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Judentum und Israel
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Die Zahl der rechtsextremen Straftaten steigt

Die Zahlen der Statistiker bleiben alarmierend: Im Jahr 2000 gab es deutlich mehr rechtsextreme Straftaten als im Jahr 1999. Bundesweit stieg die Anzahl der fremdenfeindlichen, rechtsextremen und antisemitischen Delikte nach Schätzung der Sicherheitsbehörden von 10.037 auf 14.000. Allein in NRW stieg die Zahl um das Doppelte auf 1450 an. 

Mag sein, dass die Gewalt von Rechts mehr in den Focus der Öffentlichkeit geraten ist. Denn gleichzeitig mit der wachsenden Aufmerksamkeit seit Sommer 2000, vermehrten sich auch die Straftaten. Das bedeutet: Wir stehen in Deutschland erst am Anfang einer nachhaltigen Bekämpfung rechter Umtriebe und nazistischer Gewalt. Appelle an Zivilcourage, Demonstrationen und Verbote reichen da nicht aus. Vielmehr müssen wir "Propaganda", die oft mit Halbwahrheiten argumentiert, auch als solche entlarven lernen. Jeder kann und muss (!) dem sich einschleichenden rechten Gedankengut Paroli bieten.

Unser Tipp:

"Ausländer nehmen uns
die Arbeitsplätze weg"

Rechtsradikale Propaganda
und wie man sie widerlegt

Jonas Lanig, Wilfried Stascheit (Hrsg.)
250 S., 16 x 23 cm, Pb.
ISBN 3-86072-394-4
Best.-Nr. 2394
27,- DM/sFr/197,- öS

"Ausländer nehmen uns die Arbeitsplätze weg", "Die machen sich hier ´nen lauen Lenz und wir Deutschen werden dafür vom Staat geschröpft." Diese und ähnliche Behauptungen kommen mittlerweile nicht mehr nur von ganz rechts. Sie sind Gemeingut an vielen Stammtischen. Rassismus reduziert den Menschen auf Herkunft oder Hautfarbe. Konfrontiert mit solch einem Unsinn steht man manchmal einfach nur sprachlos da. Und natürlich verschlägt es einem gerade da die Sprache, wo man griffige Gegenargumente bräuchte. Gegen diesen Argumentationsnotstand sind in diesem Buch Tatsachen und Fakten gesammelt, mit denen Sie sich den gängigsten, rassistischen Parolen gegenüberstellen können. Statistiken, Berichte, Interviews und andere Dokumente entkräften verbreitete Statements und widerlegen falsche und verdrehte Behauptungen. Damit Diskussionen mit "rechts" für Sie nicht zur Argumentationsfalle werden.

Seit 1990 mehr als 110 Übergriffe auf KZ-Gedenkstätten

Berlin (dpa) - Seit der Wiedereinigung 1990 hat es mehr als 110 rechtsextremistische Übergriffe im Bereich der KZ-Gedenkstätten gegeben. Allein im ehemaligen KZ Buchenwald gab es von Januar 1998 bis Sommer 2000 knapp 40 Vorfälle. Dies geht aus einer Dokumentation hervor, die der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma heute Bundesinnenminister Otto Schily vorlegte. Schily betonte, in der Öffentlichkeit dürfe sich nicht der Eindruck verfestigen, als ob in Deutschland diese extremistischen Kräfte ein neues Umfeld fänden.

 

Erinnern heißt wachsam bleiben
Pädagogische Arbeit in und mit
NS-Gedenkstätten
Tipps, Infos, Konzepte

Uwe Neirich
189 S., 16 x 23 cm, Pb.
ISBN 3-86072-459-2
Best.-Nr. 2459
29,85 DM/sFr/218,- öS


