Toledo 1488 - Zfath 1575) den Schulhan
Arukh mit dem Aufruf zur 'Überwindung des Götzendienstes".
Bis zum heutigen Tage
heisst es in allen Synagogen der Welt, im
Alenu-Gebet: "An uns (Alenu) ist es, zu loben den Herrn des Alls,
Grösse zu bezeugen dem Erschaffer des Anbeginns, dass er uns nicht
geschaffen wie die Völker der Länder...".
"Darum hoffen wir auf dich - unseren G'tt, in Bälde zu sehen die Pracht
deiner Stärke, die Greuel von der Erde zu schaffen und die Götzen zu tilgen.
Die Erde in ihre Ordnung zu bringen (Tikun Olam) in der Herrschaft des
Allumfassenden, und dass alle Kinder des Menschen deinen Namen erkennen...".
- Das II. Gebot (Übersetzung
Buber-Rosenzweig):
"Nicht sei dir andere G'ttheit mir ins Angesicht.
Nicht mache dir Schnitzgebild, - und alle Gestalt, die im Himmel oben,
die auf Erden unten, die im Wasser unter der Erde ist, neige dich ihnen
nicht, diene ihnen nicht, denn ICH dein G'tt bin ein eifernder G'ttherr,
zuordnend Fehl von Vätern ihnen an Söhnen, am dritten und vierten Glied,
denen die mich hassen, aber Huld tuend ins tausendste denen die mich
lieben, denen, die meine Gebote wahren".
- Das III. Gebot (Übersetzung
Buber-Rosenzweig):
"Trage nicht SEINEN deines G'ttes Namen auf das Wahnhafte, denn nicht
straffrei läßt ER ihn, der seinen Namen auf das Wahnhafte trägt".
Die Schrift berichtet ausführlich vom
Ringen um die Erfüllung des zweiten Gebots. Die Ablehnung des Götzendienstes
wiegt soviel wie die gesamte Lehre. Neben Blutvergiessen und Inzest ist es
der 'fremde Dienst', dessen Verweigerung selbst unter Androhung des
Märtyrertodes (Heiligung des Namens - Kidush haShem) verlangt wird.
Die Herrschaft von Furcht und Schrecken
und die Opferung des Menschen
Götzendienst ist die Herrschaft von
Furcht und Schrecken - die materialisierte Unfreiheit des Menschen. In der
Gebundenheit an materielle Götzen kann die Thorah, die 'Heilige Lehre' - der
Baum des Lebens, nicht wachsen und gedeihen. Von den TaRJaG (613) Mizvoth
der Thorah richten sich 50 gegen den Götzendienst.
Trotzdem erfolgte die
Auseinandersetzung mit dem 'fremden Dienst' (das ist der Dienst nicht am
'Einen Einzigen') weniger auf der intellektuellen als vielmehr auf der
moralischen Ebene. Die Lehrer waren schlichtweg entsetzt über die Praxis der
Menschenopfer. Kein Aspekt des 'fremden Dienstes' hat sie mehr empört als
die Opferung von Kindern. Die Priester 'heidnischer Gottheiten' versetzten
ihre Anhänger derart in Schrecken, dass diese zur Besänftigung der Götzen
sogar zur Opferung ihrer Erstgeborenen bereit waren.
Vajikra 18-21:
"Und von deinem Samen gebe nicht durch das Feuer zu führen,
den Moloch zu ehren. Entweihe nicht den Namen deines G'ttes.
Ich bin der EWIGE".
Solche Praxis wurde bereits in den
Tagen Abrahams abgelehnt (Akedath Jizhak - die Bindung Jizhaks). Wenn die
Propheten sich in aller Schärfe gegen den Götzendienst wenden, dann setzen
sie sich nicht mit den 'glaubensmäßigen Inhalten' solcher Kulte auseinander,
sondern sie verurteilen auf das Entschiedenste die diesen Kulten
innewohnende Bestialität. Die frühen Götzendiener, und mit besonderer
Abscheu bezieht sich dies auf die im Lande Knan (Kanaan) lebenden 'sieben
Nationen', dienten einer Vielzahl von Göttern. Ihr Kult verlangte ihnen
keine Liebe ab - im Gegensatz zur Lehre Israels: "Du sollst den Ewigen
deinen G'tt lieben...".
Keines der Gebote wendet sich gegen
den Atheismus. Die meisten Weisen interpretieren dies dahingehend, dass die
Lehre den Atheismus einfach nicht anerkenne. Sie meinen, dass die Ablehnung
G'ttes unweigerlich zur Verehrung anderer 'Konzepte' führt. Jeder Dienst der
nicht auf G'tt gerichtet ist, ist 'fremder Dienst' - Götzendienst.
