Grandhotel Bulgaria
Das Ende des Kommunismus war für die Völker Osteuropas der Beginn einer
Hoffnung und zugleich eine Reises ins gesellschaftliche und ökonomische Elend.
Eine Schriftstellerin wie Angelika Schrobsdorff, die dort acht Jahre ihres
Lebens verbracht hat, kann das nicht kalt lassen. Sie kennt die Verhältnisse,
hat sie doch als Kind mit ihrer Mutter, einer deutschen Jüdin, den Naziterror in
Bulgarien überlebt. Jetzt will sie selbst helfen. Als sie Anfang Dezember 1996
ein Anruf aus Sofia erreichte und eine Freundin ihr von der Not und der
Bedrückung der Menschen erzählte, machte sie sich spontan auf den weg. Sie
setzte sich in ihrer neugefundenen Heimat in ein Flugzeug und flog in das Land
ihres ehemaligen Exils. Während ihres Aufenthaltes führte sie Gespräche mit
alten und neuen Freunden und erlebte am Jahreswechsel den Beginn der
Demonstrationen gegen die letzten Überreste des autoritären Regimes. Ihr
Tagebuch ist ein Bericht aus erster Hand und ein erstaunliches literarisches
Dokument.
Von der Erinnerung geweckt
Begegnungen, Erlebnisse, Fragen. „Ich habe immer geschrieben", sagt
Angelika Schrobsdorff. "Ich habe gar nicht anders gekonnt." Ein Schicksal, das
sie von Berlin über Bulgarien, München, New York und Paris nach Jerusalem
führte, ist zum Anlaß für tausend Geschichten geworden. Fünfzehn der besten
enthält dieses Buch.
Jerusalem war immer ein schwere Adresse
Eine Stimme des Friedens in Israel: "Ich erinnere mich genau, wann die
Unruhen anfingen, denn am selben Tag ging mein Telefon kaputt..." Die 'Unruhen',
das ist der passive Widerstand, die Rebellion, der Aufstand der Palästinenser,
die 'Intifada'. Angelika Schrobsdorff begegnet ihr hautnah, denn ihre Wohnung
liegt auf der grünen Grenze unweit der Altstadt von Jerusalem. Hier lebt sie mit
jüdischen und arabischen Nachbarn zusammen. Ihre genaue Beobachtungsgabe, ihre
Ehrlichkeit und sanfte Ironie geben diesem Bericht über einen scheinbar
aussichtslosen Konflikt zweier Völker seine befreiende Wirkung.