Jetzt ist es auch amtlich:
David Irving ist ein Rassist

Was man bisher lediglich seinen Schriften entnehmen konnte, hat das oberste Gericht Großbritanniens nun als legitim anerkannt: Der selbst ernannte Historiker darf straffrei als „Rassist, Antisemit und Holocaust-Leugner“ bezeichnet werden. Damit verlor Irving einen Prozess gegen die us-amerikanische Historikerin Deborah Lipstadt und deren Verlag Penguin Books, den er selbst angestrengt hatte. Lipstadt hatte Irving Geschichtsfälschung vorgeworfen. Irving stellt den Holocaust in Frage und behauptet unter anderem, die Gaskammern in Auschwitz seien nach dem Krieg von Polen gebaut worden. Die Nationalsozialisten hätten zwar Juden getötet, jedoch sei die Vernichtung nicht systematisch erfolgt. „Auf dem Rücksitz von Edward Kennedys Auto in Chappaquiddick sind mehr Frauen umgekommen als in den Gaskammern von Auschwitz.“ Das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau bezeichnet er als "Disneyland für Touristen".

Erschienen seine frühen Bücher z. B. noch als Vorabdruck im "Spiegel", hat Irving heute Einreiseverbot in Kanada, Australien, Deutschland und Italien. Gerne spricht er vor rechtsextremen Vereinen wie dem Ku-Klux-Klan, der deutschen DVU oder der französischen Front National. Aktive Rassisten wie David Irving oder Fred Leuchter, der mit Hilfe von Bodenanalysen nachweisen will, dass die Gaskammern nie in Betrieb waren, machen deshalb besonderen Eindruck, weil sie mit scheinbar wissenschaftlich fundierten Methoden arbeiten. Sie sind zwar nur eine winzig kleine "intellektuelle" Vorhut, ihr Einfluss aber auf die rechtsradikale Bewegung und auf Jugendliche, die Argumente für ihre Vorurteile suchen, ist nicht zu unterschätzen – umso mehr ein Grund, sich sachlich mit dem Völkermord und mit den Thesen der Holocaust-Leugner auseinander zu setzen.

 

"In Auschwitz wurde niemand vergast"
60 rechtsradikale Lügen und wie man sie widerlegt

Markus Tiedemann
Ab 13 J., 184 S., 16x23 cm, Pb.
ISBN 3-86072-275-1
Best.-Nr. 2275
25,- DM/sFr/183,- öS
Inhaltsverzeichnis (PDF)
Beispielseiten (PDF)

Erinnern heißt wachsam bleiben
Pädagogische Arbeit in
und mit NS-Gedenkstätten

Uwe Neirich
Ab 13 J., 189 S., 16 x 23 cm, Pb.
ISBN 3-86072-459-2
Best.-Nr. 2459
29,85 DM/sFr/218,- öS
Inhaltsverzeichnis (PDF)
Beispielseiten (PDF)

Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus

 

Ralf-Erik Posselt
Klaus Schuhmacher

Projekthandbuch: Gewalt und Rassismus

22.50 DM/164.00 öS/22.50 sFr
Altersstufen: 12 - 17
352 S., 15,3x22 cm , Pb.
ISBN: 3-86072-104-6
Best.-Nr. 2104

Das Buch setzt der Gewalt eine aktive, lebendige Lebensweise entgegen. Es setzt Fakten gegen Vorurteile, klopft Politikern auf die Finger und ermutigt, die Verhältnisse mit- und umzugestalten. Und es zeigt Alternativen auf: Multikulturelles Lernen, Zivilcourage, Umgehen mit Entfremdung, Zukunfts- und Ideenwerkstatt.

 

Klassen:

6 - 11

 

 

Erscheinungsjahr:

1993

Schulfächer:

Politik
Sozialkunde

Schulformen:

Jugendarbeit
Sek I

gegen Gewalt und jetzt gegen Rechtsradikalismus zu Felde gezogen. Mehr oder weniger spät (wenn überhaupt) sind Politik und Verwaltung gefolgt.
Die Krux solcher Kampagnen ist jedoch, dass sie immer zu spät kommen, wenn das Problem, das angegangen werden soll, bereits epidemische Ausmaße angenommen und tief im Leben der Jugendlichen verankert ist. Dabei handelt es sich immer nur um Krisenmaßnahmen, um den "Rettungswagen" an Stelle der Impfung, die die Krankheit schon im Vorfeld verhindert hätte.
Statt solcher Kampagnen brauchen wir Programme zur Prävention, die unseren Kindern die Fähigkeiten beibringen, die sie zur gemeinsamen Lebensbewältigung benötigen. Nur so hat eine menschenfreundliche Demokratie eine Chance.

