antisemitismus.net / klick-nach-rechts.de / nahost-politik.de / zionismus.info

Judentum und Israel
haGalil onLine - http://www.hagalil.com

 
Hier finden Sie archivierte Buchbesprechungen aus den 90er Jahren. Aktuellere Besprechungen finden Sie unter buecher.hagalil.com oder in den täglich aktuellen Nachrichten von haGalil.com...

 

[buecher.judentum.de]
 
Die Herausgeber Zum Buch Text Stimmen

Kurze Inhaltsangabe

Mit dem Holocaust weiterleben:
Juden in der Schweiz erzählen, wie sie den Holocaust überlebt haben

Geboren zwischen 1913 und 1935 in Bratislava, Berlin, in Antwerpen oder dem polnischen Kielce, in Rumänien oder Ungarn, aufgewachsen in orthodoxen oder assimilierten Familien, im Handwerkermilieu oder als Kind von Kaufleuten, haben die zehn Interviewpartner einen sehr unterschiedlichen religiösen, kulturellen und auch sprachlichen Hintergrund. In ausführlichen Gesprächen schildern sie ihr Leid während der nationalsozialistischen Verfolgung und ihre Erfahrungen nach der Aufnahme in der Schweiz.

Neben der individuell erlittenen Diskriminierung, den Erfahrungen im Versteck oder Konzentrationslager, bei der Zwangsarbeit oder auf der Flucht, zeugen ihre Erinnerungen von der kollektiven Verfolgung und Ermordung des jüdischen Volkes. Zugleich zeigen die Interviews, wie Überlebende in ihren Berufen, den neu gegründeten Familien, der Kunst oder in religiösen wie politischen Verpflichtungen einen Weg finden mussten, mit dem Holocaust weiterzuleben.

Die Herausgeber: Raphael Gross, geboren 1966 in Zürich, Assistent am Lehrstuhl für Neuere und Neueste Geschichte der Ruhr-Universität Bochum.
Eva Lezzi, geboren 1963 in New York, Dissertation über literarische Kindheitsautobiographien zur Shoah, Lehrbeauftragte an der Universität Potsdam.
Marc R. Richter, geboren 1961 in Bern, engagiert sich als Rechtsanwalt für Themen im Zusammenhang mit dem Verhalten der Schweiz während des Zweiten Weltkrieges.

oben
Textprobe
Inhaltsverzeichnis

Einleitung

«Das einzige, was mir geblieben ist, ist das Denken. Das hat mir niemand verbieten können.»
Interview mit Jan Noach Trajster

«Dieses völlige Alleinsein – so bin ich durch die Welt gegondelt.»
Interview mit Golda L.

«Es war eine Welt, die ihre Wirklichkeit verloren hatte.»
Interview mit Josef H.

«Ich habe die Schweiz immer als meine Heimat betrachtet.»
Interview mit Reine Seidlitz

«Die Schweiz hatte gar keine andere Wahl als zu kollaborieren, und sie kollaborierte …»
Interview mit Roland Kirilovsky

«Die Welt muß wissen.»
Interview mit Fischl Rabinowicz

«Ich war immer Ausländerin, seit meiner Geburt.»
Interview mit Theodora D.

«Wie wird man mit dieser Wut fertig?»
Interview mit Judith Meyer-Glück

«Wenn der Messias käme, der würde uns hier nie finden.»
Interview mit Eduard Kornfeld

«In der Tiefe meines Herzens bin ich ein Jude. Das kann man nicht aus mir herausschlagen, nicht einmal Auschwitz.»
Interview mit Otto Klein

«Wir Überlebenden, wir sollten die Toten nicht alleine lassen …»
Interview mit B-8326 

Glossar

Zurück
Pressestimmen / Rezensionen
Stimmen
Jüdische Rundschau vom 4. November 1999
Stimmen
Rezensionen

Jüdische Rundschau vom 4. November 1999

«Wichtiges Zeichen gegen Revisionismus»

Ein neues Buch dokumentiert erstmals Leben und Alltag von Holocaust-Überlebenden in der Schweiz

Der Zürcher Rechtsanwalt Dr. Marc R. Richter hat jetzt, gemeinsam mit den Historikern Raphael Gross und Eva Lezzi, im Limmat Verlag ein Buch veröffentlicht, das hierzulande eine eigentliche Premiere ist: In «Eine Welt, die ihre Wirklichkeit verloren hatte ...» schildern jüdische Überlebende des Holocaust, die alle in der Schweiz wohnen, ihren Alltag und ihre Geschichte. Die in diesem Band versammelten Interviews wollen nicht die Erinnerung an den Holocaust wachhalten, sondern auch bewusst ein Zeichen gegen den Revisionismus setzen. Der Historiker Prof. Dr. Jakob Tanner (Universität Zürich) wird dieses Zeitdokument am kommenden 27. November in Zürich der Öffentlichkeit vorstellen.

