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Wer liebt den Mammon über alles, über alles in der Welt?
Die Nutzniesser der Mörder wollen die Beute behalten

Da die Themen Wiedergutmachung - Entschädigungen - Rückgabe geraubten Gutes - Arisierungsgewinne... immer breiteren Raum einzunehmen beginnen und das deutsche Finanzministeruium, als auch Vorstandsetagen der deutschen Top-Wirtschaft immer unsicherer werden, ob es den ehemaligen stillen Opfern nicht doch noch - kurz vor dem Ersehnten Abschluss der Akten - gelingen koennte ihre seit Jahrzehnten angemeldeten und auf taube Ohren treffenden Forderungen durchzusetzen, wollen wir ein wenig Transparenz in diese Diskussion bringen: Fakten.

Hier also die Daten der bereits geleisteten Zahlungen zum ersten Halbjahr 1998: In diesem Zeitraum (Jan.'98 - Juli'98) erhielten 'Verfolgte des NS-Regimes' insgesamt 377.000.000,-DM. Die als Einmalbeihilfen gedachten Beträge wurden, nach einem Regierungsbericht aus Bonnn, an die Jewish Claims Conference ausbezahlt. Der empfangsberechtigte Personenkreis umfasste fast 80.000 Menschen. 35.500 der Empfänger leben in Israel, 35.000 in den USA. Über 30.000 der eingereichten Anträge (ca. 30%) wurden abgelehnt. Im Durchschnitt betrugen die einmaligen Beihilfen also ca. 4.700.-DM. Alle als empfangsberechtigt anerkannten Personen mussten zweifelsfrei nachweisen, dass sie als ehem. Zwangsarbeiter, ehem. in Konzentrationslagern Festgehaltene, ehem. in ein Ghetto Gezwungene oder in Illegalität Überlebende durch den NS-Terror erheblichen seelischen oder körperlichen Schaden erlitten haben.

Bei diesen Zahlen ist zu bedenken, dass es sich um Einmalzahlungen handelt. Diese kommen ca. 60 Jahre nach Schädigung zur Auszahlung. In der 'normalen' Rechtssprechung werden einbehaltene Schadensansprüche nach üblichem Satz verzinst und zinsesverzinst. Nehmen wir hier einmal einen eher niedrigen Zinssatz von 5%, so wollen wir es unseren Lesern überlassen, welcher Grundbetrag eigentlich angesetzt wurde.

Hinweisen wollen wir auch auf die enorme Diskrepanz zwischen Aussage und Praxis: Die Aussage war, dass sich die BRD zur Verantwortung bekennt. Dass sie das geschehene Unrecht anerkennt und alles in ihrer Macht stehende zur 'Wiedergutmachung' tun möchte. Die Praxis war ein Aussitzen vieler Forderungen - über Jahrzehnte hinweg. Die einbehaltenen Beträge wurden in der Zwischenzeit in den Aufbau der deutschen Wirtschaft investiert.

Alleine für das Aushandeln einer - 60 Jahre später ohnehin nur noch symbolischen - Entschädigung für die tschechischen Nazi-Opfer, hat sich die letzte Bundesregierung zehn Jahre Zeit genommen. Gerade in diesen zehn Jahren sind sehr viele der 'Opfer' gestorben. Herauskam die Verpflichtung der BRD zur Gesamtzahlung von ca. 2,50DM pro Bundesbürger. Während dieser zehn Jahre war das Verhandlungsgeschehen oft genug Thema der Presse. Um was es eigentlich ging, war nicht ganz klar. Welcher Eindruck enstand war aber schon vorher klar: 'Die Juden kriegen den Hals nie voll'. 'Wielange sollen wir denn noch zahlen'. ... Eine solche Reaktion hätte jeder verantwortlichen Bundesregierung von vorneherein klar sein müssen. Kaum eine Haushaltsdebatte (incl. der Debatte um den Euro-Fighter) hat sich stärker eingeprägt als eben die um die Entschädigungszahlungen. Der letzten Bundesregierung eiskalt kalkuliertes Spiel mit dem Bild des Geldjuden vorzuwerfen wäre in der Tat spekulativ. Ihr besondere Sensibilität in Belangen der Vergangenheitsverantwortung zu bescheinigen (wie durch Herrn Bubis im Zuge der Mahnmalsdebatte geschehen) ist allerdings blanker Hohn.

Heute sind die Kassen leer. Die Nachfolger dieser Bundesregierung entdecken riesige Finanzlöcher. Die ausgesessenen Forderungen sind deshalb noch lange nicht vom Tisch.

In Vorstandskreisen der deutschen Industrie, wie auch in Waigels Finanzministerium, gibt man sich überrascht und verwundert über das Ausmaß der Forderungen. Ehrlich wäre es endlich zu erkennen - und zuzugeben, dass es mit dem Willen zur 'Wiedergutmachung' nicht soweit her war, dass das Ausmass der jetzt noch anstehenden Forderungen nur das Mass der eigenen Dickhäutigkeit, des eigenen Aussitzvermögens und der ungeheuerlichen Überheblichkeit und Unverschämtheit der Auftraggeber und Ihrer Nutzniesser, die die Beute des Massenmords gerne behalten wollten, war. Wem es wirklich leid ist, um das zugefügte Leid, der errichtet kein Paragraphengestrüpp, um jedes Einklagen der geraubten Beute kühl und brillant abzuschmettern.

Es geht nicht nur darum wieviel bezahlt wird, sondern auch wie es gegeben wird.
Im gegeben Fall stimmt weder das Wieviel noch das Wie!

haGalil onLine - okt. 1998
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