Wilfried Stascheit (Text z.T. nach Daniel Goleman)
"Wer Courage hat, soll es zeigen!"
"Erziehung nach Auschwitz"
Literatur-Karteien zum Thema
(alle Sekundarstufe)
Literatur-Kartei:
"Anne Frank Tagebuch"
Literatur-Kartei:
"Damals war
es Friedrich"
Literatur-Kartei:
"Biedermann und
die Brandstifter"
Literatur-Kartei:
"Die Welle"
Prävention
Konflikte aushalten - Streiten lernen
Soziales Lernen
in der Grundschule
(Grundschule)       
Kinder lernen
zusammen streiten
und gemeinsam
Arbeiten
(Grundschule)
Hauen ist doof
(Grundschule)
Der wütende Willi
Bilderbuch

Der wütende Willi
Arbeitsmappe
(beides Grundschule)
Projekt:
Soziales Lernen
(Sekundarstufe)
Konflikte
selber lösen
(Sekundarstufe)
Kinder stark machen
Selbstvertrauen und
soziale Kompetenz
(Sekundarstufe)
Miteinander
klarkommen
(Sekundarstufe)
Klotzen Mädchen!
(Sekundarstufe       
Müssen Jungen
aggressiv sein?
(GS/Sek)

Schule gegen Rechts


Unmittelbare Auseinandersetzung
Aktuelle Arbeit
Projekthandbuch:
Gewalt und Rassismus
(Sekundarstufe)
Multikulti:
Konflikte konstruktiv
(Sekundarstufe)
"In Auschwitz wurde
niemand vergast"
(Sekundarstufe)
Erinnern heißt
wachsam bleiben
(Sekundarstufe)
Wer Courage hat,
soll es zeigen

Grundlegende Gedanken zum Rassisumus
Wenn du selber bedroht oder angegriffen wirst
Richtiges Verhalten in Bedrohungssituationen
Was du tun kannst
Rassismus in der Öffentlichkeit bekämpfen
Kontakt
SOS Rassismus-NRW

 

Wer Courage hat, soll es zeigen!
Was ich, du und wir im Alltag gegen Gewalt und Rassismus tun können
Gewalt und rassistische Übergriffe finden tagtäglich in der Schule, am Arbeitsplatz, auf der Straße, in der Bahn, in der Kneipe usw. statt. Viele Menschen reagieren verunsichert und schauen oder hören einfach weg. Sie merken kaum, dass sie damit selbst ein Klima von Gewalt fördern und verstärken.
Im Umgang mit Gewalt und Rassismus liegen heute viele positive Erfahrungen vor, die zeigen können, wie Gewalttäter/innen und Rassist/innen in die Schranken verwiesen werden können. Sie zeigen, was du und ich tun können, damit Gewalt und Rassismus erst gar nicht entsteht.