Die Würde aller Menschen
Bei aller Entschiedenheit in der
Abgrenzung vom Götzendienst geben uns die Weisen klare Vorschriften an die
Hand, die uns helfen sollen, den Götzendienst zu erkennen und Richtlinien
bieten für den Umgang mit dessen Anhängern.
Nicht alle Menschen aus den Völkern
(Gojim) sind per se Götzendiener und nicht jede Lehre außerhalb des
Judentums ist Götzendienst.
Selbst im Umgang mit dem Götzendiener
sind wir zu respektvollem Umgang, zur Achtung seiner menschlichen Würde und
zur Wahrung seiner menschlichen Bedürfnisse verpflichtet. In Gittin 61
lehren unsere Lehrer - und dieser Abschnitt bezieht sich (s. Kizur Shulhan
Arukh 167/13) auf die schlimmsten der Götzendiener, die 'Heiden aus den
sieben Völkern': "Man versorge die Armen aus den Völkern mitsamt den Armen
Israels, man besuche die Kranken derer aus den Völkern wie die Kranken
Israels, man begrabe die Toten derer aus den Völkern mitsamt den Toten
Israels - um des Friedens willen".
Ein Vergleich zwischen oben erwähntem
§13 und dem §10 des Kap. 167, in welchem es heisst: "Jede
Verspottung ist verboten, außer der Verspottung von Götzendienst - diese ist
erlaubt", scheint zur Unterscheidung aufzurufen - zwischen dem
Götzendiener und dem Götzendienst. Wie immer ist auch hier die Lehre sehr
differenziert und 'vorsichtig im Urteil'.
Fortsetzung >> Teil 2 -
Sei vorsichtig im Urteil:
Verachtung und Beleidigung
(1) Siehe zB More newuchim III.Buch
[Übersicht]
dg / haGalil onLine 12-01-2000
Aus dem Wochenabschnitt
Schoftim (Dewarim 17):
...Wenn du in das Land kommst, das
der Ewige dir gibt, so lerne nicht, solche abscheulichen Dinge zu tun wie
diese Nationen tun. Niemand sei unter dir zu finden, der seinen Sohn oder
seine Tocher durch das Feuer führt, der Ahnungskünste treibt, Zeitwähler
(Wolkenbefrager), Vogeldeuter (Schlangenbeschwörer) oder Zauberer,
Tierbeschwörer, Schwarzkünstler, Zeichendeuter oder Totenbefrager sei. Denn
wer dies tut, ist dem Ewigen ein Gräuel, und eben um dieser Gräuel willen
treibt der Ewige, dein Gott, jene vor dir aus. Du musst dich ganz an den
Ewigen, deinen Gott, halten. Jene Völker, die du vertreibst, hören freilich
allerlei Zeitwähler und Ahnungskünstler. Du aber, dir hat der Ewige, dein
Gott, solches nicht beschieden. Einen Propheten aus deiner Mitte, aus deinen
Brüdern, wie ich bin, wird er dir stellen, dem ihr gehorchen sollt. So wie
du am Berg Chorew, am Tag der Versammlung, den Ewigen, deinen Gott, gebeten
und gesprochen hast: "Lass mich die Stimme des Ewigen, meines Gottes, nicht
mehr hören und dieses entsetzliche Feuer nicht mehr sehen, sonst bin ich des
Todes."
Da denn der Ewige zu mir sprach: "Sie haben wohl geredet! Ich will ihnen
auch einen Propheten aus ihren Brüdern, wie du bist, stellen. Diesem will
ich mein Wort in den Mund legen und er soll ihnen vortragen, was ich ihm
befehle. Wer dann meinem Wort ungehorsam ist, das der Prophet in meinem
Namen vorträgt, von dem will ich es fordern, doch ein Prophet, der Frevel
begeht in meinem Namen, um zu verkündigen, was ich ihm nicht befohlen habe
oder um im Namen anderer Götter zu verkündigen, derselbe Prophet soll
sterben.
Würdest du aber in deinem Herzen sprechen: "Wie kann ich erkennen, welches
Wort der Ewige nicht gesprochen hat?" Wenn der Prophet im Namen des Ewigen
etwas verkündigt und es geschieht nicht und trifft nicht ein, so hat der
Ewige dieses Wort nicht gesprochen. Der Prophet hat es aus Frevelmut erdacht
und du darfst dich vor ihm nicht scheuen...
Die hier ausgeführte
Betrachtungsweise erhebt keinen Anspruch auf allgemeine oder gar
ausschließliche Gültigkeit. Eine umfassende und allen Aspekten der Thematik
gerecht werdende Erörterung ist hier weder möglich, noch wurde sie versucht.
Dies alles mag selbstverständlich sein, in Anbetracht der hasserfüllten
Atmosphäre (Januar 2000) in einigen Diskussionsgruppen ist es trotzdem
erwähnenswert. |