Die Geschichte derjenigen Holocaustüberlebenden, die sich in der Schweiz eine neue Existenz aufgebaut haben, ist bislang nur ungenügend erforscht. Dies lässt s ich zum einen darauf zurückführen, dass Forschung und Publizistik erst vor wenigen Jahren damit begonnen haben, ihr Augenmerk auf diese lang verdrängte Thematik werfen. Zum andern hängt es auch damit zusammen, dass viele Holocaustüberlebende das selbst erlebte Trauma des Zweiten Weltkrieges (Flucht, Aufenthalte in Konzentrationslagern, Verlust von Bekannten und Familienangehörigen) auch über 50 Jahre nach Kriegsende nicht bewältigt haben. Wie wissenschaftliche Untersuchungen der Organisation Amcha – die Überlebende des Holocaust in Israel psychologisch betreut – zeigen, leidet das Gros dieser von der nazistischen Verfolgung unmittelbar Betroffenen bis heute an den Spätfolgen des Erlittenen. Selbst mittels aufwendiger psychologischer Betreuung können die entstandenen Verletzungen meist nie ganz geheilt werden. Viele Überlebende ziehen es vor, ganz in ein «neues» Leben einzutauchen und die dunkle Vergangenheit zu verdrängen. Oft erzählen sie auch ihren nächsten Nachkommen nichts über das, was sie unter Hitler erlebten.

Elf Holocaustüberlebende im Gespräch

Umso erstaunlicher mag es scheinen, dass im jetzt erschienenen Interview-Band «Eine Welt, die ihre Wirklichkeit verloren hat ... » elf in der Schweiz lebende jüdische Überlebende offen und direkt über ihre schmerzliche Geschichte Auskunft geben. Es sind dies Erfahrungen, die auf unprätentiöse Weise von Verfolgung und Verlust, aber auch dem Aufbau einer neuen Existenz berichten.

Was diesen Menschen widerfahren ist, wird meist in einfachen Worten erzählt, ohne Ausschmückung und unnötige Dramatisierung. Stellvertretend für viele stehen die Aussagen des Josef H., der aus Rücksicht auf seine Privatsphäre anonym bleiben will. Als Vierzehnjähriger wurde' er aus der Tschechoslowakei in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, studierte später in der Schweiz Medizin und praktiziert heute als Arzt in Zürich. Wie viele Zeitzeugen erinnert er sich noch immer präzise an die Details seines Aufenthalts im KZ. «Das wer entsetzlich», antwortet er im Buch auf die Frage, wie es im Lagerblock gewesen sei. «Wir lagen etwa m zweit oder dritt in einem Bett, jeder mit seiner Decke, auf die er aufpasste, denn sonst wäre man erfroren. Wir waren abgestumpft, keiner kümmerte sich um den anderen. Manchmal stand man am Morgen auf, und ein Teil blieb tot liegen. jede Nacht starben fünfzehn bis zwanzig Häftlinge. Es war ein richtiges Vemicht@gslageuegime.» Diese einfache und zugleich exakt beschreibende Sprache findet sich in nahezu allen in diesem Band versammelten Interviews und unterstreicht den ausgeprägt dokumentarischen Charakter des 220 Seiten starken Werkes. Viele Interviews sind von einer solchen sprachlichen Dichte, dass man sie mehrmals lesen muss, um die ganze Fülle der Aussagen zu erfassen.