Weil Gewalttäter/innen und Rassist/innen es überhaupt nicht mögen, wenn sie und ihre Taten und Sprüche in die Öffentlichkeit gebracht werden, macht es Sinn, sie öffentlich zur Rede zu stellen und zur Rechenschaft zu ziehen. Oft versuchen sie uns lachend, mit ihren blöden Sprüchen und erniedrigenden Witzen, auf ihre Seite zu ziehen; meistens vertrauen sie darauf, dass ihnen keiner widerspricht oder wir ihnen keinen Widerstand entgegensetzten.
Einige grundsätzliche Gedanken:
Verwende keine Abwehrwaffen oder -geräte. Alle bisherigen Erfahrungen deuten darauf hin, dass die damit von dir ausgehenden Signale die Wut und die Gewalt der Angreifer/innen verstärken oder sogar scheinbar legitimieren. Außerdem wirst du nie sicher sein können, dass sich deine Waffe nicht plötzlich gegen dich selber richtet. Als Alternative gibt es Signalgeräte wie z.B. Trillerpfeifen oder kleine Alarmgeräte: Damit kannst du Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit herstellen und Täter/innen für eine erste Schrecksekunde stoppen. Auch einfache (billige) Photoapparate (mit Blitzlicht) haben aus sicherer Entfernung eine erhebliche Störwirkung. Gewalttäter/innen schrecken oft von ihrem Vorhaben zurück, wenn sie Angst haben müssen, wiedererkannt zu werden.
Es gibt keine richtigen Rezepte, Tips oder Verhaltensregeln. Jede Situation ist zuerst einmal abhängig von dir selber und deinen Fähigkeiten. Von daher empfehlen wir dir die Teilnahme an einem Gewalt- oder Rassismus- Deeskalationstraining*. Dort lernst du deine Möglichkeiten und Fähigkeiten (dir selber oder anderen zu helfen) zu entwickeln, sie selbstsicher und wirkungsvoller einzusetzen.
Was du tun kannst:
In der Öffentlichkeit
Mach den Mund auf, wenn du Zeuge von rassistischen Beschimpfungen und erniedrigenden Witzen wirst. Widerspreche laut und deutlich. Laß nicht zu, dass im Gespräch über Ausländer/innen oder Flüchtlinge eine verhetzende Sprache gebraucht wird. Weise darauf hin, dass niemand ohne Not seine Heimat verlässt und die Fluchtursachen sehr vielfältig sind.

Laßt Leute aus Zuwandererfamilien und Flüchtlinge zu Wort kommen und schafft Gelegenheiten, in denen Deutsche und solche Leute sich begegnen und verständigen können.

Wende dich mit Leserbriefen in der Zeitung gegen rassistische Aktionen und diskriminierende Berichterstattungen. Setz dich in solchen Briefen für ein Zusammenleben der Bevölkerung ein.

Fordere die Abgeordneten deines Wahlkreises auf, sich eindeutig gegen Gewalt und Rassismus zu wenden. Politiker/innen haben Vorbildfunktion. Frage sie nach ihrer Haltung zu diesem Problem!

Wende dich an die Medien, wenn diese eine Sprache oder Bilder verwenden, die Diskriminierung fördern, erzeugen oder billigen.

Nimm die Ängste und Probleme, die Menschen in deiner Nähe mit "Ausländer/innen" haben, ernst und respektiere sie. Greife die Ängste und Probleme auf und versuche, sie mit Sachargumenten zu entkräften. Jemand, der Angst, Bedenken oder Probleme hat, ist noch lange kein Rassist.

Stelle Strafanzeige bei der Polizei, wenn du mitbekommst, dass in deiner Umgebung rechtsextremistische Lieder, Computerspiele, Zeitschriften, Propaganda usw. kursieren. Informiere über deine Beobachtungen die verantwortlichen Parteien und Politiker/innen in deiner Stadt und frage nach, was sie unternehmen werden.
Bei Schlägereien:
Wenn Kinder, Jugendliche oder Erwachsene sich schlagen, schlage Alarm, mach Krach, stell Öffentlichkeit (aus sicherer Entfernung) her. Mach andere auf die Schlägerei aufmerksam und schick sie los, um Hilfe oder die Polizei zu holen.

Gewalttäter/innen haben Angst wiedererkannt und zur Rechenschaft gezogen zu werden. Also sprich sie direkt an (wenn Du einen Namen gehört hast) oder benenne deutliche Wiedererkennungsmerkmale: "Du mit der Stirnglatze, wir kennen dich, -hör auf ... wir haben schon die Polizei angerufen ..."
Viele Kinder und Jugendlichen behaupten, zur Rede gestellt, "alles wäre nur ein Spaß" gewesen. Sie werden schnell nachdenklich, wenn du die vorausgegangene "Gewalt" beim Namen nennen kannst: "Dann lass mal deinen Arm sehen, den roten Fleck (die blutende Lippe, das blaue Auge, die zerrissene Hose usw.), nennst du das einen Spaß? Ich nenne das Körperverletzung ... (und schon bist du in der Offensive).
In der Bahn, im Bus
In der Bahn, im Bus usw. wird jemand angegriffen, erniedrigt, verletzt. Die Mitfahrenden sind schockiert oder eingeschüchtert, sie wissen nicht, wie sie sich verhalten sollen. Folgendes kannst du tun:

Du kannst den/die Fahrer/in auffordern, die Polizei zu rufen. Er/sie ist verpflichtet, dies zu tun. Sonst kann er/sie wegen unterlassener Hilfeleistung belangt werden.

Wenn du nicht direkt zum/zur Fahrer/in gelangen kannst, kannst du diejenigen, die vorne sitzen, laut anschreien: "Der Fahrer soll die Polizei informieren."

Du kannst andere Mitfahrende auffordern, mit dir laut zu pfeifen und zu rufen. "Hört auf, hört auf!" Anfangs machen dabei wenige, dann i. d. R. immer mehr mit. Jetzt wird die Situation für Gewalttäter/innen riskant, weil sie unüberschaubar und unberechenbar ist. Sie scheuen das Risiko und versuchen wahrscheinlich sich vom Ort des Geschehens zu entfernen.

Je nach Sachlage und Situation kannst du auch den/die Fahrer/in auffordern, die Türen abzusperren, so dass sich die Täter/innen nicht entfernen können, bis die Polizei ankommt.

Es ist wichtig, möglichst viele Mitfahrende direkt anzusprechen und in die Verantwortung zu nehmen - um so stärker ist die Wirkung gegenüber den Angreifer/innen!
In der Kneipe:
Du bekommst mit, wie einige über die andere herziehen, sie beleidigen oder angreifen. Oder sie fangen an, rassistische Sprüche und Witze abzulassen. Wenn jemand versucht, die Leute zur Vernunft zu bringen, zeigen sie möglicherweise mit einem zackig gebrüllten "Heil Hitler", wer in dieser Kneipe das Sagen hat. Möglicherweise werden sie sogar gewalttätig und fangen an, "ausländisch" aussehende Gäste anzupöbeln.

Hol dir Hilfe! Bitte andere Gäste, gleichzeitig mit mehreren aufzustehen. Stellt euch, wenn ihr eine deutliche Mehrheit seit, zwischen oder um die Randalierer und fordert sie gemeinsam auf, aufzuhören.

Du kannst zum/r Wirt/in (oder zu Gästen mit Handy (Tel.110)) gehen und ihn/sie bitten, die Polizei anzurufen. Der/die Wirt/in hat die Pflicht, Straftaten in seinem Lokal zu verhindern. Wenn er/sie dieses Verhalten seiner Gäste duldet, kann ihn/sie das die Lizenz kosten.

Du kannst die Polizei selber anrufen und vor der Gaststätte auf sie warten. Da kannst du in Ruhe erklären, was passiert ist.
In der Fußgängerzone:
Laß dich in rassistischen oder gewalttätigen Situationen nicht provozieren! Gewalt entsteht oft, weil ein Wort das andere gibt.

Duze die Angreifer/in nicht. Andere Passanten könnten leicht einen rein privaten Konflikt vermuten.

Übernimm die "Regie", sprich andere Anwesende direkt und persönlich an: "Hallo, sie da im grünen Mantel, bitte helfen die mir, rufen sie sofort die Polizei!" Wenn diese/r Passant/in darauf reagiert, dann ist meist der Knoten geplatzt und der sogenannte Schneeballeffekt tritt ein. Jetzt kannst Du auch andere Passant/innen aktivieren. Für die Randalierer/innen wird jetzt die Situation schwierig. Sie sind überrascht, denn bisher war ihre Erfahrung, dass die Menschen gleichgültig oder verschüchtert reagieren.

Wichtig: Eine Anzeige bildet erfahrungsgemäß den besten Schutz vor erneuten rassistischen Gewalttaten, da die Täter/innen durch polizeiliche Ermittlungen und Gerichtsverfahren erhebliche Unannehmlichkeiten zu befürchten haben. Gewalttäter/innen müssen wissen, dass sie für ihre Untaten zur Rechenschaft gezogen werden. Die Polizei ist rund um die Uhr da: am schnellsten über den Notruf 110.
In deiner Stadt oder Gemeinde:
Trete dafür ein, dass das Thema "Verständigung mit Minderheiten" in den Bereichen Kinder- und Jugendarbeit, Schule, Kultur, Theater, Museen und Konzerte eingebunden und berücksichtigt wird.