Ein Zeitzeugnis schaffen

Der Zürcher Dr. Marc Richter ist Anfang 1997- inmitten der Diskussionen um die Schweizer Holocaustgelder-auf die Idee gekommen, das jetzt vorliegende Buch zu erarbeiten. Als Rechtsanwalt beschäftigt er sich oft mit Themen, die mit dem Verhalten der Schweiz im Zweiten Weltkrieg in Zusammenhang stehen. «D@als habe ich realisiert, dass es hierzulande kein historisches Buchdokument gibt, das klar aufzeigen würde, was in der Schweiz lebenden Opfern der Schoah als Einzelschicksal widerfahren ist», sagt er. «Ich habe deshalb beschlossen, gemeinsam mit den Historikern Raphael Gross und Eva Lezzi, die sich in ihrer Dissertation dem Thema (Literarische Kindheitsautobiographien zur Schoah) gewidmet hat, ein aussagekräftiges Dokument zu erarbeiten, das gleichzeitig als Zeitzeugnis dient.» Das Hauptproblem bei den fast zweijährigen Recherchearbeiten lag nicht so sehr darin, Holocaustüberlebende für die sehr persönlich gestalteten Interviews ausfindig zu machen, sondern einen repräsentativen Querschnitt von gesprächswilligen Personen zu finden. «Die im Buch vorgestellten Menschen kommen aus den verschiedensten sozialen Schichten», weiße Richter. «Und sie üben auch die unterschiedlichsten Berufe aus. Viele von ihnen sind in ihrem Tagesprogramm so ausgefüllt, dass es oft nicht einfach war, einen Interviewtermin zu finden.» Dass sie nirgendwo zur Ruhe kommen und von der Geschichte beinahe wieder eingeholt werden, beschäftigt viele der Interviewten. So befassen sie sich auch mit dem hiesigen Antisemitismus, der anlässlich der jüngsten Debatten uni die Rolle der Schweiz im Zweiten Weltkrieg wieder aufgeflammt ist. «Ich glaube», sagt Josef H. stellvertretend für viele andere, «Antisemitismus ist eine Sache des Charakters. Solche Züge werden verstärkt durch Begebenheiten wie beispielsweise die Debatte um die Holocaustgelder. Die Leute sagen dann: ‹Aha, wir haben es ja immer gewusst, die Juden wollen immer nach Geld und Macht greifen!› Dass einer ganz plötzlich Antisemit wird, weil amerikanische Juden sich für Zahlungen an die Opfer einsetzen, kann ich mir nicht wirklich vorstellen. Sich Schuld einzugestehen macht niemand gerne. Dass die Schweizer Regierung letztlich nur unter extremem Druck dazu bereit war, ist noch kein Beweis für einen schweizerischen Antisemitismus.»

Ein Werk gegen den Revisionismus

Dass notorische Holocaustlügner - wie etwa Jürgen Graf - trotz der Einführung des Antirassismus-Gesetzes auch bei uns nach wie vor äusserst aktiv sind, ist eine Tatsache, die auch Anwalt Richter beschäftigt: «Heute genügt es nicht mehr, auf die Geschichte und die verbundenen Fakten hinzuweisen. Denn Zahlen sind oft nur wenig plausibel. Wenn man jedoch anhand von einzelnen, konkreten Schicksalen aufzeigt, dass es den Holocaust und die Judenverfolgungen auch wirklich gegeben hat, dann kann mm die Menschen oft besser informieren als durch das reine Zitieren von Zahlenmaterial.» Das vorliegende Buch will denn auch klar ein historisches Werk sein, «ein Beitrag zum Kampf gegen den Revisionismus». Zudem will es einen kleinen Beitrag zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit bezüglich der geplanten Solidaritätsstiftung leisten. Mit «Eine Welt, die ihre Wirklichkeit verloren hatte ...» liegt jetzt ein Buch vor, das in der Schweiz erstmals in Wort und Bild dokumentiert, wie Überlebende des Holocaust dem Unvorstellbaren entronnen sind und in der Schweiz zu einem neuen Lebengefunden haben - finden mussten. Die unsäglichen Torturen des Naziregimes, die sie vor einem halben Jahrhundert erlitten, haben bis heute ihre Narben hinterlassen. «Leider hat die Vernichtung des europäischen Judentums, der Genozid an den Juden, die Völker Europas auch nach dem Zweiten Weltkrieg kalt gelassen», konstatiert Josef H. «Erst jetzt, 50 Jahre danach, regt sich das Gewissen der Völker, Und dennoch: Man wird immer wieder Zeuge von Genoziden, und was wird dagegen getan?»

Marc D. Herzka
© Jüdische Rundschau

haGalil 12-99

 

 

 


Theodor Herzls Altneuland 18.80Euro!


DE-Titel
US-Titel

Werben in haGalil?
Ihre Anzeige hier!

Advertize in haGalil?
Your Ad here!

haGalil.com ist kostenlos! Trotzdem: haGalil kostet Geld!

Die bei haGalil onLine und den angeschlossenen Domains veröffentlichten Texte spiegeln Meinungen und Kenntnisstand der jeweiligen Autoren.
Sie geben nicht unbedingt die Meinung der Herausgeber bzw. der Gesamtredaktion wieder.
haGalil onLine

[Impressum]
Kontakt: hagalil@hagalil.com
haGalil - Postfach 900504 - D-81505 München

1995-2006 © haGalil onLine® bzw. den angeg. Rechteinhabern
Munich - Tel Aviv - All Rights Reserved