Frage die Vereine (am besten schriftlich), wie viele Leute aus Zuwandererfamilien und Flüchtlinge bei ihnen Mitglied sind.

Versuche bei öffentlichen Veranstaltungen, Personen aus der Wirtschaft, Gewerkschaft, Kultur, Wissenschaft, Kirche, Initiativen, Stadt und Politik an einen "Runden Tisch" zu bekommen.

Organisiere Veranstaltungen, insbesondere zum Tag des Flüchtlings (Freitag, letzte Septemberwoche), Tag der Menschenrechte (10.12) oder zum Internationalen Antirassismustag (21.3.).
In der Nachbarschaft:
Sorge alleine oder mit anderen dafür, dass rassistische Parolen an Brücken, Mauern usw. beseitigt (oder verändert) werden. (So kann z.B. aus "Ausländer raus" leicht "Deutsche und Ausländer raus zum 1. Mai" o.ä. werden).

Frage schriftlich bei der Polizei an, was sie gegen rassistische Parolen unternimmt.

Eröffne Leuten aus Zuwandererfamilien und Flüchtlingen Treffpunkte (z.B. im kirchlichen Gemeindehaus, im Kulturzentrum, im Sport-Cafe usw.).

Unterstütze die Selbstorganisationen von Flüchtlingen und von Leuten aus Zuwandererfamilien.
Im Kindergarten und in der Schule:
Frage Erzieherinnen und Erzieher, Lehrerinnen und Lehrer, wie sie sich für Verständigung einsetzen und was sie gegen Gewalt und Rassismus unternehmen. Gleiches gilt für Elternbeiräte, Klassenpflegschaften, Schulkonferenzen und SV‘en. Meistens macht es Sinn, die Anfrage schriftlich zu stellen und später nachzuhaken.

Überprüft eure Beteiligung an dem Projekt "Schule Ohne Rassismus".

Fragt nach (und gebt Hinweise), ob Gewalt- und Rassismus- Deeskalationstrainings durchgeführt und angeboten werden.
Im Betrieb und bei der Arbeit:
Diskutiere mit deinen Kolleg/innen, ob sie dir bei deinen Vorhaben zur Verständigung helfen können und warum du das (was du machst) tust.

Nutzt eure Betriebszeitung, um über das Leben und die Geschichte von Leuten aus Zuwanderfamilien und Flüchtlingen zu berichten. Unterstützt Solidaritätsaktionen und berichtet darüber.
In der Religion:
Feiert all eure Feste mit Angehörigen anderer Religionen und ladet sie dazu ein. Laßt euch selber zu Festtagen anderer Religionen einladen, betone dabei das Gemeinsame und den Respekt vor dem anderen.

Bitte den Vorstand deiner Kirche oder Religionsgemeinschaft, den anderen Gemeinschaften zu deren Festen einen Brief mit Gratulation zu schreiben; mach es mit Deiner Gruppe selber.

Nehmt Kinder und Jugendliche aus Flüchtlings- und Zuwandererfamilien mit in Eure Ferienprojekte und Gruppen. Bietet ihnen Raum für Freizeit und ehrenamtliches Engagement.
Wenn du selber bedroht oder angegriffen wirst:
Vorbereiten!
Bereite dich auf mögliche Bedrohungssituationen seelisch vor: Spiel Situationen für dich allein und im Gespräch mit anderen durch. Werde dir grundsätzlich klar darüber, zu welchem persönlichen Risiko du bereit bist. Es ist besser, sofort die Polizei zu alarmieren und Hilfe herbeizuholen als sich nicht für oder gegen das Eingreifen entscheiden zu können und gar nichts zu tun.
Ruhig bleiben!
Panik und Hektik vermeiden und möglichst keine hastigen Bewegungen machen, die reflexartige Reaktionen herausfordern könnten. Wenn ich "in mir ruhe", bin ich kreativer in meinen Handlungen und wirke meist auch auf andere Beteiligte beruhigend!
Aktiv werden!
Wichtig ist, sich von der Angst nicht lähmen zu lassen. Eine Kleinigkeit zu tun ist besser, als über große Heldentaten nachzudenken. Wenn du Zeuge/in von Gewalt bist: Zeig, daß du bereit bist, gemäß deinen Möglichkeiten einzugreifen. Ein einziger Schritt, ein kurzes Ansprechen, jede Aktion verändert die Situation und kann andere dazu anregen, ihrerseits einzugreifen.
Geh aus der dir zugewiesenen Opferrolle!
Wenn du angegriffen wirst: Flehe nicht und verhalte dich nicht unterwürfig. Sei dir über deine Prioritäten im klaren und zeige deutlich, was du willst. Ergreif die Initiative, um die Situation in deinem Sinne zu prägen: Schreib dein eigenes Drehbuch!
Halte den Kontakt zum/r Angreifer/in!
Stelle Blickkontakt her und versuche, Kommunikation herzustellen bzw. aufrechtzuerhalten.
Reden und zuhören!
Teile das Offensichtliche mit, sprich ruhig, laut und deutlich. Hör zu, was dein/e Gegner/in bzw. Angreifer/in sagt. Aus seinen/ihren Antworten kannst du deine nächsten Schritte ableiten.
Nicht drohen oder beleidigen!
Mach keine geringschätzigen Äußerungen über den/die Angreifer/in. Versuche nicht, ihn/sie einzuschüchtern, ihm/ihr zu drohen oder Angst zu machen. Kritisier das Verhalten, aber werte ihn/sie persönlich nicht ab (Klar in der Sprache – mäßigend im Ton).
Hole dir Hilfe!
Sprich nicht eine anonyme Masse an, sondern einzelne Personen. Dies gilt sowohl für Opfer als auch für Zuschauer/innen. Sie sind bereit zu helfen, wenn jemand anderes den ersten Schritt macht oder sie persönlich angesprochen werden.
Tu das Unerwartete!
Fall aus der Rolle, sei kreativ und nutz den Überraschungseffekt zu deinem Vorteil aus.
Vermeide möglichst jeden Körperkontakt!
Wenn du jemandem zu Hilfe kommst, vermeide es möglichst, den/die Angreifer/in anzufassen, es sei denn, ihr seid in der Überzahl, so daß ihr jemanden beruhigend festhalten könnt. Körperkontakt ist in der Regel eine Grenzüberschreitung, die zu weiterer Gewalt führen kann. Wenn nötig, nimm lieber direkten Kontakt zum Opfer auf.
Aktives gewaltfreies Verhalten ist erlernbar.
Indem wir uns unsere Ängste und Handlungsgrenzen bewußt machen, erfahren wir gleichzeitig auch mehr über den Bereich, der zwischen diesen Grenzen liegt. Oft unterschätzen wir die Vielfalt unserer Möglichkeiten. In Rollenspielen und konkreten Übungen zum Umfang mit direkter Gewalt können wir neue kreative Antworten auf Konfliktsituationen entdecken. Gewalt- und Rassismus- Deeskalationstrainings* bieten uns die Chance, bisher ungewohntes Verhalten auszuprobieren, einzuüben und auf seine Wirkungen hin zu überprüfen.
*Eskalation ist die stufenweise Steigerung und Verschärfung vorhandener Mittel (z.B. Gewalt), um ein Ziel zu erreichen. Dieser Begriff wird häufig im militärischen und politischen Bereich verwendet, wenn es um Gewalt geht.
Deeskalation bezeichnet exakt das Gegenteil.

Deeskalations - Trainings bietet an: SOS-Rassismus-NRW. Dort kann ein ausführliches Info und ein Trainer/innen-Verzeichnis bestellt werden.
Shirin Pargas + Sabine Schlüter
Dieser Text der SOS-Rassismus NRW ist frei kopierbar. Weitere Informationen unter www.sos-rassismus-nrw.de oder:

Villigster Deeskalationsteam Gewalt und Rassismus
c/o Amt für Jugendarbeit in der EKvW
Haus Villigst, 58239 Schwerte
Tel.:02304/755190, Fax: 02304/755248
g.kirchhoff@aej-haus-villigst.de
 

 


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